Rückblende L&Poe November 2001

Gestorben

Am 3. November 2001 starb Thomas Brasch mit nur 56 Jahren. Die NZZ schreibt

« Die Wetter schlagen um: Sie werden kälter. Wer  vorgestern noch Aufstand rief, ist heute zwei Tage älter.»  In dem Gedicht «Und der Sänger Dylan in der  Deutschlandhalle» mokiert sich der Autor über die  «brüllende Meute», die dem Barden die Höhe der Gage  und fehlendes Engagement vorhält; die «dürren  Studentinnen mit dem Elend aller Trödelmärkte der Welt  in den Augen» finden nicht die Sympathie eines erklärten  Hedonisten, für den zunächst die artifizielle Zuspitzung  zählt und nicht die political correctness. Womöglich war  er darin sogar seiner Zeit voraus …  / Martin Krumbholz, NZZ   5. November 2001

Im November starben auch

  • 3. November Luis Alfredo Arango, guatemaltekischer Lehrer und Schriftsteller
  • 4. November Jewgeni Chramow (69), sowjetischer und russischer Übersetzer und Dichter
  • 5. November Sawaki Kin’ichi, japanischer Schriftsteller (82)
  • 10. November Ken Kesey, US-amerikanischer Schriftsteller und Aktionskünstler (66)
  • 15. November Ain Kalmus, estnischer Schriftsteller und Theologe (95)
  • 15. November Jan Rabie, südafrikanischer Schriftsteller (81)
  • 19. November Fritz Fröhlich, österreichischer Maler und Lyriker (91)
  • 22. November Reimar Gilsenbach, deutscher Schriftsteller, DDR-Umwelt- und Menschenrechtsaktivist (76)
  • 25. November David Gascoyne, englischer Dichter, Übersetzer und Theoretiker des Surrealismus (85)
  • 25. November Riaz Ahmed Gohar Shahi, aus Pakistan stammender Sufi-Autor (60)
  • 26. November Nils-Aslak Valkeapää, finnischer Musiker und Schriftsteller  (geb. 1943)
    29. November George Harrison, 58, Mitglied der Beatles
Raum für Untrendiges?

Während grosse Verlage mehr und mehr das Risiko scheuen, sogenannte schwierige Literatur zu veröffentlichen, und auf Mainstream, sprich Gutverkäufliches, setzen, entstehen Nischenverlage, deren Ehrgeiz just darin besteht, sich um Entlegenes, Untrendiges zu kümmern. Zu einer dieser löblichen Neugründungen gehört die Edition Korrespondenzen des Wieners Franz Hammerbacher, der schon mit seinem ersten Programm hohe inhaltliche und gestalterische Qualität beweist und ein klares Verlagsprofil erkennen lässt. / Ilma Rakusa, NZZ 1. 11.2001

Celan in Wien

Es fehlt durchaus nicht an Anerkennung für seine dichterische Begabung, auch nicht an Respekt und Hilfsbereitschaft, aber der Preis für sein Mitmischen in den Wiener Künstlerkreisen, deren Aufbruchselan etwas eigentümlich Nachholendes und Anachronistisches anhaftet, ist eine gewisse Selbstverrenkung: In Wien wird zwanghaft das Kaffeehaus zurückerobert und in einem verspäteten, umso lauteren Bekenntnis zum Surrealismus der Anschluss an die internationale Moderne gesucht. Also verkauft Celan seine Lyrik als surrealistisch und verfasst zusammen mit dem Maler Edgar Jené das großsprecherische Manifest „Eine Lanze“ (das Anagramm der Namen der beiden Verfasser): „Wieder wird ein großer Hammer geschwungen und wen soll er zermalmen, wenn er niedersaust? Ein Geschöpf, den Menschen nicht mehr ähnlich, eine Mißgeburt aus Sodom, Methusalems letzten Sproß, gezeugt mit seiner Todesstunde: den Surrealismus.“ Celan wird diesen Ton nicht lange durchhalten. Wie später in der Gruppe 47 war er auch in Wien ein Fremdkörper… / IJOMA MANGOLD über die Ausstellung Displaced. Paul Celan in Wien  FR 28.11.01

Schnelllese-Zeiten

Günter Kunert über Probleme mit Gedichten in Schnell-Lesezeiten

Wahrlich, ich lebe in Zeiten, da die Dichter wenig gelten. Vorbei die gute alte schlechte Zeit, während welcher man noch einander Gedichte vorlas, von ihren Worten bewegt oder erregt, zumindest im Einklang, in seelischer Übereinstimmung mit den Sprachgebilden. Und ganz unauffällig fand bei derlei gemeinsamen Unterhaltsamkeiten auch etwas statt, dass man mit einem trockenen Begriff „Belehrung“ nennen könnte. Nämlich Belehrung über das wundersame Wesen der Sprache.

Zeilen prägten sich dann einem ein. Verse blieben im Gedächtnis, Intonation und Rhythmus weckten die Aufmerksamkeit für Genauigkeit. In einem weitaus umfassenderen und auch strengerem Maße forderte die Dichtung, die Lyrik, etwas vom Leser oder Zuhörer, was ihm oft die Prosa nicht abverlangte. Nämlich sich um Verständnis für verbale Bilder zu bemühen und ihre Hintergründigkeit, manchmal auch ihre Rätsel zu ergründen.

Ich weiß, der heutige, auf Hurtigkeit gestrimmte Leser besitzt nicht mehr, was früher kostenlos vorhanden war, und zwar die Muße, um sich mit einem sprachlichen Kunstwerk zu befassen. Alles soll sofort kapiert werden, leicht verstanden, flüchtig aufgenommen, rasch vergessen.  (Laudatio auf Heinz Czechowski , Nordwest- Zeitung 26.11.01)

Kommentar der Lyrikzeitung 2001: Aber woher weiß er das, übrigens? …

Kommentar der Lyrikzeitung 2017: Naja…

EIN AUTOR AUS RUSSLAND: Ewige Fragen

Popo-selig, wer erkennt:
Durch Hipperbeln popotent!
Wer ob der Hippnose witzelt,
Wird von Popo scharf bespitzelt.
Hippopot, ganz Hippospot,
Tritt ihn eigenhändig tot.

,,Hippopotamos“ (zu Deutsch: Flusspferd) heißt das Gedicht, aus dem diese Zeilen stammen. Der Russe Wjatscheslaw Kuprijanow hat es geschrieben. / Frankenpost 24.11.01

Ein Spruch

»Wer Gedichte schreibt, hat ´nen Stich«, räumt die Geraer Lyrikerin Annerose Kirchner vor dem Bergaer Publikum ganz freimütig ein. / Ostthüringer Zeitung 23.11.2001

Grobes auf Plattdeutsch?

Der Gedicht-Titel „Entmystifizierung des Sex“ klingt bei Marlies Jensen viel lieblicher: ¸“Mit den Holthamer op dat sööte Geheemnis“ ist gleichzeitig der Buchtitel. Drastisches vermeidet sie: Wenn Fried vom „Bumsen“ schreibt, so übersetzt sie es mit „elste nüe Woort“ (das eklige neue Wort).

Manches akzentuiert sie anders: „Krieg“ nennt sie „Mord und Dootslag“, und die von Fried so geschätzte „innere Ruhe“ wird bei ihr zu „Kehrdiannix“ (Scher dich um nichts). Frei übersetzt sie das „Computerzeitalter“ mit „Tieden vun de Orwellsche Schrievmaschin“ (Zeiten der Orwellschen Schreibmaschine).

Erich Fried, Mit den Holthamer op dat sööte Geheemnis, Agimos Verlag, Kiel, 146 Seiten, 29,90 Mark. / Südwest Presse 23.11.01

Riesenwerk Rückert-Gesamtausgabe

Das „Liedertagebuch“ stelle, so der editorische Bericht der Herausgeber, das „größte geschlossene Poesiewerk des Neunzehnten Jahrhunderts“ dar. Es sei, so Wollschläger bei der Präsentation, ein Werk, das geeignet sei, das Bild, das sich Zeitgenossen und Nachwelt von Rückert gemacht haben, entscheidend zum Positiven hin zu korrigieren. Diese rund 10 000 Verse, die im Schweinfurter Archiv „ruhten“, bis sie vor einem Dutzend von Jahren von den Herausgebern gesichtet und in ihrem Wert erkannt wurden, stellten die „gewichtigere Hälfte von Rückerts Werk“ dar, im Vergleich zu den von Rückert selbst zu Lebzeiten in Druck gegebenen Schriften. / Main-Post 16.11.01

Für den Frieden sind alle, aber

Die Welt 11.11.01 (Interview mit Wolf Biermann)

Jetzt wächst Deutschland zusammen, und wir so genannten Intellektuellen kippen auseinander.

WamS: Nirgends wurde das deutlicher als im Golfkrieg.

Biermann: Da ging es ja auch an die Substanz. Wie auch heute wieder. Klar: Für den Frieden sind wir alle. Aber wenn es dann um das Wie geht, schließen sich die Menschen gegenseitig aus der Menschheit aus, und es entsteht die von Hölderlin besungene stumme, kalte Zwietracht.

Lyrisches Schamenantum

Es gibt kaum eine andere literarische Gattung, die sich der vermeintlichen Verstehbarkeit der Welt so dezidiert entgegenstellt wie die Poesie. Dutli definiert die Lyrik nachgerade als den «dauernd inszenierten Totalverlust aller Gewissheit». … Bereits im 11. Jahrhundert verfasste der provenzalische Dichter Guilhem IX. einen unerhört modernen Text, der mit den Zeilen beginnt: «Ich mach ein Lied aus reinem Nichts.» Solch kalkulierte Informationsverweigerung lenke die Aufmerksamkeit des Lesers auf das Eigentliche: auf die musikalische Konstruktion des literarischen Gebildes. Dabei diktiere die Sprache selbst den lyrischen Sinn: Der Dichter sei nur ein Troubadour, der das in der Wort- oder Satzstruktur bereits Angelegte «finde». Im Gedicht vereinigen sich Autor und Leser, so Dutli, zu einer magischen Sprachzelebration. / NZZ 10.11.01

Ignoranz

Wie reagiert die deutsche Literaturkritik, wenn die Texte eines Autors, einer Autorin aus der Türkei zu bewerten sind? Ignorant und snobistisch.

/ Monika Carbe NZZ 10.11.01

„Unser Wahn“: Die Krise arabischer Intellektueller

Zweifellos sind  Araber und Muslime ungerechter Behandlung ausgesetzt. Wenn wir aber  nur dies sehen, so bedeutet das, daß wir vom anderen noch gar nichts gelernt  haben.

Schreibt Abbas Baydoun. Der libanesische Dichter wurde 1945 geboren. Er ist Feuilletonchef der Tageszeitung “ As-Safir“ in Beirut.  / Frankfurter Allgemeine Zeitung , 09.11.2001

Wiecker Bote

Oskar Kanehl, Lyriker, Publizist und später Anarchist, war ein ausgesprochener Querdenker, der 1913 von Greifswald nach Wieck zog und Lust bekam, „eine Bombe ins schwarze Ketzernest Greifswald zu werfen“. Am 16. Juli erscheint die erste Ausgabe des „Wiecker Boten“. Das Blatt findet Beachtung, erntet Widerspruch, zieht den Hass der Korpsstudenten und die Missbilligung der Universität auf sich. Die Schrift, dem Expressionismus zugetan, versteht sich als kritischer Beobachter, als „Parteiblatt der Parteiüberwinder“. Kanehl wird 1914 einberufen, der widerspenstige „Wiecker Bote“ verschwindet.

Heute ist das [1995 wiederbegründete] Blatt weniger widerspenstig, aber noch immer kritischer Beobachter seiner Zeit. / MARKUS KOWALZYCK, Ostsee-Zeitung 7.11.01

Kult

Volly Tanner wird alt. Der Underground-Poet geht neuerdings bei Grün über die Straße. Volly Tanner ist schüttere, kränkliche 31; doch dafür hat er etwas geschafft, das an keiner Umrahmung seiner gepflegten Feindbilder notiert ist: Er genießt Kult-Status. / Leipziger Volkszeitung 6.11.01

Suaheli-Literatur

Zwar hatte sich bereits die frühere Swahili-Literatur – die ersten schriftlichen Zeugnisse gehen bis ins 17. Jahrhundert zurück – mit Politik beschäftigt, doch ausschliesslich in einem affirmativen Sinne. Sexualität dagegen war früher nie ein Thema; das Erscheinen von [des Tansaniers] Euphrase Kezilahabis erstem Roman im Jahre 1971 führte denn auch zu einem Skandal. Zu Diskussionen Anlass gaben auch seine in freien Versen geschriebenen Gedichte, bestimmten doch Reim und Metrum ausnahmslos die traditionelle Swahili-Lyrik. / Heinz Hug, NZZ 1. November 2001

Verschwunden

25 Jahre nach ihrem Tod ist die bedeutende Dichterin Martha Saalfeld, von Elisabeth Langgässer einst als „pfälzische Sappho“ apostrophiert, aus der literarischen Öffentlichkeit so gut wie verschwunden. / Michael Buselmeier, Freitag 45/01

02-01

1. Februar

Nur noch 333 Tage bis Jahresende

  • 1394: Ikkyū Sōjun, japanischer Zen-Meister und Dichter *
  • 1459: Conrad Celtis, deutscher Dichter und Humanist * (Textkette)
  • 1462: Johannes Trithemius, deutscher Abt, Gelehrter und Humanist *  Geheimschriften
  • 1656: Rudolf von Drachenfels, deutscher Verwaltungsbeamter und Gelegenheitsdichter  †
  • 1673: Alessandro Marcello, italienischer Dichter, Komponist und Philosoph *
  • 1720: Schweden schließt im Großen Nordischen Krieg mit Preußen den Frieden von Stockholm. Gegen Zahlung von zwei Millionen Talern erhält Preußen Stettin, Usedom, Wolin und Vorpommern bis zur Peene.
  • 1758: Gotthard Ludwig (Theobul) Kosegarten, deutscher Pastor und Schriftsteller *. Studierte in Greifswald Theologie. Als Rektor der Knabenschule in Wolgast unterrichtete er Philipp Otto Runge.  Pfarrer in  Altenkirchen auf Rügen (Uferpredigten auf den Klippen bei Vitt). 1808 ao. Professor, 1817 ordentlicher Professor für Theologie in Greifswald. Gestorben am 26. Oktober 1818 in Greifswald, begraben in Altenkirchen. (Lyrikzeitung)
  • 1796: Abraham Emanuel Fröhlich, Schweizer reformierter Theologe und Schriftsteller *
  • 1804: Handrij Zejler, sorbischer Dichter, Begründer der modernen sorbischen Dichtung * (Lyrikzeitung)
  • 1824: John Lemprière, britischer Lexikograph †
  • 1851: Mary Wollstonecraft Shelley, britische Schriftstellerin (Frankenstein oder Der moderne Prometheus) †
  • 1874: Hugo von Hofmannsthal, österreichischer Schriftsteller (Wiener Moderne) * (Lyrikzeitung)
  • 1902: Langston Hughes, US-amerikanischer Dichter der Harlem Renaissance * (Lyrikzeitung)
  • 1903: Georg Rendl, österreichischer Schriftsteller *. Das sind die Gedichte. Salzburg 1963
  • 1907: Günter Eich, deutscher Lyriker und Hörspielautor * (Lyrikzeitung)
  • 1910: Otto Julius Bierbaum, deutscher Schriftsteller, Parod- und Antholog-ist †. Über Stefan George und seinen Kreis spottete er „Feierlich sein ist alles! Sei dumm wie ein Thunfisch, temperamentlos wie eine Qualle, stier besessen wie ein narkotisierter Frosch, aber sei feierlich, und du wirst plötzlich Leute um dich sehen, die vor Bewunderung nicht mehr mäh sagen können.“
  • 1918: Muriel Spark, britische Schriftstellerin *
  • 1922: Leili Andre, estnische Dichterin und Schriftstellerin *
  • 1933: Zwei Tage nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler löst Reichspräsident Paul von Hindenburg auf dessen Wunsch den deutschen Reichstag auf. Die „Machtergreifung“ marschiert.
  • 1934: John Schehr, deutscher kommunistischer Politiker, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus †. Nach Verhaftung Ernst Thälmanns Vorsitzender der KPD. In der Nacht vom 1. zum 2. Februar 1934 am Berliner Kilometerberg „auf der Flucht erschossen“. Erich Weinert: John Schehr und Genossen.
  • 1935: Dieter Kühn, deutscher Schriftsteller *
  • 1938: Julian Arendt, deutscher Literat †. Schrieb Chansontexte für Claire Waldoff
  • 1939: Wolfgang Krege, deutscher Autor und Übersetzer (Tolkien) *
  • 1945: Durch kommunistische Volksgerichte wird die politische, militärische und intellektuelle Elite Bulgariens auf Anordnung Moskaus zum Tode verurteilt, darunter 67 Parlamentsabgeordnete, alle Mitglieder der Regierungen zwischen 1941 und 3. September 1944, die Regenten des Zaren (Prinz Kyril, Bogdan Filow und Nikola Michow), neun Staats- und Regierungssekretäre, die Verleger der großen Zeitungen und Zeitschriften, 47 Generäle und Offiziere. (Wikipedia)
  • 1946: Hans Bethge, deutscher Dichter †. Anthologist, Nachdichter orientalischer Lyrik (Lyrikzeitung)
  • 1970: Ernst Waldinger, deutscher Lyriker und Essayist †
  • 1971: Raoul Hausmann, österreichisch-deutscher Künstler des Dadaismus † (der Dadasoph)
  • 1976: Hans Richter, deutscher Maler und Filmkünstler des Dadaismus †
  • 1989: Karel Bodlák, tschechischer Literaturkritiker, Dichter und Lehrer †
  • 2002: Hildegard Knef, deutsche Schauspielerin, Chansonsängerin und Autorin †
  • 2012: Wisława Szymborska, polnische Dichterin und Nobelpreisträgerin † (Lyrikzeitung)

Max-und-Moritz-Universität

Ein Kommentar von Michael Gratz

Seit 20 Jahren wird in Greifswald wieder über den Namen der Universität diskutiert.

500 Jahre lang war die zweitälteste Universität nördlich von Heidelberg überhaupt ohne Personennamen ausgekommen. 1933 erhielt sie den Namen „Ernst-Moritz-Arndt-Universität“ aus den Händen des zuständigen Ministers Hermann Göring. Beantragt hatte die Namensgebung Professor Walter Glawe, Mitglied von DNVP, Stahlhelm und dann NSDAP. Zwischen 1945 und etwa 1954 war der Namenszusatz „Ernst-Moritz-Arndt“ gestrichen, dann führte ihn die SED wieder ein. Professor in Greifswald war immer noch Walter Glawe, jetzt SED.

Vor fünf Jahren kam im Senat nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit für eine Namensänderung zustande. Vor zwei Wochen wurde erneut abgestimmt, diesmal waren 24 Senatorinnen und Senatoren für die Streichung, 11 dagegen. Eine klare Mehrheit gegen Arndt und eine knappe Zweidrittelmehrheit, die Namensänderung ist damit beschlossen. Die Landesregierung muß noch zustimmen.

Noch während die Sitzung lief, begann der Aufschrei der Arndtanhänger in sozialen Medien. Einer rief die Greifswalder auf

Wo bleibt der Aufstand der Eingeborenen?

Ihr Greifswalder müsst damit leben, also lauft Sturm und lasst euch nicht so vorführen. #sturmaufbastille

Man sprach von „Hinterhofdemokratie, die jeglicher Legitimation entbehrt“, „Handstreich“ und „Nacht und Nebelnummer“, von „Geschichtsexorzismus“ und „tiefen Gräben zwischen Bürgern und Universität“. Der AfD-Abgeordnete Prof. Weber nannte eine erfundene Zahl von mindestens €300000, die die Umbenennung kosten würde. Alle verbreiten die Zahl weiter, #fakenews. Bald sprang die regionale Ostsee-Zeitung auf den Zug auf. Wie zu DDR-Zeiten während der Biermann-Ausbürgerung druckt sie tagelang Stellungnahmen von Greifswaldern, allesamt gegen die Umbenennung, Zustimmung gibt es anscheinend nicht, nicht bei der Zeitung. Die „Junge Union“ meldete sich zu Wort, die CDU fordert eine Sondersitzung der Bürgerschaft und sogar des Landtags. „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“. Mein Kommentar:

„Die Greifswalder“, schallt es jetzt überall, sind stolz auf den „traditionellen“ (seit 1933) Namen. Da werden sie wohl im Recht sein. Das Ding heißt doch nicht Einsteinuniversität. Diese Stadt, die jetzt lautstark den Aufstand probt und mit Stimmen von CDU und alten Linken der schon gescheiterten Provinzpegida noch einmal die Chance gibt, sich als „mächtige Volksbewegung“ in Szene zu setzen, hat sich den Namen verdient.

Wenn die Uni stur bleibt und die Landesregierung nicht vor organisiertem und selbstinduziertem Volkszorn einknickt, können sie ja ihre Stadt in Ernst-Moritz-Arndt-Stadt umbenennen, damit ihre „Identität“, von der auf einmal alle posaunen, gewahrt bleibt. Deutschland 2017. Wohin auswandern.

02-03

3. Februar
  • 1468: Johannes Gutenberg, deutscher Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern †
  • 1602: Paulus Melissus Schede, deutscher Schriftsteller, Psalmenübersetzer und Komponist †
  • 1669: Kada no Azumamaro, japanischer shintoistischer Gelehrter und Dichter *
  • 1722: Mathias Ettenhueber, deutscher Dichter * in München. Schrieb zunächst noch Latein, wechselte unter dem Einfluß von Klopstock, Gellert u.a. zu Deutsch. 1763 Hofpoet, aber „ohne Mittel“. 1778 wurde er infolge der Veröffentlichung der allzu regierungskritischen Ode Das sich beschwerende Baiern verhaftet und fand nach seiner Entlassung Zuflucht in einem Kloster. Vermutlich das Vorbild für Spitzwegs armen Poeten. – Wer in der Poesie nicht will ein Pfuscher bleiben. München, 1765
  • 1735: Ignatius Krasicki, polnischer Geistlicher und Schriftsteller *
  • 1736: Tommaso Ceva, italienischer Dichter und Mathematiker †
  • 1801: Siegfried Schmid schreibt an Hölderlin: „Das waren wieder köstliche Worte des hohen Geistes, hervorgequollen aus der heiligen Tiefe, wo das unvergänglichjugendliche Leben sich regt (…) Nächstens mehr, wann ich dir das Gedicht schike.“
  • 1842: Sidney Lanier, im 19.Jh. berühmter US-amerikanischer Dichter und Musiker *
  • 1844: Marie von Najmájer, österreichische Schriftstellerin *. „Marie von Najmájer ließ sich durch das Leben der persischen Dichterin Tahirih oder Qurrat al-ʿAin (arab. „Trost der Augen“), die als erste Frau die Lehren des Bab annahm und dafür auch ihr Leben gab, zu dem Epos Gurret-ül-Eyn inspirieren. Dieses Werk schildert in Gedichtform den Märtyrertod des Bab und die grausame Ermordung seiner Anhänger und dürfte somit das erste Werk in einer westlichen Sprache sein, welches die dramatischen Ereignisse der Babi- und Bahai-Geschichte in einem literarisches Werk verarbeitet. In dem Epos wird auch die Zusammenkunft einer Gruppe von Babis in Badascht (Bedescht) im Sommer 1848 beschrieben, in der Qurrat al-ʿAin plötzlich unverschleiert vor den versammelten Freunden stand. Hiermit signalisierte sie den Beginn der Emanzipation der Frauen und die Loslösung der Jünger des Bab vom koranischen Gesetz.“ (Wikipedia)
  • 1845: Ernst von Wildenbruch, deutscher Dichter *
  • 1850: Bertha von Arnswaldt, deutsche Salonière *. Wikipedia gibt hier einen kleinen Kurs in Gesellschaftskunde. Bei Saloniere fehlt kein n (sondern jetzt ein accent aigu). Heißt, sie betrieb einen (literarischen) Salon. In Berlin. Leute, die da häufig zu Gast sind, heißen nicht poplig Gäste, sondern Habitués. Unter ihren Habitués waren Theodor Däubler, Cäsar Flaischlen, Walther Rathenau, Ernst Rowohlt, Carl Ludwig Schleich, Hermann Sudermann.
  • 1853: August Kopisch, deutscher Maler und Schriftsteller † (Gedicht: Die Heinzelmännchen)
  • 1866: Fabio Fiallo, dominikanischer Politiker, Diplomat, Journalist und Schriftsteller *
  • 1874: Gertrude Stein, US-amerikanische Schriftstellerin der klassischen Moderne, Verlegerin und Kunstsammlerin * (Lyrikzeitung)
  • 1876: Gino Capponi, italienischer Politiker, Historiker und Dichter †
  • 1889: Artur Adson, estnischer Dichter, Schriftsteller und Theaterkritiker, Landvermesser *
  • 1896: Johannes Urzidil, österreichisch-tschechoslowakischer Schriftsteller *
  • 1897: Lisa Baumfeld, österreichische Schriftstellerin †
  • 1900: Im Deutschen Theater Berlin Uraufführung der Komödie Schluck und Jau von Gerhart Hauptmann.
  • 1912: Dan Kazuo, japanischer Schriftsteller *
  • 1927: Kenneth Anger, US-amerikanischer Filmemacher und Autor, Pionier des amerikanischen Underground-Films *
  • 1933: Am vierten Tag nach Machtübernahme spricht Hitler vor höchsten Vertretern der Reichswehr. Darin verkündet er sein Expansionsprogramm zur Gewinnung von „Lebensraum im Osten“.
  • 1934: Johannes Kühn, deutscher Schriftsteller * (Lyrikzeitung)
  • 1947: Paul Auster, US-amerikanischer Schriftsteller, Regisseur, Kritiker, Übersetzer und Herausgeber *
  • 1952: Kambara Ariake, japanischer Schriftsteller †
  • 1953: Ferdinand Schmatz, österreichischer Schriftsteller * (Lyrikzeitung)
  • 1959: The Day the Music Died (Buddy Holly, Ritchie Valens und The Big Bopper sterben bei einem Flugzeugabsturz)
  • 1971: Esther de Cáceres, uruguayische Lyrikerin †
  • 1973: Andy Razaf, US-amerikanischer Liedtexter †
  • 1997: Bohumil Hrabal, tschechischer Schriftsteller †
  • 2009: Kurt Demmler, deutscher Liedermacher †
  • 2011: Édouard Glissant, französischer Schriftsteller und Philosoph † (Lyrikzeitung)

01-31

31. Januar
  • 1741: Theodor Gottlieb von Hippel, preußischer Staatsmann, Schriftsteller und Sozialkritiker *. Freund von Kant und Hamann. Setzte sich für die rechtliche Gleichstellung von Frauen ein.
  • •1799: Rodolphe Töpffer, Schweizer Zeichner und Novellist *. Schuf komische-skurrile Bildergeschichten, Proto-Comics. Seine Faust-Parodie Dr Festus gefiel Goethe. Sein Dr. Festus ist ein Gelehrter, der 22 Sprachen beherrscht, in denen er bei Gelegenheit einen einzigen Schrei ausstößt.
  • 1822: Elise Polko, deutsche Dichterin und Sängerin *
  • 1828: Alexander Ypsilantis, griechischer General, der in russischen Diensten für die Freiheit Griechenlands kämpfte, † (Wilhelm Müller, genannt Griechenmüller: Alexander Ypsilanti auf Munkács. Müller ist auch der Verfasser der von Schubert vertonten Zyklen Die schöne Müllerin und Winterreise)
  • 1855: Otto Ehrenfried Ehlers, deutscher Forschungsreisender und Schriftsteller *. Dichtete über die Ostsee, redigierte die „Zeitung für Hinterpommern“, bereiste die deutschen Kolonien, wurde bei einer Expedition im Kaiser-Wilhelms-Land (Neuguinea) ermordet.
  • 1866: Emil Strauß, deutscher Dichter *
  • 1866: Friedrich Rückert, deutscher Dichter, Übersetzer und Orientalist † (Lyrikzeitung | Textkette)
  • 1867: Mariusz Zaruski, polnischer General, Segelsportler, Bergsteiger, Schriftsteller und Maler *
  • 1892: Ozaki Kihachi, japanischer Schriftsteller *
  • 1901: Marie Luise Kaschnitz, deutsche Schriftstellerin * (Lyrikzeitung)
  • 1915: Thomas Merton * in Prades, Frankreich. Trappistischer Mönch, schrieb mehr als 50 Bücher und 2000 Gedichte. (1915).
  • 1918: Karl Emerich Krämer, deutscher Schriftsteller *. 1952 erschien der Gedichtband „Ich schreibe mein Herz in den Staub der Straße“. „Er enthielt expressionistisch angehauchte, von Federico García Lorca beeinflusste und in einem äußerst eingängigen Ton gehaltene Gedichte, die angeblich aus dem Nachlass eines 1921 geborenen, deutsch-französischen Fremdenlegionärs namens George Forestier stammten, von dem behauptet wurde, er sei 1951 in Indochina verschollen. Das Buch entwickelte sich zu einem der größten Lyrik-Erfolge der deutschen Nachkriegsliteratur, ein zweiter Band mit Forestier-Gedichten unter dem Titel „Stark wie der Tod ist die Nacht, ist die Liebe“ sowie eine Auswahl von Briefen folgten, ehe der Verleger Peter Diederichs 1955 die Mystifikation beendete und Krämer zugeben musste, selbst Verfasser der Werke „Forestiers“ zu sein. Nach der allgemeinen Begeisterung, auf die die Forestier-Gedichte auch bei der Literaturkritik gestoßen waren, war nun von einem Skandal die Rede; vor allem die seriösen Kritiker fühlten sich düpiert und stellten Krämer für die Zukunft ins Abseits. Krämer veröffentlichte weiterhin Gedichte unter dem Namen „George Forestier“, mit denen er jedoch nie wieder an den Erfolg der frühen 1950er anknüpfen konnte.“ (Wikipedia) (Lyrikzeitung | Lyrikwiki)
  • 1921: Kurt Marti, Schweizer Pfarrer und Schriftsteller * (Lyrikzeitung)
  • 1933: John Galsworthy, britischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger †
  • 1935: Ōe Kenzaburō, japanischer Schriftsteller und Nobelpreisträger *
  • 1940: René Schickele, deutsch-französischer Schriftsteller, Essayist und Übersetzer †. „Ich bin ein deutscher Dichter, gallisch-alemannischen Geblüts, das in den Formen der deutschen Sprache austreibt (…) Gestern deutscher, heute französischer Staatsangehöriger: ich pfeife darauf.“ (In: Menschheitsdämmerung, 1920) (Textkette)
  • 1944: William Allen White, US-amerikanischer Journalist, Politiker und Schriftsteller †
  • 1952: Pedro Prado, chilenischer Schriftsteller †
  • 1956: A. A. Milne, britischer Schriftsteller † (Winnie-the-Pooh)
  • 1987: Benno von Wiese, deutscher Literaturwissenschaftler †
  • 1994: Erwin Strittmatter, einer der bekanntesten DDR-Schriftsteller (Der Laden) †
  • 2012: Dorothea Tanning, US-amerikanische Malerin, Bildhauerin und Schriftstellerin † (Lyrikzeitung)

02-02

2. Februar

Lichtmeß

  • 1512: Hatuey, kubanischer Freiheitskämpfer * Organisierte den Kampf gegen die spanischen Eroberer, wurde ergriffen und bei lebendigem Leibe verbrannt.
  • 1700: Johann Christoph Gottsched, deutscher Gelehrter und Schriftsteller *. (Lyrikzeitung)
  • 1816: Michael Öchsner, bayerischer Lehrer, Publizist und Schriftsteller * Verfasser der Bayernhymne
  • 1827: Ludwig Eichrodt, deutscher Schriftsteller *
  • 1829: Alfred Edmund Brehm, deutscher Zoologe (Brehms Tierleben) *
  • 1844: Marie Hankel, deutsche Esperanto-Dichterin *
  • 1849: Pavol Országh Hviezdoslav, slowakischer Dichter *
  • 1882: James Joyce, irischer Schriftsteller (Ulysses und Finnegans Wake) * (Lyrikzeitung)
  • 1885: Gostan Zarian, armenischer Schriftsteller, Dichter und Maler *. In Paris ausgebildet, schrieb Französisch und Russisch. Auf den Rat Émil Verhaerens lernte er Armenisch, um sein wahres Selbst und sein literarisches Können authentischer hervorbringen zu können. Lernte Armenisch und Altarmenisch. Schrieb auch Gedichte in italienischer Sprache. Während des Völkermordes gegen die Armenier in der Türkei 1915 war er in Istanbul. Einer der wenigen armenischen Intellektuellen, die fliehen konnten.
  • 1886: William Rose Benét, US-amerikanischer Dichter und Herausgeber *. Pulitzer-Preis für Lyrik 1942. Schrieb während des 2. Weltkrieges patriotische, propagandistische Gedichte (Day of Deliverance, 1944). Seine The Reader’s Encyclopedia (Enzyklopädie des Lesers) gilt in den USA als Standardnachschlagewerk zur Weltliteratur.
  • 1892: Ludwig Eichrodt, deutscher Schriftsteller †
  • 1922: Der Roman Ulysses von James Joyce erscheint als Buch in Paris
  • 1938: Friedrich Adler, österreichischer Schriftsteller †. Lebte in Prag, übersetzte aus dem Tschechischen (Jaroslav Vrchlický) und Spanischen.
  • 1941: Johannes Schlaf, deutscher Schriftsteller, einer der Begründer des Naturalismus † (Lyrikzeitung)
  • 1942: Daniil Charms, russischer Schriftsteller † (Lyrikzeitung | Textkette | Lyrikwiki)
  • 1955: Leszek Engelking, polnischer Dichter, Schriftsteller, Übersetzer (Pound, Blatný, Bukowski, Borges, Lorca, H.D. u.v.a.) und Literaturwissenschaftler *
  • 1957: Valery Larbaud, französischer Schriftsteller und Literaturkritiker †. „Geheimagent der Literatur“ (Jean Cocteau)
  • 1974: Marieluise Fleißer, deutsche Schriftstellerin †

01-30

30. Januar
  • 1599: Hans Georg von Schleinitz, deutscher Verwaltungsbeamter und Gelegenheitsdichter *
  • 1603: David Denicke, deutscher Jurist und Kirchenlieddichter *
  • 1730: Thomas Osbert Mordaunt, britischer Soldat und Poet *
  • 1760: Jonas Rein, norwegischer Dichter, Abgeordneter der verfassungsgebenden Versammlung *
  • 1775: Walter Savage Landor, britischer Dichter und Schriftsteller *
  • 1781: Adelbert von Chamisso, deutscher Schriftsteller und Botaniker (Peter Schlemihls wundersame Geschichte) * (Lyrikzeitung)
  • 1789: Wolf Heinrich Graf von Baudissin, deutscher Diplomat, Schriftsteller und Übersetzer (Shakespeare, Molière) *
  • 1809: Georg Friedrich Blaul,  Pfarrer und Pfälzer Heimatdichter *
  • 1868: Richard Nordhausen, deutscher Dichter und Schriftsteller *
  • 1869: William Carleton, irischer Schriftsteller †
  • 1878: Anne Catherine Ingeborg Andresen-Bödewadt, deutsche Lehrerin und Regionalschriftstellerin *
  • 1901: Hans Erich Nossack, deutscher Schriftsteller *
  • 1905: Eduard Ebel, deutscher evangelischer Pfarrer und Dichter (Leise rieselt der Schnee) †
  • 1923: Alexander Brändle, deutscher Schriftsteller (Kinderbücher, Science Fiction, Gedichte) *
  • 1923: Franz Brümmer, deutscher Lehrer und Lexikograph †. Herausgeber von Eichendorffs Gedichten. Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten (in der letzten Fassung fast 10.000 Schriftsteller)
  • 1928: Karl Bleibtreu, zeitweise einflußreicher naturalistischer Schriftsteller †. Kämpfte später gegen die Haupt- und SudermännereiLyrisches Tagebuch. Heterogene Lyrik, 1885. Bücher über militärische Fachfragen. (Lyrikzeitung)
  • 1933: „Machtergreifung“ Adolf Hitlers, in Wirklichkeit eine Machtübergabe durch Reichspräsident Paul von Hindenburg. Wolfgang Koeppen kam an diesem Tag von München nach Berlin zurück, er sagte, plötzlich habe er bemerkt, daß er jüdische Freunde hatte.
  • 1933: „Wie eine Flamme schlägt es über Deutschland auf: Adolf Hitler ist Reichskanzler! Millionen Herzen sind angezündet, Jubel und Dankbarkeit suchen nach einem Ausbruch.“ (Reichssender Köln am Abend)
  • 1933: Am Abend des 30. Januar versammelt der neue Reichsinnenminister Frick die Vertreter der Berliner Presse. Er versprach, daß die neue Regierung sich von allen Vorgängerregierungen durch eine weitgehende Wahrung der Pressefreiheit unterscheiden würde.
  • 1935: Richard Brautigan, US-amerikanischer Schriftsteller *. Sein Buch  Trout Fishing in America, Forellenfischen in Amerika, 1967, wurde ein Bestseller mit „Millionen verkaufter Exemplare weltweit“ (Writers‘ Almanac). (Lyrikzeitung)
  • 1943: Pierre-Barthélemy Gheusi, französischer Schriftsteller †
  • 1944: Hermann Kükelhaus, deutscher Dichter †
  • 1972: britische Fallschirmjäger erschießen 27 unbewaffnete Demonstranten in Derry, Nordirland, “Bloody Sunday.”

Leseecke 22

FullSizeRenderLeseecke ist eine Rubrik, die sich langsam, Stück für Stück der digitalen Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (im Jubiläumsjahr 2016 bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts). Zur Originalschreibweise: u / v und i / j sind fast regellos austauschbar, liue lies live, ioy lies joy.
Sonette 22-28 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.

22

MY glasse shall not perswade me I am ould, 
So long as youth and thou are of one date,
But when in thee times forrwes I behould,
Then look I death my daies should expiate.
For all that beauty that doth couer thee,
Is but the seemely rayment of my heart,
Which in thy brest doth liue, as thine in me,
How can I then be elder then thou art?
O therefore loue be of thy selfe so wary,
As I not for my selfe, but for thee will,
Bearing thy heart which I will keepe so chary
As tender nurse her babe from faring ill,
   Presume not on thy heart when mine is slaine,
   Thou gau'st me thine not to giue backe againe.

Einige Anmerkungen zum Text:

1 glasse Spiegel

2 are of one date gleich alt werden

forrwes furrows (Furchen, Runzeln) Gildon 1710 verbessert: sorrows

4 expiate sühnen, hier: beenden: dann hoffe ich, daß der Tod meine Tage beenden wird

6 seemely seemly (passend) rayment

9 wary wachsam

10 will: will be wary

11 chary behutsam, sanft

13 presume not on beharre/bestehe nicht auf slaine erschlagen, getötet

14 gau’st gavest

Deutsche Fassung von Stefan George:

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Quellen

  • Q = Shake-speares Sonnets. Never before imprinted (1609) (Quelle der Originaltexte)
  • B = Benson, Poems: Written by Wil. Sh. (1640)
  • Burrow = W. Shakespeare: The Complete Sonnets and Poems. Ed. Colin Burrow (Oxford World’s Classics), Oxford University Press, 2002
  • B/H = Shakespeare, The Sonnets. Hrsg. Raimund Borgmeier, Michael Hanke. Stuttgart: Reclam, 2006
  • Borgmeier = Shakespeare: The Sonnets. Die Sonette. Engl. u. in ausgewählten deutschen Versübersetzungen. Hrsg. Raimund Borgmeier. Stuttgart: Reclam, 1974

01-29

Sonntag, 29.1.
  • 1129: Minamoto no Shunrai, japanischer Dichter †
  • 1455: Johannes Reuchlin, deutscher Philosoph und Humanist *
  • 1632: Johann Georg Graevius, deutscher klassischer Philologe und Textkritiker *. Edierte Textausgaben von Hesiod (1667), CatullusTibullus et Propertius (1680) sowie verschiedene Werke Ciceros.
  • 1688: Emanuel Swedenborg, schwedischer Wissenschaftler, Mystiker und Theologe *. Immanuel Kant war von seinen Visionen gar nicht amüsiert. In seiner Schrift Träume eines Geistersehers (1766) nennt er ihn einen „Kandidaten des Hospitals“ und „Erzphantast unter allen Phantasten“, seine Arcana caelestia bezeichnet Kant als „acht Quartbände voll Unsinn“. Demgegenüber Swedenborgs Einfluß auf Künste und Wissenschaften bis heute. (Lyrikzeitung)
  • 1763: Johann Gottfried Seume, deutscher Schriftsteller * (Spaziergang nach Syrakus) 
  • 1763: Louis de Racine, französischer Dichter †.  „… le bon versificateur, fil du grand poète Racine …“ „der gute Versemacher. Sohn des großen Dichters Racine“ (Voltaire)
  • 1834: Johann Gaudenz von Salis-Seewis, Schweizer Dichter †. Seine Freunde nannten ihn die „Bündner Nachtigall“. Bunt sind schon die Wälder
  • 1845 – Das Gedicht „The Raven“ (Der Rabe) wird im The Evening Mirror in New York veröffentlicht, die erste Publikation mit dem Namen des Autors, Edgar Allan Poe. (Lyrikzeitung)
  • 1860: Ernst Moritz Arndt, deutscher Schriftsteller, Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung †. 1933-1945 und 1954-2017 Namenspate der Greifswalder Universität (Lyrikzeitung | Textkette)
  • 1863: Fryco Rocha, niedersorbischer Dichter und Schriftsteller *. Da es keine Unterrichtsmaterialien für Sorbisch gab, schrieb er Geschichten und Gedichte dafür.
  • 1888: Edward Lear, britischer Maler, Illustrator und Schriftsteller †. Edward Lears kompletter Nonsens: Limericks, Lieder, Balladen und Geschichten. „Ins Deutsche geschmuggelt“ von Hans Magnus Enzensberger. Insel, Frankfurt am Main 1977. (Lyrikzeitung)
  • 1888: Men Rauch, Schweizer Ingenieur, Politiker und Dichter *
  • 1896: Herbert Cysarz, sudetendeutscher Germanist *. Deutsche Barockdichtung. Renaissance, Barock, Rokoko. Leipzig 1924.
  • 1901: Heinrich Anacker, schweizerisch-deutscher Schriftsteller, Hitlerverehrer und Verfasser propagandistischer Lyrik * Wir werdend Volk, wir sind der rohe Stein – / Du, unser Führer, sollst der Steinmetz sein; / der Steinmetz, der mit schöpf´rischer Gewalt / den Stein erlöst von seiner Ungestalt./ Schlag immer zu! Wir halten duldend still,/ da deine strenge Hand uns formen will.
  • 1915: Halfdan Rasmussen, dänischer Lyriker *
  • 1932: Zu Mitgliedern der Preußischen Akademie der Künste gewählt: Gottfried Benn, Rudolf G. Binding, Alfons Paquet, Ina Seidel
  • 1961 In Paris entsteht Paul Celans Gedicht Tübingen, Jänner. Hier der Schluß:
    Käme,
    käme ein Mensch,
    käme ein Mensch zur Welt, heute, mit
    dem Lichtbart der
    Patriarchen: er dürfte,
    spräch er von dieser
    Zeit, er
    dürfte
    nur lallen und lallen,
    immer-, immer-
    zuzu.(„Pallaksch. Pallaksch.“)
    Mehr
  • 1962: Olga Tokarczuk, polnische Schriftstellerin *
  • 1963: Robert Frost, US-amerikanischer Dichter, vierfacher Pulitzerpreisträger †. Sprach Gedichte bei der Amtseinführung John F. Kennedys. (Lyrikzeitung | Textkette)
  • 1966: Josef Winckler, westfälischer Schriftsteller, einer der Gründer des rheinischen Autorenkreises Werkleute auf Haus Nyland,  †
  • 1991: Yasushi Inoue, japanischer Schriftsteller †
  • 2003Leslie Fiedler, US-amerikanischer Literaturwissenschaftler und -kritiker †. Führte den Begriff Postmoderne in die Literaturwissenschaft ein. Pionier der Gender- und Queer Studies
  • 2008Helga Goetze, deutsche Künstlerin, Schriftstellerin und politische Aktivistin †. Warb an der Berliner Gedächtniskirche für Ficken ist Frieden. Veröffentlichte Gedichte und stickte Bilder.

01-28

Sonnabend, 28.1.
  • 814: Karl der Große stirbt in Aachen
  • 1549: Elijah Levita, deutsch-jüdischer Dichter, Humanist und Sprachwissenschaftler †. Auch Elia Levi Ben Ascher Aschkenasi („Elia, Sohn des Ascher, genannt der Deutsche“) oder jiddisch Elje Bocher. Ritterdichtungen, Psalmenübersetzungen. Direkter Vorfahr des britischen Premierministers David Cameron.
  • 1558: Jakob Micyllus, deutscher Humanist, Dichter und Pädagoge †
  • 1582: John Barclay, schottischer Dichter und Satiriker * (Argenis, 1621, dt. von Martin Opitz, 1626)
  • 1726: Christian Felix Weiße, deutscher Schriftsteller *
  • 1750: Caroline von Herder, Ehefrau, Herausgeberin und Biografin Johann Gottfried von Herders *
  • 1754: Der Begriff Serendipity wird erstmals durch den englischen Autor Horace Walpole in einem Brief an Horace Mann verwendet für eine zufällige Beobachtung von etwas, das gar nicht das ursprüngliche Ziel einer Untersuchung war.
  • 1754: Ludvig Holberg, dänisch-norwegischer Dichter †
  • 1755: Samuel Thomas Soemmerring, deutscher Anatom, Anthropologe, Paläontologe und Erfinder, Entdecker des „gelben Flecks“ im Auge * (Über die Schädlichkeit der Schnürbrüste, Mainz 1788. Über das Organ der Seele, Königsberg 1796 (mit einem Beitrag von Immanuel Kant). Hölderlin: Sömmerings Seelenorgan)
  • 1802: Hölderlin schreibt an seine Mutter aus Frankreich: „Diese letzten Tage bin ich schon in einem schönen Frühlinge gewandert, aber kurz zuvor, auf den gefürchteten überschneiten Höhen der Auvergne, in Sturm und Wildniß, in eiskalter Nacht und die geladene Pistole neben mir im rauhen Bette – da hab‘ ich auch ein Gebet gebetet, das bis jetzt das beste war in meinem Leben und das ich nie vergessen werde.“
  • 1805: Mihály Csokonai Vitéz, ungarischer Dichter †
  • 1819: Johann Karl Wezel, deutscher Dichter, Schriftsteller und Pädagoge † (Belphegor)
  • 1820: Ádam Pálóczi Horváth, ungarischer Dichter †
  • 1829: Albrecht Ludwig Berblinger, deutscher Flugpionier (Brecht: Der Schneider von Ulm) †
  • 1853: José Martí, kubanischer Nationaldichter * (Lyrikzeitung)
  • 1868: Adalbert Stifter, kein österreichischer Heimatdichter, wie Wikipedia behauptet, sondern ein großer deutscher Schriftsteller †
  • 1877: Johann Rudolf Kölner, Schweizer Publizist und Dichter †
  • 1880: James De Mille, kanadischer Professor für klassische Literatur und Schriftsteller †
  • 1894: Felix Fechenbach, deutscher Journalist und Dichter *
  • 1900: Hermann Kesten, deutscher Schriftsteller *
  • 1901: Takahashi Shinkichi, japanischer Lyriker *
  • 1918: John McCrae, kanadischer Dichter, Schriftsteller und Mediziner † an einer Krankheit im Militärhospital in Frankreich. (Kriegsgedicht In Flanders Fields | Lyrikzeitung)
  • 1928: Akiko Baba, japanische Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin *. Sie veröffentlichte Studien zum mittelalterlichen japanischen Nō-Schauspiel, zur Tanka-Lyrik, zur Rolle der Frauen in der japanischen Literaturgeschichte und zur Figur des Teufels in der japanischen Literatur. Daneben verfasste sie selbst moderne Nō-Dramen, die unter anderem am Nationaltheater von Tokio aufgeführt wurden, und trat als Autorin von Tanka hervor. Eine Auswahl ihrer Gedichte aus den Jahren 1955 bis 1998 in englischer Übersetzung erschien 1999 unter dem Titel Heavenly Maiden Tanka.
    being alone is fine
    I am fine being alone
    the white magnolia tree
    tosses into the sky
    several hundred blossoms
  • 1933: Der „unbeschäftigte“ Schauspieler Dewald sagt zu Gustaf Regler in Imitierung von Hitlers Stimme: „Tausend Ehrengäste. Auch Herr Ernährungsminister. Na, wird sein letztes Auftreten gewesen sein. ‚Kleintier dominiert‘, sagte er. Stimmt. Stimmt überall. Dank der Sozis. Aber das wird ja jetzt bald anders werden. General ohne Rückgrat dulden wir nicht mehr lange. (…) Presse immer daneben. Noch reichlich viel Judenlümmel darunter. Sollten schon im Ausland sein. Vierzehn Jahre Marxismus sind um, nicht wahr?“
  • 1936: Ismail Kadare, albanischer Schriftsteller *
  • 1939: William Butler Yeats, irischer Dichter † (Lyrikzeitung)
  • 1940: Miguel Barnet, kubanischer Schriftsteller und Ethnologe * (El Cimarrón)
  • 1943: Manfred Jendryschik, deutscher Erzähler und Lyriker, Essayist und Herausgeber * (Lyrikzeitung)
  • 1960: Zora Neale Hurston, US-amerikanische Anthropologin und Schriftstellerin †. Hurston sammelte die Geschichten, Lieder, Tänze und Gebete der schwarzen Bevölkerung und stellte sie u.a. in einer Produktion am Broadway vor.
  • 1966: Maik Lippert, deutscher Schriftsteller * (Lyrikzeitung)
  • 1972: Dino Buzzati, italienischer Schriftsteller †
  • 1972: Radikalenerlaß
  • 1983: Bryher, britische Schriftstellerin †. Geliebte und Freundin von H.D.
  • 1987: Michail Gorbatschow fordert in seiner Rede und Schlusswort auf dem Plenum des ZK der KPdSU Reformen – Beginn von Perestroika und Glasnost.
  • 1996: Joseph Brodsky, russisch-US-amerikanischer Dichter und Literaturnobelpreisträger † (Lyrikzeitung)
  • 2008: Marie Takvam, norwegische Dichterin und Schriftstellerin †
  • 2013: Ceija Stojka, österreichische Schriftstellerin und Künstlerin, Holocaust-Überlebende †

Sinn und Form 1-2017 b) Bonnefoy und Koeppen

Auch in Sachen Lyrik ist Sinn und Form vornehm (ich sage nicht: akademisch)[✺]. Bei deutscher Gegenwartslyrik eher zurückhaltend, lieber einem kleinen Stamm von Autoren die Treue haltend als neueste Namen riskierend. Und sonst auf Klassizität und große Namen orientiert. Das erste Heft des Jahrgangs 2017 beginnt mit dem 2016 verstorbenen französischen Dichter Yves Bonnefoy großartig mit dem Abdruck des auf Deutsch noch nicht veröffentlichten Langgedichts Weiter vereint, das Elisabeth Edl und Wolfgang Matz übersetzt haben, eine Lebensbilanz, Auszug:

Was haben wir gewollt?
Nur das, den Worten einen Sinn bewahren.
Sie waren unser Becher, die Sprache,
ich hebe ihn für euch und mit euch,
sind das unsere Stimmen, dies Durcheinander
von Echos unter dem Gewölbe, dunkel, dann diese Stille?
Mit Gewalt sind Unbekannte bei uns eingedrungen,
sie gehen wie ein Wind durch uns hindurch,
und unser Saal wird voll, wird leer.

Dem folgt eine Erinnerung an Bonnefoy von Wolfgang Matz. Der „späte“ Auftritt des Dichters in Berlin im Juni 2011 wird so beschrieben:

… und als nach den mehr oder minder lauten Auftritten der zeitgenössischen Lyrik-Szene dieser alte Mann langsam auf die Bühne ging und anhob zu seiner wie aus der Zeit gefallenen, feierlichen, sehr französischen Rezitation, da spürte man ergriffenes Staunen bei dieser Begegnung mit etwas fast Vergessenem: der großen Poesie.

Ja, so ist Sinn und Form. Staunenswert Matz‘ Bericht vom späten Bonnefoy. Am 1. Juli 2016 ist er gestorben. Wenige Wochen zuvor  waren noch zwei Bücher erschienen, das eine beginnt mit dem Gedicht Weiter vereint. Das Spätwerk, schreibt Matz, verändere „in extremis den Blick auf Yves Bonnefoys gesamtes Werk, ja dieses gesamte Werk selber“. Bonnefoy, der einen 1964 begonnenen Text vernichten wollte und ihn zuvor noch einmal liest, „glaubt … zum ersten Mal seinen eigenen Text, glaubt sich selber zu verstehen und damit auch das, was das Gedicht immer unabschließbar gemacht hat“. Weder verbrennt er es noch schreibt er es einfach fort, sondern er fügt ihm eine ungewöhnliche „Selbsterforschung, Selbstdeutung“ hinzu, nicht um anderen seine Poetologie zu erklären, sondern um für sich selber herauszufinden, „was ihn angetrieben hat sein ganzes langes Leben“. An der Übersetzung dieses Buchs, „L’écharpe rouge“ (Der rote Schal) wird gearbeitet. Sinn und Form, wie ich sie liebe.

Auch Ulla Berkéwicz schreibt Erinnerungen auf. Erinnerung ist vielleicht das Schlüsselwort für die Vornehmheit dieser Zeitschrift. Nicht die Niederungen der Gegenwart sind ihr Feld, sondern die durch Erinnerung beschworene große Zeit. Sie schreibt Erinnerungen an Wolfgang Koeppen. Was für ein Elternhaus:

Koeppen kannte ich von Kindesbeinen, im Elternhaus wurde er vorgelesen, und für die Prosaverse gab’s dort ein Flügelwort: „Koeppen“. Koeppen wie Jazzen wie Rocken.

Berkéwicz schreibt wider den öffentlichen Unsinn über Koeppen. Wunderbar diese Szene:

Einmal stellte er sich: „Meine Herren, Ihre Fragen machen mich verlegen, meine Antworten werden mir schaden“, sprach er freundlich lächelnd und fuhr fort: „Ich durfte jung die Carceri von Piranesi betrachten und bin in diesem bewundernswerten grausamen Labyrinth verirrt geblieben, gefesselt, geängstigt und unbegreiflich entzückt. Es war die Gewalt des Ästhetischen, des Möglichen, des Spiels. Vielleicht aber war mir aufgegeben, nach einem Ausweg zu suchen, den ich nicht finden werde. – Vergessen Sie also alle Deutungen und das Mißgefasel. Es ist komplizierter, meine Herren. Die Idee ist zu erschreckend für die Schreibmaschine.“

Und auf die Frage: „Wie lenken Sie sich von der Verzweiflung ab?“ antwortete er: „Ich lenke mich überhaupt nicht ab, ich riskiere den Wahnsinn.“

Sinn und Form 1/ 2017. 69. Jahr. 144 Seiten, 11 Euro

[✺]

aka|de|misch <Adj.>:

1. an einer UniversitäŠt od. Hochschule erworben, erfolgend, Ÿüblich, vorhanden: eine -e Position; a. [vor]gebildet sein.

2. a) (bild. Kunst abwertend) herköšmmlich u. formal musterhaft, aber unlebendig u. ohne Verve: eine Kunst von -er BläŠsse; ein a. gemaltes PorträŠt;

b) (abwertend) lebensfern, trocken, theoretisch, voller Abstraktionen: ein in -em Stil verfasster Aufsatz;

c) mŸüßig, üŸberflŸüssig: wenn es bei diesem Preis bleibt, wird die Frage sowieso a.

© Duden – Deutsches Universalwöšrterbuch, 6. Aufl. Mannheim 2006 [CD-ROM].

Haftstrafe wegen Kritik an Erdoğan

Der türkische Dichter Yılmaz Odabaşı wurde am Mittwoch zu 20 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt, weil er in einer Kolumne im Jahr 2015 den Präsidenten beleidigt haben soll.

Das Innenministerium hatte im vergangenen Monat mitgeteilt, daß gegen 10.000 Menschen Untersuchungen wegen Verdachts auf „terroristische Propaganda“ oder Beleidigung hoher Beamter in sozialen Medien laufen. In den letzten 6 Monaten seien 1656 Benutzer sozialer Medien verhaftet worden. 1203 davon seinen „zur Bewährung“ entlassen worden. Die Zusammenarbeit mit Twitter, Facebook, Youtube und nationalen und internationalen Providern sei auf eine neue Stufe geführt worden.

Die neuen Verordnungen zum Ausnahmezustand vom 6. Januar erlauben es der Polizei, Informationen über die Identität von Internetnutzern einzuholen. / turkeypurge.com

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Namaste*

Willkommen bei Lyrikzeitung & Poetry News!. Sie finden hier 1. Tageszeitung: Jeden Tag um sechs ein Gedicht 2. Journal #04 – 2025 | #03 – 2023 | #02 – 2022) | #01 (Morgensternfest, 2021), 3. Archiv: viele tausend Nachrichten seit dem 1. Januar 2001.
– 15.000 Artikel, 2500 Abonnenten, 3 Millionen Klicks für Poesie –

*) Der Begriff setzt sich zusammen aus den Silben nama (verbeugen), as (ich) und té (du). Übersetzen lässt sich Namasté also mit „Verbeugung zu dir“ oder „Ich verbeuge mich vor dir“. Damit drückt man Ehrerbietung aus und erkennt die Anwesenheit des Gegenübers dankbar an. (Google)

Sie können uns bei WordPress abonnieren (siehe rechts).

L&Poe ’17-03

Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,

img_4431seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound. Heute mit: Hefter, Jeschke, Trump, Khider, Draesner, Orwell in Moskau und mehr. Weiter mit Shakespeare: Sonett 21 im Original und deutsch von Max Josef Wolf mit Anmerkungen. Viel Afrika! Im übrigen: 20. Jänner ist Lenztag und alle vier Jahre Inauguration day. Spruch der Woche: Hör auf zu leben, lies! Lesen!

Als Ganzes lesen    

Die Themen in dieser Ausgabe

[✺]

Das neue Gedicht

Martina Hefter

Auszug aus Die Halbtoten. Dramatische Dichtung

Der Igel da.

Was?

Er schaut so treuherzig.

Ich finde ja, er schaut kritisch.

Ich dachte erst, der Umriss des größten Igels wäre ein Feuer.

Doofe Avatare.

Ich hätt lieber was anderes gebastelt. Was Abstrakteres. Einen viereckigen belanglosen Raum.

Na da sitzt du doch tagaus tagein drin.

Gerade deswegen. Ich hätt gern ein Modell davon.

O Hybris.

Den belanglosen Raum kannst du herstellen, indem du ein kleines Fliegenpilzhäuschen auf das große klebst, und auf das kleinere noch kleineres.

Und dann noch ein kleineres.

Genau. Und noch eins. So lang, bis der kleinste Fetzen Buntpapier nicht mehr faktisch ist.

Bis ich da fertig bin, bin ich ja faktisch tot.

Tot bis du, wenn du belanglosen Raum gar nicht mehr definier kanns.

Schaut mal, ich hab mal schnell einen kleinen belanglosen Raum gebastelt. Einfach die vier Ecken eines Quadrats umgeschlagen, dann die Querseiten umgeklappt, einmal auf die andere Seite gedreht, die entstandenen Falzen an den eingeklappten Ecken rausgezogen, und dann in die Mitte ein Loch.

Wozu denn das Loch?

Damit Licht reinfällt.

Sehr schön. In der Zeit, die du da rumgebastelt hast, hast du trotzdem keinen Besuch bekommen. Da hättest du auch einen Igel basteln können.

Er hat ja eh kein Freund, die ihn besuch könnten. Alle längs tot.

Bei wem ist der belanglose Raum gerade?

Ich hab ihn! Hier, fang!

Hepp!

Gib!

Los, zu mir!

Da! Stülp ihn dir drüber!

Kuckuck!

Jetzt hört doch auf mit den Faxen. Ich will meinen Kako- Kaba- Kato-

Kakao.

Mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin. Aus einem 2018 bei Kookbooks erscheinenden Buch.
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America I (Writers resist)

On Martin Luther King Jr. Day, some of America’s most celebrated authors gathered on the steps of the New York Public Library to protest Donald Trump’s attacks on freedom of speech.

Poet Laureate Robert Pinsky wrote a poem for the occasion, inspired by the battles against oppression of Gwendolyn Brooks and Polish poet Czesław Miłosz. “Now my fellow dissidents, we endure a moment of charismatic indecency. Charismatic indecency and sanctimonious falsehood beyond shame. Our polish grandfather Milosz and our African American grandmother Brooks endured worse than this. First fight then fiddle, she wrote,” read Pinsky from the poem.
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Donald The Scot

Als ich es las, hielt ich es für Parodie und mußte lange nach Anzeichen dafür suchen. Aber es gab keine, alles war blutiger Ernst. „Ein von Schottland inspiriertes Gedicht für Trumps Inauguration“ hieß die Überschrift. Das Gedicht nennt Obama einen Tyrannen, dessen usurpierte Macht ihm von Held Domhnall (schottisch für Donald) aus den Klauen gerissen wird. Held Domhnall rettet auch die Frauen, die Schwarzen und die Einwanderer (natürlich die Richtigen, z.B. Schotten, nicht die mörderischen Horden aus der Hölle Mexiko. Leider keine Parodie! Mehr hier
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Amerika III

Mathias Jeschke

Inauguration

Mann TRUMP, geh mir FORD! Ich KENNEDY,
ich weiß, was für ein LINCOLN Typ du bist!
Was WILSON POLK wie du schon bewirken,
wer kauft denn schon den CARTER im BUSH!
FILMORE müsste ein ganz, ganz andrer her,
NIXON fetter GARFIELD im REAGAN wie du,
Ein Typ, sehr COOLIDGE und TAFT, ja, Mann,
das wäre HAYES, das ist TRUMAN! Nun aber:
Möge bloß der Höchste sich unsrer OBAMA!

mathiasjeschke.de
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Chamissopreis für Abbas Khider

Der Schriftsteller Abbas Khider erhält den mit 15.000 Euro dotierten Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung (der 2017 zum letzten Mal vergeben wird). Mit diesem Preis wird sein bisheriges Gesamtwerk geehrt. Darin erweise sich Abbas Khider „als sprachsensibler Beobachter der Verzweiflung, Verstörtheit, Wut und Hoffnung junger Männer, die ihre Heimat verlassen müssen und Zuflucht in Europa suchen“, so die Begründung der Jury.

(…) Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad/Irak geboren. Aus politischen Gründen verfolgt, floh er 1996 aus dem Land. Vier Jahre lang zog er als illegaler Flüchtling durch Jordanien, Libyen und die Türkei. 2000 beantragte er in Deutschland Asyl, studierte in München und Potsdam Philosophie und Literaturwissenschaft. Heute lebt Abbas Khider in Berlin. Er veröffentlichte Gedichte in arabischer und in deutscher Sprache. Für seinen ersten Roman „Der falsche Inder“ (2008) erhielt er 2010 den Chamisso-Förderpreis. Mehr
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What is poetry?

Die Frankfurter Neue Presse berichtet über die erste Poetikvorlesung von Ulrike Draesner:

Und dann erging es ihr wohl ähnlich wie in dem Lyrikband „Subsong“ von 2014, einer sehr experimentellen Sprach- und Klang-erforschungsreise in Buchform. „What is poetry?“ heißt eine Gedichtüberschrift, ziemlich zum Schluss. Doch ausgerechnet unter diesem sehr theoretischen Titel wird Draesner so handlungsprall wie kaum je zuvor. Auf einmal nämlich, wenn alle Möglichkeiten ausgelotet und Grenzen immer wieder überschritten wurden, schießen Sprache, Laut, Satz und Handlung zusammen zur Geschichte. Dem Geheimnis auf die Spur zu kommen heißt immer auch: es als solches zu akzeptieren.

(…) In den nächsten Vorlesungen wird es weitergehen mit dem Roman, der Lyrik, der Übersetzung und dem Schreiben nach der Natur.

Campus Westend, Hörsaal 1, Frankfurt, bis 7. Februar, immer dienstags, 18.15 Uhr. Am 23. Januar liest Draesner um 19.30 Uhr im Literaturhaus Frankfurt

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Animal Farm I

Russischer Dichter Alexander Byvshev wird erneut wegen eines Gedichts zur Unterstützung der Ukraine angeklagt – unter sehr Orwellschen Umständen. (Sein russischer Wikieintrag ist mal vorsorglich verschwunden) Hier
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Animal Farm II: Welche Mitgliederliste?

L&Poe berichtete vergangene Woche, daß die weißrussische Autorin Swetlana Alexijewitsch, Literaturnobelpreisträgerin, das russische PEN-Zentrum verlassen hat. Jetzt erklärt das PEN-Zentrum, Alexijewitsch sei nie Mitglied  gewesen. Außerdem hätten nur 10% der Mitglieder protestiert, 90% unterstützten die Politik des Zentrums. Lesen Sie hier
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Die Shakespeare-Leseecke

geht weiter mit Sonett #21: SO is it not with me as with that Muse, deutsch von Max Josef Wolff: Nicht jener Muse gleichet mein Gedicht. 

 

 Hier die aktuelle und alle bisherigen Folgen

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Gestorben
  • Am 14. Januar starb der portugiesische Architekt, Historiker, Essayist und Dichter Carlos Antero Ferreira (84)
  • Am 14. Nicolás del Hierro (82), spanischer Dichter (geb. 1934)
  • Am 15. der pakistanische Dichter Nasir al-Din Nasir Hunzai (100)
  • Am 16. der dominikanische Dichter und Schriftsteller Federico Jóvine Bermúdez (72)
  • Am 17. der polnische Dichter und Denker Marian Janusz Kawałko
  • Am. 18. der südafrikanisch-jamaikanische Schriftsteller Peter Abrahams (97). Abrahams wurde 1919 als Sohn eines Äthiopiers und einer Südafrikanerin mit afrikanischen und französischen Wurzeln geboren. Erste Texte und Gedichte erschienen in der Zeitung Bantu World. Er wurde wegen Landesverrats angeklagt und emigrierte nach England. Seit 1956 lebte er in Jamaika.
  • Am 18. der brasilianische Dichter und Herausgeber Toninho Mendes (geb. 1954)

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Neue Zeitschriften
  • Sinn und Form 1/2017. Wir aber haben viel nachzuholen. (Während populistische Politiker und Richter von aufgezwungener Völkermischung faseln.) Schwarze Literatur in Afrika und Amerika. Yves Bonnefoy. Elisabeth Borchers. Giorgos Seferis. Mopsa Sternheim. Alain Mabanckou. Hier
  • Ygdrasil. Journal of the Poetic Arts. January 2017. VOL XXV, Issue 1, Number 285 Editor: Klaus J. Gerken European Editor: Mois Benarroch. Contributing Editor: Jack R. Wesdorp. ISSN 1480-6401
    Gedichte von Holly Day, Shawn Chang, SIMON PERCHIK, Mark Young, Patricia Walsh, Changming Yuan, R. N. Taber, RD Larson
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Kurz gesagt
  • Das gegenwärtige Deutschland hat die Fremden akzeptiert; es war eine exemplarische Aktion, auch wenn sie riskant war, oder gerade weil sie in einer Zeit des religiösen und sonstigen Terrorismus so riskant war und ist. Eine große Rehabilitierung Deutschlands, eine große Frage für das Volk dieses Landes, das sich zurecht um die Zukunft sorgt. / Norman Manea: Exil und Kreativität. In: Sinn und Form 1/2017, S. 138
  • „Der Tod ist so alltäglich wie das Glas,/aus dem man, seinen Durst zu löschen, trinkt“ Hans Keilson, hier zu einer deutsch-niederländischen Ausgabe
  • Hör auf zu leben, lies! Mit dieser Maxime des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa war eine Besprechung in der Los Angeles Times überschrieben. / LAT 30.9.01
  • «Wie der große Schweizer Dichter Carl Spitteler, Literatur-Nobelpreisträger, sagte: das größte Glück ist es, Freunde zu finden, mit denen wir die Atemluft und das Schicksal teilen» – Sagte der chinesische Präsident Xi Jinping beim Staatsbesuch in der Schweiz. Spitteler ist der einzige Schweizer, der den Literaturnobelpreis erhalten hat (1919). Das Zitat von mir aus der französischen Quelle rückübersetzt, die Quelle konnte ich nicht auffinden. Im Internet kursiert ein Spruch, der dem nah kommt: «Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden.» (mglw. aus: „Prometheus und Epimetheus“, 1881) – Vielleicht aus dem Chinesischen rückübersetzt? Eine schöne Übersetzungs-Irrfahrt: Deutsch – Chinesisch – Französisch – Deutsch.

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Kurz berichtet
  • Jacob Polley bekommt den TS Eliot-Preis 2016 für „Jackself“, laut Jury “ein Feuerwerk von einem Buch” / Guardian
  • In Vietnam wurden sieben Literaturpreise für 2016 vergeben, darunter zwei für Lyriker. Nguyen Viet Chien: To Quoc Nhin Tu Bien (Homeland From the Sea); Y Phuong: Vu Khuc Tay (Tay Dances), Vietnamesisch und in der Sprache der ethnischen Minderheit der Tay / Mehr
  • Ganz im Zeichen der Lyrik steht das Wochenende von Freitag bis Sonntag, 27. bis 29. Januar in Basel. Mit einem abwechslungsreichen Programm, für das die Basler Lyrikgruppe (Rudolf Bussmann, Wolfram Malte Fues, Claudia Gabler, Rolf Herrmann, Simone Lappert und Kathy Zarnegin) verantwortlich zeichnet, soll den Besuchern Einblick in die aktuelle Vielfalt des Genres gegeben werden: Neben einem Abend mit der Nobelpreisträgerin Herta Müller erwarten die Besucher ein Rundgang zum 100. Geburtstag des Basler Dichters Rainer Brambach und ein Workshop, in dem diese selbst dichterisch tätig werden können. / Mehr

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Meine Tweets der Woche

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Kalendarium 21.-27.1.

Kommenden Donnerstag ist Australia Day. Wieso werden so viele Fußballer am 26.1. geboren? Diese Woche Gedenktage für einen König, der im 18. Jahrhundert Homosexuelle vorm Tode rettete, sowie für Matthias Claudius, Joseph Scaliger,  John Donne, Rainer Brambach (100. Geburtstag), Jakob Michael Reinhold Lenz, Jesse Thoor, Derek Walcott, Ernst Blass, Wilhelm Klemm, Kaiser Hadrian, Peter Paul Zahl, Robert Burns, Dorothy Wordsworth, Eva Zeller, Wladimir Wyssozki, Gérard de Nerval und viele andere. Lesen Sie hier

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Rückblende L&Poe Oktober 2001

Thomas Kling und die Poeterey der Adenauer-Generation. Fundamentalisten schaffen es nicht und sind stolz darauf. Dank des Zaubers der Poesie darf das Wort auch in Volkes Munde immer wieder werden, was es bei Hafis von Haus aus war: fromm, frech und frei. Abu Nuwas (763 ca. 813) besang in höchst provokanter und heftiger Weise den Wein, der im Islam verboten ist, und die homosexuelle Liebe. Dafür wurde er ausgelöscht. Dies und viel mehr hier. Alle bisherigen Rückblenden hier.
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Zuguterletzt die wöchentliche Poetopie

des Berliner Schriftstellers Hansjürgen Bulkowski.

nach den schweren Stürmen ruht auf dem Boden ein leichter Schnee

Seit 2013 versendet Hansjürgen Bulkowski wöchentlich einen Aphorismus als Poetopie per eMail, 2013-16 sonntags in der Lyrikzeitung und von nun an jeden Freitag im L&Poe-Digest.

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