Worldwide Reading for Ashraf Fayadh on 14th January, 2016

Life and Freedom for Ashraf Fayadh

Appeal for a worldwide reading on 14th January, 2016

Poster Worldwide Reading Ashraf FayadhOhne Titel 4

The international literature festival Berlin (ilb) calls on all individuals, institutions, schools and media outlets that care about justice and freedom to participate in a worldwide reading of selected poems and other texts in support of Ashraf Fayadh, on 14 January 2016.

Ashraf Fayadh, a 35 year-old Palestinian poet and art curator, who lives in Saudi Arabia, has been sentenced to death by a Saudi court on 17 November 2015 for the “crime” of apostasy. He was denied access to a lawyer throughout his detention and trial.

Fayadh has been a key figure in taking Saudi contemporary art to a global audience. Chris Dercon, the director of Tate Modern, and a friend of the poet, described him as “someone who is outspoken and daring.”

Besides renouncing Islam, Fayadh also stands accused of blaspheming and promoting atheism through his collection of poetry, Instructions Within, published in 2008. Fayadh has asserted that the poems are “just about me being [a] Palestinian refugee … about cultural and philosophical issues. But the religious extremists explained it as destructive ideas against God.”

The charges, coupled with the lack of due legal process, show that it is
not Fayadh who is guilty but rather Saudi Arabia that is once again guilty
of disregarding human rights and the rule of law. In various surveys the kingdom continually ranks as one of the least free countries in the world. According to Human Rights Watch, Saudi Arabia’s ever more repressive laws now criminalize free expression and give the authorities excessive police powers that are not subject to judicial oversight.

Ashraf Fayadh’s case is not the story of one man, but a symbol for all
the victims of a deeply repressive regime that is supported by Western governments who claim to value freedom and democracy above all. Right now Saudi Arabia sits on the UN Human Rights Council, a body whose members are supposedly those who uphold the highest standards of civil liberties. Saudi Arabia is there since 2013 thanks to secret vote-trading deals conducted with the UK, as revealed by Wikileaks. Other Western countries keep weapons and legitimacy streaming towards Saudi Arabia in order to keep oil flowing towards themselves. Caught in the current are ordinary people like Ashraf Fayadh, whose rights go unheeded in the kingdom and abroad.

Amidst all the recent outrage expressed by Western leaders against IS, in the rhetoric of war and threats of retribution, there has not been a word about Saudi Arabia’s role in helping to promulgate the virulent form of Islam practiced by IS. There is no doubt about the overlaps in their ideology: both certainly endorse lashing or beheading (on the latter front Saudi Arabia actually outdid IS in the last year) anyone who does not share their views.

With this worldwide reading, we demand that the UK and US governments intervene on behalf of Ashraf Fayadh as a first step towards pressuring Saudi Arabia to raise its human rights standards.

We further demand that the United Nations suspend Saudi Arabia from the Human Rights Council until its abysmal record on upholding civil liberties improves.

We also call on Western governments, especially in the UK and the US, to acknowledge the problems inherent in maintaining cozy, unquestioning relations with a country renowned for systematic human rights abuses.

Please contact the ilb if you would like to participate.

worldwidereading@literaturfestival.com

The appeal is signed by:

Algeria Yahia Belaskri, Rachid Boudjedra, Yasmina Khadra, Mohamed Magani, Habib Tengour | Argentina Gabriela Cabezón Cámara, Oliverio Coelho, Diego Fonseca, Mariana Chiesa Mateos, Alberto Manguel, Sylvia Molloy, Samanta Schweblin, Luisa Valenzuela | Australia Brian Castro, Peter Goldsworthy, Gail Jones, Thomas Keneally | Austria Josef Haslinger, Gerald Jatzek, Elfriede Jelinek, Peter Stephan Jungk, Peter Pabisch, Robert Schindel, Raoul Schrott | Bahrain Fareed Ramadan | Belgium

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Saudi-Arabien wird sich eines Tages dafür verantworten müssen

Der marokkanische Dichter Tahar Ben Jelloun über das Urteil gegen Ashraf Fayadh:

Am 17. November verurteilte ein saudisches Gericht Ashraf Fayadh, einen palästinensischen Dichter, der in Saudi-Arabien lebt, zum Tode. Er ist 37 Jahre alt. Tod wegen Apostasie. Seine Poesie ist nicht nach dem Geschmack des wahhabitischen Scharia. Es stimmt,  in diesem Land ist es nicht gut, ein Künstler, ein Schöpfer, viel weniger ein Dichter zu sein, denn die Dichtung stört, stiftet Zweifel oder Rebellion.

Ich kannte Ashraf Fayadh nicht. Ich habe ihn nie gelesen. Aber dieses Urteil informiert uns über seine Dichtung, seine Stärke, seine Gewalt. Er wird verurteilt, weil er „Atheismus verbreitet“ und weil sein Text blasphemisch sei. (…)

Dichter sind die Aufständischen, die Feuerträger, Begleiter der Wahrheit und Evidenz. (…) Die Gerichte hassen sie. Die Staaten fürchten sie. Die Ordnung verfolgt sie. Die Religionen mißtrauen ihnen und stellen sie an den Pranger. (…)

Die Dichtung hat einen Pakt mit der Ewigkeit. Man erinnert sich an die Dichter, nicht an ihre Richter. Al Halladsch, der große mystische Dichter, wurde 910 in Bagdad hingerichtet. Seine Gedichte sind immer noch bei allen Generationen lebendig. (…)

Wenn Ashraf Fayadh hingerichtet wird, wenn Saudi-Arabien das Urteil trotz der weltweiten Proteste vollstreckt, wird das ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sein. Dieser Staat wird sich eines Tages vor der internationalen Justiz dafür verantworten müssen. / Le Point

Ausgezeichnet

Die Schriftstellerinnen und Übersetzerinnen Esther Kinsky und Uljana Wolf erhalten beide den mit 15.000 Euro dotierten Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung 2016. Esther Kinsky wird für ihr bisheriges Gesamtwerk geehrt, insbesondere für ihren Roman „Am Fluss“ (Matthes & Seitz 2014). Mit ihrem Werk habe sie sich „als sprachsensible Beobachterin menschlicher Existenz im 21. Jahrhundert erwiesen“, so die Jury. Uljana Wolf erhält den Chamisso-Preis für ihr bisheriges Gesamtwerk, insbesondere für ihren Lyrikband „Meine schönste Lengevitch“ (kookbooks 2013). „Ihre Annäherungen an das Fremde durch spielerische Reflexion sprachlich vermittelter Realität sind gelungene Beispiele für eine zukunftsweisende kosmopolitische Literatur“, urteilt die Jury.

„Das literarische Werk der beiden Autorinnen ist so eindrucksvoll, dass sich die Jury in diesem Jahr für zwei gleichberechtigte Hauptpreisträger entschieden hat“, sagt Uta-Micaela Dürig, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. „Wir freuen uns daher sehr, dass wir mit Esther Kinsky und Uljana Wolf zwei herausragende Schriftstellerinnen ehren dürfen.“

Mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ehrt die Robert Bosch Stiftung herausragende auf Deutsch schreibende Autoren, deren Werk von einem Kulturwechsel geprägt ist. Die Preisträger verbindet zudem ein außergewöhnlicher, die deutsche Literatur bereichernder Umgang mit Sprache. Damit ist der Preis der einzige seiner Art in Deutschland. 2016 wird er zum 32. Mal verliehen.

Die Preisverleihung findet am 3. März 2016 in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz statt. Am 4. März lesen die Preisträgerinnen im Literaturhaus München aus ihren Werken. / Robert Bosch Stiftung

Poesie des Aghet

Die Massaker, die ihre Vorläufer Ende des 19. Jahrhunderts hatten, begannen im April 1915. Erst wurde die armenische intellektuelle Elite ausgelöscht, am Ende jeder greifbare Säugling. Mehr als eine Million Armenier, die Christen waren, starben, etwa 2.000 wurden zwangsislamisiert. Als „Aghet“, die Katastrophe, ging das Morden in das Bewusstsein des armenischen Volkes ein – als eine niemals hintergehbare Tatsache. (…)

Die von Armenuhi Drost-Abgarjan, Jürgen Jankofsky und Edward Militonjan herausgegebene Anthologie „Eine Handvoll Asche“ versammelt Lyrik und Prosa von zehn armenischen Schriftstellern, die im „Aghet“ ihr Leben verloren. (…)

Zu den vorgestellten Autoren gehört der Schriftsteller, der sich Siamanto (1878-1915) nannte, einer der bedeutendsten armenischen Dichter überhaupt, der unter anderem in Ägypten, in der Schweiz und in Frankreich lebte, bevor er 1908 nach Konstantinopel zurückkehrte, wo er 1915 ermordet wurde.

Die Literaturgeschichte führt Siamantos neuromantische Lyrik als „Poesie des Verbrechens“, die aber nicht einer modernistischen Lust am Bösen entspringt, sondern sich der Tatsache verdankt, dass der türkische Terror gegen die Armenier das Thema dieser Lyrik ist.

Die hat nun der hallesche Schriftsteller Wilhelm Bartsch nachgedichtet und somit ein Stück Weltliteratur für den deutschsprachigen Raum gewonnen. Denn um nichts weniger handelt es sich bei dem elf Gesänge fassenden Zyklus „Blutige Briefe einer Freundin“, nämlich den Erinnerungen einer Deutschen, die nicht länger „blauäugig“ leben wird, an die frühen Massaker.

Veröffentlichungen über den türkischen Völkermord in Armenien : Blutige Briefe einer Freundin und eine Handvoll Asche – Christian Eger, Mitteldeutsche Zeitung – Lesen Sie mehr 

Siamanto: Blutige Briefe einer Freundin. Ziethen Verlag, 72 S., 14,99. Eine Handvoll Asche. Texte armenischer Autoren. Ziethen, 188 S., 19,99 Euro.

Armenische Literatur bei L&Poe

Gefährliche Lyrik

Lyrik wird erst gefährlich, wenn sie verbreitet wird, besonders unter der Jugend. Lyrikkritik mit Sicherheit:

Abteilung Agitation: Kritische Einschätzung 72 Lieder, Gedichte und Balladen. Lyrik von Wolf Biermann, vom 23. Dezember 12964 Quelle: BStU, MfS, AOP, 11806/85, Bd. 5, Blatt 141
Abteilung Agitation: Kritische Einschätzung 72 Lieder, Gedichte und Balladen. Lyrik von Wolf Biermann, vom 23. Dezember 1964
Quelle: BStU, MfS, AOP, 11806/85, Bd. 5, Blatt 141

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Interkulturelles Autorencafé

Seit Oktober existiert in Köln eine monatliche Zusammenkunft von Literaten, Journalisten und Übersetzern, die als Flüchtlinge in die Region gelangt sind. In der Bibliothek des Kölner Literaturhauses treffen sie auf einheimische Kollegen. FremdwOrte – Interkulturelles Autorencafé nennt sich das Projekt, initiiert hat es der Kölner Übersetzer und Literaturwissenschaftler Roberto Di Bella. / Stan Lafleur

Wortmonster

Der österreichische Schriftsteller Robert Schindel hat mit „Scharlachnatter“ einen neuen, beeindruckenden Lyrikband vorgelegt. Die Wörter entwickeln bei ihm eine geradezu unbezähmbare Kraft, werden zu „Wortmonstern“. Dabei entstehen Gedichte mit einer einzigartigen, barocken sprachlichen Wucht. / Michaela Schmitz, DLF

Mondseer Lyrikpreis

Buschfunk/ EB. Der Mondseer Lyrikpreis 2015 geht an Steffen Popp (geboren 1978), Berlin. Die Jury bestand aus: Kerstin Preiwuss, Leipzig; Ilma Rakusa, Zürich; Klaus Siblewski, München; Anton Thuswaldner, Salzburg.

Wie es der Brauch, hat die Jury eine poetische Begründung erdacht:

Steffen Popp erhält den Mondseer Lyrikpreis 2015 für seine Gedichte, in denen er elementaren Begriffen wie Erde, Traum und Feuer nachgeht. Er deutet sie mit kunstvoller Gelassenheit und schafft dabei Welten, die gleichermaßen Teil unserer Erfahrung sind, und verwandelt diese poetisch.

Der Mondseer Lyrikpreis wird im Schnitt alle zwei Jahre von der Marktgemeinde Mondsee (Österreich) im Rahmen der Mondseer Literaturtage verliehen. Er ist mit 7.500 Euro dotiert.

Bisherige Preisträger:

  • 1998 Norbert Hummelt
  • 1999 Oswald Egger
  • 2001 Michael Donhauser
  • 2004 Jan Wagner
  • 2006 Ron Winkler
  • 2008 Erwin Einzinger
  • 2010 Nadja Küchenmeister
  • 2012 Kerstin Preiwuß

Gabe für Kolbe

Der Lyriker Uwe Kolbe erhält 2016 die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung. Sie ist mit 7.500 Euro dotiert. Kolbe sei einer der „bedeutendsten und produktivsten Gegenwartsdichter deutscher Sprache, der in seinem Werk alle Fragen der menschlichen Existenz berührt“, erklärte die Stiftung am Montag in Weimar. / Der Standard

Lyriker in kriegerischen Zeiten

Wie soll sich ein Lyriker in kriegerischen Zeiten verhalten, hin und her gerissen zwischen Marginalisierung, Verstummen und Empörung? Darüber diskutierten am Wochenende vier ukrainische Literaten aus der Ost- und Westukraine in einer bunt gewürfelten Runde, die nur die proukrainische Gesinnung einte. Liubow Jakymchuk, die jüngste im Kreis, die aus dem umkämpften Osten der Ukraine stammt:

„Als der Krieg begann, war mir wichtig zu zeigen, was mit meiner heimatlichen Welt passiert, mit meinen Nächsten. Es ist eine Welt, die in Stücke zerfällt. Auch die ukrainische Sprache hat sich verändert: Es erscheinen neue Worte, neue Inhalte in alten Worten, es gibt eine Manipulation mit Worten, und zwar auf staatlicher Ebene. Und mit all dem habe ich als Dichterin zu arbeiten. Ich muss Mittel finden, in dieser sich verändernden Welt darüber zu sprechen, was mit uns geschieht, um nicht Manipulationen zu erliegen.“

In Liubov Jakymchuks Gedicht über das abgeschosssene Flugzeug gehen nicht nur Welten zu Bruch, sondern die Worte. Der Krieg wird nicht in Verse gesetzt, er zer-setzt sie. Die Sprache wird zerhauen, fragmentiert, zerstückelt, übrig bleiben Töne, Rhythmen. Unübersetzbar. Das Schlüsselwort ist „schramm“, die Schramme, Narbe. Rückwärts gelesen bedeutet es Marsch.

„Ich will nicht, dass sich meine Gedichte staatlichen oder politischen Vorgaben unterordnen und zur Dekoration werden. Ich will nicht, dass die Politik meine Gedichte bestimmt und mich beherrscht. Es soll umgekehrt sein: Ich muss mit der Sprache arbeiten, um bestimmte Gedanken, Emotionen und Worte zu retten und zu beschreiben. Nur so kann ich etwas verändern.“

/ Barbara Lehmann, DLR

„Linguistically innovative poetry“

It has been an eventful year for ‘linguistically innovative poetry’; although such poets are often seen as remote, disdainful of fame and popularity, there have been significant incursions not only into the mainstream of poetry and its prizes, itself still a small and self-enclosing world, but also into the comment pages of national newspapers and the bestseller lists. This has been, of course, at the cost of a proper engagement with the innovative character of the poetry at issue; Claudia Rankine’s Citizen has often been discussed in terms of its politics and divorced from questions of form, which, if addressed at all, seem to reach a dead end in banal, inevitable, cries of “but is it poetry?” It is exciting, then, and timely, and good, that we have Out of Everywhere 2, edited by the poet and academic Emily Critchley, which, 19 years after its namesake, brings together nearly 50 contemporary “formally original, politically and philosophically engaged” poets. For all that this small subset of poets has flourished, proliferated even, since 1996, their work, often printed in chapbooks or through small presses, is still difficult to get hold of or stumble upon, and this anthology offers us a guide—or set of starting points, at least. / Rey Conquer, the Oxonian Review

Out of Everywhere 2: Linguistically innovative poetry by women in North America & the UK
Edited by Emily Critchley
Reality Street, 2015
362pp
ISBN 978-1-874400-68-4
£15

Menantes-Preis für erotische Dichtung zum 6. Mal ausgeschrieben

Cover_Menantes-Preis_2014

Sehr geehrte Damen und Herren,

1680 wurde in der kleinen Thüringer Gemeinde Wandersleben zuwischen Erfurt und Gotha Christian Friedrich Hunold geboren, der unter dem Namen Menantes zu einem der meistgelesenen Autoren des Spätbarock aufstieg. Die Kirchgemeinde des Ortes und die Thüringer Literaturzeitschrift „Palmbaum“ schreiben seit 2006 alle zwei Jahre den Menantes-Preis für erotische Dichtung aus. Jeder Autor, jede Autorin kann sich mit je drei Gedichten oder einer Kurzgeschichte von fünf Seiten um den Preis bewerben.

Erotik mit Kirchensegen – geht denn das? Und ob … Immerhin findet sich eines der schönsten Liebelieder im Alten Testament: Das Hohelied Salomons.

Freilich gibt es den Preis nicht für fromme Texte. Doch was ist Erotik – im Unterschied zu Pornografie? Die Jury hat ein Kriterium: Porno ist Aufgeilen abgestumpfter Sinne, zu dessen Zweck sich eine/r eines/r anderen bedient – mit immer denselben phantasielosen Worten und Griffen … Erotik meint das genaue Gegenteil: Verfeinerung der Sinne zur Steigerung des Genusses im freien Miteinander durch Entfesselung der Phantasie …

Das klingt leicht, gehört jedoch zum schwersten, zu den Königsdisziplinen der Literatur: denn nirgends wuchern die Klischees mehr als im Feld der Liebe, und nirgends ist der Grat zwischen Gelingen und Verfehlen so schmal:  entweder dominiert der Stoff die Form, droht der Text ins formlos-Gefühlige oder in Vulgarismen abzugleiten, oder die Form ist so vollendet, das sich kein Kribbeln mehr herstellen will.

Der Preisträger des Jahres 2014 war Uwe Kolbe. Sein Gedicht „Kleinen Mannes Lied auf die große Liebe“ eröffnet die Anthologie „Die fünfte Dimension“, die 2014 im quartus-Verlag Bucha bei Weimar mit Zeichnungen von Roger Bonnard erschienen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Jens-F. Dwars
Redakteur Palmbaum, Jury Menantes-Preis

Benannt nach dem „galantesten“ Dichter des Barock, der als Christian Friedrich Hunold (1680-1721) in Wandersleben zur Welt kam, wird der Preis vom Menantes-Förderkreis der Evangelischen Kirchgemeinde Wandersleben in Zusammenarbeit mit der Thüringer Literaturzeitschrift Palmbaum seit 2006 alle zwei Jahre ausgeschrieben. Bis zu 800 Autoren aus 15 Ländern haben sich daran beteiligt. 2016 wird der Preis zum sechsten Mal verliehen!Senden Sie uns bis zu drei Gedichte oder eine Kurzgeschichte mit maximal fünf Manuskriptseiten (à 2000 Zeichen). Die Texte müssen bislang ungedruckt sein (Veröffent­lichungen auf Websites sind möglich). Eine Jury aus fünf Kritikern und Schriftstellern ermittelt unter allen Einsendungen die fünf originellsten und lädt deren Verfasser zu einem Lesefest am 11. Juni 2016 in den Pfarrhof von Wandersleben ein, bei dem der Jury-Preis (2.000 EUR) sowie ein Preis des Publikums (500 EUR) vergeben werden. Das Preisgeld wird vom Menantes-Förderkreis gestiftet.

Die Beiträge der fünf Finalisten erscheinen im Oktober-Heft des Palmbaums 2016. Eine Anthologie mit den 50 besten Beiträgen zum Menantes-Preis von 2006 bis 2016 ist im quartus-Verlag geplant. Um für die Jury die Anonymität zu wahren, bitten wir die Texte ohne Verfassernamen, jedoch mit einer separaten Kurzbiographie unter dem Stichwort „Menantes“ zu senden an:

 

Evangelische Kirchgemeinde Wandersleben

Menantesstraße 31

99869 Drei Gleichen, Ortsteil Wandersleben

Einsendeschluss: 31. März 2016 (Poststempel)

Eine Rücksendung der Texte erfolgt nur, wenn ein adressierter und frankierter Umschlag beiliegt.

www.menantes-wandersleben.de

When Rilke came to Paris

When Rilke came to Paris he was still a High Romantic, brother-in-art to the likes of Novalis, Klopstock, and the Goethe of Young Werther. Rodin, almost offhandedly, pulled the young dreamer’s head out of the clouds and knocked some common sense into him. For the sculptor, work was everything: Il faut travailler—toujours travailler was his motto. As for inspiration, Rilke wrote, the mere possibility of it he “shakes off indulgently and with an ironic smile, suggesting that there is no such thing….” These assertions must have struck Rilke like thunderbolts. Suddenly it was not the emotion or the idea that mattered, but the thing. Rodin was, above all, a maker of things* … / John Banville, The New York Review of Books**

Letters to a Young Poet
by Rainer Maria Rilke, translated from the German and with an introduction by Mark Harman
Harvard University Press, 94 pp., $15.95

*) Ding, a word as vital to Rilke as it was to Kant and would be to Heidegger, but, as Mark Harman ruefully observes, “no more beautiful a word in German than it is in English.”

**) Ist schon 2 Jahre alt, aber Rilke ist ja noch viel älter…

Serhij Zhadan

Wenn er seine Gedichte liest, klingt er wie eine Maschine. Und manchmal wie ein Maschinengewehr. Bumm, bumm, karge Halbsätze, hingeworfene Silben, dazu die linke Hand, die einen harten Takt schlägt: Serhij Zhadan spricht seine Texte mit einer Mischung aus Aggression und Desinteresse – als wende er sich beim Sprechen schon von der Katastrophe ab, die er eben beschrieben hat. „Nimm nur das Wichtigste mit“, hämmert er, „nur die Briefe, nimm nur das, was du tragen kannst. Die Ikone, Brot, Grünzeug. Dann geh, wir kommen nicht zurück. Nimm alle Briefe, auch den letzten, schlimmen.“

Es ist ein Poem über die Flucht aus dem Donbass, über die Meldung vom gefallenen Sohn, über Friedhofsruhe und Totenmessen. „Ich lege meine Koffer ab und krieche los. Vorbei an fremdem Grün. Vorbei am Vaterland, dem endlosen, entbehrlichen.“ Die Botschaft: Du kehrst nicht heim, nie wieder. Die schwarze Erde: „zerschlagen“.

Flucht, Vertreibung, Sterben – nie hatte Zhadan darüber geschrieben. Bisher. Der junge Ukrainer, ein schmaler, durchtrainierter Junge von 41 Jahren mit raspelkurzem Undercut, ist ein Popstar der Literaturszene und ein Literaturstar der Musikszene. Er ist textender und sprechender Teil der Band Sobaky v kosmosi (Hunde im Weltall). Auf Festivals ist er mal als Autor, mal als Bandmitglied unterwegs.

Seine Gedichte, seine Prosa, vielfach preisgekrönt, bei Suhrkamp auf deutsch erschienen, waren immer eine Feier des Lebens, der Anarchie, des fröhlichen Chaos. Er war ein Autor der postsowjetischen Jugendkultur, ein Wolfgang Herrndorf der Ukraine: Bei ihm wurde gesoffen und gekifft, gelacht und gevögelt, Freundschaft war dicker als Blut und sein wildes, abgefucktes, herrenloses Personal war immer auf der Suche und immer auf der Reise. / Cathrin Kahlweit, Süddeutsche Zeitung 28.11.

Lustige Reimlyrik mit unbetroffener Tiefe

Eine als Besprechung getarnte Eloge auf einen biedermeierlich gesehenen Gernhardt- und Hacksschüler mit vielen Zitaten und einem Ausblick auf die Lyrikszene:

Auch Freunden schwermütigerer Reimlos-Lyrik mit Betroffenheitsgarantie, die in diesem Leben vielleicht nicht mehr zu Droste bekehrt werden, sei im Übrigen zu diesem Buch geraten, denn es besitzt durchaus tragische Tiefe – jedenfalls dann, wenn der Autor die katastrophale BVB-Saison 2014/15 bedichtet: „Was Politik nicht schafft und nicht die Frau, / Dortmund kann das, es färbt das Resthaar grau.“ / Wieland Schwanebeck, literaturkritik.de

Wiglaf Droste: Wasabi dir nur getan? Gedichte.
Verlag Antje Kunstmann, München 2015.
127 Seiten, 12,00 EUR.
ISBN-13: 9783888977046