„Der Friedrich-Hölderlin-Preis ist ein Nachwuchs-Förderpreis, für den keine Bewerbungen möglich sind. “ So stehts bei tuebingen.de. Gefördert wurden bisher u.a. das Theater Lindenhof Melchingen, der Herausgeber D. E. Sattler, der Komponist György Kurtág sowie die Lyriker Jan Wagner, Andrea Zanzotto, Marcel Beyer, Thomas Rosenlöcher, Philippe Jaccottet und Uwe Kolbe. In diesem Jahr nun Nobelpreisträgerin Herta Müller. (Schöner Nachwuchs)
„Die Auszeichnung werde der Schriftstellerin am 11. Dezember verliehen, teilte die Uni am Montag mit. Herta Müller repräsentiere virtuose Sprachgenauigkeit, eine klare Haltung und Unbestechlichkeit so überzeugend wie kaum jemand sonst, lobte die Jury.“ (Die Welt)
Der Lyriker Ulf Stolterfoht wird mit dem London-Stipendium des Deutschen Literaturfonds geehrt.
Es wird seit 2005 nach dem Modell des New-York-Stipendiums vergeben. Kooperationspartner ist das Queen Mary College der University of London, das für die Unterbringung sorgt, während der Literaturfonds die Reisekosten und 7.500 Euro für den Lebensunterhalt zur Verfügung stellt.
Symbolisch überreicht wird die Ehrung am Abend des 6. November im Literaturhaus in Darmstadt, gemeinsam mit dem New-York-Stipendium und dem Kranichsteiner Literaturpreis.
Die diesjährige Jury bestand aus Maike Albath, Maria Gazzetti und Wilfried F. Schoeller.
Richard Blanco, who was President Obama’s inaugural poet in 2013, has written a poem to honor the reopening of the U.S. embassy in Havana, Cuba on Friday, Aug. 14.
The son of Cuban exiles, Blanco was commissioned to write “Matters of the Sea/Cosas del Mar,” by the U.S. State Department. He will travel to Havana to read the poem in person at the historic flag-raising ceremony.
“Matters of the Sea is one of the most emotionally complex and personal poems I’ve ever written, invested with all my love for the people of two countries that are part of my very being,” said Blanco, in a statement released by the University of Pittsburgh Press. “As with the presidential inauguration in 2013, I am once again humbled and honored to participate as a poet in another significant historic moment.”
University of Pittsburgh Press will publish “Matters of the Sea/Cosas del Mar” as a bilingual paperback chapbook… / Maggie Galehouse, blog.chron.com
Seamus Heaney’s famous line to „walk on air against your better judgement“ has been inscribed as an epitaph on his gravestone.
The quote from his 1995 Nobel Prize for Literature acceptance speech was placed over the Irish poet’s grave in Northern Ireland earlier this week. It was included in a poem called The Gravel Walks.
Heaney, who died almost two years ago aged 74, was the country’s best known contemporary writer. He also created a bestseller from a translation of Beowulf and sold more books in Britain than any other living poet during his lifetime.
He is buried in Bellaghy, Co Derry, his birthplace and the inspiration for much of his early work.
(…)
The line is taken from the final stanza of The Gravel Walks, the full verse of which reads:
So walk on air against your better judgement
Establishing yourself somewhere in between
Those solid batches mixed with grey cement
And a tune called The Gravel Walks that conjures green.
/ Michael McHugh, independent.ie
„Form follows function“, behauptete das Bauhaus einst erfolgreich. Und heute? Welche Stile folgen aus inneren Einstellungen? Insa Wilke sieht sich in der Lyrik-Szene um, die so cool, so wütend und manch anderes ist, dass man nur staunen kann.
Manuskript zur Sendung als PDF-Dokument oder im barrierefreien Textformat.
DLR-Lyriksommer
Vor drei Jahren ließ Deutschlandradio Kultur erstmals einen ganzen Monat lang über den Tag verstreut Gedichte ausstrahlen und über sie sprechen. Heute ist Lyrik en vogue und aus der Mitleidsecke heraus. Das ist die Gelegenheit, sich endlich ohne Nebengedanken, ohne Artenschutzsentiment den Gedichten selbst zuwenden und sie so wahrzunehmen wie seit Jahrhunderten die Prosa: kritisch und enthusiastisch. Daher sendet Deutschlandradio Kultur im August jeden Tag ein Gedicht, widmet sich die Lesart der Lyrik in Gesprächen, erkunden die Zeitfragen am Freitag um 19.30 Uhr und die Literatur am Sonntagmorgen um 0:05 Uhr lyrische Gefilde. Kooperationspartner ist lyrikline.org.
im Lärm der Flugschneise verharrt in stoischem Gleichmut am Teichufer reglos ein Graureiher
Hansjürgen Bulkowski
Afrikanische Lyrik scheint aus lauter Konstruktionsfehlern zu bestehen. Sie muss die Angst vor dem Verstummen überwinden, muss den Raubeliten des Kontinents die Stirn bieten, um die Schrift erst einmal als eine die Welt ordnende Kraft zu behaupten; zugleich möchte sie sich jenem Wort entziehen, das in Afrika die Formen von Kosmologien, Predigten und Lovesongs angenommen hat – der Senegalese Amadou Lamine Sall appelliert heute an die jungen Dichter seines Landes, die Nationalsprachen zu benutzen anstatt sich zwanghaft auf Französisch auszudrücken; – und schließlich muss es afrikanische Lyrik auch noch mit dem arabischer Paternalismus aufzunehmen, der davon ausgeht, dass die afrikanischen Muslime zu wahren Muslimen gemacht werden müssten. / Wolfgang Koch, taz.blogs
“No sweeter music can come to my ears,” Robert Frost once wrote a friend, “than the clash of arms over my dead body when I am down.”
Frost’s ghost, then, can be grateful to New York Times poetry columnist and Cornell University prof David Orr for this book. It will certainly stir up the kind of tumult that the poet — whom many remember as a kindly if eccentric New England farmer and many others regard as an egomaniacal monster — would have enjoyed.
Orr lays out the battle lines on the book’s cover: “Finding America in the Poem Everybody Loves and Almost Everyone Gets Wrong.” That’s a lot to promise in a subtitle: that the poem most of us have heard proclaimed at commencement exercises, weddings and funerals; have memorized and written school themes about; have Googled — more than any other poem in the English language, Orr reports — and have even had pitched to us in advertisements for Mentos and Nicorette, is also a poem most of us do not understand. That the poet has, in effect, bamboozled us. Frost would like that, too. / Bill Marvel, Dallas News
David Orr: The Road Not Taken: Finding America in the Poem Everyone Loves and Almost Everyone Gets Wrong
(Penguin, $25.95)
Wurde schon im ersten Gedicht Manhattan, also New York, nur einmal tituliert, entfernt sich im zweiten Gedicht der Fokus immer weiter von der City, und allein Begriffe wie ’Terror’ oder ’Aufwind, Abwind’ gemahnen an die Anschläge. Von Opfern und Tätern ist keine Rede mehr. Tatsächlich bleibt New York allein als allgemeine Großstadt und Ort urbaner Entropie wichtig. Durs Grünbein, dessen Lyrik vielfach von Arealen metropolen Lebens beeinflusst ist, bemerkt:
Zugegeben, ich fühle mich in unbesiedelten Landschaften haltloser als in Metropolen mit ihrer heroischen Urbanität. […] Das heißt, im Stadtraum behält man die Deutungshoheit über das, was einem begegnet. […] In New York oder Moskau bleibt man an seinesgleichen gefesselt, man erkennt sich im trüben Brei der Geschäfte und Leidenschaften wieder und bleibt Herr über die eigene Zeit. […] Die Metropole […] belebt sämtliche Gehirnfunktionen.
/ Nathalie Mispagel, literaturkritik.de
Erstaunlich ist, welche Ähnlichkeiten Nerudas und Theodorakis’ Lebenswege haben, trotz ihres Altersunterschieds und der unterschiedlichen Geschichte ihrer Länder. Beide erleben Bürgerkriege, Neruda in Spanien, Theodorakis in Griechenland. Beide werden politisch verfolgt und müssen im Exil leben. Beide sind gewählte Parlamentsabgeordnete. Neruda arbeitet lange Jahre im diplomatischen Dienst Chiles als Konsul und Botschafter, Theodorakis ist zwei Jahre lang Minister in der Regierung von Konstantinos Mitsotakis.
In Kindheit und Jugend liegen die Schlüsselerlebnisse beider, die ihre Identität und Persönlichkeit formen: Neruda sagt: »Die Menschenmenge ist die Lehre meines Lebens gewesen […] kaum bin ich in ihrer Mitte […] bin ich Teil der wesenhaften Mehrheit, bin ich ein Blatt mehr des großen menschlichen Baums […] Denkwürdig und herzbewegend für den Dichter ist es, für viele Menschen eine Minute lang Hoffnung verkörpert zu haben.« (1979 in seinen Memoiren »Ich bekenne, ich habe gelebt«) Und Theodorakis schreibt: »Ich suchte Gott und fand den Arbeiter« (1987 in seiner Autobiographie »Die Wege des Erzengels«).
Canto General bedeutet wörtlich »Allgemeiner Gesang«, wird aber oft als »Der große Gesang« betitelt. Theodorakis und Neruda verfolgen mit ihren Werken dasselbe Ziel: Neue Inhalte verständlich zu gestalten, damit sie auch den Menschen zugänglich sind, die nicht das Glück hatten, eine umfangreiche Bildung zu erhalten. Die Botschaft von Musik und Text ist der Ruf nach Selbstbestimmung, Freiheit und Unabhängigkeit der Völker.
(…)
Wie kam es zur Auswahl der von Theodorakis vertonten 13 Teile aus dem Gedichtszyklus? Hierzu äußert Theodorakis sich 1983: »Bei meiner ersten Begegnung mit Allende in seinem Haus auf einem Hügel über Santiago erzählte ich ihm, dass ich den Canto General gehört hatte und diese Dichtung vertonen möchte. Mein Wunsch sei nur, das Werk zum ersten Mal in Chile aufzuführen. Allende war sofort von der Idee begeistert und und ließ sich seine Ausgabe des Canto bringen. Da ich kein Spanisch verstand, fragte ich, mit welchem Gedicht ich anfangen sollte, und Allende selbst markierte mit einem blauen Stift die Gedichte, die sich seiner Meinung nach besonders dafür eigneten.
Später, als ich Neruda traf, vervollständigte er mir mit einem roten Stift die Auswahl. »An meine Partei« ist interessanterweise von Allende angekreuzt worden. »Ich werde leben« auch. Neruda kreuzte das Gedicht »Die große Freude« an und den »Flüchtling«. Neruda sagte: ›Das ist mein Leben, und es ist auch dein Leben‹. Ich habe natürlich nicht alle Gedichte vertont, denn man kann aus dem Canto General zweihundert Oratorien machen!« / Gerhard Folkerts, junge Welt
Zuletzt liest Lydia Daher, die Lyrik schreibt, die immer abgedunkelt und zuweilen düster ist. „Die Schwere von Kreuzberg“ heißt ein Text über den gleichnamigen Berliner Stadtteil. Entstanden sei der Text, „als Kreuzberg noch dreckig war“, sagt die Autorin. „Uns bleibt nicht mal Paris“ heißt einer. „Russland hat drei Satelliten verloren“, beginnt ein anderer. „Für die Zukunft habe ich meinen Drei-Punkte-Plan“, liest sie kurz vor Schluss. „Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen.“ / Aus einem Bericht der Rheinischen Post über die Hinterhoflesung in Düsseldorf
Die nächsten Hinterhoflesungen: 20. August, 19 Uhr, Martinstraße 58, mit Jaromir Konecny, André Herrmann und Sven Hensel; 27. August, 19 Uhr, Krahestraße 20, mit Jochen Schmidt, Theresa Hahl und Lisa Schøyen
Im taz-Blog setzt Wolfgang Koch seine Auseinandersetzung mit der Afrikaanthologie von Al Imfeld fort. Auszug:
In dieser Anthologie herrscht eine mystische Unzufriedenheit, ein episches Leiden an den politischen und gesellschaftlichen Zuständen. Afrika, behauptet einer, sei belastet mit genug Leiden, um den ganzen Planeten zu versenken. Überall Schurken, Halsabschneider, »Tagediebe unseres Schweisses«, die ihr Leben lang herumsitzen und die Afrikaner verspotten.
(…) Schwärze gilt als Grund aller auftauchenden Probleme. Unvernunft, Unsinn, Prostitution. »Die Welt treibt den Ekel immer weiter/ Und wird in ihr Gegenteil verkehrt«.
(…) [Diese afrikanischen AutorInnen] erheben Anspruch auf ihre Aussätzigkeit, auf lange und schaurige Seelenqualen. Das Ergebnis sind säkulare Ersatzpredigten, überpädagogische Sonntagsreden, moralinsaures Geschwafel. In den Sprüchen vietnamesischer Reisbauern liegt mehr Weisheit als im Gros dieser afrikanischen Lyrik.
(…)
Vielleicht werden die literarischen Kosmen Europas und Afrikas, wenn sich der Rauch des Anklagens und Wohlmeinens einmal verzogen hat, doch noch in den aufmerksamen Dialog der Lektüren treten.
Egal, wo man diese Sammlung aufschlägt, fragt man sich nach ein paar Minuten: Besitzt Afrika wirklich nur so wenige gute SchriftstellerInnen, oder verfälscht hier der Schweizer Herausgeber das Bild durch seine sozialphilosophische Brille?
Ich denke, der Hang zum Moralisieren, der ist in den Köpfen dieser Dichtergenerationen schon da. (…)
Wenn Literatur unbedingt politisch wirken will, worin ich keinen Fortschritt zu sehen vermag, so ist es der sicherste Weg ihren Inhalt durch den politischen Gegner definieren zu lassen. Also, welche Dichter und welche Werke haben denn in den letzten Jahren öffentliche Erregung und staatliches Handeln in Afrika nach sich gezogen?
Das erste Werk des 2011 verhafteten Kameruner Schriftstellers und Historikers Dieudonné Enoh Meyomesse war ein Gedichtbuch; – das wäre ein würdiges politisches Objekt der Übersetzungtätigkeit gewesen.
Der ivorische Schriftsteller Josué Guébo hat im Vorjahr mit Songe à Lampedusa/ Denk an Lampedusa für Aufsehen gesorgt. Das hätten wir bestimmt als ein erinnerungswertes politisches Statement aufgefasst.
© Wolfgang Koch 2015
Al Imfeld (Hg.): Afrika im Gedicht, 586 Poeme auf 815 Seiten, zweisprachig abgedruckt, Offizin Verlag, Zürich 2015, ISBN 978-3-906276-03-8, EUR 60,-
Vgl. hier
Der Schriftsteller Navid Kermani sprach mit dem Magazin Eulenfisch über den Skandal der europäischen Flüchtlingspolitik.
Die Fragen stellte Christopher Paul Campbell
Sie gingen bereits 2001 in Ihren detailreichen Aufsätzen und Reportagen, etwa in »Zwischen Koran und Kafka. West-östliche Erkundungen«, aufgrund von Beobachtungen, die sie auf ihren Reisen in Nordafrika und dem südeuropäischen Mittelmeerraum gemacht haben mit Europa hart ins Gericht. Manche sagen, sie schimpfen über Europa. Stimmt das?
Ich schimpfe über Europa, weil es mir etwas bedeutet. Diese oft belächelte oder so verächtlich gemachte Europäische Union ist ja eine der größten Errungenschaften in der Menschheitsgeschichte.
Sie sagen: Europa tötet jeden Tag. Was ist an diesem Projekt gelungen?
Frieden zu schaffen auf einem so kriegerischen, vom Nationalismus entstellten Kontinent. Ich kann mich an meine eigene Schulzeit erinnern, da hatten meine deutschen Mitschüler noch in den frühen 80er Jahren Probleme, eine französische Gastfamilie zu bekommen, weil die meisten französischen Großeltern keinen Deutschen bei sich zu Hause haben wollten. Deutsche sollten nicht mal ihr Haus betreten dürfen, so zerrüttet waren die Verhältnisse noch. Aber das europäische Projekt ist nicht nur ein Friedensprojekt, es ist auch ein Projekt der Aufklärung. Es wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von klugen, ja genialen Politikern verwirklicht, aber als Projekt wurde es im 19. Jahrhundert von Dichtern und Denkern geschaffen, gerade auch solchen, die nicht zur Mehrheitsbevölkerung gehörten, um einen heutigen Begriff zu verwenden.
Was trugen kulturelle und religiöse Minderheiten zum Projekt Europa bei?
Besonders in Auseinandersetzung mit dem Aufkommen von Nationalismus und nationalem Chauvinismus sind sie relevant. Nationalistische Chauvinismen in allen gesellschaftlichen Schichten versuchen, alle anders denkenden Gruppen und vor allem die kulturellen Minderheiten an den Rand der Gesellschaft zu drängen. Gerade das späte 19. Jahrhundert zeigt, wie sehr etwa jüdische Intellektuelle Vorreiter des europäischen Projekts waren, indem sie auf Teilhabe drängten. Aussicht auf gleiche Rechte hatten die Minderheiten und hatten speziell die Juden nur innerhalb eines gemeinsamen europäischen, also multiethnischen, multikulturellen Gemeinwesens. / Weiter
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