Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Keine drei Monate ist es her, dass der unglückliche „Krone“-Dichter Wolf Martin gestorben ist, da mehren sich die Anzeichen dafür, dass sein Handwerk – Poesie zu Themen des Tages – auf höherem Niveau eine Renaissance erlebt. Zuerst hat Günter Grass uns über die „Süddeutsche… Continue Reading „28. Tages Dichter“
Wer Kraus‘ Gedichten zum ersten Mal begegnet, ist geneigt, sie ihres Vokabulars wegen für unübersetzbar zu halten. Das Gedicht „genfer see“ etwa leitet erwartungsgemäß den Blick übers Wasser, über Schiffe und Möwen. Doch nicht von Booten ist die Rede, sondern von „pardune“, „bilge“, „tartane“,… Continue Reading „26. Andeutung statt Gemälde, Collage statt Geschlossenheit“
Beim Poetenladen macht Elke Erb Entdeckungen, indem sie ein Gedicht von Ossip Mandelstam wörtlich übersetzt. Großartig! Zitat: Ich spüre beim Wörtlich-Übersetzen eine eigentümliche Klarheit. Das Unfertige nimmt der Text-Präsenz etwas von ihrer Geschlossenheit/Geläufigkeit. Geläufigkeit = Geschlossenheit, lerne ich (dankbar). Man liest sonst „darüber hinweg“.… Continue Reading „23. Fliege“
»In schier endlosen Folgen entwickelt Anders rhythmisch wiederkehrende Bilder, die sich, versucht man ein Ende zu greifen, wie der Faden eines Gewebes zurückziehen, bis keine einzige Schlinge mehr vom Ganzen übrigbleibt und nur noch ein Anfang in der Hand liegt.« Cornelia Jentzsch / Mehr… Continue Reading „22. Stele für Richard Anders“
Ich meinerseits wollte nicht Intimitäten aufdecken zwischen Ingeborg Bachmann und ihrem ersten literarischen Förderer und Liebhaber Hans Weigel meinetwegen, zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, denen es offenbar das ein und andere Mal ziemlich gut ging miteinander (man stelle sich den 27jährigen Paul Antschel-Celan… Continue Reading „20. Kolbe über Bachmann“
Zuerst Bender: Der tote Gefangene. Geschoren, entkleidet, auf den Schlitten, tief im Schnee nacktgebunden mit zwei Schnüren. Ein Hungernder zieht, ein Spitzel schiebt, ein Priester, ohne Kreuz, im Spurgeleis der Kufen. Dann Schoenberner: … Gierig kauend gingen in Auschwitz die nackten Gefangenen die Gewehrläufe… Continue Reading „15. Bender und Schoenberner“
Eine Art Konzeptalbum: Darin werden die einzelnen Gedichte nicht addiert, sondern miteinander vernetzt, sie bilden ein «Grossgedicht». Durch ihre Nähe zu den Gedichten bekommen selbst die theoretischen, essayistischen Texte eine andere Färbung – indem Traxler sie nicht als Metatexte über die literarischen Texte stellt,… Continue Reading „14. Traxlers Konzeptalbum“
Roughbooks kündigt zwei Neuerscheinungen an: Mütze #1, die neue literarische Zeitschrift (die „Zwischen den Zeilen“ nach fast 20 Jahren ablösen wird), mit Beiträgen von Pierre Guyotat (Holger Fock), William Faulkner (Günter Plessow), Tim Turnbull (Dagmara Kraus), Werner Hamacher und Simone Kornappel. 52 Seiten, 5 Euro / 7 Franken (plus 1 Euro/Franken für den Versand). Bestellungen… Continue Reading „12. Neu bei roughbooks“
Diesem Widerspruch antwortet von eh und je der Vorwurf, das moderne Gedicht sei „unverständlich“. An ihm ist bemerkenswert, daß er nicht spezifisch, im Hinblick auf den einen oder anderen Text, sondern stets pauschal erhoben wird. Das legt den Verdacht nahe, daß er nicht in… Continue Reading „11. Unverständlichkeit“
„Der Literaturbetrieb. Texte – Märkte – Medien. Eine Einführung“ von Steffen Richter bespricht David Christopher Assmann. Richter stelle der Einführung in den Literaturbetrieb zunächst eine Einführung in verschiedene Literaturbetriebstheorien voran. Der Rezensent stellt dazu fest: „Unabhängig von der Frage, ob dies möglich oder wünschenswert… Continue Reading „9. Literaturbetriebstheorien“
Ein Wort von Gottfried Benn zu den diversen Debatten: (…) meine Damen und Herren und alle Jugend, die antritt, in Laboratorien und Instituten, die Binde von Sais zu lüften, ich will Mißtrauen säen in Ihre Herzen gegen Ihrer Lehrer Wort und Werk, Verachtung gegen… Continue Reading „8. Die der Staat lohnt und schützt“
Das „Muxmäuschen“ von Simone Kornappel, mit „x“ geschrieben, ist ein visuelles Poem in der Tradition der experimentellen Lyrik, ein Gedicht in Spiralenform, das die Tradition der Bildenden Kunst und der Ikonographie in der poetischen Form des Gedichts, wie auch in seinem sprachlichen Material aufruft.… Continue Reading „7. Kunstvolle Verstörung“
In der Süddeutschen Zeitung vom 23.6. schreibt Felix Stephan über gleich zwei grundlegende Missverständnisse …, von denen die Urheberrechtsdebatte in Deutschland immer noch begleitet wird. Erstens gibt es beim Urheberrecht weder ein ‚Sie‘ noch ein ‚Wir‘, sondern lediglich eine Gesellschaft, die vor dem Hintergrund neuer… Continue Reading „6. Total bekloppt“
Kann man patriotische Lyrik verbieten? Leider ist ein geeigneter Passus im Strafgesetzbuch 1964 weggefallen, lese ich. Der schöne Passus hieß: Die Theilnahme an einer Verbindung, deren Dasein, Verfassung oder Zweck vor der Staatsregierung geheim gehalten werden soll, oder in welcher gegen unbekannte Obere Gehorsam… Continue Reading „2. Geheimbündlerische Lyrik“
„Keine Reaktion auf das WWW“: an dieser Formel erkennt man sie ja. Heute Herr di Lorenzo. In der Osterausgabe 2010 der Wochenzeitung „Die Zeit“ erschien erstmals die neue Seite „Die Zeit der Leser“. Es handelt sich hierbei um eine Seite, die ausschließlich aus Einsendungen… Continue Reading „1. Keine Reaktion“
Neueste Kommentare