Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Martin Gumpert (* 13. November 1897 in Berlin; † 18. April 1955 in New York) Kalt Im Mondwasser schwimmen Auf bleicher Schneefläche Die Höhlen erregen Den Glanz aufküssen — Schärfe wälzt sich Zwischen die Lippen Schwarz des Himmels Kahle Zeugung Loht das Licht Der… Continue Reading „Kalt“
Oskar Loerke (* 13. März 1884 in Jungen bei Schwetz (heute Wiąg) in Westpreußen; † 24. Februar 1941 in Berlin) Der dunkle und der lichte Gott Berlin zermahlt die Nacht mit Lärm und reckt sich Wie zähnebleckend, wirft das ungestüme Geleuchte blakend meilenhoch, schwillt,… Continue Reading „Berlin“
Ernst Wilhelm Lotz (* 6. Februar 1890 Culm an der Weichsel, Westpreußen; † 26. September 1914 bei Bouconville, Frankreich) Neu in der Reihe Versensporn: Ernst Wilhelm Lotz. Versensporn 39. Edition POESIE SCHMECKT GUT, Jena 2020. 32 S., 4€ An Jean-Arthur Rimbaud Wir torkeln durch… Continue Reading „Ernst Wilhelm Lotz“
Uwe Greßmann (* 1. Mai 1933 in Berlin; † 30. Oktober 1969 in Berlin) Die Sage vom Vogel Frühling Wer Dichter sein will, heißt es in dem Dorf der Eichen, Der trinke aus dem Brunnen der Träume Wein, Und schau! Wie Arnim und Brentano… Continue Reading „Vogel Frühling“
Frank Wedekind (* 24. Juli 1864 in Hannover; † 9. März 1918 in München) Selbstzersetzung Hochheil’ge Gebete, die fromm ich gelernt, Ich stellte sie frech an den Pranger; Mein kindlicher Himmel, so herrlich besternt, Ward wüsten Gelagen zum Anger. Ich schalt meinen Gott einen… Continue Reading „Selbstzersetzung“
Emmy Hennings (* 17. Januar 1885 in Flensburg; † 10. August 1948 in Sorengo bei Lugano) Aether An die Scheiben schlägt der Regen, Eine Blume leuchtet rot, Kühle Luft weht mir entgegen, Wach ich oder bin ich tot? Eine Welt liegt weit, ganz weit;… Continue Reading „Wach ich oder bin ich tot?“
Johannes R. Becher DER WALD Ich bin der Wald voll Dunkelheit und Nässe. Ich bin der Wald, den du sollst nicht besuchen, Der Kerker, daraus braust die wilde Messe, Mit der ich Gott, das Scheusal alt, verfluche. Ich bin der Wald, der muffige Kasten… Continue Reading „Ich bin der Wald“
Franz Richard Behrens Expressionist Artillerist Für Jakob von Uexküll, auf dessem granatgegitterten Heimatboden einer Feldwache dies wuchs. Bäh drüben fliegt ein Eisenvogel ab, kerzengrader als alle Vögel der Erde Ein-und-zwanzig die Linie kennt die Natur nicht zwei-und-zwanzig der Organismus ist sie drei-und-zwanzig den Blick… Continue Reading „Expressionist Artillerist“
Franz Richard Behrens (* 5. März 1895 in Brachwitz (Wettin-Löbejün); † Mai 1977 in Ost-Berlin) DU DARFST NICHT TÖTEN Für Ludwig Rubiner Mondblaß Rosenroß Blutsäulen elefanten korallen Schimmel im Schnee mit Purpurhufen Zypresse vor Feuer Spur Sternenschritt. Aus: Die Aktion 7 / 8 -1918,… Continue Reading „Du darfst nicht töten“
Gustav Sack (* 28. Oktober 1885 in Schermbeck; † 5. Dezember 1916 bei Finta Mare, Rumänien) Quark Man frißt sich so durch seine Jahre und wird mit jedem Jahre älter und ist am Ende ohne Haare doch immer noch ein Hinterhälter. Man ißt und… Continue Reading „Quark“
Heute vor 110 Jahren erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift „Der Sturm“ mit Gedichten von René Schickele (Vorortballade). Hier ein Gedicht aus Nummer 3 vom 17. März 1910. Nymphenburg Von Ferdinand Hardekopf Ein Erzittern, glückliches Fiebern des Hirns und Taumeln der Brust, taucht… Continue Reading „Der Sturm ist da“
Friedrich Hölderlin Friedensfeier Ich bitte dieses Blatt nur gutmüthig zu lesen. So wird es sicher nicht unfaßlich, noch weniger anstößig seyn. Sollten aber dennoch einige eine solche Sprache zu wenig konventionell finden, so muß ich ihnen gestehen: ich kann nicht anders. An einem schönen… Continue Reading „Entschuldigung vorab“
Noch zwei Talismane aus dem Buch der Sprüche* (Goethe über soziale Medien) Ueberall will jeder obenauf seyn, Wie’s eben in der Welt so geht. Jeder sollte freylich grob seyn, Aber nur in dem was er versteht. Laß dich nur in keiner Zeit Zum Widerspruch… Continue Reading „Einmal noch“
Johann Wolfgang Goethe Aus Rendsch Nameh. Buch des Unmuths. Aergert’s jemand daß es Gott gefallen Mahomed zu gönnen Schutz und Glück, Um den stärksten Balken seiner Hallen Da befestig‘ er den derben Strick, Knüpfe sich daran! das hält und trägt, Er wird fühlen daß… Continue Reading „Goethes Vorschlag zur Güte“
Johann Wolfgang Goethe Aus: West-östlicher Divan (1819) Befindet sich einer heiter und gut, Gleich will ihn der Nachbar peinigen; So lang der Tüchtige lebt und thut, Möchten sie ihn gerne steinigen. Ist er hinterher aber todt, Gleich sammeln sie große Spenden Zu Ehren seiner… Continue Reading „Goethe zum Hölderlinjahr“
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