Während der Sommerpause finden Sie in der Lyrikzeitung jeden Tag ein Sommergedicht. (Sommergedichte können vom Sommer handeln, müssen aber nicht. Es reicht, sie im Sommer zu lesen.)
Frank Wedekind
An einen Jüngling
Jüngling, laß dich nicht gelüsten
Nach des Paradieses Äpfeln;
Von den straffsten Mädchenbrüsten
Wird dir nichts als Kummer tröpfeln.
Wagst du dich heran und findst du
Lust an diesen weißen Teufeln,
Armer Freund, wie bald beginnst du
Selbst von Traurigkeit zu träufeln.
Just die Kühnsten, Elegantsten
Werden früh zu müden Krüppeln,
Und die einst am flottsten tanzten,
Müssen lahm zur Grube trippeln.
Frank Wedekind wurde am 24.7.1864 in Hannover geboren, er starb 1918.
Während der Sommerzeit finden Sie in der Lyrikzeitung jeden Tag ein Sommergedicht. (Sommergedichte können vom Sommer handeln, müssen aber nicht. Es reicht, sie im Sommer zu lesen.)
Carl Meinhof aus Hinterpommern war der erste deutsche Afrikanist mit Lehrstuhl (Hamburg 1909). Er wurde am 23. Juli 1857 in Barzwitz bei Rügenwalde geboren und starb am 11. Februar 1944 in Greifswald. Beerdigt ist er auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg.
Ein Lied aus Togo aus seinem Band Die Dichtung der Afrikaner, Berlin 1911, S. 160. Ein Gedicht mit Funktion, man singt es, wenn man über böse Nachrede zu klagen hat, vielleicht hilfts (einem selber bestimmt!).
Übel-, Übel-, Übeltäter,
Neider, Neider, Neidhammel,
Übeltäter besingen Leute,
Macht Platz und seht ihnen zu!
Übeltäter besingen Leute,
Übeltäter haben mich besungen.
Schwätzer, Schwätzer, Schwätzer,
Schwätzweib, Schwätzweib,
Die Schwätzer haben mich ins Gerede gebracht,
Macht Platz, seht ihnen zu!
Die Schwätzer haben mich besungen;
Fallet über sie her, kommt mir zur Hilfe!
Leider hört Meinhof hier auf mit dem Kommentar: „Den Schluß lasse ich als gar zu afrikanisch weg.“ Vermutlich meint er, daß es den wilhelminischen Sittencodex verletzen würde. Im nächsten Satz heißt es: „Die meisten Somalischimpflieder sind von entschlossenster Obscönität“.
Während der Sommerzeit finden Sie in der Lyrikzeitung jeden Tag ein Sommergedicht. (Sommergedichte können vom Sommer handeln, müssen aber nicht. Es reicht, sie im Sommer zu lesen.)
Detlev von Liliencron
Am Strande
(Aus »Gedichte«, 1889)
Der lange Junitag war heiß gewesen. Ich saß im Garten einer Fischerhütte, Wo schlicht auf Beeten, zierlich eingerahmt Von Muscheln, Buchs und glatten Kieselsteinen, Der Goldlack blüht, und Tulpen, Mohn und Rosen In bäurisch buntem Durcheinander prunken. Es war die Nacht schon im Begriff dem Tage Die Riegel vorzuschieben; stiller ward Im Umkreis alles; Schwalben jagten sich In hoher Luft; und aus der Nähe schlug Ans Ohr das Rollen auf der Kegelbahn. Im Gutenacht der Sonne blinkerten Die Scheiben kleiner Häuser auf der Insel, Die jenseit lag, wie blanke Messingplatten. Den Strom hinab glitt feierlich und stumm, Gleich einer Königin, voll hoher Würde, Ein Riesenschiff, auf dessen Vorderdeck Die Menschen Kopf an Kopf versammelt stehn. Sie alle winken ihre letzten Grüße Den letzten Streifen ihrer Heimat zu. In manchen Bart mag nun die Mannesträne, So selten sonst, unaufgehalten tropfen. In manches Herz, das längst im Sturz und Stoß Der Lebenswellen hart und starr geworden, Klingt einmal noch ein altes Kinderlied. Doch vorwärts, vorwärts ins gelobte Land! Die Pflicht befiehlt zu leben und zu kämpfen, Befiehlt dem einen, für sein Weib zu sorgen, Und für sich selbst dem andern. Jeder so Hat seiner Ketten schwere Last zu tragen, Die, allzuschwer, ihn in die Tiefe zieht. Geboren werden, leiden dann und sterben, Es zeigt das Leben doch nur scharfe Scherben. Vielleicht? Vielleicht auch jetzt gelingt es nicht, Auf fremdem Erdenraum, mit letzter Kraft, Ein oft geträumtes, großes Glück zu finden. Das Glück heißt Gold, und Gold heißt ruhig leben: Vom sichern Sitze des Amphitheaters In die Arena lächelnd niederschaun, Wo, dichtgeschart, der Mob zerrissen wird Vom Tigertier der Armut und der Schulden... Das Schiff ist längst getaucht in tiefe Dunkel. Bleischwere Stille gräbt sich in den Strom, Indessen auf der Kegelbahn im Dorf Beim Schein der Lampe noch die Gäste zechen. In gleichen Zwischenräumen bellt ein Hund, Und eine Wiege knarrt im Nachbarhause.
Liliencron starb am 22.7.1909 in Alt-Rahlstedt bei Hamburg.
Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,
seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound. Mit der heutigen Ausgabe geht L&Poe in die Sommerpause*. Heute mit: Simone Scharbert. Julia Hartwig †. Aufrufe an die Bürger, nochmal Jan Wagner, nochmal Hamacher, Rumi, female body poetry – und manches andere. Lesen! (Übrigens: Verschiedene Serien, wie: Shakespeares Sonette, sowie die Zeitschriftenreviews gehen nach der Sommerpause weiter) Bis dahin jeden Tag um 6 ein Gedicht.
Die Themen in dieser Ausgabe
Simone Scharbert
Die polnische Dichterin Julia Hartwig ist im Alter von 95 Jahren gestorben.
Das hat der Schriftstellerverband SPP mitgeteilt. Sie starb wenige Wochen vor ihrem 96. Geburtstag im US-Bundesstaat Pennsylvania. Hartwig war am 14. August 1921 in Lublin im heutigen Osten Polens zur Welt gekommen. Sie war mit dem Lyriker Artur Miedzyrzecki verheiratet, der 1996 starb.
(…) Polens Präsident Duda würdigte Hartwigs Unterstützung für die demokratische Opposition vor der Wende von 1989. In einer Mitteilung seines Büros hieß es: „Als eine edle Person, die empfindsam war für die Schönheit und das Gute, hat sie immer die geistige Freiheit verteidigt.“ / DLF
Meldungen und Nachrufe: Radio Poland (engl.) / Salzburg 24 / Gazeta Wyborcza (poln.)
In den Räumen des Pressezentrums jedoch finden sich rätselhafte Verse in englischer, russischer und deutscher Sprache an der Wand:
Bürger!
Das Haus steht, der Verstand ist klar, der Wille fest – ihr gefallt mir!
Dmitry Aleksanych
Citizens!
I see you, I see you and am not surprised by anything!
Dmitry Aleksanych
Die Textzeilen stammen aus einem Gedichtzyklus des russischen Konzeptkünstlers Dmitrij Alexandrowitsch Prigow: „Aufrufe an die Bürger“ aus dem Jahr 1986. Prigov (1940-2007) lebte in Moskau und publizierte im Samisdat; kollektive „Spontan“-Aktionen im öffentlichen Raum, mitunter von langer Hand vorbereitet, sorgten für Aufregung und stifteten kleine Spielräume gegen die scheinbare Allmacht des Staates und der Partei – in der Sprache wie im wirklichen Leben. Denn auch nach dem Ende des Stalinismus lebte die Idee weiter, dass mit den Mitteln der Sprache alle „Elemente“ der Gesellschaft zu Trägern der sozialistischen Utopie geformt werden müssten. Den Sozialismus in seinem Lauf halten bekanntlich weder Ochs noch Esel auf. / Mehr Prigow in Wort und Bild in Marie Luise Knotts Kolumne Tagtigall
Drei Synchronsätze aus einer Ankündigung beim Perlentaucher:
Wir leben heute in Europa in der besten aller Kulturen, meint der Freiburger Philosophieprofessor Andreas Urs Sommer in der NZZ. In Deutschland ist die Zahl der von Genitalverstümmelungbedrohten Mädchen gestiegen, berichtet die SZ. Frauen in Kultur und allen Medien sind mit ihrem Status höchst unzufrieden.
Der Klopstock-Preis für neue Literatur des Landes Sachsen-Anhalt geht in diesem Jahr an den Autor Thomas Melle. Wie das Kulturministerium am Dienstag mitteilte, wird Melle für seinen autobiographischen Roman „Die Welt im Rücken“ ausgezeichnet. Darin schildert der 1975 in Bonn geborene Schriftsteller persönliche Erfahrungen mit seiner manisch-depressiven Erkrankung.
In der Begründung der Jury heißt es, Melle sei ein Sprachkünstler, der die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz erkunde und schonungslos von sich erzähle. Der Klopstock-Preis für neue Literatur ist mit 12.000 Euro dotiert. …
Den Klopstock-Förderpreis des Landes Sachsen-Anhalt erhält der im Geiseltal aufgewachsene Schriftsteller Marco Organo für seinen Debüt-Band „Dorfschönheit“. Die Jury lobte, aus dem Buch spreche jemand, dem es um Wahrhaftigkeit gehe. Von dem Dichter Organo werde noch viel zu lesen sein. Beide Preise werden am 28. November in Quedlinburg überreicht.
***
Wie die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim am Dienstag mitteilte, wird Melle Stadtschreiber des Frankfurter Stadtteils. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis werde am 1. September verliehen. Mit der Auszeichnung ist ein kostenloses Wohnrecht für ein Jahr im Stadtschreiberhaus verbunden.
/ MDR
Jetzt also auch noch der Georg-Büchner-Preis. So ganz überraschend war das nicht: Jan Wagner ist der am meisten ausgezeichnete deutschsprachige Lyriker seit Durs Grünbein. Und das gewiss nicht zu Unrecht und keineswegs unverdient. Denn seine Gedichte nehmen staunenswerte, oft abseitige Lebewesen, Dinge und Situationen unter die Sprachlupe. / Bernd Blaschke bei literaturkritik.de über
Frieder von Ammon (Hg.): Jan Wagner. text+kritik Heft 210.
edition text & kritik, München 2016.
103 Seiten, 24,00 EUR.
ISBN-13: 9783869164687
Eine der Lieblingsbeschäftigungen von Wikipedia-Amts- und Würdenträgern ist das Stellen und Exekutieren von Löschanträgen. Aktuell traf es Armin Steigenberger. Ingredienzien solcher Schlachten sind Ausdrücke wie:
Löschantrag, enzyklopädische Relevanz, Relevanzkriterien, hinzu kommen Abkürzungen wie WP:IK (offenbar Wikipedia-Interessenkonflikt)
Dieser Kommentar erschien am 12. Juli:
{{Löschantragstext|tag=12|monat=Juli|jahr=2017|titel=Armin Steigenberger|text=Die enzyklopädische Relevanz dieses Autoren erschließt sich mir nicht. Hinzu kommt ein [[WP:IK]] der einstellenden WP-Autorin dazu. Ich kann in keinem Punkt die Erfüllung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Relevanzkriterien#Autoren einschlägigen RK] erkennen, weder als Autor, Moderator, Mitherausgeber, noch als Architekt. Daher bitte ich um eine sachliche Dikussion, bei welcher allein die Relevanz der Person geklärt werden soll. –[[Benutzer:Label5|Label5]]<sub> ([[Benutzer Diskussion:Label5|L5]])</sub> 14:56, 12. Jul. 2017 (CEST)}}
Zwar wurde der Einspruch schnell als unbegründet abgewiesen; aber erfahrungsgemäß ziehen sich solche Schlachten hin. Wir beobachten weiter.
Tschechische Lyriker haben heutzutage große Probleme, dass ihre Gedichte überhaupt erscheinen. Wie ist Ihre Erfahrung aus Österreich?
„Wahrscheinlich vergleichbar schwierig. Das ist wirklich ein großes Problem für Lyriker. Manche Verlage scheuen sich einfach davor, Lyrik zu publizieren, nicht nur, weil sie denken, es verkaufe sich nicht, sondern auch dass sich kein Lektor dafür zuständig und kompetent fühlt, ein Gedichtmanuskript überhaupt zu bewerten – ob es jetzt gut oder schlecht ist. Das sei eine schwierige Frage, wie ich von vielen Verlagen und Lektoren gehört habe.“
/ Radio Prag befragte die österreichische Lyrikerin Lydia Steinbacher
„Tyrannen mögen Dichter nicht. Es heißt immer: Niemand liest Gedichte! Wenn niemand Gedichte liest, warum ist es dann so gefährlich? Es heißt: Gedichte verkaufen sich nicht. Das kann man auch positiv sehen: Dichtung ist nicht käuflich! Gedichte sind immer eine Zone der Bewusstwerdung, eine Zone für Rebellion gewesen – Gedichte schreiben war immer gefährlich.“ / Die amerikanische Lyrikerin Ellen Hinsley, DLF
Ellen Hinsey: „Des Menschen Element“. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Uta Gosmann sowie mit einem Nachwort von Robert Chandler. Bd. 29 der Reihe „Spurensicherung“ des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Matthes & Seitz, Berlin 2017. 156 Seiten, 26 Euro.
Aus dem Nachruf von Alexandru Bulucz auf den Komparatisten Werner Hamacher im Tagesspiegel:
Seine Komparatistik sollte als „Koryphäenfach“ wieder der Germanistik eingegliedert werden. Denn es wurde eine Überlegenheit der Nationalphilologie Germanistik über die Transnationalphilologie Komparatistik angenommen. Das war absurd. Auf universitätspolitischer Ebene war das Argument verständlich, weil es um Drittmittel und Partikularinteressen ging. Und doch sah sich Hamacher an diesem existenziellen Punkt der Frankfurter Komparatistik auf die Texte seiner Lehrer und Freunde zurückgeworfen. Er reihte sich noch einmal in die Linie einer Strömung ein, deren utopisches Potenzial unverkennbar ist: „Freie (das heißt freie) Universität“ (Szondi), „Die unbedingte Universität“ (Derrida), „Freistätte“ (Hamacher). Eine Provokation, die sich langsam, aber sicher in die Wirklichkeit hineinkippelt, steht am Anfang seiner Ausführungen: „Es ist nicht mehr gesichert, dass es Universitäten gibt.“ Dieser im Alter (wie sein Pariser Lehrer, der Philosoph Jacques Derrida) weißhaarige Querkopf war vielen unangenehm: Er wusste zu viel, er konnte zu viel, er war zu eigenständig, und er war bereit, für seine Eigenständigkeit zu kämpfen.
Wie kann es sein, daß Rumi, ein islamischer mystischer Dichter, der im heutigen Afghanistan geboren wurde, Imam in Aleppo war und 1273 starb, zu einem der meistverkauften Dichtern in den Vereinigten Staaten wurde? Die Antwort ist einfach: Wie bei westlichen Autoren wie Shakespeare werden Rumis Schriften regelmäßig über Twitter, Facebook , Instagram oder auch kombiniert mit der Musik von Coldplay geteilt. / Slate.fr
sprengt die Grenzen fachphilosophischer Reflexion. Es bewegt sich in einer intellektuellen „Sonderwelt“, die vom barocken Trauerspiel über die französische Literatur und Philosophie des 19. Jahrhunderts bis zur jüdischen Theologie und marxistischen Theorie reicht. Benjamin war davon überzeugt, dass dogmatisch-philosophische Systeme das Eigentliche der menschlichen Existenz verfehlen. Er interessierte sich weniger für Hegels triumphalen Weltgeist – „den Sieger der Geschichte“ -, sondern mehr für allegorische Gestalten wie „das bucklicht Männlein, den Lumpensammler, und den Engel“. Sie stehen für das Randständige, Absonderliche der Existenz, für die Rehabilitierung des Nebensächlichen und für die Hoffnung auf die Erlösung durch den Engel der Geschichte, von dem der jüdische Messianismus kündet. / Mehr
Many of her poems are taught in colleges across Tamil Nadu and have been translated into English, Malayalam, Kannada, Hindi and German. The much appreciated short film Kannadi Meen, was based on her poem Appavin Nyabagamaradhi. She was featured in the well-received documentary film SheWrite, which featured three other Tamil poets. In 2009, she organised a poets’ protest against the violence against Tamils in Sri Lanka, which saw participation by many poets. She is currently working on a book on Dalit life.
Having recently returned from a fellowship in Germany, Sukirtharani did a candid interview in which she opened up about her childhood, her Dalit identity in poetry and the Dalit woman who are learning to fight back.
Two extracts from the interview with Indian poet Sukirtharani:
How young were you when you had your first encounter with inequality?
When I was studying in class 2, there was an incident that I can never forget. A girl in my class gave me a coconut candy. I wanted to return her kindness so I bought her a sweet the next day. When I gave it to her, she tossed my hand away. At that moment I was both confused and hurt, and found out much later why she behaved so. The girl belonged to a so-called upper caste. Those days, children of such community were told not to mingle with the Dalit children. They were told, “Don’t talk to them, don’t encourage them and don’t share anything with them”.
So that awareness of caste at such a tender age must have hit you like a ton of bricks.
It still hurts me. It was my first experience of prejudice.
In the book Iravu Mirugam(animal of the night), you explore caste and Dalit identity through your body. Masturbation is a release and a challenge to a power that says women should never do it. Shame turns into pride. You map Dalit history using the female body. Every experience of oppression was directly physical and the body carried it. How were you able to do so?
Yes, there weren’t many poems about it, nor did people read such writings in the 1990s. I started reading a lot of translated poems, from Kamala Das and Taslima Nasreen to some African poets. It gave me an understanding of how it feels to be deprived of rights as a woman. The poems of Kutty Revathi (a Tamil feminist poet) have inspired me. That’s where the idea of feminism kicked off. Most members of our society perceive feminism with scorn. Despite that, I wanted to write about it more. / The Wire
Am 22. Juli 1209 nahmen die Kreuzritter die südfranzösische Stadt Béziers ein, die eine Hochburg der Katharer (Albigenser) war, und töteten die gesamte Bevölkerung – etwa 20.000 Menschen. Der vom Papst ausgelöste Kreuzzug führte zum Untergang der Katharer und zum Anschluß Okzitaniens an Frankreich. Lenau: Die Albigenser.
Geboren 1800: Jakob Lorber, österreichischer Schriftsteller und Mystiker, „Schreibknecht Gottes“, 1849: Emma Lazarus, amerikanische Dichterin. Ihr bekanntestes Gedicht ist „The New Colossus“ (1883), das im Podest der Freiheitsstature eingraviert ist. Es feiert Amerika als Land der Immigranten. 1859: Maria Janitschek, österreichische Schriftstellerin, 1898: Stephen Vincent Benét, amerikanischer Lyriker, 1917: Jurij Chěžka, sorbischer Dichter, 1926: Wolfgang Iser, deutscher Literaturwissenschaftler
Gestorben 1909: Detlev von Liliencron, deutscher Dichter, 1916: James Whitcomb Riley, amerikanischer Schriftsteller, 1958: Michail Soschtschenko, russischer Schriftsteller, 1960: Wolf von Niebelschütz, deutscher Schriftsteller, 1967: Carl Sandburg, amerikanischer Lyriker, 2000: Carmen Martín Gaite, spanische Schriftstellerin, 2012: Miguel Arteche Salinas, chilenischer Schriftsteller
Am 23. Juli 1215: Friedrich II. (1194-1250) wird in Aachen zum zweiten Mal zum deutschen König gekrönt. Damit erlangt das Geschlecht der Staufer erneut die Herrschaft im Hl. Römischen Reich Deutscher Nation. An seinem Hof in Sizilien wurde das Sonett erfunden. – 1847: Das Preußische Judengesetz gewährt den Juden Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit.
Geboren 1777: Philipp Otto Runge, deutscher Maler, 1911: Hildegard Emmel, deutsche Germanistin. Nachdem ein Versuch in Hamburg zu habilitieren nicht geglückt war, siedelte sie in den Ostteil des Landes über und war ab 1950 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Goethe-Wörterbuch an der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin. 1951 schloss sie ihre Habilitation an der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock erfolgreich ab. Zunächst lehrte sie in Rostock, 1956 wurde sie an die Universität Greifswald berufen. Emmel verließ Greifswald 1958 aufgrund politischer Probleme wegen „bürgerlicher“ Positionen. Eine neue Professur bekam sie nicht. Ab 1960 arbeitete sie in Bielefeld, danach lebte und arbeitete sie vorwiegend im Ausland, u. a. in Norwegen, Finnland, Türkei und zuletzt den Vereinigten Staaten. Nach ihrer Pensionierung zog sie 1981 nach Bern. Am 15. November 1991 erhielt sie als verspätete Wiedergutmachung den Ehrendoktortitel der Universität Greifswald. 1914: George (György) Tábori, ungarischer Schriftsteller und Thaterregisseur, 1938: Götz George, deutscher Schauspieler
Gestorben 1562: Götz von Berlichingen, der Ritter „mit der eisernen Hand“. Mit dem Satz „Sag ihm, er kann mich am Arsch lecken“ geht er via Goethe in die Literaturgeschichte ein. 1942 Nikola Wapzarow, bulgarischer Dichter, 1957 Giuseppe Tomasi di Lampedusa, italienischer Schriftsteller, 1989: Donald Barthelme, amerikanischer Schriftsteller, 2011: Amy Winehouse, britische Sängerin
Am 24. Juli ist Simón-Bolívar-Tag in Ekuador, Venezuela, Kolombien und Bolivien.
Geboren 1783: Simón Bolívar, südamerikanischer Unabhängigkeitskämpfer, 1802: Alexandre Dumas der Ältere, französischer Schriftsteller, 1840: Abraham Goldfaden, ukrainischer Komponist, jiddischer Volksdichter, 1864: Frank Wedekind („Ich hab meine Tante geschlachtet“), 1878: Edward Plunkett, irischer Schriftsteller, 1895: Robert Graves, britischer Schriftsteller, 1896: Hermann Kasack, deutscher Schriftsteller, 1900: Zelda Fitzgerald, amerikanische Schriftstellerin
Gestorben 1655: Friedrich von Logau, deutscher Dichter, 1906: Ferdinand von Saar, österreichischer Schriftsteller, 1908: Vicente Acosta, salvadorianischer Lyriker, 1927: Akutagawa Ryunosuke, japanischer Dichter, 1969: Witold Gombrowicz, polnischer Schriftsteller, 1977: Emil Botta, rumänischer Schauspieler und Lyriker, 2000 Ahmad Schamlu, persischer Lyriker, 1991: Isaac Bashevis Singer polnisch-amerikanischer Schriftsteller, einziger jiddischer Träger des Nobelpreises für Literatur (1978)
Der 25. Juli ist St. Jakobus. „Ist Jacobus am Ort, ziehn die Störche bald fort.“ – Eröffnung der Bayreuther Festspiele.
Geboren 1165: Ibn Arabi, andalusischer Sufimystiker, Dichter und Philosoph,1556: George Peele, englischer Dichter, 1683: Pieter Langendijk, niederländischer Dichter, 1756: Elizabeth Hamilton, britische Dichterin, 1798: Albert Knapp, deutscher Dichter, 1848: Ottokar Kernstock, österreichischer Dichter, 1867: Max Dauthendey, deutscher Schriftsteller, 1884: Rafael Arévalo Martínez, guatemaltekischer Schriftsteller, 1901: Ruth Krauss, amerikanische Schriftstellerin, 1905 Elias Canetti, deutschsprachiger Schriftsteller aus Bulgarien
Gestorben 1679: Johann Sebastian Mitternacht, deutscher Theologe und Schriftsteller, 1794: André Chénier, französischer Schriftsteller, 1822: Ignác Cornova, italienischer Priester und Dichter, 1826: Kondrati Rylejew, russischer Dichter, 1834: Samuel Taylor Coleridge, englischer Dichter, 1929: Matti Aikio, norwegischer Dichter, 1950: Elisabeth Langgässer, deutsche Schriftstellerin, 1966: Frank O’Hara, amerikanischer Lyriker, 1969: Witold Gombrowicz, polnischer Schriftsteller, 1980: Wladimir Wyssozki, russischer Dichter und Sänger, 2002: Abdel Rahman Badawi, ägyptischer Dichter und Philosoph, 2015: Dieter Kühn, deutscher Schriftsteller
Der 26.Juli ist St. Annentag. „Ist Sankt Anna erst vorbei, kommt der Morgen kühl herbei“ (Werden wir sehn). – 1656: Der Maler Rembrandt van Rijn ist pleite. – 1887: In Warschau erscheint erstmals die Broschüre »Internationale Sprache« von Ludwik Lejzer Zamenhof unter dem Pseudonym Dr. Esperanto. – 1957: Der Verleger und Emigrant Walter Janka wird in der DDR wegen „konterrevolutionärer Verschwörung“ zu fünf Jahren Zuchthaus mit verschärfter Einzelhaft verurteilt.
Geboren 1856 George Bernard Shaw, irischer Dramatiker, Pazifist, Nobelpreis für Literatur 1925, 1861: Wascha-Pschawela, georgischer Schriftsteller, 1865: Rajanikanta Sen, indischer Dichter und Komponist, 1875: Antonio Machado, spanischer Lyriker, 1875: Carl Gustav Jung, Schweizer Psychiater und Psychotherapeut, 1893 George Grosz, deutscher und amerikanischer Künstler, Dadaist, 1894: Aldous Huxley, britischer Schriftsteller, 1907: André Frénaud, französischer Lyriker, 1922: Chairil Anwar, indonesischer Dichter, 1925: Ana María Matute, spanische Schriftstellerin, 1925: Hans Bergel, deutscher Schriftsteller aus Siebenbürgen, 1928: Ibn-e-Safi, indisch-pakistanischer Schriftsteller, 1938: J.J. Cale, amerikanischer Musiker, 1939: Jun Henmi, japanischer Schriftsteller, 1943 Mick Jagger, britischer Musiker
Gestorben 1680: John Wilmot, Earl of Rochester, englischer Dichter, 1806: Karoline von Günderode, 1925: Gottlob Frege, deutscher Mathematiker und Philosoph, 1940: Kurt Kluge, deutscher Maler, Bildhauer und Dichter, 1941: Benjamin Whorf, amerikanischer Linguist, 1967: Milán Füst, ungarischer Lyriker, 2007: Lars Forssell, schwedischer Schriftsteller, 2013: Rolf Haufs, deutscher Schriftsteller
Der 27. Juli ist Siebenschläfer nach dem offiziellen römischen Märtyrerkalender. Wer mit dem Wetter am 27. Juni nicht zufrieden war, kann immer noch konvertieren. Die Märtyrer aus Ephesos oder einem anderen Ort, die sich an diesem oder einem anderen Tag um das Jahr 250 oder in einem anderen Jahrhundert in einer Höhle versteckten, um 300 (oder auch mehr oder weniger) Jahre später zu erwachen, werden nach byzantinischem Kalender gleich zweimal geehrt, am 4. August (griechisch-orthodox) und 22. Oktober (Ostkirche). Im Katholischen wird der Sieben Schläfer in der Regel am 27. Juni gedacht. Ausnahmen von der Regel bilden die Bistümer Regensburg (12. September) sowie Aquileia, Salzburg und Passau (13. September). Noch verwickelter wird alles, wenn man den Koran und seine Auslegungen hinzuzieht. – Am 27. Juli 1794 wird Maximilien Robespierre verhaftet, nachdem er über 17.000 „Feinde der Revolution“ exekutieren ließ. Am nächsten Tag wird er hingerichtet (genau 254 Jahre nach Oliver Cromwell).
Geboren 1450: Jakob Wimpheling, deutscher Schriftsteller, 1777: Thomas Campbell, schottischer Dichter, 1784: Denis Dawydow, russischer General und Husarenpoet, 1835: Giosué Carducci, italienischer Dichter, Nobelpreis für Literatur 1906), 1848: Hans Hoffmann, Pommerndichter, 1870 Hilaire Belloc, britischer Schriftsteller, 1883: Maeda Yūgure, japanischer Lyriker, 1884 Max Brod, 1884: Ernst Bertram, deutscher Germanist und Schriftsteller, 1884: Zenzl Mühsam, 1909: Hilde Domin, deutsche Lyrikerin, 1910: Rajzel Zychlinski, polnisch-amerikanische jiddischsprachige Dichterin, 1914: August Sang, estnischer Dichter, 1929: Jean Baudrillard, französischer Philosoph, 1939: Michael Longley, nordirischer Dichter, 1940: Pina Bausch deutsche Tänzerin und Choreografin, 1940: Lothar Herbst, polnischer Dichter
Gestorben 1841: Michail Lermontow, russischer Dichter, 1873: Fjodor Tjutschew, russischer Dichter, 1946: Gertrude Stein, amerikanische Schriftstellerin, 1954: Rainer Maria Gerhardt, deutscher Schriftsteller, Verleger und Übersetzer, 1962: Richard Aldington, englischer Schriftsteller, 2009: Peter Horst Neumann, deutscher Lyriker und Literaturwissenschaftler
Am 28. Juli
Geboren 1458: Jacopo Sannazaro, italienischer Dichter, 1758: Maximilien de Robespierre, Jakobiner, 1804: Ludwig Feuerbach, Philosoph, Religionskritiker, 1844: Gerard Manley Hopkins, englischer Dichter, 1874: Alice Duer Miller, US-amerikanische Schriftstellerin und Feministin, 1887: Marcel Duchamp, französischer und amerikanischer Künstler (130. Geburtstag), 1909: Malcolm Lowry, englischer Schriftsteller, 1917: Gloria Fuertes, spanische Dichterin, 1927: John Ashbery, amerikanischer Dichter, 1978: Kārlis Vērdiņš, lettischer Dichter
Gestorben 1695: Cyrano de Bergerac, französischer Schriftsteller („beim siebten Verse stech ich“, 1741: Antonio Vivaldi, 1750: Johann Sebastian Bachs, 1842 Clemens Brentano, deutscher Dichter, 1915: Hans Ehrenbaum-Degele „gefallen“ am Narew, 1998: Zbigniew Herbert, polnischer Dichter, 2001: Ahmed Sofa, bangladeschischer Dichter
Weiter im Schnelldurchgang (wer Namen vermißt: Mail an Lyrikzeitung)
Am 29. und 30. Juli The New York City POETRY FESTIVAL, Governors Island
Am 29. Juli 1605 Simon Dach *, 1874 August Stramm *, 1889 Karl Otten *, 1925 Mikis Theodorakis *, 1927 Harry Mulisch * (90. Geburtstag), 1974 Erich Kästner †, 1983 Luis Buñuel †, 2007 Ingmar Bergman †
Am 30. Juli 1784 Denis Diderot †, 1818 Emily Brontë *, 1856 Georg Weerth †, 1905 Stanley Kunitz *, 1922 Hansgeorg Stengel *
Am 31. Juli 1784 Denis Diderot †, 1843 Peter Rosegger *, 1849 Sandor Petöfi †, 1933 Cees Nooteboom *, 1952 Clara Viebig * („Eifeldichterin“, 65. Todestag)
Am 1. August 1819 Herman Melville *, 1925 Ernst Jandl *, 1954 Kim Addonizio *, 1969 Miquel Labordeta, spanischer Lyriker †
Am 2. August 1924 James Baldwin *, 1997 William S. Burroughs †
Am 3. August 1839 Dorothea Schlegel †, 1913 1913 Bartomeu Rosselló-Pòrcel, katalanischer Lyriker *, 1924 Joseph Conrad †, 1884 Juri Tendrjakow †, 2008 Alexander Solshenizyn †
Am 4. August 1792 Percy Bysshe Shelley *, 1859 Knut Hamsun *, 1875 Hans Christian Andersen †, 1883 René Schickele *, 1890 Erich Weinert *, 1904 Witold Gombrowicz *, 1941 Mihály Babits †, 1962 Jáchym Topol *, 1971 Georg Maurer †, 1959 Blanca Andreu, spanische Lyrikerin *, 1977 Ernst Bloch † , 1985 Rosa Leveroni, katalanische Lyrikerin †
Am 5. August 1889 Conrad Aiken *, 1984 Rudolf Hagelstange †, 1990 Ivan Blatný †
Am 6. August 1637 Ben Jonson †, 1651 François Fénelon *, 1705 Johann Beer †, 1809 Alfred Tennyson *, 1901: Paula Banholzer (Bie), 1916: Ernst Schwarz, österreichischer Sinologe , 1926: Christa Reinig , 1969 Theodor Adorno †, 1988: Francis Ponge †, 1995: Walter Werner †
Am 7. August 1876 Mata Hari *, 1883 Joachim Ringelnatz *, 1921 Aleksandr Blok †, 1941 Rabindranath Tagore †
Am 8. August 117 Kaiser Trajan †, 1884 Sara Teasdale *, 1926 Ernst Hauschka *, 1929 Rose Nyland *
Am 9. August 1922 Philip Larkin *, 1939 Sergej Tretjakow †, 1962 Hermann Hesse †
Am 10. August 1878 Alfred Döblin *, 1895 Michail Sostschenko *, 1912 Jorge Amado *, 1932 Slang †, 1953 Mark Doty *
Am 11. August 1883 Ernst Stadler *, 1892 Hugh MacDiarmid *, 1897 Louise Bogan*, 2002 Jiří Kolář †, 2006 Mazisi Kunene †
Die Nacht des 12. August erlangte traurigen Ruhm als „Nacht der ermordeten Dichter“. 1952 ließ Josef Stalin mehr als in Dutzend jüdische Intellektuelle hinrichten, darunter die jiddischen Dichter Perez Markisch, Dovid Bergelson, Dovid Hofstein, Izik Feffer und Leib Kwitko.
Am 12. August 1827 William Blake † (an diesem Tag 1803: William Blake verjagt einen betrunkenen Soldaten aus seinem Garten. Die Anklage wegen Aufruhr und tätlicher Bedrohung wird im Januar 1804 fallengelassen), 1935 Karl Mickel *
Vom 12.-28. August Edinburgh International Book Festival
Am 13. August 1802 Nikolaus Lenau *, 1961 absichtslos eine Mauer gebaut
Am 14. August 1928 Klabund †, 1956 Bertolt Brecht †, 1976 Werner Bräunig †, 2004 Czesław Miłosz †
Am 15. August 1740 Matthias Claudius *, 1771 Walter Scott *, 1901 Hans Lorbeer *
Am 16. August 1900 Eça de Queiroz †
Am 17. August 1676 Grimmelshausen †, 1876 Theodor Däubler *, 1922 Paul Wiens *
wüsste so gern, was mich bewegt
Hansjürgen Bulkowski
Am 20. Juli 1916 „fiel“ der junge Dichter Reinhard Sorge auf dem „Schlachtfeld“ in Frankreich. Hier ein Auszug aus dem Minidrama „Zarathustra. Eine Impression“ vom 1911:
JUNGER KÜNSTLER:
Himmel und Hölle! Ich werde die ganze Sippschaft lehren, dies Buch zu begreifen. Geben Sie nur acht! . . .
MUSIKER:
Keine Dummheiten, mein Freund, keine Dummheiten! . . .
(Der junge Künstler rasch ab durch eine zweiflügelige Tür inmitten der Hinterwand. Mäzen niest stark.)
SCHULMEISTER:
Gesundheit! Haben Sie sich erkältet, Bester? Wie? Ein wenig zugig, das Buch. Nicht wahr? Gesundheit!
MÄZEN:
Danke, danke! Es war nur eine Fliege, die kitzelte . . .
SCHULMEISTER:
Verstehe. Verstehe.
(Der zweite Student hält mit Wandern inne.)
LIBERALER:
Ich gelte allgemein für liberal; Sie wissen das, meine Herren. Ich sage Ihnen: dieses Buch ist das Äußerste. Es ist furchtbar gefährlich. Es wäre feige oder dumm, das zu leugnen. Es ist gefährlicher als alle Bücher der Aufklärung, selbst die schmutzigsten, selbst die wissenschaftlichsten!
SCHULMEISTER:
Warum gerade?
LIBERALER:
Es hat wieder die Pietät eingefangen. Es preist wieder das Gebet; es kennt Abstände, Ritus, Himmel. Ich sage Ihnen: höchst gefährlich! Es kennt Kulte.
(Draußen fällt ein Schuß.)
Am 19. Juli 1819 wurde Gottfried Keller geboren. Heute kein Gedicht, sondern der Anfang des Novellenzyklus „Das Sinngedicht“.
Erstes Kapitel
Ein Naturforscher entdeckt ein Verfahren und reitet über Land, dasselbe zu prüfen
Vor etwa fünfundzwanzig Jahren, als die Naturwissenschaften eben wieder auf einem höchsten Gipfel standen, obgleich das Gesetz der natürlichen Zuchtwahl noch nicht bekannt war, öffnete Herr Reinhart eines Tages seine Fensterläden und ließ den Morgenglanz, der hinter den Bergen hervorkam, in sein Arbeitsgemach, und mit dem Frühgolde wehte eine frische Sommermorgenluft daher und bewegte kräftig die schweren Vorhänge und die schattigen Haare des Mannes.
Der junge Tagesschein erleuchtete die Studierstube eines Doctor Faustus, aber durchaus ins Moderne, Bequeme und Zierliche übersetzt. Statt der malerischen Esse, der ungeheuerlichen Kolben und Kessel gab es da nur feine Spirituslampen und leichte Glasröhren, Porzellanschalen und Fläschchen mit geschliffenem Verschlusse, angefüllt mit Trockenem und Flüssigem aller Art, mit Säuren, Salzen und Kristallen. Die Tische waren bedeckt mit geognostischen Karten, Mineralien und hölzernen Feldspatmodellen; Schichten gelehrter Jahrbücher in allen Sprachen belasteten Stühle und Diwans, und auf den Spiegeltischchen glänzten physikalische Instrumente in blankem Messing. Kein ausgestopftes Monstrum hing an räucherigem Gewölbe, sondern bescheiden hockte ein lebendiger Frosch in einem Glase und harrte seines Stündleins, und selbst das übliche Menschengerippe in der dunklen Ecke fehlte, wogegen eine Reihe von Menschen- und Tierschädeln so weiss und appetitilich aussah, daß sie eher den Nippsachen eines Stutzers glichen als dem unheimlichen Hokuspokus eines alten Laboranten. Statt bestaubter Herbarien sah man einige feine Bogen mit Zeichnungen von Pflanzengeweben, statt schweinslederner Folianten englische Prachtwerke in gepreßter Leinwand.
Ludwig Harig
Im Flirt mit Dame Gott
Für Paul Wühr
Ach Paul, mein lieber Paul, du dichtest mit Gespür
dich außerhalb der Zeit in eine helle Ferne,
die uns illuminiert wie Aladins Laterne:
Du reibst, und es erscheint dein Vers en miniature.
Es schwingt dein Silbenfuß im Takt und tanzt die Kür
im Flirt mit Dame Gott bis an den Rand der Sterne.
Der eine sucht den Sinn, der andre das Moderne.
So ist nun mal die Welt, was kann Paul Wühr dafür?
Der schmale Trampelpfad erweitert sich zur Pforte.
Was gibt es rundumher, was außerhalb der Worte,
die für uns Wörter sind und kein Begriff darüber?
Was bleibt, ist kurz gesagt des Lebens Paraphrase,
das Übel mit dem Kreuz, das Elend mit der Blase.
So stehen wir perplex dem Wortschrott gegenüber.
Ludwig Harig wurde am 18. Juli 1927, heute vor 90 Jahren, geboren. – Das Gedicht stand in manuskripte. Zeitschrift für Literatur, Nr. 176, Graz 2007
Rainer Kirsch wurde am 17. Juli 1934 im sächsischen Döbeln geboren, er starb am 4. September 2015 in Berlin.
Kirsch wurde 1956 vom Studium relegiert und 1957 aus der SED ausgeschlossen. Er wurde irgendwann wieder aufgenommen und 1973 zum zweiten Mal ausgeschlossen, wegen eines Theaterstücks. 1990 wurde er der letzte Präsident des DDR-Schriftstellerverbandes. Ende jenes Jahrs entstand dieses Gedicht über Probleme mit einer neuen Wahrnehmungsavantgarde.
Ich-Soll 1991
1
Ich soll es zugeben
2
Ich soll zugeben daß ich den Mund halten soll Januar bis Dezember und wenn ich ihn halte daß ich ihn halte weil ich es zugebe
3
Denn wenn ich den Mund früher nicht hielt war das Täuschung und hielt ich ihn war das Täuschung denn es täuschte vor ich hielte ihn nicht
4
Wer aber vortäuscht er täusche täuscht
5
So gebe ich es nicht zu gebe ich es zu und gäbe ich es zu gäbe ich es nicht zu was aus meinem Mund kommt ist Täuschung
6
Mein Herr, kaufen Sie einen Revolver
Gehobener Qualität.
Wenn nur Ihr Kopf nicht voll wär,
Wäre es nicht zu spät.
7
Zugeben soll ich daß ich was ich sah milchig sah was ich roch roch anders was ich hörte klang nicht wie ich es hörte was ich schmeckte dessen Geschmack war anders was ich tastete fühlte sich anders an
8
Das soll ich zugeben und mich an die Wahrnehmungsavantgarde halten
9
Die Wahrnehmungsavantgarde ist ein Voraustrupp der wahr wahrnimmt was sie riecht duftet wie sie fühlt es dufte was sie hört klingt wie sie sieht es klänge sie schmeckt das Unkündbare und tastet die Chemie der Dinge
10
Ich indes verfaßte meine Gedichte in Versen und meine Prosa in Prosa
11
Meine Lieder gingen zu singen in meinen Stücken kamen Personen vor ich übte mich klar zu reden angesichts der Vertracktheit der Welt
12
Wer sich verstockt zeigt, muß den Stock auch schlucken.
Nun lernen Sie, mein Herr, sich stehend ducken.
13
Es gibt aber keine Personen was es gibt sind Ameisen Gedichte sollten in Prosa sein Prosa eher lyrisch wie auch das Wort Welt zumutet etwas hinge zusammen und Vertracktheit voraussetzt es gebe Klarheit die es nicht gibt das wenigstens sollte mir klar sein und wie dreist es ist Worte zu machen da die Wahrnehmungsavantgarde wahr wahrnimmt von Januar bis Dezember
14
Herr Ovid im alten Rom
War ein gestandener Mann.
Er störte den Kaiser beim Mittagsschlaf
Und fand sich in Asien dann.
15
Darum soll ich den Mund halten Neunzehnhunderteinundneunzig und es zugeben
(19.-23. Dezember 1990)
Heute ein Gedicht von Pierre-Jean de Béranger, geboren am 19. August 1780 in Paris und gestorben am 16. Juli 1857 ebenda. Béranger ist heute in Deutschland kaum bekannt. In der DDR war das anders. Wolf Biermann und Volker Braun zollten diesem Lied Reverenz (siehe unten).
So soll es sein Ich bin Prophet und sage wahr, Die Zukunft ist mir hell und klar, Ihr Freund', ich blicke scharf hinein, So soll es sein. Verpönt ist jeder Lobgedicht, Der Mächt'ge traut dem Schmeichler nicht, Kein Höfling schleicht bei ihm sich ein, So soll es sein. Uns bleiben Spiel und Wucher fern, Banquiers sind keine großen Herrn, Commis sind höflich, ungemein, So soll es sein. Die Freundschaft, unsrer Tage Glück, Ist mehr als ein Theaterstück, Das aufhört, bricht die Noth herein, So soll es sein. (...) In Büchern, man bewundert sie, Ist wen'ger Geist und mehr Genie. Sie sind von hohlen Phrasen rein, So soll es sein. Den Autor quält der Hochmuth nicht, Dem Mimen, der natürlich spricht, Läßt man stets Beifall angedeihn. So soll es sein. Der Großen Schwäche wird belacht, Auf Kriecher ein Chanson gemacht, und kein Verräther mischt sich d'rein, So soll es sein. In Frankreich blüht Geschmack aufs neu, Der Rechtspruch ist gerecht und treu, Und wieder frei zieht Wahrheit ein, So soll es sein. D'rum, Freunde, dankt dem Gott der Welt, Der jeglich Ding in Ordnung stellt, Wär's auch im Jahr Dreitausend ein, So soll's doch sein.
Aus: Lieder und Chansons von Béranger. Übertragen von Adolf Laun. (Miniaturbibliothek klassischer Schriften des In und Auslandes). Bremen: Kühtmann, 1871 (Originaltext unten)
Bei Braun klingt das so:
So muß es sein (Nach Béranger) Ich weiß, was mit uns wird, Marie Die Linie ist so klar wie nie Du hörst die Zukunft aus mir schrein So muß es sein. Man hält nicht Phrasen frei statt Kunst Verspricht dem Volk nie blauen Dunst Man rechnet aus und setzt sich ein So muß es sein. Kein Bürokrat hockt windelweich Die volle Wahrheit sagt man gleich Für seine Tat steht jeder ein So muß es sein. (...) Wer dennoch unzufrieden bleibt Und lächelnd schon die Zeit abschreibt Den nennt man nicht mehr Feind und Schwein So muß es sein. (...)
Und bei Biermann:
So soll es sein – so wird es sein So oder so, die Erde wird rot: Entweder lebenrot oder todrot Wir mischen uns da bißchen ein – so soll es sein so soll es sein so wird es sein (...) Kein Liebespaar wird uns mehr geschaßt zu lebenslänglichem Eheknast Die Untertanen-Fabrik geht ein – so soll es sein ...
Hier das komplette Original:
Je suis devin, mes chers amis ; L’avenir qui nous est promis Se découvre à mon art subtil. Ainsi soit-il ! Plus de poëte adulateur ; Le puissant craindra le flatteur ; Nul courtisan ne sera vil. Ainsi soit-il ! Plus d’usuriers, plus de joueurs, De petits banquiers grands seigneurs, Et pas un commis incivil. Ainsi soit-il ! L’amitié, charme de nos jours, Ne sera plus un froid discours Dont l’infortune rompt le fil. Ainsi soit-il ! La fille, novice à quinze ans, À dix-huit avec ses amants N’exercera que son babil. Ainsi soit-il !
Femme fuira les vains atours, Et son mari pendant huit jours Pourra s’absenter sans péril. Ainsi soit-il ! L’on montrera dans chaque écrit Plus de génie et moins d’esprit, Laissant tout jargon puéril. Ainsi soit-il ! L’auteur aura plus de fierté, L’acteur moins de fatuité ; Le critique sera civil. Ainsi soit-il ! On rira des erreurs des grands, On chansonnera leurs agents, Sans voir arriver l’alguazil. Ainsi soit-il ! En France enfin renaît le goût ; La justice règne partout, Et la vérité sort d’exil. Ainsi soit-il ! Or, mes amis, bénissons Dieu, Qui met chaque chose en son lieu : Celles-ci sont pour l’an trois mil. Ainsi soit-il !
Am 15. Juli 1913 wurde Abraham Sutzkever in Smorgon bei Wilna geboren, im damaligen Russischen Reich. Die Geburtsstadt heißt heute Smarhoń und liegt in Weißrußland. Sein erster Gedichtband, „lider“ (Lieder), wurde 1937 vom jüdischen PEN-Club in Warschau gedruckt. Wilna (Wilne, Wilno, Vilnius) war eine multiethnische Stadt, genannt das Jerusalem des Nordens, auch das Jiddische Jerusalem oder (der Name soll auf Napoleon zurückgehen) „Jerusalem de Lite“ – das jiddische Wort für Litauen. Russisch, Polnisch, Litauisch und Jiddisch wurde dort gesprochen. Der Schüler lernte auch Hebräisch und bemühte sich um das Altjiddische – die meisten seiner altjiddischen Gedichte sind im Krieg verlorengegangen. Die Deutschen kamen, steckten ihn ins Getto und versuchten die jüdische Kultur auszurotten. Sutzkever konnte fliehen und ging als Partisan in die Wälder. Einige seiner im Getto geschriebenen Gedichte gelangten nach Moskau, wo Ilja Ehrenburg und der jiddische Dichter Perez Markisch auf sie aufmerksam wurden. Es gelang dem Jüdischen antifaschistischen Komitee in Moskau, den Dichter mit einem sowjetischen Militärflugzeug im März 1944 aus den Wäldern nach Moskau bringen zu lassen. Auf Anregung Ehrenburgs arbeitete er an einem Schwarzbuch über die Leiden der jüdischen Bevölkerung im von den Deutschen besetzten Teil der Sowjetunion mit. Doch kurz vor Drucklegung der russischen Fassung wurde das Unternehmen gestoppt wegen „schwerer politischer Fehler“. Vollständig erschien es erst in den 90er Jahren, auch in Deutsch.
Sutzkever sagte 1946 im Nürnberger Prozeß gegen den Mörder seiner Mutter und seines Sohnes aus. Über Łódź und Paris ging er 1947 nach Israel.
Der leider nicht mehr existierende Amman Verlag veröffentlichte 2009 eine zweibändige Ausgabe in der Übersetzung Hubert Witts, ein Band Gedichte und ein Band mit Sutzkevers Auszeichnungen „Wilner Getto 1941-1944“. Hier ein Auszug aus Letzterem.
Ich lief hinaus durch die Gassen. Juden mit »Kitteln« unter den Armen eilten in die Bethäuser. In allen Fenstern flämmelten Lichte. Vor allem der Synagogenhof war überfüllt. Man eilte in das Chassidische Haus, in die große Synagoge und vor allem in Gaons Bethaus, als wäre es dort sicherer, daß die Gebete Gehör fänden.
Aus einem der Höfe hörte ich einen Gesang. Es erklangen jiddische Worte. Ich ging den Tönen nach. Sie führten mich die Treppe hinauf.
In einem langen, schmalen, fensterlosen Zimmerchen saß der Lehrer Gerschtejn in einem Kreis von Kindern und sang mit ihnen das Lied des Dichters Perez: »Hoff! der Frühling ist nicht fern«.
Gerschtejn beendete den Gesang und umarmte mich herzlich.
»Ihr seid hier?«
»Ich bin gekommen, um Euern Chor zu hören«‚ antwortete ich. Ich blickte auf seine Sänger, und meine Augen wurden naß. Er nahm die Kinder näher zusammen, stellte sie nach ihren Stimmlagen auf, und durch den Dachboden, über das Getto hin, über die ganze Welt erklang:
un sol wi wajt
noch sajn di zajt
fun libe un fun scholem, –
doch kumen wet
zi fri, zi schpet
di zajt, ess is kein cholem.
Und wäre die Zeit der Liebe und des Friedens auch noch fern — sie wird kommen, früher oder später, diese Zeit ist nicht nur ein Traum.
Abraham Sutzkever: Wilner Getto 1941-1944. Zürich: Ammann, 2009, S. 63f
Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,
seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound. In der heutigen Ausgabe: Peter Härtling und Werner Hamacher †. Peter Neumann, Ann Cotten, Franzobel, Rußland: Die neuen Kosaken, Liu Xiaobo, Dschihadistenpoesie, nicht nochmal Jan Wagner – aber manches andere. Lesen! (Übrigens: Verschiedene Serien, wie: Shakespeares Sonette, sowie die Zeitschriftenreviews gehen nach der Sommerpause weiter)
Die Themen in dieser Ausgabe
Peter Neumann
siehssudas
guck dir das an, siehssudas, wie sich das dreht un dreht, das is n orignal tornado, scheiß die wand an, altä, na, hauptsache, der kommt nich auf uns zu, hauptsache, der geht an uns vorbei, dassieht ganz schön gefährlich aus, altä, is ja der hamma, guck dir das an, das is voll tornado, dasiss ein hurricane, altä, altä, scheiß die wand an, altä, is aber einer von der harten sorte, du, wie der aussieht, altä ‒ was machen wir jetzt, altä ‒ na, los fahren, älta ‒ ich fahr doch da nicht rein, altä ‒ aber das geht doch an uns vorbei ‒ altä, hast du gesehn, was da grad geblitzt hat, guck dir das an, wie sich die scheiße dreht, altä, guck ma, ach du scheiße, guck ma, wie es da regnet, guck ma, wie sich die wolken zusammenziehn, älta, was machen wir jetzt, ich will da nicht rein ‒ ja, kommt das, oder ‒ das kommt genau über uns rüber, altä ‒ ja, wollen wir aussteigen, oder ‒ guck ma, dahinten genauso ‒ entweder an land oder, entweder wir fahren jetzt oder gehen an land, oder
Ann Cotten in einem leidenschaftlichen Kommentar zur großen Mehrheit der Demonstrierenden von Hamburg in der Zeit online (sowas drucken die denn nun doch nicht, oder?), Auszug:
Beim Recherchieren, was einen lieben Freund beim Protest gegen den G20-Gipfel erwartet, und im Versuch, ihm ein Piratenshanty for the road zu dichten, fällt mir schlagartig auf, wie krass sie sind, nämlich die, die da losziehen, trotz der Warnungen und Verlockungen, man sollte doch lieber wie andere Menschen bequem und ignorant und eventuell auch etwas ängstlich dem Alltag nachgehen. Diese Leute sind die besten, die Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat, sozusagen die Crème de la Crème der Jugend.
Das sind sicher keine Chaoten. Sie folgen auf organisierte und moderate Weise ihrer Überzeugung. Sie schmeißen Flaschen weniger oft, als die Regierenden Gender-Fails zum eigenen Fortkommen missbrauchen. Sie sind international vernetzt und bauen alternative Strukturen von null auf. Sie haben ein lebendes Herz und sind wütend über unsere fortdauernde und uns alle mit einschließende kolonialistische, postkolonialistische, teils schlicht freibeuterische Haltung zur Gesamtwelt. Sie demonstrieren friedlich und sprechen von konkreten und wichtigen Angelegenheiten, unverschlüsselt und ohne Heer. Sie stehen jetzt dem aufgestockten Arsenal und der unbekannten Strategie der Polizei in Hamburg gegenüber, mit nicht mehr als dem eigenen verletzlichen Körper, und ich habe jetzt Angst um sie. Wie schnell fliegt „in Notwehr“ eine Kugel, wird ein Körper zertrampelt, zieht Gift ins Hirn. Was, wenn einer nicht zurückkommt, zwei, zehn, zwanzig?
Es genügt aber schon, wenn der Idealismus gedämpft wird von der deprimierenden Destruktivität der Polizei, die immer wieder niederreißt und verhindert, was gerade Schwung und Gestalt bekam. Bewegte Beschäftigung mit Weltpolitik trifft auf verordnete Ohnmacht, und eine schwarze Mauer, die nur darauf lauert, dass der Emotionstopf überkocht, um zu zeigen, wie unratsam es ist, die Probleme der Welt zu den eigenen zu machen. Der junge Schiller von 2017 lernt, wenn er da heil rauskommt, dass alles aussichtslos ist, die Demokratie eine brennschmelzende Fassade, der Staat eine Miliz, die letztlich mit stumpfer Gewalt agiert, gegen die man angehen könnte, bis man als Skelett zu Boden fällt, sieht all das und wird stumpfer Hedonist oder schlimmer.
Literatur speichert Erfahrungen und Empfindungen schneller als die Gene. Sie darf Dinge anders sehen, aussprechen, neu bewerten, Utopien entwerfen, unvernünftig und verrückt sein. Sie darf Dinge zurechtrücken, was gerade ziemlich notwendig zu sein scheint, denn die Welt ist ein übel riechender Schweinetrog geworden, an dem sich ein paar wirkliche dicke Säue laben, die Anlass zur Vermutung geben, der bekannte, oft zitierte Ausspruch der Ingeborg Bachmann sollte eigentlich lauten: In Wahrheit ist der Mensch die Zumutung. Da werden Billiarden für Rüstung ausgegeben, es fehlt aber angeblich Geld für Bildung. Aus Profitgier und Hegemonialstreben werden die Kioto-Protokolle zum Klimaschutz ebenso ignoriert oder umgangen wie sämtliche Menschenrechtschartas. Jährlich ertrinken 5000 Flüchtlinge im Mittelmeer, noch immer verhungern Kinder oder fehlt es ganzen Völkern an Medikamenten, Wasser, Grundnahrungsmitteln. Wir alle wissen das – diese ungeheuerliche Verlogenheit: Waffenlieferungen in Krisengebiete, Menschenhandel, darmschädigende Enzyme im Fertigteig der Großbäckereien, krebserregende Handystrahlen, verbrecherische, ja komplett amoralische Massentierhaltung, von Pharmakonzernen verseuchtes Wasser, in dem sich Superkeime bilden, betrügerische Banker, gefälschte Abgasstudien, bis hin zur Tochter des Wir-zuerst-und-Arbeitsplätze-zurück-nach-Amerika-Präsidenten, die ihre Modekollektionen von Arbeitssklaven in Billiglohnländern produzieren lässt … das Skandalöse hat die Welt mit ihrer Akne überzogen – und wenn etwas aufbricht, der Eiter der Korruption und Gier, der Machtgeilheit und des Nepotismus hervortritt, wandert einfach eine Politiker- oder Aufsichtsratsmarionette mit einer Millionenabfertigung in die gute Puppenstube der Pension. / Franzobels Rede zur Literatur im Wortlaut bei Der Standard
Er moderierte jahrzehntelang ein Literaturquiz im Hessischen Rundfunk und besprach in der „Frankfurter Anthologie“ dieser Zeitung mit großem Enthusiasmus am liebsten halb oder fast ganz vergessene Autoren wie Max Herrmann-Neiße, Richard Beer-Hofmann, Theodor Kramer, Ferdinand Hardekopf, Christian Daniel Schubart und Justinus Kerner, aber auch Goethe, Hölderlin, Heine und Fontane. „Seit ich dieses Gedicht kenne, hastet es durch mein Gedächtnis, höre ich seinen heftigen, am Ende seufzenden Atem“, heißt es da über ein Gedicht der frühverstorbenen Hertha Kräftner, und in diesen Worten ist eben auch die Erkenntnis enthalten, dass man sich nicht von der Literatur retten lassen und anschließend die Kunst Kunst sein lassen kann. / Tilman Spreckelsen, FAZ
Mehr: Frankfurter Neue Presse | Deutschlandfunk | Tagesspiegel | Süddeutsche Zeitung | Südwest Presse
Alle Nachrichten und Informationen der F.A.Z. zum Thema Peter Härtling
Der österreichische Autor Hanno Millesi erhält den mit 4.000 Euro dotierten Reinhard-Priessnitz-Preis 2017. Der Jury gehörten in diesem Jahr Gustav Ernst und Robert Schindel an. Die Preisverleihung findet am 23. Oktober 2017 um 19.00 Uhr im Literaturhaus Wien statt, die Laudatio wird die Autorin Ann Cotten halten.
„Hanno Millesi ist Meister darin, mit einer sorgfältig gebauten, Eigenarten und Obsessionen sehr genau zelebrierenden Sprache ausweglos erscheinende, groteske Lebenssituationen plastisch und vor allem mit viel Witz und Ironie zu schildern und bis in die absurdesten Konsequenzen auszuleuchten. Er unterhält mit einem hochartifiziellen Sinn für absonderliche, unsere Gegenwart ungewohnt treffend charakterisierende Figuren und Geschichten“, heißt es in der Begründung der Jury. / Volltext
Fundsachengezwitscher:
Chaucer Doth Tweet @LeVostreGC Vor 14 Stunden
‚Henry David Thoreau would have turned 200 today‘ ONLYE YF HE WAS EXCEPTIONALLYE HEALTHYE AND/OR A VAMPYRE
#Bosbach hat gestern eine Talkshow vorzeitig verlassen. Mein Verdacht: Er musste noch zu einer anderen Talkshow, die zeitgleich stattfand.
Und noch einmal Chaucer:
Makeres of art, poems, storyes, theater, musique, and daunse create a liveable worlde. Thei helpe us yn the present and speke to the future.
Makeres Kunst, Gedichte, Storyes, Theater, Musik und Daunse schaffen eine lebenswerte besorgt. Thei Helpe uns Yn der Gegenwart und Speke in die Zukunft.
r—–l—–@—–m—–r a—–i—–@—–i—–e n—–t—–@—–s—–a d—–e—–@—–s—–d n—–r… http://fb.me/1tAzgDLkn
die—n—@—–m—–r und——@—–i—–e —t—@—–s—–a d—e—@—–s—–d —die… http://fb.me/1tAzgDLkn
Die Literaturnaja Gaseta ist eine altehrwürdige sowjetisch-russische Literaturzeitung. Ihre Homepage zieren Porträts von Puschkin und Gorki sowie zwei hohe sowjetische Orden von 1971 und 1979. Am 17. Mai veröffentlichte sie einen Artikel, aus dem ich zitiere:
Am 1. Mai fiel der Dichter und Journalist Igor Gratsch bei Luhansk*. Getötet durch eine Kugel. Die genauen Umstände seines Todes sind noch nicht bekannt, die Untersuchung nicht abgeschlossen.
Dies hat uns sein Sohn Jaroslaw Igorjewitsch mitgeteilt: „Im Juni 2014 zeigte ihm einer seiner Bekannten Fotos von den Ukrainern. Da waren Kinder, die man zu Tode gefoltert hat, wie in einem Konzentrationslager. Ich weiß nicht, wie weit diese Fotos echt waren, aber mein Vater packte seine Sachen und ging dorthin. Er ging in den Donbass als Kriegsberichterstatter und schrieb Dutzende Artikel, Gedichte, sie wurden in Sammelbänden veröffentlicht. Aber darüber hinaus versuchte er Leute zu schützen, half der Miliz, er hatte ungefähr 500 Kampfeinsätze…“
In den Neunziger- und Nullerjahren entstand die Idee, die Kosaken wiederzubeleben. Heute ist das Kosakentum im Donbass eine mächtige freiwillige Kraft zum Schutz der Zivilbevölkerung vor den faschistischen Schlägern**.
*) Siehe Lyrikzeitung #17
**) Im Original steht das Wort molodjez, das anerkennend „Prachtkerl“ bedeutet, aber auch pejorativ gebraucht wird. Ich übersetze frei, aber dem Sinn gemäß.
Hier eins von mehreren Gedichtzitaten:
Подходит ночь,
пугливая, сторожкая.
На небе –
злато лунной булавы.
Храпит в казарме
братство запорожское,
пришедшее намедни с боевых.
Es kommt die Nacht,
schüchtern, wachsam.
Am Himmel –
das Gold der Keule des Monds.
Es schnarcht in der Kaserne
die Bruderschaft der Saporosher,
die gerade vom Kampf zurückkam.
Interessanter als das Gedicht ist die Aussage des Sohns. Man würde wohl kaum in einem Kommentar zum Tod des eigenen Vaters andeuten, daß die Bilder, die ihn veranlaßten, in den Krieg zu ziehen, vielleicht nicht echt waren, wenn man nicht sehr ernste Gründe dafür hat. Doch weder der Autor, ein Jugendfreund des im Donbass gefallenen Dichters, noch die Redaktion der Literaturnaja gehen der Spur nach. Mit wenig Rechercheaufwand kann man hunderte plump gefälschte Propagandabilder finden, Zeitpunkt und Hintergründe ermitteln. Bilder aus dem Internet gezogen, ob von spielenden australischen Kindern, ob aus russischen Kriegsfilmen, aus Nahost oder Bosnien, versehen mit Hakenkreuz und ukrainischen Fahnen… Ich erinnere mich an Bilder und „Filmberichte“ aus dem russischen Fernsehen, in denen weinende Frauen auftraten, angeblich aus Slowjansk oder Luhansk – mehr als einmal erkannte man ein und dieselbe Frau, die als Schauspielerin an den verschiedensten „Schauplätzen“ als Zeugin ukrainischer Greuel auftrat. Eine solche Schauspielerin erzählte eine Szene, wo angeblich Frauen aus Slowjansk auf den zentralen Platz der Stadt getrieben wurden, grausiges Detail, wie die faschistischen Horden einer Mutter ein Kleinkind entreißen und es ans Kreuz schlagen, bis es stirbt vor den Augen der Mutter. Erfunden, aber wirkungsvoll. Den Dichter hat es das Leben gekostet.


Nicht wenige – auch in Deutschland – wollten der Propaganda einfach glauben, weil sie dem eigenen Weltbild entsprach. (Das ist erst einmal in Ordnung, wir alle sortieren ständig unter den widersprechenden Bildern und Aussagen das uns Passende heraus. Erschütternd wird es erst, wenn es mit der hartnäckigen Weigerung verbunden ist, hinzusehen, wenn kritische Fragen gestellt werden. Religiöse, ideologische Brillen, die das Unpassende herausfiltern. Lebt sich auf alle Fälle gesünder mit reinen Bildern im Kopf.)
Der Sohn ahnt oder weiß, daß die Bilder möglicherweise gefälscht sind. Autor und Redaktion ahnen es nicht, sei es daß es nicht opportun erscheint, sei es, daß es dem eigenen romantisch-militaristischem Weltbild entspricht. Die Kosaken, ein alter nationalistischer Mythos, den Stalin und auch Putin wieder aufgewärmt haben. Schon Jahre vor dem Krieg in der Ukraine wurden in Putins Rußland die Kosaken reaktiviert, eine Million Leute für paramilitärische Aufgaben. Wie viele von ihnen kämpfen wohl im Donbass? (Übrigens kämpfen „Kosaken“ auf beiden Seiten).
Der Dichter als Person reist 1000 Kilometer südwärts von Nishni Nowgorod nach Luhansk. In seinem Gedicht denkt er an an den Mond und die „Saporosher“, die schnarchenden Kosaken. Der Journalist geht forsch von der Zeugenaussage des Sohns zum Mythos vom Kosakentum über. Keine Fragen nirgends.
Interessant in der Aussage des Sohns auch die Reihenfolge der Bilder, bezwingende Dramaturgie: 1) die (vielleicht nicht echten) Bilder von Greueltaten der anderen Seite, 2) der Vater geht als Journalist dahin und schreibt Reportagen und Gedichte, 3) er will die Menschen beschützen, 4) er hilft der Milizija, 5) er hat 500 Kampfeinsätze. [ 6) Er stirbt den Heldentod]. – 500 ist sehr viel, in jeder Armee der Welt kriegt man dafür einen Orden, und ein Heldengrab. Vielleicht erfahren wir noch mal, daß er einen hohen Orden bekommt. Vielleicht erleben wir noch, daß seine Geschichte vor einem Gericht verhandelt wird.
Traum eines al-Qaida-Kämpfers:
„Wir waren im Traum von Ungläubigen umstellt und wussten, dass wir da nicht lebend rauskommen. Wir ließen unsere Waffen fallen. Aber Scheich Osama lächelte mich an. Sein Gesicht war wie der Mond in der Nacht. Dann träumte ich, dass er mich umarmt. Ich habe nie eine schönere Umarmung gefühlt. Ich wollte nicht, dass es aufhört.“ / Mehr
Mit einer »langen Nacht der Poesie« feierte der Hausacher Leselenz am Samstag seinen 20. Geburtstag. Dichter aus vier Kontintenten lasen über vier Stunden auf drei Bühnen der Hausacher Innenstadt. Bereits am Nachmittag hieß es »Europa begegnet sich in der Poesie«.
»Vor zehn Jahren auf der Burg und jetzt im Narrenschiff«, kommentierte Ranjit Hoskoté seine Lesung am Samstagabend im Narrenkeller der Hausacher Narrenzunft. Der weitest gereiste Gast des Hausacher Leselenzes Ranjit Hoskoté aus Bombay (Indien) war einer von neun Dichtern, die auf drei Bühnen die große Welt der Lyrik in die kleine Literaturmetropole Hausach projizierten. / Baden Online
Die anderen Dichter sind Joachim Sartorius, Ilija Trojanow, Girgis Shoukry (Ägypten), Rocio Ceron (Mexiko), Dennis Maloney (USA), Christoph Danne, Tzveta Sofronieva, Marina Skalova
“The Fire Horse,” a new translation of children’s poems, out from New York Review Books. In the volume, the translator Eugene Ostashevsky, a Russian émigré who is a talented experimental poet in his own right, presents the popular children’s verses of three major Russian poets—one each by the Russian Futurist Vladimir Mayakovsky, the antiquarian modernist Osip Mandelstam, and the absurdist Daniil Kharms. Rendered in a jubilant, spirited English, these narrative poems are accompanied by their original and beloved avant-garde illustrations. Both Mayakovsky and Kharms wrote children’s propaganda poems for the state, earning much-needed cash; Mandelstam, who couldn’t bear to write for hire, supported himself as a critic and translator and relied on his wife, the memoirist Nadezhda Mandelstam. But for their work as children’s authors all three poets drew upon the images and techniques used in their overtly experimental, subversive writings. Amid social upheaval, they spoke to young people over the heads of the censors about finding and defending the territory of the imagination. / Ania Aizman, The New Yorker
Das „wahre Leben“ blieb Liu Xiaobo und seiner Frau Liu Xia bis auf die wenigen, halbwegs unbehelligten Jahre zwischen 1999 und 2008 verwehrt, und als er am Ende darum bat, nicht auf chinesischem Boden, sondern in Deutschland sterben zu dürfen, blieb auch diese letzte Bitte um einen Tod in Freiheit ohne Erfüllung.
Die Universitätsklinik Heidelberg war bereit, ihn aufzunehmen, doch eigentlich hätte der Lyriker Liu wohl zu Immanuel Kant nach Königsberg gewollt, noch einmal „den Hut“ zu ziehen vor dem Philosophen und seinem kategorischen Imperativ. / Herbert Wiesner, Die Welt
Die taz brachte einen Auszug aus dem Tagebuch Liao Yiwus vom 16. Juni. Lange bevor die Öffentlichkeit von Lius Erkrankung erfuhr, telefonierte er mit einem Neffen von Liu Xiaobo und Liu Xia: „Bitte, wende dich dringend an Frau Merkel, im Namen von ihnen beiden. Bitte sie, bei ihrem Gespräch mit Xi Jinping klipp und klar zu fordern, dass Liu Xiaobo nach Deutschland kommt, um behandelt, nein, um gerettet zu werden. Du sagtest Tante einmal, dass unter den gegenwärtigen Politikern Frau Merkel die menschlichste und die mit dem meisten Mitgefühl ist. Sie hatte einst dir geholfen. Sie half vielen Flüchtlingen, selbst wenn dies ihr große Probleme gemacht hatte.“
Die Sinn und Rede wendende Literatur war für ihn kein Gegenstand, über den sich problemlos sprechen ließe, als ob sie stillhielte gegenüber der Lektüre. Hamacher dachte sie als radikal unverfügbar, innerhalb einer Relation, in der das aufeinander Bezogene je als bewegter Teil einer gemeinsamen Bewegung wirksam ist und von dieser nicht einfach abgezogen werden kann. Denn „Verstehen will verstanden sein“, wie Hamacher in seinem Buch „Entferntes Verstehen“ (1998) schreibt, als die Bedingung seiner Möglichkeit und seiner Grenze. „Zur Philologie gehört“, so lautet die 57. seiner „95 Thesen zur Philologie“ von 2010, „ bei aller Neigung zu dem, was gesagt ist, der Mut zu dem, was es nicht ist“. / FAZ 10.7.
Mehr: Neue Zürcher Zeitung
Schriften (Auswahl):
In seinen frühen Jahren, nämlich Anfang der 1960er in Greenwich Village, sah sich Bob Dylan gleichermaßen als Songwriter als auch als Dichter. 1965 hatte er dann „die endgültige Einsicht, dass seine Form der Dichtung die Songpoesie sei“. Sein Schwerpunkt waren fortan also die Songs, deren Texte ja auch eine Form der Poesie darstellen. Der Band versammelt dabei Langgedichte, Gedichte und Prosagedichte, die im Zeitraum von 1963 bis 1978 entstanden sind. Erst später beschränkt sich Dylans Schreiben (so lässt dieses Buch vermuten) auf Stellungnahmen, Reden und Essays als Form seiner literarischen Äußerung.
In seinem Nachwort macht Detering sehr schön deutlich, wo Dylans Wurzeln liegen. Dylan hat dabei sowohl die Tradition der ländlichen Folk Music als auch die urbane Beat Poetryaufgegriffen, und das – wie Detering meint – sogar ziemlich gekonnt: „Vielleicht hat niemand diese Begegnung zweier Bewegungen so aufmerksam, so intensiv und so produktiv wahrgenommen wie der junge Bob Dylan.“ / Peter Oehler, Fixpoetry
Bob Dylan · Heinrich Detering (Hg.)
Planetenwellen
Übersetzung: Heinrich Detering
Hoffmann & Campe
2017 · 496 Seiten · 24,00 Euro
ISBN: 978-3-455-00118-1
Like classical music, poetry has an unfortunate reputation for requiring special training and education to appreciate, which takes readers away from its true strangeness, and makes most of us feel as if we haven’t studied enough to read it.
This attitude is pervasive. To take just one example, in his introduction to “The Best Poems of the English Language,” Harold Bloom writes, “The art of reading poetry begins with mastering allusiveness in particular poems, from the simple to the very complex.” This sounds completely reasonable, but is totally wrong. The art of reading poetry doesn’t begin with thinking about historical moments or great philosophies. It begins with reading the words of the poems themselves. / Tracy K. Smith, New York Times 10.7.
Der 20. Hausacher Leselenz geht noch bis zum 14. Juli.
Internationales Poesiefestival in Medellin (8.-15. Juli)
Am 15. Juli 1099 erobert Gottfried von Bouillon Jerusalem. Die einen Berichte besagen, er habe alle Juden in die Synagoge getrieben, sie angezündet und sei unter Absingen christlicher Gesänge dabei um das Gebäude herumgelaufen. 20.000 bis 30.000 Juden sollen massakriert oder gefangen genommen und als Sklaven verkauft worden sein. Nach anderen Berichten habe es ein großes „Blutvergießen“ (so sind die Metaphern) gegeben, aber der Anführer habe persönlich mit dafür gesorgt, daß Juden und Moslems in islamisch geführtes Gebiet geleitet wurden.
Am 15. Juli 2006 startete Twitter (noch unter dem Namen Twttr)
Geboren: 1892 Walter Benjamin, deutscher Philosoph, 1906: R. S. Mugali, indischer Dichter, 1913 der jiddischsprachige israelische Dichter Abraham Sutzkever, Überlebender des Wilnaer Ghettos. (In den mir zugänglichen Quellen ist nicht vermerkt, ob nach unserem oder dem damals in Rußland geltenden julianischen Kalender), 1930: Jacques Derrida, französischer Philosoph, 1937: Robert Wohlleben, deutscher Lyriker und Essayist
Gestorben: 1885: Rosalía de Castro, spanische Dichterin, 1890: Gottfried Keller, Schweizer Dichter, 1919 Hugo von Hofmannsthal, österreichischer Schriftsteller, 1946: Wen Yiduo, chinesischer Dichter (von Kuomintangagenten ermordet), 1954: Sadriddin Aini, sowjetischer und tadschikischer Dichter, 1990: Maekawa Samio, japanischer Lyriker, 1990: Omar Abu Risha, syrischer Dichter und Diplomat, 2003: Roberto Bolaño, chilenischer Schriftsteller;
Am 16. Juli 622 Auswanderung (Hidschra) Mohammeds von Mekka nach Medina, Beginn der islamischen Zeitrechnung. – 1945 explodierte die erste Atombombe in New Mexico.
Geboren: 1546: Anne Askew, englische Dichterin (als Protestantin hingerichtet), 1879: Jorge González Bastías, chilenischer Lyriker, 1943: Reinaldo Arenas, kubanisch-amerikanischer Schriftsteller, 1944: Jörg Fauser, deutscher Schriftsteller;
Gestorben: 1388: Nijō Yoshimoto, japanischer Dichter, 1664: Andreas Gryphius, deutscher Dichter, 1857: Pierre-Jean de Béranger, französischer Dichter, 1884: Manuel Milà i Montanals, katalanischer Philologe und Schriftsteller, wichtige Figur der Renaixença, 1949: Wjatscheslaw Iwanow, russischer Dichter, 1962: Lene Voigt, sächsische Mundartdichterin, 1963: Nikolai Nikolajewitsch Assejew, russisch-sowjetischer Dichter, 1985: Heinrich Böll, deutscher Schriftsteller (Nobelpreis 1972), 1995: Stephen Spender, englischer Dichter, 2007: Dmitri Prigow, russischer Dichter
Am 17. Juli 1927 Uraufführung des Songspiels Mahagonny von Brecht/Weill in Baden-Baden.
Geboren: 521: Magnus Felix Ennodius, Bischof von Pavia und lateinischer Dichter, 1674: Isaac Watts, englischer Hymnendichter, 1888: Shmuel Yosef Agnon, israelischer Schriftsteller (Nobelpreis 1966), 1888: Milán Füst, ungarischer Dichter, 1934: Rainer Kirsch, deutscher Schriftsteller;
Gestorben: 1571: Georg Fabricius, deutscher Dichter, 1894: Leconte de Lisle, französischer Dichter („Der Traum des Jaguars“), 1935: George William Russell, irischer Dichter und Maler;
Am 18. Juli 64 der große Brand von Rom. Es gibt zwei Erzählungen, nach der einen handelte Kaiser Nero heroisch, um zu retten was zu retten war, nach der anderen spielte er seine Leier und sah zu.
Vom 18. bis 23. Juli findet in Key West das Festival Hemingway Days statt (inclusive Hemingway Lookalike Contest)
Geboren: 1013: Hermann von Reichenau, deutscher Gelehrter und Dichter. Die Einteilung der Stunde in Minuten (vermutlich für astronomische Beobachtungen) geht vielleicht auf ihn zurück. Er dichtete u.a. das Opusculum Herimanni de octo vitiis principalibus: ein an Nonnen gerichtetes Lehrgedicht über die acht Hauptlaster (1722 Verse). – 1718: Saverio Bettinelli, italienischer Dichter, 1724: Maria Antonia von Bayern, Kurfürstin von Sachsen und deutsche Dichterin, 1811: William Makepeace Thackeray, englischer Schriftsteller, 1831: Johann Martin Schleyer, deutscher Priester, Schriftsteller und Philanthrop, Erfinder der Plansprache Volapük, 1845: Tristan Corbière, französischer Lyriker, 1864: Ricarda Huch, deutsche Schriftstellerin, 1874: Jakub Lorenc-Zalěski, sorbischer Schriftsteller (Großvater des Dichters Kito Lorenc), 1894: Isaak Babel, russischer Schriftsteller aus Odessa, 1922: Georg Kreisler, österreichischer Kabarettist, Musiker und Schriftsteller, 1927: Ludwig Harig, deutscher Schriftsteller (90. Geburtstag), 1928: Simon Vinkenoog, niederländischer Schriftsteller, 1932: Jewgeni Jewtuschenko, sowjetischer und russischer Dichter, 1938: Jan Stanisław Skorupski, polnischer Dichter, 1974: Alan Morrison, britischer Dichter
Gestorben: 1756: Pieter Langendijk, niederländischer Schriftsteller, 1876: Karl Joseph Simrock, deutscher Dichter, 1918: Wladimir Pawlowitsch Paley, russischer Adliger und Dichter, wurde als Verwandter des Zaren von der Geheimpolizei ermordet, 1937: Julian Bell, englischer Lyriker, 1944: Thomas Sturge Moore, englischer Schriftsteller, 1982: Roman Jakobson, russischer Sprachwissenschaftler, 2013: Vaali, indischer Dichter
Am 19. Juli
Geboren: 1698: Johann Jakob Bodmer, Schweizer Philologe, 1744: Heinrich Christian Boie, deutscher Schriftsteller, 1819 Gottfried Keller, Schweizer Schriftsteller, 1859: Carl Ludwig Schleich, deutscher Arzt und Schriftsteller, 1863: Hermann Bahr, österreichischer Schriftsteller, 1893: Wladimir Majakowski, russischer Dichter, 1909: Balamani Amma, indischer Dichter, 1919: Miltos Sachtouris, griechischer Lyriker, 1938: Dom Moraes, indischer Schriftsteller, 1938: Tom Raworth, englischer Dichter, 1957: Chris van Wyk südafrikanischer Schriftsteller
Gestorben: 1374: Francesco Petrarca, italienischer Dichter, 1855: Konstantin Batjuschkow, russischer Dichter, 1936: Apel·les Mestres, katalanischer Schriftsteller, Künstler, Komponist, Sammler und Gärtner; Autor des Gedichts »No passareu!« (mit dem Titel »Cancó dels invadits«) anlässlich der deutschen Invasion Belgiens im Ersten Weltkrieg. Die spanischsprachige Adaption des Liedes, »No pasarán«, wurde im Spanischen Bürgerkrieg zu einer der Hymnen der Republikaner. Celan zitiert letzteres in seinem Gedicht »Schibboleth« – 1939: Rose Hartwick Thorpe, amerikanische Lyrikerin, 1963: Yamanoguchi Baku, japanischer Lyriker, 1977: Karl Ristikivi, estnischer Schriftsteller, 2007: Rudolf Günter Langer, deutscher Schriftsteller
Am 20. Juli 802 erhält Karl der Große als Geschenk des Kalifen Hārūn al-Raschīd in Aachen den Elefanten Abul Abbas. – 1969: Erste bemannte Mondlandung mit Apollo 11 (Neil Armstrong und Buzz Aldrin). »Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein gewaltiger Sprung für die Menschheit«
Geboren: 1304: Francesco Petrarca, italienischer Dichter, 1620: Nikolaes Heinsius der Ältere, niederländischer Gelehrter und Dichter, 1864: Erik Axel Karlfeldt, schwedischer Lyriker, Nobelpreis 1931, 1872: Anna Schuster, bayrische Heimatdichterin, 1885: Herman Wildenvey, norwegischer Lyriker, 1890: Richard Billinger, österreichischer Schriftsteller, 1927: Simin Behbahani, iranische Schriftstellerin, 1934: Uwe Johnson, deutscher Schriftsteller, 1943: Adrian Păunescu, rumänischer Lyriker
Gestorben: 1816: Gawriil Derschawin, russischer Dichter, 1832: Karl Julius Weber, deutscher Satiriker, 1916: Reinhard Johannes Sorge, gefallen bei Ablaincourt, 1928: Kostas Karyotakis, griechischer Lyriker, 1945: Paul Valéry, französischer Lyriker, 1977: Friedrich Georg Jünger, deutscher Schriftsteller, 1996: Miquel Àngel Riera, mallorquinischer Schriftsteller
Am 21. Juli 356 v. Chr.: Der Tempel der Artemis in Ephesos wird von Herostratos in Brand gesteckt.
Geboren: 1664: Matthew Prior, englischer Dichter, 1841: Minna Kleeberg, deutsche Dichterin. Zu ihren Werken gehört „Ein Lied vom Salz”, eine Bitte um Abschaffung der Salzsteuer in Preußen (1865). 1866 wanderte sie in die USA aus. Sie schrieb Gedichte zur Frauenbefreiung und zur Förderung der Demokratie. 1893: Hans Fallada, deutscher Schriftsteller (17 Uhr im Greifswalder Geburtshaus: Falladafest), 1899: Hart Crane, amerikanischer Lyriker. Zu seinen bekanntesten Gedichten zählen The Bridge und Voyages, in denen er insbesondere seine Erfahrungen als Homosexueller in einer feindlichen Umgebung thematisiert. Am 27. April 1932 nahm er sich das Leben, indem er von Bord des Schiffes S.S. Orziba in den Golf von Mexiko sprang. Seine Leiche wurde nie gefunden. – 1899: Ernest Hemingway, amerikanischer Schriftsteller, 1911: Umashankar Joshi, indischer Dichter, 1923: Ueda Miyoji, japanischer Lyriker, 1930: Anand Bakshi, indischer Dichter, 1936: Taijirō Amazawa, japanischer Dichter, 1945: Wendy Cope, englische Dichterin
Gestorben: 710: Shangguan Wan’er, chinesische Dichterin, 1796: Robert Burns, schottischer Schriftsteller, 1855: Per Daniel Amadeus Atterbom, schwedischer Dichter, 1928: Kostas Karyotakis, griechischer Dichter, 1941: Bohdan Lepkij, ukrainischer Dichter, 2001: Einar Schleef, Schriftsteller und Regisseur, 2012: Ali Podrimja, albanischer Dichter, 2014: Louise Abeita, amerikanische (Pueblo-)Schriftstellerin, 2015: E.L. Doctorow
Heute ein kurzes Gedicht für ein großes Jubiläum. Gestern vor 200 Jahren wurde Henry David Thoreau in Concord, Massachusetts, geboren. Berühmt und wirkmächtig wurde sein Pamphlet „Über zivilen Ungehorsam“ (darunter ein Auszug).
MY LIFE HAS BEEN THE POEM I would have writ,
But I could not both live and utter it.
Aus: „On Civil Disobedience“
All men recognize the right of revolution; that is, the right to refuse allegiance to, and to resist, the government, when its tyranny or its inefficiency are great and unendurable. But almost all say that such is not the case now. But such was the case, they think, in the Revolution Of ’75. If one were to tell me that this was a bad government because it taxed certain foreign commodities brought to its ports, it is most probable that I should not make an ado about it, for I can do without them. All machines have their friction; and possibly this does enough good to counterbalance the evil. At any rate, it is a great evil to make a stir about it. But when the friction comes to have its machine, and oppression and robbery are organized, I say, let us not have such a machine any longer. In other words, when a sixth of the population of a nation which has undertaken to be the refuge of liberty are slaves, and a whole country is unjustly overrun and conquered by a foreign army*, and subjected to military law, I think that it is not too soon for honest men to rebel and revolutionize. What makes this duty the more urgent is the fact that the country so overrun is not our own, but ours is the invading army.
*) Im Ergebnis des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges (1846-48) verlor Mexiko etwa die Hälfte seines Territoriums an die Vereinigten Staaten.
Ich bleib mal bei den Spaniern, genauer: gehe noch einmal zum Heiligen Johann vom Kreuz. Nach dem Original und der Fassung von Grossmann sowie der von Àxel Sanjosé heute die vielleicht erste deutsche Übersetzung. Der deutsche Dichter Quirinus Kuhlmann nahm sie in seinen „Kühlpsalter“ auf.
Der 2. (62.) Kühlpsalm
Als er von Lutetien an der Ostervormittwoche aufbrechend, über Peronne, Cambray, Valencyn, Mons, Halle, Brüssel, Antwerpen, Sevebergen, Yselmonde, Rotterdam, nach 15 tagen am 1 Mai um 5 uhr abends, zum dritten und sibenden mahle nach Amsterdam kommen, und nun mit Johannes â Cruce den Berg Carmel durch di dunkle nacht, mit der lebendigen Libesflamme, nach seinem eignem Groscentrum aufstig, dem Jesuelischem Jerusalem heimlichst nahend den 26 Julius 1680.
1.
In einer dunkler nächte,
Als Libesangst beflammend mich durchwerkt,
(O fall vom Glükksgeschlechte!)
Entkam ich, allen unbemerkt,
Da schon mein Haus di still und ruh verstärkt.
2.
Im dunklen, doch satt sicher,
Di treppen warn geheim und ich verkleidt,
(O fall vor glükkesbücher!)
Das finstre gab verhohlenheit,
Da schon mein Haus gestillt zu diser zeit.
3.
In jener Nacht voll segen;
Im dem geheim, da keiner mich erblikkt,
Noch ich was sah bewegen;
Da A.L.L.E.S. Licht und A.L.L.S. entrükkt,
Ohn das im hertz auslodernd mich beglükkt.
4.
O lebend Libesflamme,
Di liblichst trifft den tiffsten Seelengrund!
Nun bäumstdu sanfft im stamme!
Ei liber, mach das ende kund!
Reiss das geweb im Süssen anlauffsrund!
5.
O liblichzartes Brennen!
O sanffte hand! O überzarter grif!
Er schmekkt ein ewigst kennen,
Löst alle schuld, di mir nachlif!
Du tödtst den Tod, durchlebst ihn ewigtif!
6.
O feurge Lampenfeuer!
In deren glantz di tiffsten Sinngrüfft licht!
Vor dunkle Nachtgeheuer,
Nun voll gewohnter Prachtgesicht!
Ihr hitzlicht strahlt dem Libsten gleicher pflicht.
7.
Wi sanfftmuttvoller Libe
Erwachstdu mir, Geheimster, auf der Schos?
Welch süste Athemtribe?
Voll gutts und ehr, di Sinnenlos!
Entzündstdu so? Ich sink auf dich mir blos.
8.
Das Bett ist gantzdurchblühmet,
Mit Löwen ist behöhlet rings sein Ring!
Bepurpert, als gezihmet,
Im frid erbaut, voll wunderding!
Ja tausend schild von gold warn hir gering.
9.
Aus Blumen und Gesteinen,
Di höchster früh erlesen aller art,
Las uns di kräntze feinen!
Si blühn in Lib aus dir gepaart:
Dis einge haar hat si sehr fest bewahrt.
10.
Zu felses höhlen höhen
Eiln wir zugleich still zum granatmost ein.
Des Feinds sein vergehen
Entlägert Uns. Das feld ist rein.
Der Wasser Schall macht A.L.L.E.S. dein und mein.
Am 11. Juli 1561 wurde der spanische Dichter Luis de Góngora in Córdoba geboren. Ins Gedächtnis gebrannt anderthalb Zeilen aus einem Gedicht Johannes Bobrowskis: „des Corduaners / Zeile löst dir die Herzhaut ab“.
GÓNGORA
Schwerthieb
im ersten Licht, des Corduaners
Zeile löst dir die Herzhaut ab:
dünn, Papier, bemalt
mit fliegenden Schwänen.
Ach, dunkelen Rufs,
der Schwäne Zug. Eine Feder,
weiß,
fällt auf dich zu. Du sollst
einen Namen schreiben
an den Himmel aus Feuer
— Don Luis’ Namen —
in das Schweigen des heißesten Tags.
Denn die Treppe hinab,
in einem Schwarm Jungen, kommt Lorca.
Ach, Andalusier, Kinder! Er singt: Iberien,
schwarze Stimme, verwittert,
alt von der Könige Tritt.
Freunde, kommt weiß!
Mädchen, Licht, labyrinthischer
Tanz, labyrinthischer Tanz,
Nacht
oder, schmal,
ein geschliffner Saphir,
Irrsinn stürz auf die Schläfe
— einst auf Don Luis’ Schläfe —
mitten im Schlaf.
Aus dem Band „Sarmatische Zeit“ (1961). Das Gedicht entstand am 14. Juni 1959. Es erschien zuerst in der Zeitschrift Merkur Nr. 7 / 1960. Des Corduaners: so nennt García Lorca den Barockdichter in der Übersetzung von Enrique Beck. Bobrowski bezieht sich auf den Vortrag „Das dichterische Bild bei Don Luis de Góngora“, der den Zusammenschluß der modernen spanischen Dichter zur „Generation von 1927“ beeinflußte. 1927 feierten sie den 300. Todestag des Dichters, der lange geringgeschätzt und von den Modernen wiederentdeckt wurde. Beide, Lorca und Góngora, waren Andalusier. Mit fliegenden Schwänen: Lorca sagt in seinem Vortrag über Góngora und Mallarmé: „Sie lieben dieselben Schwäne, Spiegel, harten Lichter, Traumfrisuren.“ Irrsinn stürz auf die Schläfe: L.-P. Thomas hatte 1911 die These aufgestellt, daß Góngora am Lebensende von „Irrsinn“ befallen worden sei. Dem wurde zwar widersprochen, aber die Meinung hält sich. Bobrowski wird ihr in den Büchern von Gustav René Hocke begegnet sein, die 1957/1959 in „Rowohlts Deutscher Enzyklopädie“ erschienen: Die Welt als Labyrinth / Manierismus in der Literatur.

GEH AUS MEIN HERZ und
suche Freud schön ist
die Welt die mir
von dannen ziehet
das muß ein Schlächter
sein die Tier die seh
ich springen vom Mittag
weht es lau
vom Blute haben wir’s
gelernt das hat nicht
Rast noch Ruh wer hat
gezählet des Müllers
Lust
daß ihm keine fehlet
Aus: Paul Wühr: Grüß Gott ihr Mütter ihr Väter ihr Töchter ihr Söhne. Gedichte. Hanser, München 1976
Paul Wühr wurde heute vor 90 Jahren, am 10. Juli 1927, in München geboren; er starb 2 Tage vor seinem 89. Geburtstag am 12. Juli 2016 auf Le Pierle bei Passignano sul Trasimeno.
Neueste Kommentare