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Das Expressionismusjahr 2020 (100 Jahre Menschheitsdämmerung) geht in die letzte Runde. Heute noch einmal Gustav Sack, Heute vor 104 Jahren fraß ihn der Erste Weltkrieg (er hatte sich zunächst anders als viele der Mobilmachung verweigert, dann aber wegen bedrängender Mittellosigkeit sich selbst gestellt und… Continue Reading „Das Hopsassa“
Rainer Maria Rilke (* 4. Dezember 1875 in Prag, Österreich-Ungarn; † 29. Dezember 1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux, Schweiz) Aus „Sieben Gedichte“ (Spätherbst 1915) I Auf einmal faßt die Rosenpflückerin die volle Knospe seines Lebensgliedes, und an dem Schreck des Unterschiedes schwinden die… Continue Reading „1, 3, 7“
„Sie sind verflucht, und leben werden wir“, schrieb die Dichterin Ite Liebenthal kurz vor ihrer Ermordung durch die Nazis. Und doch; kein Tag, an dem nicht stundenlang Hitler und seine Kumpane und Helfershelfer die Dokumentarkanäle füllen, während ihre Opfer nur in Nischen vorkommen. Ob… Continue Reading „Was ich von dir nicht weiß und nicht erriet“
Ite Liebenthal (15. Januar 1886 Berlin – 30. November 1941 im Wald von Rumbula / Riga) Mein Vaterland, du bist vor mir gestorben, doch wirst du auferstehn und ich mit dir. Die dich vernichteten und mich verdorben, sie sind verflucht, und leben werden wir!… Continue Reading „Ite Liebenthal (1886 Berlin – 1941 Rumbula/Riga)“
Alfred Walter Heymel gab die erlesene Zeitschrift „Die Insel“ heraus, er schrieb harmlose Chansons, Jugendstiliges, neckische Lieder vom Gott der Liebesraserei, Malaga und Malvasier und „Gierig junger Küsse Tausch, / Grausam junger Wollust Rausch.“ Doch machte ihn quasi der Tod zum Expressionisten. 1911 erschien… Continue Reading „„Wir schreien nach dem Kriege““
Georg Kaiser (* 25. November 1878 in Magdeburg; † 4. Juni 1945 in Ascona) Flehruf Nicht, mächt’ger Schöpfer, lasse so geschehn, Wenn du zerfallne Formen wandelnd richtest. Daß Mensch ich wieder. Dies mein Sterbeflehn, Bevor du jetzt mich odemlos vernichtest. Mach mich zum Baum,… Continue Reading „Flehruf“
Gedichte, das sind auch Geschenke — Geschenke an die Aufmerksamen. (Paul Celan, Brief an Hans Bender) Zum 100. Geburtstag Paul Celans ein Geschenk aus dem Band „Die Niemandsrose“. HUHEDIBLU Schwer-, Schwer-, Schwer- fälliges auf Wortwegen und -schneisen. Und – ja – die Bälge der… Continue Reading „Beiwort, Beilwort“
Georg Heym (* 30. Oktober 1887 in Hirschberg, Schlesien; † 16. Januar 1912 in Gatow) UMBRA VITAE Die Menschen stehen vorwärts in den Straßen Und sehen auf die großen Himmelszeichen, Wo die Kometen mit den Feuernasen Um die gezackten Türme drohend schleichen. Und alle… Continue Reading „Die Kometen mit den Feuernasen“
Das Celanjahr neigt sich, der 100. Geburtstag naht. Heute ein weiteres Gedicht. Judenwelsch, nachts Ich gab, ich gab – als Stein kommt es zurück. Es schwirrt. es trifft. Im Eiterlicht, im Angesicht der Mörder, Hände: Schlaft ihr nicht? Sie treffen. Sie… Continue Reading „Judenwelsch“
Friedrich Wilhelm Wagner (* 16. August 1892 Hennweiler/ Hunsrück, † 22. Juni 1931 Lungensanatorium Schömberg) In einer deutschen Stadt Hier haben die Frauen müde Münder Und einen bescheidenen Blick. Sie meinen: Dienen ist viel gesünder Als ein großes Geschick. Und die Männer haben dicke… Continue Reading „In einer deutschen Stadt“
Hans Reimann (* 18. November 1889 in Leipzig; † 13. Juni 1969 in Schmalenbeck bei Hamburg) Schwitters Mit Vornamen heißt er Kurt, könnte aber auch Emil betitelt sein. Er leitet an künstlerischem Unbemitteltsein. Manchmal schwitterst er, manchmal nicht. In der Finsternis leuchtet sein merzliches… Continue Reading „Schwitters“
Ricarda Huch (* 18. Juli 1864 in Braunschweig; † 17. November 1947 in Schönberg im Taunus) Zwei Liebesgedichte Liebesreime XXXIV Goldnes Liebchen, Sonne, Perle, Blume, Und ihr Augen, liebe Weihnachtslichter! Ja, wär‘ ich der Kaiser aller Dichter, Dichtet‘ ich euch bald zu Ehr und… Continue Reading „Dichter(in) und Liebe“
Jean Paul (* 21. März 1763 in Wunsiedel; † 14. November 1825 in Bayreuth) »Ah ça!« wandt’ er sich zu Walten (mehr französisch konnt’ er nicht), »Ihre Polymeter!« – »Was sinds?« fragte Knoll trinkend. »Herr Graf,« (sagte Schomaker und ließ die Pfalz weg) »in… Continue Reading „Aus „Flegeljahre““
Philipp von Zesen (* 8. Oktober 1619 in Priorau bei Dessau; † 13. November 1689 in Hamburg) Di Lustinne* rädet selbst. i. Aus däm Mehre bin ich kommen / aus däs bitren salzes kraft hab‘ ich dises sein gewonnen; … Continue Reading „Eigenlob der Venus“
Walter Hasenclever (* 8. Juli 1890 in Aachen; † 21. Juni 1940 in Les Milles bei Aix-en-Provence) 1917 Halte wach den Haß. Halte wach das Leid. Brenne weiter am Stahl der Einsamkeit. Glaub nicht, wenn du liest auf deinem Papier, Ein Mensch ist getötet,… Continue Reading „1917“
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