Houellebecqs Gesammelte Gedichte

(…) [Diverse] Parallelstellen lassen einige Vermutungen über die lyrischen Arbeiten Houellebecqs zu, die trotz ihrer Form meist den Charakter von bekenntnishaften oder reflektierenden Notizen haben. Das führt zu dem Eindruck, dass die eigentliche (auch sprachliche) Verdichtung bei Houellebecq in seinen Romanen stattfindet, während seine Gedichtbände ausufernde und ziemlich redundante Sammlungen von Gedanken, Skizzen und kurz notierten Eindrücken sind.

(…)

Der Fokus verschiebt sich von der Frage „Wie leben?“ zur Frage „Wie geht es zu Ende?“. So kommt Houellebecq vor allem gegen Ende des Bandes zu kosmologischen, metaphysischen und mitunter sogar geologischen Motiven, die er, so scheint es, sogar mit einem poetologischen Vierzeiler kommentiert.

Il faudrait traverser un univers lyrique

Comme on traverse un corps qu’on a beaucoup

aimé

Il faudrait réveiller les puissances opprimées

La soif d’éternité, douteuse et pathétique.

Man müsste ein lyrisches Universum

durchmessen

Wie man einen Körper durchmisst, den man sehr

geliebt

Man müsste die unterdrückten Mächte wecken

Den Durst nach Ewigkeit, den fragwürdigen,

pathetischen

/ Mario Osterland, Fixpoetry

Michel Houellebecq
GESAMMELTE GEDICHTE
Übersetzung:
Stephan Kleiner und Hinrich Schmidt-Henkel
Dumont
2016 · 726 Seiten · 14,99 Euro
ISBN:
978-3-8321-6355-6

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