Chronik – November 2017

(Wird laufend ergänzt)

Viele Preise wurden vergeben, in Deutschland wird weiter über Gomringer, naja: geredet, Gedichte von Charles Bukowski aus dem Nachlaß wurden so verfälscht, daß man von Zensur reden muß, und Ende November wurde bei einem amerikanischen Rundfunksender über Nacht und so gut wie unbemerkt ein Archiv mit tausenden Gedichten und Kalenderdaten gelöscht.

  • 2. November. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron antwortet mit einem 21zeiligen Gedicht auf das Gedicht einer 13jährigen Engländerin über den Eiffelturm, das sie an den Elyséepalast geschickt hatte. Mehr
  • 2.-12. November. „Radikale Jüdische Kulturtage“ im Berliner Maxim-Gorki-Theater. Organisator Max Czollek erzählt in der Jüdischen Allgemeinen, wie es sich für Juden in Deutschland anfühlt, immer auf Antisemitismus, Schoa und Israel reduziert zu werden.
  • 3. November. Anlässlich des 130. Geburtsjahrs von Georg Trakl ging der mit 8.000 Euro dotierte Georg-Trakl-Preis für Lyrik 2017 an den in Südtirol geborenen deutschsprachigen Schriftsteller Oswald Egger. Mehr
  • 6. November. Der Liedermacher und Lyriker Wolf Biermann wurde in Berlin vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) mit der „Goldenen Victoria” für sein Lebenswerk geehrt. Damit werde „sein außergewöhnlicher Weg als Musiker und seine Auflehnung gegen politisches Unrecht“ gewürdigt. / BZ
  • 6. November. Charles Bukowski hat tausende Gedichte geschrieben. Viele wurden in Nachlaßbänden publiziert. Wie jetzt bekannt wurde, nicht nur umfänglich redigiert, was man ahnte, sondern von den Herausgebern übel umgeschrieben und verfälscht. Daß Hinweise auf Trinken, Drogen, Sex und Wahnsinn getilgt wurden, hatte schon Michael Philipps in seinem Blog erwähnt. Ein Gedicht von 1992 heißt im Original “stone tiger, frozen sea” (Steintiger, gefrorene See),  in der „Nachlaßpublikation“ lautet der Titel:  “like a dolphin” (Wie ein Delphin) – im ganzen Gedicht blieben nur zwei Zeilen unverändert stehen. / Mehr
  • 7. November. Kunst und die Macht der Worte. Debatte anlässlich des Gedichts „avenidas“ von Eugen Gomringer an der ASH-Fassade / Podiumsdiskussion
    An dem Gedicht „avenidas“ auf der Fassade der Alice Salomon Hochschule Berlin hat sich eine bundesweite Debatte über Kunstfreiheit, Demokratien und asymmetrische Geschlechterverhältnisse entfacht. Die Hochschule lud gemeinsam mit dem Haus für Poesie zu der Podiumsdiskussion ein.
    Die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer:
    – Barbara Köhler, Autorin, Alice Salomon Poetik Preisträgerin 2017
    – Dr. Andrea Roedig, Publizistin, Herausgeberin „Wespennest“
    – Prof. Dr. Bettina Völter, Prorektorin für Forschung und
    Kooperationen an der Alice Salomon Hochschule Berlin
    – Dr. Thomas Wohlfahrt, Leiter des Hauses für Poesie
    Moderation: Claudia Kramatschek, Literaturkritikerin, Berlin
  • 8. November. Verleihung der von der Stadt Innsbruck gestifteten Hilde-Zach-Literaturstipendien an Ann-Kathrin Ast und Martin Fritz. „Die 1986 in Speyer geborene und in Innsbruck lebende Ast schreibt Lyrik, Prosa und Szenisches – und veröffentlichte zahlreiche Texte in Anthologien, etwa in der Reihe „Lyrik von Jetzt“. (…) Ast erhält das mit 7000 Euro dotierte Hauptstipendium. Das Förderstipendium in Höhe von 3000 Euro geht an den Innsbrucker Autor Martin Fritz. Fritz wurde bereits mehrfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Großen Literaturstipendium des Landes Tirol. 2013 veröffentlichte er den Lyrikband „intrinsische süßigkeiten“.“ (Tiroler Tageszeitung)
  • 8. November. Der Comedy-Schriftsteller Torsten Sträter wird mit dem Deutschen Kabarettpreis in der Sparte Kleinkunst ausgezeichnet. In der Sparte Chanson/Lied/Musik wird der Musik-Kabarettist Marco Tschirpke ausgezeichnet. Dessen Lyrik widme sich „intelligent und immer charmant“ den Sonderlichkeiten des Lebens, urteilten die Juroren. Der Förderpreis der Stadt Mainz geht … nach Österreich, an die Poetry-Slammerin Lisa Eckhart. Mehr
  • 9. November. Gewinner des 6. Nordhessischen Autorenpreises: Marko Scholz (1. Preis für Omnia, Gedicht), Thomas Beckmann (2. Preis für Schlammzeit, Kurzgeschichte), Malte Abraham (3. Preis für Alles in Ocker, Kurzgeschichte) und Martin Piekar (Sonderpreis Lyrik für Antiterror Podcast).. „Dass alle Preisträger männlichen Geschlechts sind, hat die Jury und uns erstaunt – da aber der komplette Lese- und Auswahlprozess ohne Kenntnis der AutorInnen stattfand, ist es nun, wie es ist.“ Mehr
  • 10. November Verleihung des Andreas-Gryphius-Preises in Düsseldorf an die Eislinger Schriftstellerin Tina Stroheker (Stuttgarter Nachrichen)
  • 15. November. Vom 15. November an können alle Mitglieder der [Alice Schmidt] Hochschule zwei Wochen lang online über Vorschläge abstimmen, wie die Fassade [auf der bisher ein Gomringergedicht steht] neu gestaltet werden könnte. Die Vorschläge sind das Ergebnis eines Ideenwettbewerbs, an dem die Studierenden teilnehmen konnten. Die zwei Vorschläge mit den meisten Stimmen werden dem Akademischen Rat vorgelegt – zudem ein Vorschlag der Hochschulleitung. Welche Konzepte zur Wahl stehen, ist noch nicht bekannt. Im Januar entscheidet der Rat dann, welcher Vorschlag Grundlage für eine Neugestaltung wird. Mehr
  • 17.November Übergabe des vom Deutschen Literaturfonds vergebenen, mit 20 000 Euro dotierten Kranichsteiner Literaturpreises an Nico Bleutge. In der Begründung der Jury, der Maike Albath, Wilfried F. Schoeller und Christine Wahl angehören, heißt es: Nico Bleutge erhält den Kranichsteiner Literaturpreis 2017 für sein bisher vier Bände umfassendes lyrisches Werk  unter besonderem Augenmerk auf die neueste Sammlung nachts leuchten die schiffe. Bleutge versteht sich auf eine poetische Erkundung vornehmlich von Licht und Wasser, auf die Verwandlung poetischer Romantik ins Gebrauchsformat von Industriezonen, Stückverkehr und Transportmonstern. Das Wetterleuchten auf globalen Wegen mischt sich mit Seelenechos aus der Kindheit, das Zitatgemurmel fremder Stimmen mit eindrücklichen eigenen Bildern. Nico Bleutge arbeitet an einer poetischen Übung im Lauschen und Memorieren, an einer modernen Erfahrungsseelenkunde, die sich auch der Technik und dem Gestaltwandel der sprachlichen Bilder öffnet.Für den Kranichsteiner Literaturförderpreis nominierte die diesjährige Jury Theresia Enzensberger, Maren Kames und Simon Strauß. Alle drei Kandidaten werden sich am 17. November um 11:30 Uhr in einer öffentlichen Lesung in der Justus­-Liebig-Schule in Darmstadt um den mit 5.000 Euro dotierten Preis der Fachjury bewerben. Mit ihren jeweils noch unveröffentlichten Textauszügen stellen sie sich gleichzeitig dem Urteil ei­ner Schülerjury. Diese vergibt, unabhängig von der Entscheidung der Fachjury, einen Preis in Höhe von 1.000 Euro.Die Jury hat weiterhin zwei Aufenthaltsstipendien des Deutschen Literaturfonds vergeben:Das 10-wöchige Aufenthaltsstipendium im Deutschen Haus der New York University erhält in diesem Jahr der in Eberstalzell (Österreich) lebende Autor Reinhard Kaiser-Mühlecker.Das ebenfalls 10-wöchige London-Stipendium an der Queen Mary University sprach die Jury Karl-Heinz-Ott zu, der in Wittnau lebt.Alle Preise werden am 17. November um 19 Uhr in einer öffentlichen Veranstaltung im Theater Moller Haus in Darm­stadt überreicht.
  • 24. November: Die deutsche Lyrikerin und Übersetzerin Dagmara Kraus erhält den Basler Lyrikpreis 2018. Die mit 10.000 Franken dotierte Auszeichnung wird jährlich an Dichterinnen und Dichter verliehen, «deren Werk sich durch Innovationskraft und durch den Mut zu konsequentem und eigenwilligem Arbeiten mit Sprache auszeichnet», schrieb das Literaturhaus Basel am Freitag in einem Communiqué. Die Preisverleihung findet im Rahmen des 15. Internationalen Lyrikfestivals Basel am Samstag, 27. Januar, statt.
  • 25. November: Der Lyrikpreis Mondseeland geht an Daniela Seel. Aus der Begründung der Jury: „Daniela Seels Gedichte zeichnen sich durch eine bildreiche Sprache aus, die die Beziehung des Ich zur Welt und zur eigenen Existenz einem radikalen Zweifel unterzieht. Aus diesem Zweifel, dem rebellischen Kern von Seels Gedichten, geht eine neue, eigene Wirklichkeit hervor, die sich durch die Musikalität, die Intensität und die märchenhaften Züge ihrer Sprache mitteilt.“ Der Preis ist mit 7500,- Euro dotiert. Die Jury-Sitzung fand am 25. November 2017 statt, die Preisverleihung erfolgt voraussichtlich Anfang Januar. Jury: Ilma Rakusa (Zürich), Hans Höller (Salzburg), Steffen Popp (Berlin) und Anton Thuswaldner (Salzburg).
  • 28. November: Verleihung des mit 12.000 Euro dotierten Klopstockpreises (Landesliteraturpreis Sachsen-Anhalt) in Quedlinburg an Thomas Melle. Der Klopstock-Förderpreis (3.000 Euro) geht an Marco Organo für seinen Debütband „Dorfschönheit“. / Hier und hier.
  • 29. November. Reinhard Jirgl, Büchnerpreisträger des Jahres 2010, hat beschlossen, sich gänzlich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. So stand es, fast unbemerkt, am Rande eines «Zeit»-Gesprächs mit dem Hanser-Verleger Jo Lendle. Er wolle dorthin zurückkehren, wo er vor Jahrzehnten begonnen habe: zum reinen «Selbstgespräch». Ein Schreiben nur noch für die Schublade. / Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung
  • 29. November: Der amerikanische Radiosender NPR beendet die Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Garrison Keillor, nachdem ihm eine frühere Mitarbeiterin „unangemessenes Verhalten“ vorgeworfen hatte. Keillor moderierte seit 1974 u.a. die Sendung “A Prairie Home Companion”. Beendet und mit sofortiger Wirkung aus den Archiven gelöscht wurde auch die 1993 gestartete tägliche Sendung „The Writers Almanac“ mit kalendarischen Notizen und einem Gedicht, die u.a. von der Poetry Foundation gesponsort wurde und auch als Podcast weite Verbreitung fand. Bereits 2005 war die Sendung kurzzeitig aus dem Programm genommen worden mit der Begründung, einige der vorgetragenen Gedichte seien „unanständigen“ (indecent) Inhalts. Nach zahlreichen Protesten hatte man sie wieder aufgenommen.

2 Comments on “Chronik – November 2017

  1. vielen dank für die zahlreichen infos. am meisten freut mich, dass thomas melle einen preis bekommen hat (ich vermute und hoffe für „die welt im rücken“? werde gleich mal den diversen links folgen. vielen dank für deine zusammenstellung. und einen schönen ersten advent wünsche ich dir.

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