Und die Welt ist aus

Gerty Spies

Straßenbild

Links die Fabrik mit steilem Schlot
Und rechts ein langes, graues Haus.
Im Hintergrunde – farbentot –,
Ein Hügel. – Und die Welt ist aus.

Darüber gießt der Philosoph,
Der Mond, sein bleiches Lächeln aus.
Die Säge schwirrt. Und aus dem Hof
Tönt Pfiff und Ruf durchs leere Haus.

Die Telegraphenstange träumt
Am Eck. Die Fenster starren leer.
Und über eine Mauer schäumt
Ein junger Busch, von Knospen schwer.

Die Amsel übt ihr Nachtgebet
Und wundert sich, daß Frühling ist:
Der Morgen kommt, der Abend geht —
O Herr, daß du so ferne bist!

(aus: Theresienstadt. Gedichte. Mit vier Bildern von O. Nückel. München: Freitag-Verlag, 1947, S. 38)

Gerty Spies (* 13. Januar 1897 als Gertrud Gumprich in Trier; † 10. Oktober 1997 in München),  deutsche Schriftstellerin, wurde 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert. Sie überlebte und kehrte als eine von nur 200 Überlebenden der ehemals 12.000 jüdischen Einwohner Münchens zurück. 1947 erschien der Band Theresienstadt in einem kleinen Münchner Verlag. Darüber hinaus interessierte die Öffentlichkeit sich erst in den 80er Jahren für ihr Werk. Sie starb im 101. Lebensjahr.

http://politische-bildung-rlp.de//fileadmin/download/d52005.pdf

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