März

Gut, eins noch, ein kleines. Zitat aus dem Poetenladen-Interview mit Kurt Drawert:

Etwas anderes ist die elektronische Verfügbarkeit der Diskussionen, wie sie in Darmstadt zum zweiten Mal, nämlich auch schon 2013, vorgenommen wurden. Ich bin hier nämlich gar nicht der Ansicht, dass die Jury einem online gestellten Mitschnitt aller Redebeiträge weiterhin zustimmen sollte und behalte mir ein weiteres Mitwirken unter diesen Umständen auch noch vor. Allein nach der letzten Auflage des Wettbewerbes habe ich so viele Verwünschungs- und Verleumdungsnachrichten erhalten, meistens verlinkt, weil ich mich in den unzählig vielen diversen Netzwerken selbst gar nicht zurechtfinden würde, dass ich mich fragte, warum man sich das eigentlich zumuten soll. Ein höchstfälliges Schmerzensgeld gibt es dafür ja auch nicht.

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Geld

Zweifellos gibt es Dinge, über die Kurt Drawert besser Bescheid weiß als über das Internet. Geld & Gedichte auch, völlig unironisch:

Martina Weber: Beim Qualitätsausleseprozess geht es nicht nur um eine ideelle Anerkennung, sondern es geht – ganz besonders in der Lyrik – bei der Vergabe von Literaturpreisen und Stipendien auch um die Verteilung von Geldern und damit finanziellen Mitteln, die es einer Autorin / einem Autor mitermöglichen, sich eine Zeitlang weiter auf das Schreiben zu konzentrieren oder auch darum, weiter in der Künstlersozialversicherung mit ihren günstigen Konditionen versichert zu bleiben und den dafür erforderlichen Gewinn in Höhe von mindestens 3.900 Euro jährlich durch eine KSK-versicherungspflichtige Arbeit zu erzielen. Wir haben also grundsätzlich eine sehr interessante, vielfältige Lyrikszene (ich konzentriere mich auf die Lyrik, weil ich die Prosa nicht beobachte), aber die meisten Dichterinnen und Dichter verdienen mit ihrer Arbeit nur ein Taschengeld, wenn überhaupt. Der Herausgeber des Jahrbuchs der Lyrik, Christoph Buchwald, schrieb vor Jahren im Einladungstext, Lyrik sei derart unbezahlbar, dass sich der Verlag entschlossen habe, statt eines sowieso nur symbolischen Honorars von 10 Euro pro Gedicht gar kein Geld mehr zu bezahlen. Das Verhältnis von Gedichten zu Geld ist gnadenlos. Mir fällt gerade keine Tätigkeit ein, bei der der zeitliche und geistige Aufwand in einem derartigen Missverhältnis zum Honorar steht. In einem Wettbewerb um finanziell lukrative Tätigkeiten wäre das Schreiben von Gedichten wahrscheinlich bei den untersten Rängen zu finden. In deinem Gedichtband Frühjahrskollektion gibt es sogar ein Kapitel mit der Überschrift Geld & Gedichte. In einem Wettbewerb um ein allgemeines gesellschaftliches Prestige würde die Lyrik auch nicht so super abschneiden: Als ich vor einiger Zeit einmal ganz mutig einer Friseurin auf ihre Frage nach meiner Arbeit sagte, ich würde Gedichte schreiben, sagte sie, jetzt hätte ich aber bei ihr ganz viel an Ansehen verloren. Und das passiert nicht nur beim Friseur.

Kurt Drawert: Ich weiß nicht, ob ich von meinem Friseur Verständnis für meine Gedichte und meine soziale Rolle als Autor erwarte. So reich werden Friseure ja nun auch wieder nicht, dass sie es sich leisten könnten, über andere Arbeiter die Nase zu rümpfen. Dass Zeit gleich Geld ist, ist seit Benjamin Franklin, der es schon 1748 sagte, auch keine Geheimsache mehr. Und der Herr Buchwald, nun ja, also ich fürchte, er sah den Wald vor lauter Büchern nicht, als er diese zynische Bemerkung verlor wie andere ihren Verstand. Man stelle sich einmal vor, Unseld hätte seinerzeit, als er bei ihm als möglicher Nachfolger reüssierte, gesagt: »Verehrter Herr Buchwald, wissen Sie, Sie sind ein derart kompetenter, kluger und mit allen Wassern der Betriebskantine gewaschener Lektor, es beschämt mich zutiefst, Sie mit etwas so Gewöhnlichem wie Geld zu entlohnen. Ich dachte mir, vielleicht ein Freiexemplar von jedem neuen Titel des Suhrkamp-Verlages?« Ich glaube, darüber hätte er nun gerade nicht gelacht. Was mich betrifft, ich meine mich jetzt als einen primären Wirtschaftsfaktor für meine Familie, so verdiene ich mit Gedichten recht gut. Bei einer Auflage von etwa eintausend pro Band kommen keine Schulden zustande. Und mein Verlag überweist wirklich alles, Summen respektive, die unter dem Wert einer Briefmarke liegen. Geld zu haben ist sehr anstrengend, finde ich, belastend, irgendwie uncool. Fast so schlimm, wie keines zu haben. Aber kurz doch etwas ernster: mich nervt diese Frage unendlich, weil man natürlich sofort an Gottfried Benn denkt und weiß, dass alle es wissen und dass sich daran doch nie etwas ändert. Ich fühlte mich früher immer sehr allein gelassen, wenn ich so etwas Peinliches wie Geld überhaupt zu einem Thema werden ließ. Denn natürlich stinkt Geld, das weiß ja jeder, weil es die symbolische Ausscheidung aus einem Produktionsprozess ist, sein Abfall sozusagen. Aber dass es einen Wertzusammenhang von Lohn, Entlohnung und Leistung nun einmal gibt, das ist ja keine private Erfindung – und da sind wir naturgemäß die Deppen vom Dienst. Übrigens gibt es dazu einen grandiosen Essay von Gerhard Falkner, der vom »Unwert des Gedichtes« spricht, und das schon in den 1980er Jahren. Andererseits leben wir in Deutschland in einer Weise als Autoren gut, übertroffen vielleicht nur noch von Kollegen in Österreich und der Schweiz, dass jede Klage im Grunde auch etwas unanständig klingt. Ich meine, wir befinden uns in einem radikalen Utilitarismus, da wundert es gelegentlich, überhaupt noch da zu sein. Und vergessen wir nicht, dass es, und gerade bei uns, ein Fördersystem für Literatur gibt, das einzigartig ist auf der Welt. Die soziale Kränkung, durch Nichtbezahlung der Ware auf seine Überflüssigkeit im Kontext der Ökonomie andauernd hingewiesen zu werden, wiegt natürlich sehr schwer. Und dann kommt noch etwas hinzu: die Illusion einer exterritorialen Lebensform als Alternative zum puritanischen Funktionalismus. Manche übernehmen diese Rolle ganz gern und ziehen sich alte Klamotten an, wenn sie zu Lesungen gehen. Mich widert es an.

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Literarischer März

Der Lyrikwettbewerb um den Leonce-und-Lena-Preis und die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise

am 17. und 18. März 2017 in der Centralstation Darmstadt

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt lädt junge Autorinnen und Autoren ein, sich zur Teilnahme am Literarischen März 2017 zu bewerben.

Bewerben können sich deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die nicht vor 1981 geboren sind.

Einsendeschluss für die Bewerbungen ist der

15.09.2016 

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Am Körper des Wortes

Die deutsche Sprache ist vergleichsweise logisch, eindeutig, transparent – transparent in der Struktur wie in der Herleitung. Zusammenhänge, die bei uns in den Sprachschichten untergehen, sind spürbarer präsent. Sicher käme niemand, ohne nachzuschlagen, auf all das, was im Gedicht steckt. Aber dass etwas drinsteckt, das wird deutlich am Körper des Wortes, an seinen sichtbaren Gliedern mit ihrer latenten Bewegung: Ge- und dichten. Das Wort poem dagegen ist dicht. Verdichtet auf einer Weise, die Fülle kaum ahnen lässt. Man schluckt das Wort, ohne zu kauen. Das Rätsel wird als Rätsel nicht erkannt. Ein Rätsel in fremder Sprache ist nur eine schöne Lautfolge. Paradox: Das Rätsel entfaltet sich erst in der Transparenz, in der Lesbarkeit.

Isabel Fargo Cole: Erfahrung mit Fühmanns Gedicht. Vor Feuerschlünden: Übersetzungsprobleme Teil 1. lyrikkritik.de

Erdogan limerick competition

„I’m a free-born British man, and we don’t live under the blasphemy laws of such despots,“ wrote columnist Douglas Murray. „So in honor of this fact I have spent the weekend writing rude limericks about Mr Erdogan.  And I would hereby like to invite all readers to join me in a grand Erdogan limerick competition.“

It went on, urging submissions be as „filthy and insulting as possible“ about the president, before concluding: „Please submit all entries to theeditor@spectator.co.uk, under the heading ‘The President Erdogan Offensive Poetry Competition‘. The winning poem will be announced by 23 June. Because we may not be able to announce it after that point.“

(On Tuesday, an editor at the Spectator informed WorldViews that the best submission would win a cash prize.) / Ishaan Tharoor, The Washington Post

Was Salafisten zur Weißglut treibt

„Ibn Arabi versucht, den islamischen Glauben von der strengen Orthodoxie wegzuholen und als gelebten Glauben den Menschen nahe zu bringen“. Der Islamwissenschaftler und Autor Stefan Weidner hat den Gedichtzyklus „Der Übersetzer der Sehnsüchte“ des mittelalterlichen islamischen Mystikers Ibn Arabi neu ins Deutsche übertragen – Gedichte, die die Salafisten zur Weißglut treiben, wie Weidner sagt, und die zum Beispiel in Saudi Arabien heute noch verboten sind.

„Wer wissen will, was uns die islamische Kultur jenseits der aktuellen nur noch bedrückenden Nachrichten aus der arabischen Welt zu bieten hat, findet es hier“, schreibt Weidner in seinem Vorwort zu dem von ihm übersetzten Gedichtzyklus. Ibn Arabi ist einer der bedeutendsten mystischen Schriftsteller des islamischen Mittelalters. Geboren in Andalusien, durchstreifte er die gesamte arabische Welt. Sein Grab in Damaskus ist heute ein Wallfahrtsort. Arabis poetisches Hauptwerk mit dem Titel „Der Übersetzer der Sehnsüchte«, von dem bisher nur wenige Auszüge zu lesen waren, erscheint jetzt erstmals vollständig auf Deutsch. / Domradio

Ibn Arabi
Der Übersetzer der Sehnsüchte
Gedichte
Jung & Jung

180 Seiten, gebunden, Format 14,5 x 18,5
€ 25,- [978-3-99027-082-0

Ibn Arabi in L&Poe

Mordnilap-Amor*

3 Zitate aus einer Besprechung von Titus Meyers Palindrom-Roman „Andere DNA“, palindromisch angeordnet und philologisch kommentiert

3

Nein, ein Roman ist es nicht**, auch wenn Hesse und Trakl drin vorkommen. Eher ein vertracktes Gewebe, das den Leser immerfort zum Entschlüsseln zwingt, weil die Satzlogik oft genug auf dem Kopf steht und schon gar nicht aus der Logik der vorangehenden Sätze folgt****. Aber man liest, wie weit sich Sprache reduzieren und – mit einiger Kopfakrobatik – auch noch entschlüsseln lässt. Quasi selbst zur DNA wird, die man immer wieder neu zusammenbauen kann. Was ja nicht heißt, dass jedes Mal ein funktionsfähiges Lebewesen dabei herauskommt. Manchmal wird’s auch nur Ulk, manchmal herrlicher Sprachspaß, der nach einer harten Tour durchs Bergwerk der Worte dann immer wieder in solche Passagen mündet: „Liebe ist fies. Liebe ist Ahnung.“

Mehr muss man über das Thema eigentlich nicht sagen. Aber da es mitten im Text erscheint, muss sich, wer hinfinden will, auch durcharbeiten. Aber das ist auf jeden Fall noch aufregender als jeder abendliche Börsenbericht im Fernsehen.

2

Auf Artikel verzichtet Meyer sowieso††, das & macht er zum Satzzeichen†††, konjugiert wird auch nicht. Der Autor lebt folglich in einem permanenten Jetzt, in dem ihn die Dinge und Zustände regelrecht überfallen, zum sofortigen Reagieren zwingen und damit zu einem Stakkato der Aufgeregtheiten, das einem doch irgendwie vertraut vorkommt, denn man kennt es ja aus Teilen der heutigen Jugendkultur und Teilen der Jugendsprache, die einige Medien und Forscher regelrecht faszinierend finden, weil die Grammatik dort förmlich zu Boden geht.

1

Denn „Annasusanna“, das kann jeder. Besonders gut konnte es der Satiriker Hansgeorg Stengel††††. Unsere Sprache hat diese herrlichen kleinen Gewächse des wortwörtlichen Spaßes. Aber darum geht es Titus Meyer nicht. Er lotet in ganz anderen Tiefen und seine Aufgabenstellung heißt: Wie weit kann ich gehen? Wann beginnt unsere Sprache sich zu verweigern? Wann werden die Texte unverständlich? Brüchig? Wann funktioniert Sprache nicht mehr als lesbarer Text?

/ Ralf Julke, Leipziger Internet-Zeitung

Titus Meyer: Andere DNA, Reinecke & Voß, Leipzig 2016, 10 Euro.

*) Den Kalauer konnte ich nicht unterdrücken. In Wirklichkeit handelt es sich ohnehin um ein gelehrtes, nämlich Goethezitat.

**) Ceci n’est pas un roman. Immerhin: das Wort „Roman“ kommt auf der ersten Seite viermal vor (plus einmal palindromisch versteckt in „Na morse“)***), zweimal „Plot“, „Poesie“ dagegen nur einmal. Wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl ist!

***) Gleich mal nachsehen, wie er viermal „Amor“ am Schluß vermeidet. Da sind sie: Genieredner rann am Ort; wenn Amor-Rede; Genieredner rann am Ort nie; Nieser rann. Am? Ordne Saat.

****) Vergleiche aber die schon vermerkte Schlüsselwort-Dichte. Ein Roman, bei dem Wörter die Handlung vorantreiben. Wort-Plot. Roman im Sitzen†.

†) Gottfried Benn

††) Das wäre zu überprüfen. Immerhin ergibt „der“ den wichtigen Wortstamm „red“, „die“ wird zu „eid“ und auch „ein“ und „nie“ sind schwer zu vermeiden. Und siehe da, die Artikel purzeln nur so. Nur nicht jedesmal wo der Leser sie erwartet. Aber dazu lesen wir ja Literatur, sonst reichte die Zeitung aus.

†††) wie Sibylla Schwarz & e.e. cummings

††††) Hansgeorg Stengel: Annasusanna. Ein Pendelbuch für Rechts- und Linksleser. Eulenspiegel-Verlag, Ost-Berlin 1984

Pulitzerpreis 2016

Zum 100. Mal wurden in den USA die Pulitzerpreise vergeben. In diesem Jahr sind es 15 in journalistischen Sparten und 7 im Bereich „LETTERS DRAMA AND MUSIC“. Dieses sind

Hier eine Leseprobe aus dem Gedichtband von Peter Balakian.

Die anderen Finalisten im Bereich Lyrik waren

Four-Legged Girl, by Diane Seuss (Graywolf Press)

A richly improvisational poetry collection that leads readers through a gallery of incisive and beguiling portraits and landscapes.

Alive: New and Selected Poems, by Elizabeth Willis (NYRB)

A book worthy of its title in which the poet calls readers to look deep within themselves and regard anew the struggle to live.

Nikky Finney (Chair)

John H. Bennett, Jr. Endowed Professor of Creative Writing and Southern Letters, University of South Carolina

Rafael Campo

Associate Professor of Medicine, Harvard University

Al Filreis

Kelly Professor of English, University of Pennsylvania

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Aber ich will nicht das tun, wozu ich gezwungen werde

Seit anderthalb Jahren kämpft Kapitän-Leutnant der ukrainischen Seestreitkräfte Maxim Musyka im ostukrainischen Kriegsgebiet Donbass. In Momenten der Ruhe entstehen in seinem Zelt „stille Schöpfungen“ – seine in Verse und Strophen gefassten Erlebnisse und Gefühle. Unter diesem Titel kam im Februar Musykas erster Gedichtband heraus. (…)

In der Nacht zum 11. Dezember [2013] initiierte er mit seinen Freunden eine Menschenkette zwischen den Protestierenden und der Kolonne junger Kadetten der Regierung. „Wir stellten uns mit unserem Rücken gegen die Kolonne, um ihnen zu zeigen, dass wir friedlich sind, gleichzeitig wollten wir vermeiden, dass aus der Menschenmenge in ihre Richtung geworfen wird. Die geringste Provokation hätte Blut zu Folge haben können. Sehr viel Blut. So standen wir sechs Stunden. Nach einiger Zeit haben die Kadetten ihre Schilder gesenkt, die Knüppel eingesteckt, die Helmscheiben nach oben geklappt. Wir unterhielten uns mit ihnen, legten ihnen Karton unter die Füße, damit sie nicht erfroren“, erzählte er in einem Zeitungsinterview.

(…) Erst im Krieg hat Musyka angefangen zu dichten. Seine Gedichte sagen das Unaussprechbare. Es ist eine Möglichkeit „auszuatmen“. Er schreibt, wenn nicht geschossen wird, in Momenten der Stille und nennt das Geschriebene „stille Schöpfungen“ oder „tichotworenija“ – ein russisches Wortspiel. Lässt man im Wort „Gedicht“ – „stichotworenije“ den ersten Buchstaben weg, so bekommt das Wort eine neue Bedeutung und wird zur „stillen Schöpfung“. (…)

Kämpfen muss er manchmal auch hinter der Front. Etwa, wenn ihm vorgeworfen wird, auf Russisch und damit in der Sprache der Okkupanten zu schreiben. Dann wird er emotional. „Mehrmals war ich drauf und dran, nur auf Ukrainisch zu schreiben, aber ich will nicht das tun, wozu ich gezwungen werde“, erklärt Musyka. / Grigori Pyrlik, taz

Sachen mit Wörtern

2011, mitten im Onlineblog-Boom, gründete sich Sachen mit Wörtern. Jede Ausgabe steht unter einem Motto, zu dem dann Lyrik, Kurzprosa, Lesebühnentexte und Bilder abgedruckt werden. „Wir sehen Literatur als Prozess an, als Experiment und nicht als Produkt“, erklärte Mitgründerin Lubkowitz das Konzept. Die Zeitschrift hat eine kleine Auflage von 250 Stück, das Heft kostet 3,50 Euro. Damit sind die Kosten nicht gedeckt. „Wir finanzieren uns über Soli-Partys, Crowdfunding und Fördergelder.“ / taz

Wenn Jamben

Thomas Kunst

Genau genommen hoffe ich auf Klärung.
Geduld und Leistung führen nie zum Ziel.
Jahrhundertstrophen bleiben ohne Ehrung.
Gelingt durch strenge Schwafelei das Spiel
Betreuter Anpassung ans Geld, wieviel
Verändert sich, wenn Jamben durch Verlage
Verschiedener Herkunft ziehen, infantil
Genug, zu glauben, das sei nicht die Frage.
Von Suhrkamp bis Azur: es kommen bessere Tage.

Schmallenberger Dichtertreffen

Aus der Rückschau bedeutete das Schmallenberger Dichtertreffen eine Weichenstellung in der Literaturgeschichte, da es der literarischen Moderne in Westfalen zum Durchbruch verhalf. Während des Treffens prallten zwei Dichtergenerationen aufeinander: Jene heimatverbundenen Schriftsteller der älteren Generation um Josefa Berens-Totenohl, Maria Kahle und Heinrich Luhmann, die an ihrer im Nationalsozialismus formulierten Literaturauffassung festhielten, und auf der anderen Seite die der literarischen Moderne verpflichteten jungen Schriftsteller um Hans Dieter Schwarze, Paul Schallück, Erwin Sylvanus oder Ernst Meister. / Literaturland Westfalen

Schmallenberg in L&Poe

Stimmen die Stimmen

Was ist die eigene Stimme, was kann ich mit ihr tun? Wie mit Appropriation arbeiten? Im Kollektiv? Wie kann ich Vielstimmigkeit, auch Mehrsprachigkeit, in der Poesie Raum und Stimme geben? Sprechen, singen? ++ Tagsüber Symposium und Workshops, abends Präsentationen.

Mit Daniel Bayerstorfer, Andreas Bülhoff, Black Cracker, Sirka Elspass, Ernesto Estrella, Christiane Heidrich, Tabea Xenia Magyar, Rick Reuther, Cia Rinne, Lara Rüter, Max Wallenhorst, Anja Utler und Nora Zapf. Moderation: Rike Scheffler und Daniela Seel. Tontechnik: Kevin Nagel.

++ Eine Veranstaltung von KOOK e.V., mit freundlicher Unterstützung von Lettrétage, Ausland und Literaturwerkstatt Berlin sowie der Berliner Senatskanzlei — Kulturelle Angelegenheiten.

— Freitag, 22.4., 20 Uhr, Lettrétage
— Samstag, 23.4., 20 Uhr, Ausland

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Originalität

»Heute«, beklagte sich Herr K., »gibt es Unzählige, die sich öffentlich rühmen, ganz allein große Bücher verfassen zu können, und dies wird allgemein gebilligt. Der chinesische Philosoph Dschuang Dsi verfaßte noch im Mannesalter ein Buch von hunderttausend Wörtern, das zu neun Zehnteln aus Zitaten bestand. Solche Bücher können bei uns nicht mehr geschrieben werden, da der Geist fehlt. Infolgedessen werden Gedanken nur in eigner Werkstatt hergestellt, indem sich der faul vorkommt, der nicht genug davon fertig bringt. Freilich gibt es dann auch keinen Gedanken, der übernommen werden, und auch keine Formulierung eines Gedankens, die zitiert werden könnte. Wie wenig brauchen diese alle zu ihrer Tätigkeit! Ein Federhalter und etwas Papier ist das einzige, was sie vorzeigen können! Und ohne jede Hilfe, nur mit dem kümmerlichen Material, das ein einzelner auf seinen Armen herbeischaffen kann, errichten sie ihre Hütten! Größere Gebäude kennen sie nicht als solche, die ein einziger zu bauen imstande ist!« / Bertolt Brecht: Geschichten vom Herrn Keuner

Geniale Dilettanten

Als Teenager wird er von Sid Vicious wachgeküsst, nennt sich fortan Tommi from Germany und schreibt erste Slogans an die Häuserwände, „allergisch kontaminiert gegen Rasenmähen und gleichzeitig gegen jegliche andere Form von Vorgartendingen“. / Felix Stephan über Schorsch Kamerun, Die Zeit