Aus Thomson’s Hymne

Kein großer Dichter? Mag sein. Wer nur Abgesichert-Kanonisches liest, kann inzwischen hier mit Goethe und Schiller weitermachen. So, jetzt sind sie weg und ich kann fortfahren: Wer von Schubert vertont und von Burschenschaftlern auf der Wartburg verbrannt wurde (also seine Bücher), wer Runge und Friedrich beeinflußt und Adam Smith übersetzt hat, von dem kann man schon mal was lesen.

Ludwig Gotthard Kosegarten

(auch Gotthart Ludwig Kosegarten, Ludwig Theobul Kosegarten, * 1. Februar 1758 in Grevesmühlen; † 26. Oktober 1818 in Greifswald)

Thomson’s Hymne.

So rollt in nimmermüdem Reihentanz,
So ändert sich das Jahr, und mannigfach
Verklärt sein Wechsel, großer Vater, dich.

Im holden Frühling webet überall
Dein zarter Liebesodem. Weit und breit
Ergrünen die Gefilde. Wohlgeruch
Durchweht die Luft. Der Berge falbes Moos
Wird jung. Das Waldthal lächelt. Freude strömt
Und Leben sprüht in jedes offne Herz.

Doch voller noch, und noch gewaltiger
Verklärt, o Gott, sich deine Glorie
In schwüler Pracht des Sommers. Mächtig reift
Der Sonne kochend Feuer Obst und Korn.
Oft hören wir in lautem Donner dich,
In sanftem Lispeln oft, um Mitternacht,
Wann sinkt des Abends und der Frühe Thau.

Der Herbst erscheint. Nun öffnet mildiglich
Sich deine Hand und spendet Segen aus.
All Auge harret dein. All Leben speist
Und sättigt sich an deinem reichen Tisch.

Im Winter, Ewger, wie so feyerlich,
Wie furchtbar ist dein Kommen! Sturmesnacht
Und Wolkendunkel hüllen deinen Thron.
Auf Wetter rasselt Wetter. Hagel rauscht
Vor Wirbelwinden her. Gewaltig fährst
Du auf der Winde Wagen. Bange knieet
Die Welt, und schaut dir stumm und schweigend nach.

[…]

Aus: Ludwig Gotthard Kosegarten: Poesieen. Bd. 1. Leipzig, 1798. S. 44f

James Thomson

Hymn on Seasons

Based on J. Logie Robertson’s 1908 Oxford text.

A HYMN ON THE SEASONS.

These, as they change, Almighty Father! these
Are but the varied God. The rolling year
Is full of Thee. Forth in the pleasing Spring
Thy beauty walks, Thy tenderness and love.
Wide flush the fields; the softening air is balm;
Echo the mountains round; the forest smiles;
And ev’ry sense, and ev’ry heart, is joy.
Then comes Thy glory in the summer-months,
With light and heat refulgent. Then Thy sun
Shoots full perfection through the swelling year;
And oft Thy voice in dreadful thunder speaks,
And oft, at dawn, deep noon, or falling eve,
By brooks and groves, in hollow-whispering gales.
Thy bounty shines in Autumn unconfin’d,
And spreads a common feast for all that lives.
In Winter awful Thou! with clouds and storms
Around Thee thrown, tempest o’er tempest roll’d,
Majestic darkness! On the whirlwind’s wing
Riding sublime, Thou bidd’st the world adore,
And humblest nature with thy northern blast.
[…]

Mehr Thomson hier:

Wolfgang Schlüter: Die Jahreszeiten. The Seasons. James Thomson. Weil am Rhein, Basel: Urs Engeler Editor, 2003

Sterbehaus in Greifswald, Domstraße 9 (Begraben ist er in Altenkirchen auf Rügen. Auf dem Alten Friedhof in Greifswald liegt der Sohn Gottfried Kosegarten, der Orientalist in Greifswald war. Foto M.G.)

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