30. Weil sie dich nicht verstehn

Im YinYang Media Verlag erscheinen seit einigen Jahren die Nachdichtungen orientalischer Lyrik von Hans Bethge im Nachdruck (zum Teil gar erstmals aus dem Nachlaß). Die Originalausgaben erschienen zwischen 1907 und 1941 und sind heute antiquarische Raritäten. Die Nachdruck-Reihe wird ergänzt durch eine Biographie des Dichters. Anfang März kommen Hans Bethges Nachdichtungen der Lieder und Gesänge des Hafis heraus. Auf der Homepage des Verlages findet sich reiches Material in Wort, Bild und Ton über Hafis (und Bethge). / 10.2.04

Hans Bethge
Die Lieder und Gesänge des Hafis
Nachdichtungen
2. Auflage seit 1911 (1941 – 31. Tausend)

148 Seiten, Euro 12,50, ISBN 3-935727-03-8

Aus dem „Diwan“ des Hafis sammelte Hans Bethge die schönsten Perlen. In ihrer Verherrlichung der Liebe, die Allah und die Geliebte und die ganze Natur umschließt, in den Spottversen gegen die Buchstabenfrommen spiegeln die Verse den tiefen und freien Geist des großen persischen Dichters wider, der sich mit feiner Ironie gegen alle Anfeindungen behauptete. Hafis ist bis heute der Lieblingsdichter des persischen Volkes und wird weit über die Grenzen des Iran und Orients geliebt und verehrt. Die liebestrunkenen Verse des Hafis inspirierten Goethe zu seinem „Westöstlichen Divan“. Die Nachdichtungen Hans Bethges wurden u.a. von Karol Szymanowski und Viktor Ullmann vertont.
Mehr dazu und Lesekostproben auf der Verlagshomepage: http://www.yinyang-verlag.de/BethgeHafis.htm

Ebenfalls im Yin Yang Media Verlag erschien die erste deutsche Gesamtübersetzung Hafis´ von Joseph von Hammer (1812/13), die Goethe für den West-Östlichen Divan benutzte. Im Buchhandel sind auch andere Übersetzungen, wie die von Friedrich Rückert oder von Cyrus Atabay (dem persischen Prinzen, der ein deutscher Dichter war). Heiliger Hafis! Ich weiß, sie werden es mir nicht glauben, aber: Deutschlands Dichter (vor allem die jungen & junggebliebenen) sollten das Material studieren. Ebenso wie den Divan samt Kommentar. Hier ein Gedicht von Goethe zum Thema:

Offenbar Geheimnis

Sie haben dich, heiliger Hafis,
Die mystische Zunge genannt
Und haben, die Wortgelehrten,
Den Wert des Worts nicht erkannt.

Mystisch heißest du ihnen,
Weil sie Närrisches bei dir denken
Und ihren unlautern Wein
In deinem Namen verschenken.

Du aber bist mystisch rein,
Weil sie dich nicht verstehn,
Der du, ohne fromm zu sein, selig bist!
Das wollen sie dir nicht zugestehn.

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