Veröffentlicht am 16. Mai 2016 von lyrikzeitung
Ein Kommentar von Daniel Graf zu dem Artikel „Der letzte Kuß, vorgestern nacht“, Die Zeit #19
Zu den Entstehungsumständen von Iris Radischs Artikel und wie viel Zeitdruck da im Spiel gewesen sein mag, weiß ich nichts. Aber es wundert mich schon, dass eine kluge und verdienstvolle Autorin zu einem interessanten Fund einen so schwachen Artikel schreibt.
Mal von stilistischen Fragen und der Portion Gala abgesehen: Es ist schlichtweg falsch, dass Bachmann „nach der endgültigen Trennung von Celan [1958] bis zu ihrem Verbrennungstod in Rom 1973 keine Gedichte mehr“ schrieb. Die Gedichte der 60er-Jahre, im legendären Kursbuch 15 von 1968 z.B., gehören ja sogar zu ihren berühmtesten, und wie umfangreich neben den (zugegebenermaßen vereinzelt publizierten) Bachmann-Gedichten der 60er-Jahre das Korpus ihrer Lyrik aus dem Nachlass ist – alles doch seit Jahren bekannt und ausführlichst diskutiert.
Warum schreibt Radisch, Bachmann und Celan wären bei der Gruppe-47-Tagung in Niendorf die „frisch entdeckten Wunderkinder des deutschen Literaturbetriebs“ gewesen, wenn die Tagung doch für beide nicht hätte unterschiedlicher laufen können? Bachmann wurde nach ihrer Lesung in der Tat als neuer Star gefeiert, aber Celan wurde in Niendorf auf geradezu skandalöse Weise verkannt (wovon doch auch der Link in Radischs Artikel erzählt).Und lernt man nicht schon im journalistischen Praktikum, dass es vielleicht nicht das Ausgewogenste ist, nur eine einzige Expertenstimme zu zitieren, die aber dafür umso ausführlicher (selbst wenn es sich dabei um eine so exzellente Kennerin handelt wie Barbara Wiedemann)?
Veröffentlicht am 16. Mai 2016 von lyrikzeitung
Paul Celan im Briefwechsel mit René Char
Beitrag von Felix Philipp Ingold für die Neue Zürcher Zeitung vom 14.5.
Schon lang war sie angekündigt, mehrfach wurde ihr Erscheinen aufgeschoben, jetzt liegt sie endlich vor – die Buchausgabe von Paul Celans Korrespondenz mit René Char. Der mehr als 300 Druckseiten umfassende, durch Kommentare, diverse Bilddokumente und eine detaillierte Chronologie angereicherte Band ergänzt die Reihe früherer Briefeditionen (Rudolf Hirsch, Ingeborg Bachmann, Franz Wurm, Klaus und Nani Demus u.a.m.), mit denen er sich thematisch naturgemäss an manchen Stellen überschneidet. Zwar stehen in dieser nun erstmals einsehbaren Korrespondenz – sie erstreckt sich über die Jahre 1954 bis 1968 – Celans vielfältige Bemühungen als Übersetzer und Vermittler René Chars im Vordergrund, doch kommen auch die langwierigen Querelen um die Plagiatsvorwürfe in der sogenannten „Goll-Affäre“ zur Sprache, die für Celan zur existentiellen Bedrohung wurde, bei Char jedoch nur beiläufiges Interesse fand.
Unter Celans zahlreichen Korrespondenten war René Char – neben Ingeborg Bachmann – der einzige, der seinen hohen künstlerischen Ansprüchen voll und ganz entsprechen konnte. Zwischen den beiden erwuchs eine Dichterfreundschaft, die von wechselseitigem Respekt getragen war und doch niemals zu einer adäquaten vertrauensvollen Beziehung werden konnte, weil dafür der gemeinsame und gleichrangige Sprachbezug fehlte: Char verstand vom Deutschen (wie von allen andern Sprachen) nicht ein einziges Wort, er war vollkommen und ausschliesslich in seine französische Muttersprache eingelassen, die er wie eine Festung hochhielt und die er auch wie ein Festungskommandant beherrschte. Celan hingegen, der Vielsprachige, liess sich von der Sprache (in der er stets alle Sprachen am Werk sah) beherrschen, folgte beim Schreiben gewissermassen ihrem Diktat, verstand sich als ihr Diener und Vollstrecker.
Von daher erklärt sich wohl die latente Spannung, von der die Korrespondenz durchweg – wenn auch sehr diskret – gekennzeichnet bleibt. Celan hat gegenüber Char einen doppelten Vorrang: Deutsch und Französisch sind ihm gleichermassen vertraut, er kommuniziert mit dem Briefpartner in dessen eigener Sprache, derweil er selbst eine Fremdsprache verwendet, um den Briefdialog überhaupt zu ermöglichen. Anderseits ist das Deutsche – Vater- und Dichtersprache für Celan, unverständliche Fremdsprache für Char – das Medium der Übersetzungsarbeit, die der Begünstigte, also Char, auf keine Weise zu würdigen vermag, so wie er auch Celan selbst, in dessen Qualität als Lyriker, nicht gerecht werden kann. Wenn er ihn gleichwohl als den grössten deutschen Gegenwartsdichter belobigt, tut er dies lediglich anhand der ihm vorliegenden französischen Übersetzungen – ein Faktum, das den hochsensiblen Paul Celan insgeheim kränkt.
Naturgemäss wird diese Ungleichheit zwischen den beiden dadurch verstärkt, dass René Char nicht Gegenrecht halten kann, weder durch literaturkritische noch gar durch übersetzerische Vermittlung Celans in Frankreich. Seine diesbezügliche Unterlegenheit kaschiert und kompensiert er in seinen zumeist sehr knapp gefassten Briefen mit einer angestrengt kollegialen und doch fühlbar paternalistischen Haltung, die er nicht zuletzt durch seinen stets gleichbleibenden erhabenen Stil zum Ausdruck bringt, und dies selbst dann, wenn es Celan um ganz vordergründige Dinge, um „geschäftliche“ oder „literaturbetriebliche“ Interessen geht.
Chars mangelndes Sensorium für die zahlreichen Celanschen Empfindlichkeiten führten immer wieder zu krisenhaften Verstimmungen und zu langfristigen Unterbrechungen des Briefverkehrs. Doch nie wurden die Anlässe zu diesen Krisen zwischen den beiden Korrespondenten expliziert. Nur durch Vermittlung Dritter, Unbeteiligter lässt sich darüber Klarheit gewinnen. Als hauptsächliche Krisenpunkte sind René Chars vorbehaltslose Bewunderung für den NS-Sympathisanten Martin Heidegger und sein schonender Umgang mit Claire Goll auszumachen, die einen verleumderischen Plagiatsvorwurf gegen Celan lanciert hatte. Aus verlässlichen Quellen weiss man heute, dass Paul Celan diese von seinem „Freund“ gehegten Sympathien als „schockierende“ Provokation empfand und dass sein Missbehagen so weit ging, dass er ihn (in einem Brief an Ingeborg Bachmann) als Menschen wie als Dichter gleichermassen der „Falschheit“ bezichtigte.
(…) Die von Bertrand Badiou mit aufwendiger textkritischer Akribie erstellte Briefausgabe ist – abgesehen von der Präsentation der Erstdrucke – dank der umfänglichen Anmerkungen eine Fundgrube zu genauerem Verständnis der deutsch-französischen Literaturbeziehungen in den 1950er/1960er Jahren, aber auch zur Komplettierung der Werkbiographien René Chars und Paul Celans durch mancherlei bislang übersehene Fakten. Zu bedauern ist allerdings, dass der Herausgeber die originalen Brieftexte orthographisch bereinigt und grammatikalisch korrigiert hat, ein Übergriff, der bei Zeitdokumenten zumindest als fragwürdig gelten muss.
Paul Celan / René Char, „Correspondance, 1954-1968“, suivie de la Correspondance de René Char avec Gisèle Celan-Lestrange, 1969-1977. Édition établie, présentée et annotée par Bertrand Badiou. Éditions Gallimard, Paris 2015; 317 S., EUR 28.
Veröffentlicht am 16. Mai 2016 von lyrikzeitung
While Julia Ward Howe was writing her saber-rattling “Battle Hymn of the Republic,” and Whitman his “Drum-Taps,” [Emily] Dickinson was quietly demolishing myths of heroic pomposity:
Finding is the first Act
The second, loss,
Third, Expedition for the “Golden Fleece”Fourth, no Discovery—
Fifth, no Crew—
Finally, no Golden Fleece—
Jason, sham, too—
Dickinson’s language, oblique and sharply objective, can be seen as one response to the degraded verbiage of the Civil War era, and the Gilded Age pieties that followed. This is one explanation for her special appeal to such poets and translators of her work as Paul Celan (discussed in an essay in The Emily Dickinson Handbook by Kerstin Behnke) and Eugenio Montale. In these poets we find a kindred prosody of obliquity and harsh specificity in the face of the degradation of the Italian language under Mussolini and the German language under the Nazis. That the leading German-language poet of the post-Nazi era and the leading Italian poet of this century looked to Emily Dickinson should invite us to read her in this way, as a voice raised against the pompous posturing of both sides. She once mentioned to Higginson her adamant resolution to “never try to lift the words which I cannot hold.” She never did. / Christopher Benfey, New York Review of Books
Veröffentlicht am 15. Mai 2016 von lyrikzeitung
Die Schriftstellerin Gertrud Leutenegger besichtigt den schmelzenden Rhonegletscher und erzählt, wie Arthur Rimbaud im Winter 1878 über den Gotthard ging.
(…) Was bewog Arthur Rimbaud im November 1878, das Reiseziel Ägypten vor Augen, von den Ardennen her über die Vogesen die Schweiz erreichend, den verschneiten Gotthard überqueren zu wollen? In den Hafen von Genua, wo das Schiff nach Alexandria wartet, führen bequemere Wege. Rimbaud hat sich nun einmal den gefahrvollen Gotthardweg, der im 19. Jahrhundert auch im Winter offen war, in den Kopf gesetzt, als vorauszusehende Heldentat, wie er in einem Brief an die Familie das Unternehmen wohl eher ironisch bezeichnet. Dieser Bericht, ebenso sprunghaft wie streckenweise bemerkenswert detailliert, als registriere er die Bergwelt mit dem Auge eines Geografen, sticht unter den sonst knapp gehaltenen Nachrichten durch seine Ausführlichkeit hervor. Wie jung ist Rimbaud noch! Aber er ist schon alt. Alles, was seinen strahlenden Ruhm begründen wird, liegt hinter ihm. Er ist vierundzwanzig und hat die Poesie revolutioniert, ästhetische Strategien etabliert, mit kaltem Vorsatz die Selbstzerstörung betrieben. (…) / NZZ 30.4.
Veröffentlicht am 15. Mai 2016 von lyrikzeitung
eine Rose ohne Dornen – heute kann sie uns begeistern
Hansjürgen Bulkowski
Veröffentlicht am 14. Mai 2016 von lyrikzeitung
Leseecke ist eine Rubrik, die sich der Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts).
Sonette 8-14 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.
10
FOr shame deny that thou bear'st loue to any Who for thy selfe art so vnprouident Graunt if thou wilt, thou art belou'd of many, But that thou none lou'st is most euident: For thou art so possest with murdrous hate, That gainst thy selfe thou stickst not to conspire, Seeking that beautious roofe to ruinate Which to repaire should be thy chiefe desire: O change thy thought, that I may change my minde, Shall hate be fairer log'd then gentle loue? Be as thy presence is gracious and kind, Or to thy selfe at least kind harted proue, Make thee an other selfe for loue of me, That beauty still may liue in thine or thee.
Einige Anmerkungen zum Text:
2 vnprouident ohne Vorsorge
6 stickst zögerst
Deutsche Fassung von Gottlob Regis
O Schmach! vernein‘ es irgend wen zu lieben,
Du, der Du auf Dich selbst so unbedacht!
Gieb zu, Du sey’st das Ziel von Vieler Trieben,
Doch daß Du niemand liebst, ist ausgemacht.
Denn Dich beherrscht ein mörderischer Haß,
Daß Du nicht zauderst selbst Dich zu bedräuen,
Das edle Haus zerrütten möchtest, das
Vor allen Dir geziemte zu erneuen.
O ändre Deinen Sinn, und meine Meinung!
Birgt Haß in holder Liebe Wohnung sich?
Sey mild wie Deine liebliche Erscheinung:
Sey mindestens barmherzig gegen Dich.
Erschaffe neu, aus Liebe Dich zu mir,
Daß Schönheit leb‘ im Deinen oder Dir.
Shakspeare-Almanach, 1864
(Der Hauptmangel dieser Übersetzung: daß das Ich in Vers 9 – o change my mind that I may – wegfällt. Das erste, verräterische Ich in diesen Sonetten.)
Veröffentlicht am 14. Mai 2016 von lyrikzeitung
Mit zweiundzwanzig Jahren veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband «Indigo» (1988), dem mehrere weitere folgen sollten. Meist schrieb er seine lyrischen Texte auf Deutsch, doch die Muttersprache Slowenisch, Idiom der Kindheit und der Gefühle, blieb stets präsent. Die genuine Zweisprachigkeit war es denn auch, die ihn zum Übersetzer prädestinierte. Mit Verve gab er den hochexpressiven Prosastil des Kärntner Slowenen Florjan Lipuš und die «Erdsprache» von Dane Zajc wieder, verlieh der vielfältigen lyrischen Sprachwelt von Tomaž Šalamun und den poetischen Sprechweisen von Maruša Krese und Maja Vidmar eine deutsche Stimme und erschloss einen der interessantesten slowenischen Gegenwartsdichter, Uroš Zupan, der deutschen Leserschaft. / NZZ
Aus einem seiner Gedichte
Könnte man Berührungen behalten, / ausserhalb des Gedächtnisses / oder in Erinnerung, // sie aufnehmen und mit sich führen, / als hätte der Körper sie sich einverleibt, // und könnte man sich mittels so Angeeignetem / erlösen zu dauernder / Berührbarkeit, // verschwände dann dieser unablässig / wie ein Köder zuckende / unfassbare Rest?
Veröffentlicht am 13. Mai 2016 von lyrikzeitung
Der Prix Robert Ganzo, der höchstdatierte Lyrikpreis in Frankreich*, geht in diesem Jahr an die luxemburgische Lyrikerin Anise Koltz. Der Preis ehrt „einen bedeutenden Dichter in französischer Sprache, Abenteurer des Wortes und des Lebens, Fährmann der Gefühle und Herausforderungen, Vermesser des Großen wie des Unbekannten“. Die Jury nennt Anise Koltz „eine der wichtigsten Stimmen in französischer Sprache“. Der Preis wurde 2007 erstmals vergeben und ging bisher an René Depestre, Abdellatif Laâbi 2008, Franck Venaille 2009, Bernard Noël 2010, Jean-Pierre Verheggen 2011, Marie-Claire Bancquart 2012, Serge Pey 2013, Dominique Sampiero 2014 und Valérie Rouzeau 2015.
/ RTL
*) Wenn das stimmt, sind die Franzosen noch knickriger zu ihren Dichtern als die Deutschen, aber auf Augenhöhe mit Baden. Die Preissumme beträgt 10.000 Euro.
Ein Stück Letzeburgisch im Original: „Beim Präis handelt et sech ëm dee beschtdotéierte Poesie-Präis a Frankräich. Hie soll ë.a. auszeechnen, wann een en ‚aventurier du verbe et de la vie‘ ass.“
Veröffentlicht am 13. Mai 2016 von lyrikzeitung
Veröffentlicht am 12. Mai 2016 von lyrikzeitung
Die Vorjury der ersten Vorrunde (Markus Hallinger, Ulrich Schäfer-Newiger und Johanna Schumm) hat folgende Autorinnen und Autoren zur Vorrundenlesung eingeladen:
Die Lesung findet am Montag, den 23. Mai, in den Räumen des Münchner Literaturbüros, Milchstraße 4, in München-Haidhausen statt. Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3.
Die Jury des Abends – Florian Kessler, Àxel Sanjosé und Anja Utler – wird zwei Autor/inn/en für das Finale im Herbst nominieren.
Die Veranstaltung am 23.5. wird vom Bezirksausschuss 5 Au-Haidhausen der Landeshauptstadt München gefördert.
Der Lyrikpreis München 2016 erhält eine Förderung des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst.
Veröffentlicht am 12. Mai 2016 von lyrikzeitung
inter_poems ist eine Berliner Veranstaltungsreihe zu internationaler Lyrik und zur Kunst des Übersetzens. Zwischen Mai und Oktober 2016 wird an 6 Abenden im Kreuzberger Literaturhaus Lettrétage je eine in Deutschland bislang kaum bekannte Stimme der internationalen Lyrik im Original sowie in deutscher Übersetzung zu hören sein. Dabei sollen die internationalen Autor_innen gemeinsam mit ihren Übersetzer_innen im Zentrum stehen. Jede Veranstaltung wird auch ein Gespräch über Schwierigkeiten und Faszination des literarischen Sprach- und Kulturtransfers sein.
inter_poems folgt zwei selbstgewählten Grundregeln: Dichter übersetzen Dichter. Poetische Wahlverwandtschaft statt Auftragsarbeit. Die Übersetzer_innen sind selbst namhafte Lyriker_innen; ihr eigenes Werk soll an den Abenden ebenfalls in den Blick rücken und neben die Texte der von ihnen übersetzten Autor_innen treten. Es geht also um Interferenzen. Zwischen Ausgangs- und Zielsprache. Zwischen zwei Poetiken. Zwischen Schreiben und Übersetzen.
Es setzen über: Joanna Mueller (Polen) mit Dagmara Kraus; Adi Keissar (Israel) mit Max Czollek; Aymen Hacen (Tunesien) mit Hans Thill; Erín Moure (Kanada) mit Uljana Wolf; Müesser Yeniay (Türkei) mit Achim Wagner; Reynaldo Jiménez (Peru) mit Léonce W. Lupette.
Zu jeder Veranstaltung erscheinen ein Originaltext und seine deutsche Erstpublikation als „poème-objet“ in limitierter Auflage. Sie werden eigens für den Abend angefertigt und nur an diesem verteilt. Die Drucke, gestaltet und hergestellt von Andrea Engel, stehen zwischen Wort- und visueller Kunst, fungieren aber zugleich als Handouts für die Besucher der Lesung: Gedichte sind Gebrauchsgegenstände.
Veranstaltungsort: Lettrétage Berlin-Kreuzberg, Mehringdamm 61
Moderation: Daniel Graf
Veröffentlicht am 11. Mai 2016 von lyrikzeitung
Michael S. Harper, dessen vom Jazz beeinflußte Gedichte mit seinen persönlichen Erfahrungen als Schwarzer mit Einblick in die von schwarzen und weißen Amerikanern geteilte Geschichte durchwirkt sind, starb am Sonnabend im Alter von 78 Jahren. 1978 war er für den National Book Award für Lyrik nominiert. / New York Times
Auszug aus seiner Elegie für John Coltrane
Why you so black?
cause I am
why you so funky?
cause I am
why you so black?
cause I am
why you so sweet?
cause I am
why you so black?
cause I am
a love supreme, a love supreme.
Hier komplett von ihm vorgetragen:
Veröffentlicht am 11. Mai 2016 von lyrikzeitung
Die Literaturwerkstatt Berlin / Haus für Poesie veranstaltet das 17. poesiefestival berlin – Kein schöner Land vom 3. bis 11. Juni 2016 in der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin. Wir möchten Sie gerne auf das diesjährige Colloquium: Literaturen der Flucht hinweisen, das in Kooperation mit dem Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin entwickelt wurde.
In drei Panels werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Autorinnen und Autoren über tagesaktuelle und historische Perspektiven auf Flucht diskutieren.
Sonntag, 5. Juni, ab 13.00 Uhr: Colloquium – Literaturen der Flucht
„Wir, deren Splitter verstreut sind“
Der Literaturbetrieb reagiert auf die Flüchtlingskrise: Romane erscheinen, Lyrikerinnen und Lyriker suchen Sprachen für aktuelle Ausnahmezustände und in der Literaturwissenschaft werden Forschungsprojekte zu Fluchtliteratur angestoßen. Zugleich verfügen wir über ein riesiges kulturelles Archiv an Fluchterzählungen – man denke nur an die Sagen um die Flucht aus Troja. In drei Panels diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Autorinnen und Autoren in diesem Colloquium, das in Kooperation mit dem Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin entwickelt wurde, tagesaktuelle und historische Perspektiven auf Flucht.
13:00 – 14:00 Literatur im Ausnahmezustand: „Hotspots“ und „Transitzonen“
Mit Eva Geulen DEU Literaturwissenschaftlerin | Ghayath Almadhoun PSE/SWE Dichter | Rasha Omran SYR/EGY Dichterin
Moderation: Falko Schmieder DEU Kulturwissenschaftler
Im offiziellen Sprachgebrauch spielt sich das Fluchtgeschehen in Hotspots, Transitzonen oder Auffanglagern ab. Welche Bilder werden mit dieser Sprache evoziert, welche Realitäten verbergen sich hinter diesen Worten? Und auf welche Weise nähert sich Literatur – seit jeher mit individuellen und gesellschaftlichen Ausnahmezuständen befasst – den Realitäten der Flucht?
14:15 – 15:15 Fluchterfahrungen zwischen Antike und Gegenwart
Mit Martin Treml DEU Religionswissenschaftler | Melanie Möller DEU Altphilologin | Hammoud Hamoud SYR/DEU Islamwissenschaftler
Moderation: Dirk Pilz DEU Journalist
Flucht und Vertreibung sind Themen in Koran und Bibel, aber auch in Mythen wie etwa denjenigen um Aeneas. Dieses Panel konfrontiert Fluchtdarstellungen in Mythos und Religion mit der gegenwärtigen Situation und befragt ihre Aussagekraft in Bezug auf das Hier und Jetzt.
15:30 – 16:30 Eine Sprache für das Flüchten finden
Mit Hannah Markus DEU Germanistin | Alfrun Kliems DEU Slawistin | Fiston Mwanza Mujila COD/SUI Dichter
Moderation: Johann Reißer DEU Autor
Flucht bedeutet auch, die Muttersprache zurückzulassen und sich auf neue Sprachen einzulassen. Dieses Panel diskutiert Sprechweisen für das Weggehen, Fremdsein und Ankommen in der osteuropäischen, afrikanischen und deutschen Lyrik.
Die drei Panels werden englisch-deutsch gedolmetscht.
Veröffentlicht am 11. Mai 2016 von lyrikzeitung
Fabjan Hafner war ein Multitalent – Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Übersetzer, Editor. Als Kärntner Slowene wechselte er virtuos zwischen Deutsch und Slowenisch, übersetzte zwischen beiden Literaturen, schrieb in beiden Sprachen – als Schriftsteller und als Wissenschaftler. Er förderte, übersetzte, schrieb über slowenischsprachige Autoren wie Gustav Januš, Florjan Lipuš und viele mehr. Er war – seit Langem – anerkannter Handke-Spezialist und Handke-Freund. Zuletzt arbeitete er über Christine Lavant, vor allem als Editor ihrer Gedichte, auch der zu ihren Lebzeiten unveröffentlichten.
Es sind dies nur wenige Beispiele. Denn Fabjan Hafner hat über 180 Publikationen vorgelegt. Und war mehrfach preisgekrönt: Petrarca-Übersetzer-Preis, Wissenschaftspreis der Österreichischen Gesellschaft für Germanistik und Österreichischer Staatspreis für literarische Übersetzung. / Anke Bosse, Kleine Zeitung
Veröffentlicht am 11. Mai 2016 von lyrikzeitung
Nach und nach führt das G&GN-Institut mit einigen Nahbell-Preisträgern (www.lyrikszene.de) per Email ein Interview durch. Das mit stan lafleur (3.Preisträger 2002) zog sich über ein ganzes Jahr hin und ist seit heute vollständig online.
Auszug:
01.FRAGE (14.5.2015):
Warum bist du damals (1994) eigentlich von Düsseldorf nach Köln umgezogen? Du hattest dir doch in Düsseldorf bereits einen Namen gemacht als Dichterfürst, oder nicht? Ich erinnere mich noch an einen kultigen Auftritt mit der Band Kreidler in einem kleinen Club in der Altstadt. Hat der Umzug die Karriere irgendwie begünstigt?01.ANTWORT (21.5.2015):
Mein Wegzug aus Düsseldorf hatte mehrere Gründe. Um die Jahreswende 93/94 hatte ich das Gefühl, mit meiner Literaturproduktion, die mir das meiste bedeutete, auf der Stelle zu treten. Eine Gruppe, die ich an der Heine-Universität mitbegründet hatte, in der Texte vorgetragen, diskutiert und Auftritte organisiert wurden, hatte sich nach einem halben Jahr ausgereizt. Nachdem ich die Gruppe verlassen hatte, fand ich in Düsseldorf, zumal ich zu diesem Thema radikale Ansichten vertrat, kaum Leute, die mein Bedürfnis teilten, über Literatur zu sprechen. Zwar kam recht viel Publikum zu meinen Auftritten, die eher experimentelle literarische Shows mit ausgiebigen performativen und musikalischen Elementen als Lesungen waren – mir fehlte jedoch die kritische Reibung, vor allem was gegenwärtige und möglicherweise neuartige, das literarische Korsett sprengende Möglichkeiten betraf. Von außen drang wenig Input durch, ich fühlte mich mit meinen Ansprüchen an die Literatur isoliert und sah Gefahr, durchzudrehen, falls ich nicht bald auf Leute stoßen würde, mit denen ich mich austauschen könnte. Es kumulierten dann ein paar unerfreuliche Ereignisse, von denen mich am heftigsten der Mord an meiner früheren Mentorin Renate Neumann traf. Renate war von ihrem Mörder geköpft worden; die Nachricht erreichte mich telefonisch, als ich, eine krasse Koinzidenz, den Coen-Film Barton Fink anschaute, in dessen Verlauf einem in der Krise befindlichen Schriftsteller ein Paket mit einem abgeschlagenen Haupt untergejubelt wird. Als ich nach dem Anruf vor die Tür ging, war der Mord an Renate Titelseite der Abendausgabe des EXPRESS. In Rath, wo ich damals wohnte, hörte ich eine Gruppe Arbeiter über der Schlagzeile lästern, daß das Opfer „ja nur ’ne Lesbe“ gewesen sei. Ich stellte mich vor sie hin und brüllte sie an, was sie sonst noch über die Frau wüßten, mit der ich befreundet gewesen war. Da entschuldigten sie sich und waren plötzlich ganz verschüchtert. Und ich noch bedrückter als zuvor. Zwei Tage später gab ich meine Wohnung auf, stellte mich an die Straße und hielt den Daumen raus. Ich benötigte dringend neue Perspektiven. Die Straße führte nach Frankreich. In Montpellier bezog ich für einige Wochen eine Altstadt-Wohnung, die mir Leute, die ich in einem Café kennengelernt hatte, spontan zur Verfügung stellten, in einem Haus, in dem ein weiterer deutscher Schriftsteller wohnte, den ich aber nie zu Gesicht bekam. In Montpellier wurde mir klar, daß ich für mein Schreiben den deutschen Sprachraum brauchte, daß ich in Deutschland weitermachen würde. Ausschlaggebend für Köln waren neben meiner Rheinaffinität und dem damaligen Kunstruf der Stadt, daß ich nach dem Kreidler-Debutauftritt in der Melody Bar, den Du angesprochen hast, mit den Herren weiterarbeiten wollte – anfangs war Kreidler ja ein gemeinsames Musik- und Spoken Word-Projekt. (…)
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