Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
das brachliegende
tiefstumme
weiße
papier
aufreißen
wind säen
schwarze lettern
zerbrechen
aus den bindungen
reißen
Ich verspreche dir, dich lebendiger zu machen, als du
jemals warst.
Zum ersten Male wirst du sehen, da deine Poren
sich wie Fischmäuler öffnen, und du wirst
dem Rauschen deines Blutes in den Adern lauschen können.
Wir sprechen miteinander, seit wann?
Wer fing an? Ich weiß nicht.
¿Hablamos, desde cuándo?
¿Quién empezó? No sé.
Ich liebe eben kurze gedichte, sage ich geistesabwesend
Diese bedenkenlosen existenzen mit runden kanten
Muss es ein langsames gedicht sein?, fragt der horizont
Ein paar Blätter noch
Die sich festklammern
An einem dünnen Ast
Der sich festklammert
An einem dürren Baum
Der sich festklammert
An einem losen Boden
Der sich festklammert
An der Welt
Es ist Zeit, neue Gedichte zu schreiben.
Denn die alten Gedichte haben keine Kraft mehr,
und die alten Dichter müssen nicht mehr sterben.
Sie haben vergessen, worum man sie bat.
Wer bitte braucht noch ihre Ratschläge.
Und wies zur Welt kam war’s ein Mädchen
Und hatte keine Glückshaut um
Und ihre Rabenbrüder flogen auf und davon
In Abgründen der Nacht, wenn Kyjiw ruht
liege ich wach und krieg kein Auge zu,
den lieben Freund so böswillig verleumdet wissend.
Ließ er sein einsames
Gesicht vom Mond bestrahlen wenn er es nicht mehr aushielt
das Geschrei der Toten in den Büchern
In diesem Gedicht kommt das Wort Deutschland nicht
vor, dampft kein Kaffee und waltet kein Goethe.
Das war es wohl, was sie ihm hinterließ: die unbekannte,
zornige Verzagtheit über seine Ergebung hinaus,
eine Hingabe, tiefer noch als seine Arbeit verlangte,
an eine Schönheit, die so völlig außer Reichweite
schien für den dumpfen Schlag
Die Flossenschläger aber: Kleine Fische, große Fische,
schwömmen am Bosporus vorbei, unter
dem Regenbogen
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