Hier steht sie

Jean-Joseph Rabearivelo

(* 4. März 1901, Antananarivo, Madagaskar; † 22. Juni 1937 ebd.)

Hier steht sie,
die Augen glitzernde Kristalle des Schlafs,
die Lider schwer von endlosen Träumen,
die Füße wurzeln im Ozean,
und wenn sie die triefenden Hände hebt,
hält sie Korallen und schimmerndes Salz.

Sie wird es zu kleinen Häufchen schichten
nah bei der Nebelbucht
und den nackten Seeleuten geben
mit den abgeschnittnen Zungen,
bis die großen Regen beginnen.

Dann sieht man von ihr nur mehr
ihr windzerwühltes Haar
wie ein Büschel von wehendem Tang
und, kann sein, ein paar Körnchen Salz.

Aus: Gedichte aus Afrika. [„Poems from Black Africa“. Anthologie von Langston Hughes. Neu hrsg. v. Rainer Arnold. Deutsche Übertragungen von Hubert Witt]. Leipzig: Reclam, 1972, S. 130


Das Gedicht stammt aus dem Band Traduits de la nuit (Übersetzungen aus der Nacht), 1935. Der Autor, dessen Muttersprache Malagasy war und der sich selber Französisch beibrachte, gilt als erster bedeutender Dichter der „Frankophonie“ und war schon in seinen jungen Lebzeiten berühmt. Mit 36 nahm er sich das Leben.  Hier die französische und malagassische Fassung des Gedichts (#14 aus dem Band):

Voici celle dont les yeux sont des prismes de sommeil
et dont les paupières sont lourdes de rêves,
celle dont les pieds enfoncés dans la mer
et dont les mains gluantes en sortent,
pleines de coraux et de blocs de sel étincelants.

Elle les mettra en petits tas près d’un golfe de brouillard
et les débitera à des marins nus
auxquels on a coupé la langue,
jusqu’à ce que tombe la pluie.

Elle ne sera plus alors visible,
et l’on ne verra plus
que sa chevelure dispersée par le vent,
comme une pelote d’algues qui se dévide,
et peut-être aussi des grains de sel insipide.

Inty ilay manana maso toa vato-miridana torimaso
sy hodimaso mavesatra nofy,
ilay manana tongotra milentika any an-dranomasina
sy tànana madity mivoaka avy any,
feno voahangy sy vonga-tsira mamiratra.

Htsitokotokony eo ankilan-tanjon-javona ireny
ary tsy ho tsinjarainy amin-piantsambo mitanjaka
notapahin-dela,
mandra-pihavin’ny orana.

Dia tsy ho hita intsony iny
ary tsy hisy ho tazana
afa-tsy ny volony aparitaky ny rivotra
toa tonga kiborim-bolonkotona miantsody
ary angamba koa voan-tsira matsatso.

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