45. Brief von Konstantin Wecker

Liebe Freunde,

die neoliberale Ideologie ist eine menschenverachtende, rücksichtslose Weltanschauung, die, wenn wir nichts dagegen unternehmen, unsere Gesellschaft noch brutaler, als bisher schon geschehen, spalten und entsolidarisieren wird. Die Arbeitnehmer werden entrechtet, soziale Errungenschaften werden in die Barbarei zurückgestuft, schon jetzt zerbrechen in Europa Tausende täglich an der Bereicherung der Konzerne.

Bei allem Verständnis für das Aufbegehren gegen diesen Wahnsinn, müssen wir aufpassen, nicht plötzlich die falschen Freunde an unserer Seite haben.
Unter Medizinern wird ein „falscher Freund“ ein Furz genannt, der sich in der Hose verfestigt. Bei dem, deutlich gesagt, ein Stück Kot mit abgelassen wird.
Diese falschen Freunde sind aus dem Lager der Neonazis, der Rechtspopulisten, der neuen Nationalisten, die sich allesamt ein neues Image verpassen wollen und „aus Liebe zu Deutschland“ ihre Kapitalismuskritik entdecken.

Schon während der Demonstrationen gegen den Irakkrieg wollten sich Nazis in unsere Reihen schmuggeln. Wir haben sie vertrieben und natürlich dennoch weiter demonstriert.

Was ich sagen will – es kann nicht angehen, dass wir uns bei unserer berechtigten Kritik indirekt von den Nazis den Mund verbieten lassen, nur weil sie – aus wohlgemerkt völlig anderen Beweggründen – in einigen Punkten unserer Meinung sein wollen.

Deshalb, nochmal ganz deutlich und für jeden erkennbar:
Unsere Kritik am Neoliberalismus ist keine deutschtümelnde, in irgendeiner Weise rassistische, antisemitische, menschenverachtende Kritik.
Sie ist nicht nationalistisch, sondern internationalistisch, sie ist nicht Fremde abweisend, sondern offen für Neues und Fremdes, sie versucht nicht Deutschland als eine Insel der Seligen abzuschotten gegen den Rest der Welt, sondern sie ist ausdrücklich solidarisch mit den unterdrückten südlichen Ländern Europas, sie ist nicht elitär, sondern voller Empathie für Aussenseiter, Verrückte und seitlich Umgeknickte. 

Sie ist voller Verständnis für Flüchtlinge und gegen die Ermordung Tausender Flüchtlinge aus ausschließlich wirtschaftlichen Gründen.
Sie verachtet nationalsozialistisches Irrdenken und träumt den Traum einer solidarischen Weltgemeinschaft gleichberechtigter Menschen, gleich welchen Geschlecht, welcher Hautfarbe, welcher Nationalität.
Und sie wird sich vehement in revolutionären Prozessen gegen die Entdemokratisierung einer neoliberalen Weltherrschaft zur Wehr setzen.

P.S.:
„Auch die Philister haben manchmal Recht, doch immer aus den falschen Gründen.“
Johann Peter Hebel
(1760 – 1826)

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