Heute vor 109 Jahren erschien ein Gedicht, das die später expressionistisch genannten Dichter elektrisierte:
Weltende
Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.
Erstausgabe in: Der Demokrat, Jahrgang 3, Nr. 2 (11. Januar 1911)
Die Kommunisten, die sich als Avantgarde der Weltgeschichte verstanden, waren avantgardistischer Kunst nicht gerade zugetan. Als Arno Schmidt in den 50er Jahren die DDR bereiste, klagte er: die kennen nicht mal Expressionismus. Erst 1968 erschien die Anthologie „Menschheitsdämmerung“ als Reclamtaschenbuch zum Preis von zwei Ostmark in der DDR. Ich war noch Schüler, es wurde zum lyrischen Proviant. In den 50er Jahren war es noch nicht abzusehen, und dennoch. Wer wollte, konnte dem Gedicht in einem Buch des Staatsdichters und Kulturministers Johannes R. Becher begegnen. In einem Band seiner vierbändigen poetologischen Bemühungen schilderte er seine Begeisterung bei der Erstbegegnung auf die überschwänglichste Art:
Meine poetische Kraft reicht nicht aus, um die Wirkung jenes Gedichtes wiederherzustellen, von dem ich jetzt sprechen will. Auch die kühnste Phantasie meiner Leser würde ich überanstrengen bei dem Versuch, ihnen die Zauberhaftigkeit zu schildern, wie sie dieses Gedicht „Weltende“ von Jakob van Hoddis für uns in sich barg. Diese zwei Strophen, o diese acht Zeilen schienen uns in andere Menschen verwandelt zu haben, uns emporgehoben zu haben aus einer Welt stumpfer Bürgerlichkeit, die wir verachteten und von der wir nicht wußten, wie wir sie verlassen sollten. Diese acht Zeilen entführten uns. Immer neue Schönheiten entdeckten wir in diesen acht Zeilen, wir sangen sie, wir summten sie, wir murmelten sie, wir pfiffen sie vor uns hin, wir gingen mit diesen acht Zeilen auf den Lippen in die Kirchen, und wir saßen, sie vor uns hin flüsternd, mit ihnen beim Radrennen. Wir riefen sie uns gegenseitig über die Straße hinweg zu wie Losungen, wir saßen mit diesen acht Zeilen beieinander, frierend und hungernd, und sprachen sie gegenseitig vor uns hin, und Hunger und Kälte waren nicht mehr. Was war geschehen? Wir kannten das Wort damals nicht: Verwandlung. Erst viel später war von Wandlungen die Rede, dann vor allem, als wirkliche Wandlungen zur Seltenheit geworden waren. Aber wir waren durch diese acht Zeilen verwandelt, gewandelt, mehr noch, diese Welt der Abgestumpftheit und Widerwärtigkeit schien plötzlich von uns zu erobern, bezwingbar zu sein. Alles, wovor wir sonst Angst oder gar Schrecken empfanden, hatte jede Wirkung auf uns verloren. Wir fühlten uns wie neue Menschen, wie Menschen am ersten geschichtlichen Schöpfungstag, eine neue Welt sollte mit uns beginnen, und eine Unruhe schworen wir uns zu stiften, daß den Bürgern Hören und Sehen vergehen sollte und sie es geradezu als eine Gnade betrachten würden, von uns in den Orkus geschickt zu werden. Wir standen anders da, wir atmeten anders, wir gingen anders, wir hatten, so schien es uns, plötzlich einen doppelt so breiten Brustumfang, wir wasren auch körperlich gewachsen, spürten wir, um einiges über uns selbst hinaus, wir waren Riesen geworden, und das Gedicht, das wir als Losung alles dessen unserem Sturm vorantrugen, das eine ungeheuerliche Renaissance der Menschheit einleiten sollte, lautete:
Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.
Nun, mir selber ist diese seine damalige, wir hätten gesagt, epochale Wirkung nicht mehr wiederherstellbar. Dutzende von Dichtern haben dieses Gedicht inzwischen nachgedichtet, es zuschanden gedichtet, und in mancher Anthologie, die sich dem expressionistischen Jahrzehnt widmet, habe ich dieses Wunder-Gebilde nicht einmal mehr wiedergefunden. Würde ich die Wirkung wiederherstellen, wenn ich seinen Verfasser Jakob van Hoddis beschriebe? Ludwig Meidner hat ihn gezeichnet, anmutig und schwungvoll, wie er sich aber in seiner natürlichen Existenz kaum vorstellte. Er war zwerghaft, von verwahrlostem Äußern, grau, unrasiert, pickelig — von den Händen schon nicht zu sprechen —, mit einem mehr als reinigungsbedürftigen Wollschal zu jeder Tageszeit behaftet, scheu, verspielt und schon ein wenig irre, und bald darauf endete er auch in einer Thüringer Irrenanstalt.* Aber dieses Gedicht, von welch einer mächtigen Wirkung auf mich auch heute noch, wohl darum auch, weil zwischen seinen Zeilen, hinter ihnen, sich außerordentliche Erlebnisse und Ereignisse hervordrängen — eine seltsame Jahrhundertstimmung ist es, die in dieser brüchigen, bruchstückhaften, ein wenig närrisch lallenden Stimme sich kundtut. Manche Gedichte, manche Dichter haben mich späterhin ähnlich beeindruckt. Ich kann nicht sagen, daß Dantes „Hölle“, daß die Sonette Petrarcas, daß Rimbaud, Baudelaire, Swinburne oder daß Flaubert, Stendhal mich nicht aufs tiefste ergriffen und mich gleichsam aus meiner bisherigen Bahn geschleudert hätten. Vielleicht ist es für viele heute schwer vorstellbar, was für ein Weltereignis die Lektüre mancher Bücher für uns bedeutet hat. Ja, Shakespeare-Sonette waren ein Weltereignis, und von nichts anderem sprachen wir als von ihren Strophen. Jeden Bekannten, aber auch ganz und gar fremde Menschen sprachen wir daraufhin an und versuchten, ihnen die Schönheit dieser Strophenwunder zu erklären. Man mochte uns für Irre halten, aber wir Irren ließen uns dadurch nicht irremachen. Wir ließen uns nicht irremachen in unserem Glauben an die Schönheit der Dichtung, an die Sendung der Poesie, in unserem Glauben an das poetische Prinzip. Ja, solch eine Zeit war das. Ist sie wiederherstellbar? Unwiederherstellbar, bis eine Zeit kommt, die ähnlich dieser wieder solch eine Literaturleidenschaft hervorruft — dann wird diese Zeit in ihrer Literaturleidenschaft vielleicht sich an jene vergangene erinnern und sie in ihrer Leidenschaftsverwandtheit erkennen, und so, meine ich, aber nur so, wäre dann vielleicht Vergangenes wiederherstellbar.
Ein neues Weltgefühl schien uns ergriffen zu haben, das Gefühl von der Gleichzeitigkeit des Geschehens. Einige gelehrte Literaturbehandler haben dafür auch alsbald eine Etikettierung erfunden, und zwar Simultanismus. Jakob van Hoddis aber dozierte uns, während wir Nächte hindurch die Stadt von einem Ende bis zum anderen durchstreiften (wir waren nämlich Peripatetiker), daß schon bei Homer dieses Gefühl der Gleichzeitigkeit vorgebildet sei. (…)
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei.
Und an den Küsten — liest man — steigt die Flut.
So heißt es in Jakob van Hoddis‘ „Weltende“. Während die Dachdecker abstürzen, steigt zugleich die Flut, oder nichts ist für sich allein da auf der Welt, alles Vereinzelte ist nur scheinbar und steht in einem unendlichen Zusammenhang. „Die meisten Menschen haben einen Schnupfen“, und gleichzeitig fallen die Eisenbahnen von den Brücken. Das katastrophale Geschehen ist nicht denkbar ohne eine gleichzeitige Nichtigkeit. Das Große ist dem Kleinen beigemengt und umgekehrt, nichts vermag abgeschlossen für sich zu bestehen. Dieses Erlebnis der Gleichzeitigkeit waren wir nun bemüht in unseren Gedichten zu gestalten, aber van Hoddis, so scheint es mir heute, hat alle diese unsere Bemühungen vorweggenommen, und keinem sind solche zwei Strophen gelungen wie „Weltende“. Was an Alfred Lichtenstein, was an Ernst Blaß bemerkbar war, kam von van Hoddis.
Aus: Johannes R. Becher, Bemühungen II. Macht der Poesie. Das poetische Prinzip. (Gesammelte Werke 14). Berlin und Weimar: Aufbau, 1972, S. 339-343. Zuerst 1955 in: Macht der Poesie.
* Hier irrte der Minister. Jakob van Hoddis wurde am 30. April 1942 zusammen mit 100 Patienten und Mitarbeitern der Israelitischen Heilanstalten Bendorf-Sayn in das besetzte Polen verschleppt und irgendwann zwischen Anfang Mai und 6. Juni ermordet.
Vítězslav Nezval
(* 26. Mai 1900 in Biskoupky; † 6. April 1958 in Prag)
Poetik
Zuerst den Geizhälsen Verhöhnung!
Ein Bild das alles rings in Brände setzt!
Des Pöbels Gaukelein bei einer Krönung
und Liebe ganz zuletzt
Wir sind aus Gossen ein Gelichter
vereint Athleten Huren Dichter
und ab nach Siam hälts zu Haus
man hinterm Ofen nicht mehr aus
oder umsonst mit Aerobussen Charleston
und Ragtime auf der Barrikade tanzen
von Bürgerschädeln Schmer für Schrauben treten
bis Elefanten uns zum Marsch trompeten!
In der Proletenbar die Bräute sammeln
ihnen zum Jazz der Schüsse Verse stammeln
mit Tod bedrohn die Abtreibungen hatten
und kotzen auf die Literaten
Mit Eleganz von Scharlatanen handeln!
Die Stanzen in ein Varieté verwandeln
und recht nachlässig herzlich sein
Das übrige findet sich dann schon ein
1924
Deutsch von Ludvík Kundera und Franz Fühmann. Aus: Auf der Karte Europas ein Fleck. Gedichte der osteuropäischen Avantgarde. Hrsg. Manfred Peter Hein. Zürich: Ammann, 1991, S. 29
Poetika
Nejprve pohrdání lakomci!
Obraz jenž žhářsky zapaluje!
Žonglérství luzy když se korunuje
a lásku teprv ke konci
My jsme ta garda uličníků
atleti básníci a kurvy v jednom šiku
Až bude nejhůř doma za pecí
do Austrálie rovnou utéci
A jinak s aeroauty v jedné řadě
tančiti Rag-Time na barikádě
z měšťáckých lebek sádlo na šrouby
až sloni k pochodu nám zatroubí!
V dělnickém baru za hudby střelných ran
své básně koktat žhavým nevěstám
pod trestem smrti stíhat potraty
a plíti na literáty
Mít šarlatánskou eleganci!
Ve varieté dovést změnit nudnou stanci
a vést si s nedbalostí srdečně
Ostatní přijde samo konečně
Alfred Lichtenstein
(* 23. August 1889 in Wilmersdorf; † 25. September 1914 bei Vermandovillers, Département Somme, Frankreich)
Der Ausflug [1912]
Du, ich halte diese festen
Stuben und die dürren Strassen
Und die rote Häusersonne,
Die verruchte Unlust aller
Längst schon abgeblickten Bücher
Nicht mehr aus.
Komm, wir müssen von der Stadt
Weit hinweg.
Wollen uns in eine sanfte
Wiese legen.
Werden drohend und so hilflos
Gegen den unsinnig grossen,
Tödlich blauen, blanken Himmel
Die entfleischten, dumpfen Augen,
Die verwunschnen,
Und verheulte Hände heben. –
Dieses Gedicht stand 1920 in der Anthologie „Menschheitsdämmerung“. 25 Jahre später war das alles weit weg, unbekannt und abseitig. Nicht nur in Hitlerdeutschland. „Anthologie der Abseitigen“ hieß eine 1946 in der Schweiz erschienene Sammlung, in der die Gedichte von van Hoddis, Stramm und Lichtenstein neben Kandinsky, Klee, Picasso und de Chirico stehen, abseitig vereint. Am „ss“ statt ß erkennt man vielleicht den Schweizer Verlag, auch die Jahreszahl im Titel haben die Schweizer beigesteuert, sonst lautet das Gedicht identisch mit der Anthologie von Kurt Pinthus, die heute als „Dokument des Expressionismus“ bekannt ist, damals aber den Untertitel trug: Symphonie jüngster Dichtung.

Anmerkung: Unter dem hashtag #Expressionismusjahr2020 findet man alle bisher und noch bis Jahresende hier veröffentlichten Gedichte auch bei Twitter. Bis dahin wird eine mindestens 300 Gedichte starke Anthologie aus Expressionismus und Umfeld entstehen. Vielleicht mag sich jemand anschließen? Make it 500? – Vor 100 Jahren erschien die heute berühmte Anthologie, deshalb: #Expressionismusjahr2020
Georg Heym
(* 30. Oktober 1887 in Hirschberg, Schlesien; † 16. Januar 1912 in Gatow)
Die blinden Frauen
Die Blinden gehn mit ihren Wärterinnen,
Schwarze Kolosse, Moloche aus Ton,
Die Sklaven vorwärts ziehn. Und sie beginnen
Ein Blindenlied mit lang gezogenem Ton.
Sie ziehn wie Chöre auf mit starkem Schritte,
Im Eisenhimmel, der sie kalt umspannt.
Der Wind türmt auf der großen Schädel Mitte
Ihr graues Haar wie einen Aschenbrand.
Sie tasten sich an ihrem großen Stabe
Die lange Straße auf zu ihrem Kamm.
Auf ihrer ungeheuren Stirnen Grabe
Brennt eines dunklen Gottes Pentagramm.
Der Abend hängt wie eine Feuertonne
Am Horizont auf einem Pappelbaum.
Der Blinden Arme stechen in die Sonne
Wie Kreuze schwarz am frohen Himmelssaum.
In: Die Aktion. Zeitschrift für freiheitliche Politik und Literatur. Nr. 3, 6. März 1911, Sp. 76
Kubismus, Futurismus, Ego-Futurismus, Kubo-Futurismus, Expressionismus, Vortizismus, Imagismus, Dada(ismus), Surrealismus und wie sie alle heißen. Letzten Endes sind es alles gefährliche Schubladen. Die Nachgeborenen möchten alles ordentlich aufbewahren (oder wegräumen), dafür sind sie gut.
Melchior Vischer gilt (vor allem mit seinem Roman Sekunde durch Hirn) als Dadaist. Dada war in weiten Teilen eine Gegenbewegung zum (da bereits als herrschend und bürgerlich angesehenen) Expressionismus. Aber die schärfsten Kritiker der Expressionisten waren früher selber welche. Melchior Vischer, Prag, schreibt am 29. Dezember 1918 an Tristan Tzara, Paris: „ich selbst nehme als Expressionist der äußersten Linken gegen Dadaismus keine feindliche Stellung ein.“
Vischer gilt als Dadaist, weil er es selbst gesagt hat. Ein Jahr nach dem zitierten Brief nennt er in einem weiteren Brief an Tzara Sekunde durch Hirn „Merzroman“ und den „ersten deutschen dadaistischen Roman“ (mit dem Zusatz: „wenn man überhaupt noch von dem blöden Wort Roman sprechen kann“).
Melchior Vischer
(* 7. Januar 1895 in Teplitz-Schönau; † 21. April 1975 in Berlin)
GESANG EINES BÜGELEISENS AUF DER BRÜCKE VON ARGENTEUIL
Heiß brüllt um meinen Busen
die stille Landschaft von Paris,
ein klerikales Zündholz singt Symphonie,
kurz, ein Schrei
und die Trambahn verschlingt
mit tödlichem Furioso es und das embryonale Licht,
vorbei, vorbei,
die Mütze des Dienstmanns ist rot,
und gelb rotiert die Kabbalazahl: 606
zufälliger Neger bespringt
mit großer Mannheit, / furchtbar gereckt / ,
die eine Explosion schon lang erwartende Filmdiva.
Blutstrahl ergießt sich breit
über die Torte hinweg, die auf den gebreiteten Armen des Boten liegt,
wie ein träges Gebetbuch,
Rosinen fallen vom Himmel
und tropfen dick und schwer aufs Pflaster und in das Wasser,
wie grüne Mandarinen
wung schang wu, wu wu, /
Bettelgreise sitzen am Brückengeländer
und gebären Chinesen,
o
Fußballseelen werden aus Vaginahaut gefertigt,
sehr elastisch, sehr elastisch,
wie eine Parlamentsmehrheit,
Bordellportier rezitiert verschollene Verse
von Catullus und Arion,
der Journalist steht davor und versteht sie gewiß,
obwohl es Latein und Griechisch.
Der gelbe Gummireifen des syfilithlschen Autos versucht
den Lackschuh des Teppichhändlers zu küssen,
der Mond fällt plötzlich vom Himmel ins Wasser,
eben wird ein Regisseur ermordet,
Shakespeare und ich fressen zusammen Eier,
die Tragödin liegt gespreizt am Diwan
und läßt ihre Scham rotieren,
dann rasieren, oooh,
über allen Wlpteln liegt die Relativitätstheorie,
5chmuck wie ein Tropenhelm Wilhelms,
die Brille glotzt in der Nähe des Samovars,
die Hebamme ißt ein Rostbeuf,
während der Vicekönig von Indien den Busen der Amme bespritzt,
Quasimodo heult von Notre Dame,
zwei Champagnerkübel fordern Selbstbestimmung,
die erste Dadaistin der Welt geht vorüber,
an ihrem Nabel hängt eine elektrische Glühbirne,
das Bügeleisen erbricht Aepfel und Nüsse,
fällt nun von der Brücke ins Wasser,
verfolgt im Sturz von der unerotischen Frage:
Weiß Clemenceau, daß Apollinaire verstorben?*
Aus: Melchior Vischer: Unveröffentlichte Briefe und Gedichte. Mit einem Vor- und Nachwort hrsg. v. Raoul Schrott. Universität-Gesamthochschule Siegen 1988 (Vergessene Autoren der Moderne XXXII), S. 21f (auch die Briefzitate stammen aus diesem Heft).
T.S. Eliot
(* 26. September 1888 in St. Louis, Missouri, Vereinigte Staaten; † 4. Januar 1965 in London)
Was den Deutschen ihr Expressionismus ist den Russen ihr Futurismus (ja, da gabs besonders viele Ismen), den Briten und US-Amerikanern, ja was eigentlich? Sie waren etwas später dran und weniger radikal. Mit Ausnahmen. Einige Amerikaner gingen nach Europa und radikalisierten sich. Ezra Pound wurde ihr Anführer. T.S. Eliot veröffentlichte in der Zeitschrift der Vortizisten, er gehörte nicht wirklich dazu, ließ sich aber beeinflussen. Sein Welterfolg, The Waste Land, wurde von Pound radikal redigiert. Hier ein französischsprachiges Gedicht aus dieser frühen Zeit.
Aus: Gedichte, 1920
Der Chefredakteur
Wehe, unselige Themse,
Die zu nah am Spectator rinnt.
Der Chefredakteur
Von Rechts-Couleur
Des Spektatöhr
Verpestet den Wind.
Reaktionäre
Aktionäre
Des Spektatöhr
Von Rechts-Couleur
Schieben
Arm in Arm
Einher.
Aus der Gosse
Bestaunt
Plattnasig
Ein kleines Gör
In Lumpen
Den Chefredakteur
Des Spektatöhr
Von Rechts-Couleur
Ihren Schwarm.
Deutsch von Hedda Soellner
From: Poems, 1920
Le Directeur
Malheur à la malheureuse Tamise
Qui coule si près du Spectateur.
Le directeur
Conservateur
Du Spectateur
Empeste la brise.
Les actionnaires
Réactionnaires
Du Spectateur
Conservateur
Bras dessus bras dessous
Font des tours
A pas de loup.
Dans un égout
Une petite fille
En guenilles
Camarde
Regarde
Le directeur
Du Spectateur
Conservateur
Et crève d’amour.
Aus: T.S. Eliot: In meinem Anfang ist mein Ende. Gedichte. Berlin: Volk und Welt, 1977, S. 34f. Auch in: T.S. Eliot: Gesammelte Gedichte. Hrsg. Eva Hesse. Suhrkamp Taschenbuch 1988, S. 62f.
Viktor Dyk
(* 31. Dezember 1877 in Pšovka bei Mělník; † 14. Mai 1931 auf der Adriainsel Lopud, Jugoslawien)
UND DEINE SEELE
Und deine Seele bäumt sich nie vor Wut,
du schleuderst keinen Fluch, daß er sie blende?!
Ist kein Orkan, daß er Verwüstung tut,
und daß die Lügenpracht im Kehricht ende?!
Und du hast nie gehört, wie man das Öde preist,
und nicht gesehn, wie sie die Dummheit kränzen?!
Und nicht geahnt, da Lachen dich umkreist,
wie Roheit allgemein und ohne Grenzen?!
Der giftgeschwollne Haß, der Bosheit Raserei
läßt deinen Busen ohne Blitz und Lichtung?!
Ruft keine Knechtschaft deinen Arm herbei,
nie hütest du die Flamme der Vernichtung?!
Gelassen schwirrst du hin und suchst in Schwärmen Heil,
wie Mücken, die ich dicht um Lampen sehe?!
Verworfne Nichtigkeit — das ist dein ganzes Teil!
Hinweg von mir! Du würgst mit deiner Nähe!
Aus dem Tschechischen von Rudolf Fuchs. Aus: Jüngste tschechische Lyrik. Eine Anthologie. Berlin-Wilmersdorf: Die Aktion (Franz Pfemfert) (Die Aktions-Lyrik), S. 37
Jiří Wolker
(* 29. März 1900 in Prostějov; † 3. Januar 1924 ebenda)
Deutsch von Wilhelm Tkaczyk, aus: Die Glasträne. Tschechische Gedichte des 20. Jahrhunderts. Berlin: Volk und Welt, 1966, S. 105
LOVE POEM
You say that in your eyes alone is all the world
And that beyond them nothing lies for me.
White apple blossoms in your eyes I see,
Clouds float on high,
Birds sing or round about us fly.
I believe you
Yet I don’t believe you.
With bitter pain I take and crush each fragile eye
That it may grow around me with its rainbow chain.
Dear, will you teil me now—
If it be true your eyes encompass all the world,
Why then did you allow
A workman from the scaffolding to fall to-day
And to the ground be hurled
Before my eyes?
Aus: Modern Czech Poetry. Sel. and transl. by E. Osers and J.K. Montgomery. London: George Allen & Unwin, 1945, S. 41
Báseň milostná (Těžká hodina)
Řeklas mi, že jenom v očích tvých je celý svět,
že pro mě není nic, co leží mimo ně.
V tvých očích kvetou bílé jabloně,
oblaka plují,
ptáci zpívají a poletují.
Já ti věřím
a nevěřím.
S velikou bolestí oči tvé na kusy rozlamuji,
aby mě poznovu obrostly řetězem duhovým.
Pověz mi, má milá,
— když celý svět oko tvé objímá, —
proč jsi dopustila,
že dělník dnes ráno s lešení spadl
a před mýma očima
se zabil?
WOLKER, Jiří. Tvář za sklem. 1. vyd. Praha: Odeon, 1975. Světová četba, sv. 455. s. 90.
John Höxter (Hoexter)
(* 2. Januar 1884 in Hannover, nahm sich kurz nach der „Reichspogromnacht“ am 15. November 1938 im Wald zwischen Potsdam und Caputh das Leben)
Pro domo
Wenn ich wollte, was ich könnte,
Könnt‘ ich eher, was ich wollte;
Doch wie will ich wollen können,
Und wie kann ich können wollen
Ohne Muß zum Können wollen,
Da man wollen kann, wer muß!
Müßt‘ ich wirklich, was ich müssen wollte,
Könnt‘ ich sicher, was ich können muß.
Seht! Ein Mann, der manches können könnte,
Wenn der gute Mann nur wollen wollte.
Er verstummt und macht vorzeitig Schluß,
Weil (nach Nathan) kein Mensch müssen muß!
Aus: VERSENSPORN. Heft für lyrische Reize. Nr. 8: John Hoexter. 32 Seiten. Erste Auflage 2012
Auch in: John Hoexter, Gedichte und Prosa. Broschur-Reihe „Vergessene Autoren der Moderne“, hrsg. von Karl Riha, Universitäts-Gesamthochschule Siegen, 1984.
2020 ist Expressionismusjahr. Und Hölderlinjahr. Vor 100 Jahren erschien die Anthologie „Menschheitsdämmerung“ und vor 250 Jahren wurde Friedrich Hölderlin geboren. Die L&Poe-Galerie wird sich in einem Großteil der 366 Tage diesen beiden Schwerpunkten widmen.
Heute vor 109 Jahren erschienen in der Zeitschrift „Der Demokrat“ zwei Gedichte von Jakob van Hoddis, seine erste Veröffentlichung. Zehn Tage später der Paukenschlag: Weltende. Aber soweit sind wir noch nicht,.
Jakob van Hoddis
Tristitia ante …
Schneeflocken fallen. Meine Nächte sind
Sehr laut geworden, und zu starr ihr Leuchten.
Alle Gefahren, die mir ruhmvoll deuchten,
Sind nun so widrig wie der Winterwind.
Ich hasse fast die helle Brunst der Städte.
Wenn ich einst wachte und die Mitternächte
Langsam zerflammten – bis die Sonne kam –,
Wenn ich den Prunk der weißen Huren nahm,
Ob magrer Prunk mir endlich Lösung brächte,
War diese Grelle nie und dieser Gram.
Aus: Jakob van Hoddis, Dichtungen und Briefe, herausgegeben von
Regina Nörtemann. Göttingen: Wallstein, 2007, S. 7
Nicolas Born
(* 31. Dezember 1937 in Duisburg; † 7. Dezember 1979 in Breese in der Marsch bei Dannenberg, Landkreis Lüchow-Dannenberg)
Achtung
Versuchen Sie es mit diesem hier
Sie können es biegen und brechen
aufstellen und herumliegen lassen
verschenken verleihen zerreißen
bestellen und nicht abholen
Sie können es abschreiben und neu
herausgeben
es ist abgeschrieben und neu
herausgegeben
sichern Sie sich es ist garantiert
stoßfest wasserdicht schallgedämpft
es ist ein Gebetbuch eine biblische
Geschichte
Sie können es sich anziehen und
durchtragen
zögern Sie nicht länger
die zweite Auflage ist nicht die erste
Sie brauchen es früher oder später doch
Rudolf Augstein hat es
Willy Brandt hat es auch
Bazon Brock hat es bestellt
Ralf Dahrendorf hat es bezahlt
Günter Grass hat es sich kommen lassen
Beate Klarsfeld hat es zweimal
Hans Joachim Kulenkampff hat es nicht verstanden
Lore Lorenz hat es aufregend gefunden
Willy Millowitsch hat es nicht
Peter Müller hat es
Kurt Georg Kiesinger hat es als Beweis
Karl Schiller hat es
Walter Ulbricht könnte es haben
Aus: Nicolas Born: Wo mir der Kopf steht. Gedichte. Köln, Berlin: Kiepenheuer & Witsch, 1970, S. 5
Theodor Fontane
(* 30. Dezember 1819, heute vor 200 Jahren, in Neuruppin; † 20. September 1898 in Berlin)
Ja, das möcht’ ich noch erleben
Eigentlich ist mir alles gleich,
Der eine wird arm, der andre wird reich,
Aber mit Bismarck – was wird das noch geben?
Das mit Bismarck, das möcht’ ich noch erleben.
Eigentlich ist alles soso,
Heute traurig, morgen froh,
Frühling, Sommer, Herbst und Winter,
Ach, es ist nicht viel dahinter.
Aber mein Enkel, so viel ist richtig,
Wird mit nächstem vorschulpflichtig,
Und in etwa vierzehn Tagen
Wird er eine Mappe tragen,
Löschblätter will ich ins Heft ihm kleben –
Ja, das möcht’ ich noch erleben.
Eigentlich ist alles nichts,
Heute hält’s, und morgen bricht’s,
Hin stirbt alles, ganz geringe
Wird der Wert der ird’schen Dinge;
Doch wie tief herabgestimmt
Auch das Wünschen Abschied nimmt,
Immer klingt es noch daneben:
Ja, das möcht’ ich noch erleben.
Màrius Torres
Màrius Torres i Perenya (* 30. August 1910 in Lleida; † 29. Dezember 1942 in Sant Quirze Safaja)
III Wie der Nebel, der sich legt bei Nachtbeginn, oder der Reim einer Strophe ganz ohne Sinn; wie das Band einer Kokette im Spiegelglas, oder der Flug einer Schwalbe über das Tal; Wie ein klein wenig Musicke bei Müdigkeit, oder Moos, das an dem Becken des Brunnens gedeiht; so steht dir Melancholie, so zart und sanft, dass es weiter keinen Schmuck braucht, mich zu betörn.
Aus dem Katalanischen von Àxel Sanjosé, in: Màrius Torres, Poesies/Gedichte. katalanisch/deutsch. Ausgewählt und übertragen von Àxel Sanjosé. (Lyrik-Taschenbuch 121), Aachen: Rimbaud, 2019, S. 34f
III Com la boirina que s’aclofa quan ve la nit, o com la rima d’una estrofa sense sentit; com una cinta de coqueta en un mirall, o com el vol d’una oreneta sobre la vall; com una mica de musica quan ve la son, o com la molsa que a la pica cria la font; així t’escau la melangia tan dolçament, que per rendir-me no et caldria més ornament.
Sergei Jessenin
(russisch Сергей Александрович Есенин, wiss. Transliteration Sergej Aleksandrovič Esenin; * 21. September jul./ 3. Oktober 1895 greg. in Konstantinowo, Gouvernement Rjasan, Russisches Kaiserreich; † 28. Dezember 1925 in Leningrad)
Brjussow spricht. Leise und eindringlich. „Ich hoffe, Sie werden mir glauben. Ich kenne diese Verse. Das sind die besten, die in letzter Zeit geschrieben worden sind!* Das Auditorium ist geschlagen. Sergej liest sein Poem. Ovationen.“
Nach einer anderen Schilderung muß Jessenin dreimal ansetzen, und auch dann hört der Protest nicht auf, es ist so laut, daß man selbst in den ersten Reihen kaum etwas versteht. Doch wenige Tage später war das „rotmähnige Fohlen“ aus der Vierzigtägigen Klage in aller Munde.
Jessenin schreibt in diesem stürmischen November des Jahres 1920 eine lyrische Beichte, die Tumult und Skandal versteht als den Einbruch des Lichts in den „blattlosen Herbst“ des Publikums.
Beichte eines Hooligans
Singen: nicht jedem ist’s leicht,
zu fremden Füßen fallen
als Apfel, nicht jeder kanns.
Das hier ist die größte Beichte,
die beichtet ein Hooligan.
Euch zum Schur geh ich ungekämmt,
den Kopf wie eine Petroleumlampe auf den Schultern.
Eurer Seelen blattlosen Herbst
gefällt mir zu beleuchten im Dunkeln.
Mir gefällt, wenn der Schimpfreden Steine
wie Hagel rülpsender Gewitter auf mich falln,
nur fester preß ich dann meiner
Haare geschüttelte Blase.
Und so gut ist mir dann, zu erinnern
den zugewachsenen Teich, den heiseren Klang der Erle,
daß mir irgendwo Vater und Mutter sind,
die spucken auf meine sämtlichen Verse,
denen ich teuer bin wie Feld und Wehr,
wie Regen, der die Saat im Frühling eggt.
Mit Gabeln kämen sie, euch zu erstechen
für jeden Ton, den ihr hier auf mich legt.
Arme, arme ihr, Bauern!
Häßlich seid ihr wahrscheinlich schon.
Fürchtet Gott und die Moortiefen wie eh und je.
Ach, wenn ihr verstündet,
in Rußland euer Sohn
ist der beste aller Poeten!
Kam um sein Leben euch ins Herz nicht Winter,
wenn er im Herbst durch Pfützen lief, barfuß?
Und jetzt geht er im Zylinder
und in lackierten Schuhn.
Doch in ihm sind noch die alten Streiche,
der Dorfschule Übermut.
Vor jeder Kuh am Ladenschild von Fleischern
zieht er von weitem seinen Hut.
Und trifft er Droschkenkutscher auf dem Platz,
wenn dann Erinnerung ihm den Mistgeruch
der heimatlichen Felder braut,
ist er bereit, jeglichen Pferdes Schwanz
zu tragen wie die Schleppe einer Braut.
Ich liebe die Heimat.
Ich liebe die Heimat sehr!
Ist in ihr auch der weidene Rost der Trauer.
Der Schweine dreckige Rüssel sind mir angenehm
und in der Stille der Nacht der Kröten Chor.
Sanft macht mich krank Erinnern an die Kindheit,
Aprilabende Nebel träum ich, feucht und groß.
Als wollte er sich am Feuer wärmen,
hockt unser Ahorn sich vors Morgenrot.
Oh, wieviel aus den Krähennestern Eier
stahl ich ihm, kletternd im Geäst!
Ob er der gleiche ist, mit grünen Zweigen ?
Und seine Rinde noch wie früher fest?
Und du, mein teurer
treuer gefleckter Hund?
Das Alter machte winselnd dich und blind,
im Hof läufst du jetzt still und hängst den Schwanz
und hast vergessen, wo Stall und Türen sind.
Und wie sehr lieb sind mir die Streiche alle,
wenn ich der Mutter Brotkanten stibitzte
und beide bissen wir abwechselnd ab
und ekelten uns nicht ein bißchen.
Ich bin noch so.
Im Herz bin ich der gleiche.
Wie Kornblumen im Roggen, blühn im Gesicht die Augen.
Wenn ich der Verse goldne Matten breite,
möchte ich Zärtliches euch sagen.
Gute Nacht, gute Nacht!
Euch allen gute Nacht!
Verklungen ist im Gras des Abendrots Sichel…
Ich möchte heute, möchte sehr
vom Fenster den Mond…
Blaues Licht, ein so blaues Licht!
In diesem Blau scheints selbst nicht schlimm, zu sterben.
Was tuts, daß ich dasteh als Zyniker,
an den Hintern gehängt die Laterne?
Pegasus, alter, klappriger, guter –
brauch ich deinen weichen Trab?
Ich kam, wie ein strenger Meister,
zu besingen und preisen die Ratten.
Wie der August mein Schädel
strömt mit dem Wein der Haare Brand.
Ich will sein: ein gelbes Segel,
in das wir schwimmen, in das Land.
Deutsch von Rainer Kirsch. Aus: Fritz Mierau: Sergej Jessenin. Leipzig: Reclam, 1991, S. 188-191
Сергей Есенин
Исповедь хулигана
Не каждый умеет петь,
Не каждому дано яблоком
Падать к чужим ногам.
Сие есть самая великая исповедь,
Которой исповедуется хулиган.
Я нарочно иду нечесаным,
С головой, как керосиновая лампа, на плечах.
Ваших душ безлиственную осень
Мне нравится в потемках освещать.
Мне нравится, когда каменья брани
Летят в меня, как град рыгающей грозы,
Я только крепче жму тогда руками
Моих волос качнувшийся пузырь.
Так хорошо тогда мне вспоминать
Заросший пруд и хриплый звон ольхи,
Что где-то у меня живут отец и мать,
Которым наплевать на все мои стихи,
Которым дорог я, как поле и как плоть,
Как дождик, что весной взрыхляет зеленя.
Они бы вилами пришли вас заколоть
За каждый крик ваш, брошенный в меня.
Бедные, бедные крестьяне!
Вы, наверно, стали некрасивыми,
Так же боитесь бога и болотных недр.
О, если б вы понимали,
Что сын ваш в России
Самый лучший поэт!
Вы ль за жизнь его сердцем не индевели,
Когда босые ноги он в лужах осенних макал?
А теперь он ходит в цилиндре
И лакированных башмаках.
Но живёт в нём задор прежней вправки
Деревенского озорника.
Каждой корове с вывески мясной лавки
Он кланяется издалека.
И, встречаясь с извозчиками на площади,
Вспоминая запах навоза с родных полей,
Он готов нести хвост каждой лошади,
Как венчального платья шлейф.
Я люблю родину.
Я очень люблю родину!
Хоть есть в ней грусти ивовая ржавь.
Приятны мне свиней испачканные морды
И в тишине ночной звенящий голос жаб.
Я нежно болен вспоминаньем детства,
Апрельских вечеров мне снится хмарь и сырь.
Как будто бы на корточки погреться
Присел наш клен перед костром зари.
О, сколько я на нем яиц из гнезд вороньих,
Карабкаясь по сучьям, воровал!
Все тот же ль он теперь, с верхушкою зеленой?
По-прежнему ль крепка его кора?
А ты, любимый,
Верный пегий пес?!
От старости ты стал визглив и слеп
И бродишь по двору, влача обвисший хвост,
Забыв чутьем, где двери и где хлев.
О, как мне дороги все те проказы,
Когда, у матери стянув краюху хлеба,
Кусали мы с тобой ее по разу,
Ни капельки друг другом не погребав.
Я все такой же.
Сердцем я все такой же.
Как васильки во ржи, цветут в лице глаза.
Стеля стихов злаченые рогожи,
Мне хочется вам нежное сказать.
Спокойной ночи!
Всем вам спокойной ночи!
Отзвенела по траве сумерек зари коса…
Мне сегодня хочется очень
Из окошка луну…………
Синий свет, свет такой синий!
В эту синь даже умереть не жаль.
Ну так что ж, что кажусь я циником,
Прицепившим к заднице фонарь!
Старый, добрый, заезженный Пегас,
Мне ль нужна твоя мягкая рысь?
Я пришел, как суровый мастер,
Воспеть и прославить крыс.
Башка моя, словно август,
Льется бурливых волос вином.
Я хочу быть желтым парусом
В ту страну, куда мы плывём.
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