American Life in Poetry: Column 521

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Amanda Strand is a poet living in Maryland. I like this poem for its simplicity, clarity and directness. No frills to decorate it, just the kind of straightforward accounting of an experience that Henry David Thoreau said he looked for in an author.

Father and Daughter

The wedding ring I took off myself,
his wife wasn’t up to it.
I brought the nurse into the room
in case he jumped or anything.
“Can we turn his head?
He looks so uncomfortable.”
She looked straight at me,
patiently waiting for it to sink in.

The snow fell.
His truck in the barn,
his boots by the door,
flagpoles empty.
It took a long time for the taxi to come.
“Where to?” he said.
“My father just died,” I said.
As if it were a destination.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2014 by Amanda Strand and reprinted by permission of the poet. Introduction copyright © 2015 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

American Life in Poetry: Column 520

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

With this column American Life in Poetry celebrates its tenth anniversary. Thanks to all of you for supporting us, week in and week out!

When I was a boy, I was advised that if a wasp landed on me I wasn’t to move until it flew away. I did as I was told and got stung. Here Karen J. Weyant, who lives in Pennsylvania, takes a similar risk.

Yellowjackets

When my father held his Bic lighter
to the nests in back of the garage,
the gray paper pulp sparked

then blackened. Ashes fell,
coating crawling ivy and clover.
A few yellowjackets fled,

one or two swirled, flying
into the sweaty face of my father,
but most too stunned,

their usual side-to-side swag
of a dance, flailing in the smoke.
When one landed on my arm, I stiffened.

His wings settled into a still gauze,
body coiled in yellow bands,
the same shade as buttercups we held

to our skin, cupping sunlight near our chins.
Every step, careful, quivering, as if neither
of us knew who was supposed to sting.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2013 by Karen J. Weyant and reprinted from Poetry East, Nos. 80 & 81, Fall 2013. Karen J. Weyant’s most recent book of poems is Wearing Heels in the Rust Belt, (Main Street Rag, 2012). Poem reprinted by permission of Karen J. Weyant and the publisher. Introduction copyright © 2015 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

Brodsky-Museum

In St.Petersburg wurde gestern ein dem Dichter Joseph Brodsky gewidmetes Museum eröffnet – in der „Kommunalka“ (kommunalen Wohnung), in der er zwischen 1955 und 1972 mit seiner und drei weiteren Familien lebte.  Über die Wohnung, in der seine Familie 2 Zimmer bewohnte, schrieb er den Essay „Anderthalb Zimmer“. Anderthalb, weil sein Vater in der Hälfte des einen Zimmers eine Dunkelkammer betrieb. Das Museum hat heute mehr Platz als Brodskys Familie – nur eine Familie verblieb in der ehemaligen Gemeinschaftswohnung, sie bekam einen separaten Eingang. 1972 verließ der Dichter die Sowjetunion nach jahrelangem Druck der Geheimpolizei KGB, mehreren Verleumdungskampagnen, Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik und 18 Monaten Verbannung im arktischen Norden.

/ France24

Tzveta Sofronieva

Sie promovierte 1991 über kulturelle Einflüsse auf den Wissenstransfer und nahm an der Poetry Master Class von Joseph Brodsky teil. In den 80er-Jahren musste sie Bulgarien wegen kritischer Äußerungen verlassen und ging in die USA, wo sie sich mit mehreren Vorträgen finanziell über Wasser hielt. Reisen, Forschungsaufenthalte und Lesungen führten sie in die ganze Welt. Heute lebt sie als freie Autorin in Berlin und schreibt ihre Texte auf Deutsch, Bulgarisch und Englisch.

Es ist, so sagte sie am Mittwoch, vor allem die Idee der Kommunikation, die sie zum Schreiben motiviere. „Ich glaube, dass Menschen sich verstehen können, auch wenn sie es eigentlich nicht können“, sagte sie. „Sie müssen sich nur bemühen und dieses Bemühen ist dann so wunderbar.“ Sie selbst habe Deutsch dadurch gelernt, dass sie viel gelesen, aber auch geschrieben habe. (…) Zunächst schrieb sie nur epische Texte auf deutsch und hätte nicht gedacht, dass sie auch deutsche Lyrik verfassen könne. (…) Ihr erstes Gedicht in deutscher Sprache war „noch eines der verbotenen Worte“. Ein Text, von dem sie selbst nicht so richtig wusste, wo er herkam, und der, auch wenn er so klinge, kein wirkliches Liebesgedicht sei.  / Sarah Kugler, Potsdamer Neueste Nachrichten

Dante 750

Irgendwann zwischen dem 21. Mai und dem 21. Juni vor 750 Jahren, also 1265,wurde in Florenz Dante Alighieri geboren. Er war Dichterphilosoph. Er schrieb hinreißende Gedichte, gelehrte Abhandlungen und ein Werk, das zu den berühmtesten der europäischen Literaturgeschichte gehört: „Die Göttliche Komödie“. Der Icherzähler berichtet, wie er in einer großen, sein Leben bedrohenden Krise zu einer Reise durch Hölle, Fegefeuer und Paradies geführt wurde. Dante schreibt das in mehr als 14 000 Versen, in einer Verkettung von Terzinen (aba bcb cdc ded efe usw.), deren Reime mal eine rauschhafte Wirkung erzielen, mal die Story weitertransportieren wie ein schnurrender Motor. Aber man kann Dante nicht aufschlagen und zu lesen beginnen. Nein, natürlich kann man nur das tun, wenn man ihn kennenlernen möchte. Aber man versteht nichts. Der Verserausch stellt sich nicht ein, weil man keine der mehr als 600 erwähnten Personen kennt, weil einem bald klar ist, dass es in dem Text von Anspielungen wimmeln muss. Aber auf wen? Worauf? Ist das parodistisch, ist das ernst gemeint? Nach noch einmal zehn, fünfzehn Zeilen gibt man auf. Von wegen Schönheit! Nichts hat man mitbekommen. Das geht auch jedem Italiener so. Das ging manchem Zeitgenossen Dantes schon so. Er selbst hat darum seine Gedichte in langen, ausschweifenden Kommentaren erklärt. Er wollte verstanden werden. Aber er wollte auch festlegen, wie man ihn zu verstehen hatte. Darum schrieb er Italienisch. (…) / Arno Widmann, Perlentaucher

#verserausch, #dante700, #williamblake

Toller, Rilke, Revolution

Auf seiner Flucht vor der Polizei begegnet Toller Rilke, der in dieser Zeit in München lebt: „Ich bin sehr betrübt, bei mir sind Sie nicht sicher, zweimal schon wurde mein Haus durchsucht. Sie hatten meine Wohnung unter den Schutz der Räterepublik gestellt, ich vergaß den Anschlag zu entfernen, das wurde mir zum Verhängnis.“
Rilke wird aus München ausgewiesen, Toller kommt vor Gericht und wird von Hugo Haase verteidigt. In seinem Plädoyer formuliert der Anwalt:

Es ist ein Nonsens, dass die Regierung, die selbst durch eine Revolution zur Herrschaft gekommen ist, diejenigen als Hochverräter ins Zuchthaus oder gar aufs Schafott schickt, die nichts anderes tun, als sie selbst getan hat.

Toller wird zu Festungshaft verurteilt. Sein Anwalt Haase 1919 in Berlin von einem angeblich Geisteskranken angeschossen. Er erliegt seinen Verletzungen im Krankenhaus.

Was ist von einer Demokratie zu halten, die auf solche Weise die Weltbühne betritt? / Jan Kuhlbrodt, Signaturen

#demokratie, #raeterepublik, #ErnstToller

Gute Zeit für Lyrik …

in Frankfurt / Main, wenn man den städtischen Verlautbarungen traut. Lyrik als Event at its best. Und unter dem Besten und Bedeutendsten machen sies dort nicht

Der Kartenvorverkauf für die vierten Frankfurter Lyriktage hat begonnen. Die Veranstalter haben das Programm in diesem Jahr stark erweitert. Einer der Höhepunkte ist eine Lesung von Lutz Seiler, dem Preisträger des Deutschen Buchpreises 2014, am 11. Juni.

Natürlich ist man auch medial up to date:

Etwas „fürs Auge und fürs Ohr“ verspricht das Programm der diesjährigen Frankfurter Lyriktage. Zeitgleich zur Eröffnung des Vorverkaufs präsentierte Kulturdezernent Felix Semmelroth am Mittwoch im Sachsenhausener Lesecafé ein Aufgebot an Lesungen und Podiumsdiskussionen, das die Gegenwartslyrik in den Fokus rückt. Diese sei durch das Internet „transdisziplinär“ geworden, so die Begründung des Kulturamtes für den neuen Fokus.

Neuer Fokus, neue Einflüsse, neue Junglyriker. Und exclusiv, versteht sich:

Den neuen Einflüssen in der Lyrik widmet sich bereits die Eröffnungsveranstaltung am 10. Juni im Dominikanerkloster. Gemeinsam mit der Musikergruppe Ensemble Modern werde der junge Gegenwartslyriker Marcel Beyer eine Auswahl seiner Gedichte der letzten zwölf Jahre vorlesen. Einflüsse aus visuellen Medien, etwa aus Fotografie und Film, werde Beyer in seinem Lesungskonzert verarbeiten, das er eigens für die Frankfurter Lyriktage mit dem Ensemble Modern konzipiert hat.
Aber um wirklich auf der Höhe der Zeit zu sein und Geltung zu erlangen, braucht man auch internationale Trends. Stichworte aus dem Handbuch des Eventmanagers:

Um Lyrik als Kunstform „auf der Höhe der Zeit“ zu präsentieren, werden auch internationale Trends zur Geltung kommen, versprach Programmleiterin Sonja Vandenrath. Mit der Veranstaltung „Inseln der Poesie“ ist am 16. Juni dem diesjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse, Indonesien, ein eigener Programmpunkt gewidmet. Drei der wichtigsten

selbstredend

indonesischen Gegenwartslyriker Avianti Armand, Goenavan Mohamad und Agus Sarjono werden dabei aus ihren Werken lesen, die

o Wunder

simultan übersetzt werden.

Aber nicht nur das:

Zur Sprache werde dabei auch die international weitgehend unbekannte Dichtung des Landes kommen.

Und überhaupt ist man superlativst:

Mit weiteren Künstlern, etwa aus Polen, USA und Mazedonien, ist die vierte Auflage der Lyriktage auch die internationalste.

Das bleibt nicht ohne Folgen

„Lyrik soll zukünftig eine breitere Öffentlichkeit erreichen“, sagte Semmelroth

wobei man gegen mancherlei Vorurteile wirken muß, ah ja:

und wirkte damit dem Vorurteil entgegen, wonach sich Dichtung auf einem „absteigenden Ast“ befände.

Lyrik ist im Trend, und Fränkfört ist Trendsetter:

Um die Reichweite für die Gattung zu vergrößern, ist das Programm auf zehn Tage erweitert worden und enthält damit doppelt so viele Veranstaltungspunkte als noch im Vorjahr. Neu sind auch Veranstaltungen in der Region, etwa in Oberursel und in Kronberg.

Das Programm

Vom 10. bis 20. Juni präsentiert das Kulturamt die Frankfurter Lyriktage. An den 23 Events werden 65 Künstler mitwirken.

Höhepunkte: Am 11. Juni liest in der Villa Metzler der Preisträger des Deutschen Buchpreises 2014 Lutz Seiler, der seine literarische Karriere als Dichter begann. Der New Yorker Dichter Joshua Mehigan liest am 17. Juni im Künstlerhaus Mousonturm.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.frankfurter-lyriktage.de.

Quelle: Frankfurter Rundschau

#renommiersprache #eventkultur

Heidelberger Poetikdozentur mit Lutz Seiler

Neben drei Vorlesungen stehen auch eine Veranstaltung mit dem Schriftsteller Jürgen Becker sowie eine Lesung auf dem Programm

Einer der bedeutendsten zeitgenössischen Lyriker, der Schriftsteller Lutz Seiler, übernimmt zwischen dem 9. und 24. Juni 2015 die Heidelberger Poetikdozentur, ein Projekt der Universität Heidelberg in Kooperation mit dem Kulturamt Heidelberg. Seine drei Poetikvorlesungen stehen unter dem Motto „Laubsäge und Scheinbrücke. Aus der Vorgeschichte des Schreibens“. Darüber hinaus bestreitet er eine Veranstaltung gemeinsam mit dem Kölner Schriftsteller Jürgen Becker. Zum Abschluss der diesjährigen Poetikdozentur, die vom Germanistischen Seminar der Ruperto Carola veranstaltet wird, liest Lutz Seiler aus seinem Debütroman „Kruso“, für den er im vergangenen Jahr den Deutschen Buchpreis erhalten hat.

Lutz Seiler wurde 1963 in Gera/Thüringen geboren. Parallel zum Abitur absolvierte er eine Lehre als Baufacharbeiter und arbeitete in Maurer- und Zimmermannsbrigaden. Während seiner Wehrdienstzeit in der damaligen DDR begann er, sich für Literatur zu interessieren und – inspiriert von der Lyrik Peter Huchels – Gedichte zu schreiben. Bis 1990 studierte er Germanistik in Halle/Saale und Berlin. Zu den bekanntesten Werken Lutz Seilers zählen seine beiden Gedichtbände „pech & blende“ (2000) und „vierzig kilometer nacht“ (2004). Mit der Erzählung „Turksib“, die 2007 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde, wechselte er in die Prosa. 2014 erschien sein erster Roman „Kruso“. Lutz Seiler lebt in Wilhelmshorst bei Berlin sowie in Stockholm.

„Lutz Seilers Literatur ist in hohem Maße autobiographisch fundiert: Den Stoff seiner Lyrik und Prosa findet er in den Landschaften Ostthüringens und Brandenburgs, der im Schatten des Uranbergbaus verlebten Kindheit und der Nachwendezeit in Berlin. Landschaft und Zeitgeschichte gehen in den Gedichten und Erzählungen Lutz Seilers eine organische Verbindung ein“, erläutert Privatdozentin Dr. Michaela Kopp-Marx vom Germanistischen Seminar, die Leiterin der Heidelberger Poetikdozentur ist.

Eröffnen wird Lutz Seiler die Poetikdozentur am 9. Juni mit seinem Vortrag „Müde Dörfer. Eine Herkunftsgeschichte“, dem ersten Teil der Poetikvorlesungen. Zur Begrüßung sprechen Prof. Dr. Óscar Loureda, Prorektor der Universität Heidelberg, und Dr. Andrea Edel, die Leiterin des Kulturamtes der Stadt Heidelberg. In das Werk des diesjährigen Poetikdozenten wird Dr. Kopp-Marx einführen. Die Veranstaltung in der Aula der Alten Universität, Grabengasse 1, beginnt um 19 Uhr.

Die beiden weiteren Poetik-Vorlesungen – „Die jungen Jahre. Fontane, Huchel und Pink Floyd“ sowie „Potsdamer Platz. Ein Blick durch die Maske“ – finden am 16. und 23. Juni jeweils in Hörsaal 13 der Neuen Universität statt und beginnen um 19 Uhr. Die Veranstaltung mit Jürgen Becker im Kulturhaus Karlstorbahnhof ist für den 10. Juli geplant; Beginn ist ebenfalls um 19 Uhr. Die Lesung aus dem Roman „Kruso“ ist Teil der „Heidelberger Literaturtage“. Sie findet am 24. Juni im Spiegelzelt auf dem Universitätsplatz statt und beginnt um 20 Uhr.

Die Heidelberger Poetikdozentur am Germanistischen Seminar ist Teil der Heidelberger „Unesco City of Literature“-Aktivitäten. Sie wurde 1993 mit Martin Walser gestartet. Zuletzt waren die Schriftsteller Louis Begley (2006), Peter Bieri (2008), Bernhard Schlink (2010), Patrick Roth (2012) und Wilhelm Genazino (2014) zu Gast. / idw

Heimrad-Bäcker-Preis für Monika Rinck

Nach Entscheidung der Jury (Franz Josef Czernin, Thomas Eder und der letztjährige Preisträger Paul Wühr) werden die diesjährigen Preise verliehen an:

Monika Rinck (Heimrad-Bäcker-Preis, dotiert mit Euro 8.000.-)

Michael Hammerschmid (Förderpreis zum Heimrad-Bäcker-Preis, dotiert mit Euro 3.500.-)

Begründung der Jury:

Das poetische Werk Monika Rincks überblendet unterschiedliche Diskursebenen im dialogischen Begegnungsort Gedicht. Wissenschaftliche, alltägliche, theologische, pseudo-philosophische und poetische Äußerungsformen sind so ineinander verzahnt, dass die Verwendung der Satzsplitter im Ursprungszusammenhang deutlich bleibt, aber zugleich aus deren Zusammenfügung eine neue Textkohärenz und Textbedeutung entsteht. In ihrem jüngsten Gedichtband „Honigprotokolle“ führt Rinck das dichterische Sprechen in einen Zwischenbereich von Leichtigkeit und Konstruiertheit.
Ihre Kohärenz beziehen diese Gedichte aus einem Assoziieren entlang gestalthafter Ähnlichkeiten.

Programm

Dienstag, 2. Juni 2015
19.30 Uhr
Verleihung der Heimrad-Bäcker-Preise

Heimrad Bäcker hat in seinem Werk die Mittel der Avantgardekunst und der konkreten Dichtung auf die die Sprache der Shoah angewendet. Ann Cotten untersucht in ihrem Vortrag die Frage nach einer Literatur, die sich mit der vereindeutigenden Lesart des Gedenkens beschäftigt und in der Kunst als Kriterium verschwindet.

Im Anschluss werden der Heimrad-Bäcker-Preis an Monika Rinck und der Förderpreis an Michael Hammerschmid verliehen.

Die Vergabe der Heimrad-Bäcker-Preise wird maßgeblich unterstützt durch eine Förderung des Kulturamts der Stadt Linz gemeinsam mit der Landeskulturdirektion des Landes Oberösterreich, sowie durch das Bundeskanzleramt/Kunstsektion.

19.30 Uhr
BSI Dipl.-Päd.in Notburga Astleitner, Abgeordnete zum oberösterreichischen Landtag
Begrüßung

Ann Cotten: Zeigen und Sehen. Beobachtungen, in denen „Kunst“ als Kriterium verschwindet. Zu Heimrad Bäcker

Laudatio: Judith Nika Pfeifer
Lesung Michael Hammerschmid

Laudatio: Ulf Stolterfoht
Lesung Monika Rinck

Monika Rinck, *1969 in Zweibrücken, lebt in Berlin. 1998: NEUES VON DER PHASENFRONT – ein Theoriecomic über unproduktive Phasen bei bbooks Berlin. 2001 erschien Begriffsstudio 1996 – 2001 in der edition sutstein, (www.begriffsstudio.de), 2004 der Lyrikband Verzückte Distanzen im zu Klampen! Verlag. Im Oktober 2006 folgte der Essayband: Ah, das Love-Ding! bei kookbooks, und im Frühjahr 2007 der Lyrikband zum fernbleiben der umarmung im gleichen Verlag. 2008 das Hörbuch: Pass auf, Pony in der edition sutstein. 2009 folgt der Lyrikband HELLE VERWIRRUNG / Rincks Ding- und Tierleben bei kookbooks, Berlin.
Im Herbst 2011 erschien PARA-Riding (mit Christian Filips) als roughbook 015 bei Engelers Erben und die kollektive Poetologie HELM AUS PHLOX im Merve Verlag (zusammen mit Cotten, Falb, Jackson, Popp). Außerdem: ICH BIN DER WIND. Geschwinde Lieder für Kinder (mit W. Taubert, K. Tchemberdji) bei kookbooks. Im Frühjahr 2012 erschien ihr jüngster Lyrikband HONIGPROTOKOLLE bei kookbooks. 2010 erhielt sie den Georg-K-Glaser-Preis, 2012 den Kunstpreis Berlin Literatur, 2013 den Peter-Huchel-Preis für das Buch HONIGPROTOKOLLE, und soeben den Kleist-Preis 2015. Im Winter 2013 erschien HASENHASS – eine Fibel in 47 Bildern im Verlag Peter Engstler, 2014 CANDY – Geschichten vom inneren Biest, im gleichen Verlag. Im Frühjahr 2015 folgte: RISIKO und IDIOTIE, Streitschriften, bei kookbooks.

Monika Rinck ist Mitglied im P.E.N.-Club, der Lyrikknappschaft Schöneberg und der Akademie der Künste Berlin und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Sie übersetzt, kooperiert mit Musikern und Komponisten und lehrt von Zeit zu Zeit. Im Winter 2014 war sie Stipendiaten der Deutschen Akademie Rom, in der Casa Baldi.

Michael Hammerschmid, geboren 1972 in Salzburg, lebt und arbeitet als Dichter und Universitätslektor für Literatur, Medien und Sprachkunst in Wien. Er ist Vater zweier Töchter, lebte zwei Jahre in Paris, wo er an der Sorbonne Paris IV unterrichtete. Als Autor trat er zunächst mit Hörspielen hervor. Als Literaturvermittler ist Michael Hammerschmid regelmäßig fürs Literarische Quartier der Alten Schmiede, Wien, tätig und richtet dort Textvorstellungen und die internationalen Lyrikfestivals „Poliversale“ (erstmals 2014 gem. mit Kurt Neumann) und „Dichterloh“ (2015) aus. 2009 erhielt er den Reinhard-Priessnitz-Preis. 2014/15 erhielt er das Projektstipendium des bmukk. Michael Hammerschmid publiziert in Literaturzeitschriften und Anthologien und veröffentlichte als Autor, Übersetzer und Herausgeber u.a.:
Skeptische Poetik in der Aufklärung. Formen des Widerstreits bei Johann Karl Wezel. Würzburg: Königshausen & Neumann 2002. Ghérasim Luca: Lapsus linguae / Das Körperecho. Gedichte. Französisch und Deutsch. gem. mit Theresia Prammer / Mirko Bonné. Wien u. Basel, Weil am Rhein: Urs Engeler Editor 2004. „von einen sprachen“. Poetologische Untersuchungen zum Werk Ernst Jandls. (gem. mit Helmut Neundlinger) Innsbruck, Wien: Studien-Verlag 2009. Hg.: Räuberische Poetik. Spuren zu Robert Walser. Wien: Klever 2009. Hg.: (ohne titel). Zu einer Archäologie des Unveröffentlichten. Dossier. Wespennest. Zeitschrift für brauchbare Texte und Bilder. Heft-Nr. 158, Wien, Mai 2010. die drachen die lachen. Kindergedichte. Wien: edition krill 2013. Hg.: Poliversale. Das Wiener Lyrik-Fest der Alten Schmiede. Der Hammer. Die Zeitung der Alten Schmiede, Nr. 69, Mai 2014. Nester. Gedichte. Wien: Klever-Verlag 2014. „Draußen die Stadt“ (gem. mit Barbara Schwarcz) in aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Wespennest“,

Ann Cotten, geboren 1982 in Iowa, wuchs in Wien auf. Seit 2006 lebt sie in Berlin und Wien. Für ihr Debüt Fremdwörterbuchsonette (2007) erhielt sie den Reinhard-Priessnitz-Preis sowie den Clemens-Brentano-Förderpreis für Literatur der Stadt Heidelberg, für ihren Erzählband Florida-Räume (2010) den Förderpreis des Hermann-Hesse-Literaturpreises. 2014 wurde sie mit dem Wilhelm-Lehmann-Preis und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis für ihr bisheriges Gesamtwerk, insbesondere für den Erzählband Der schaudernde Fächer (2013), ausgezeichnet. 2008 erschien ihre Studie „Nach der Welt. Die Listen der konkreten Poesie und ihre Folgen“, in dem sie sich u.a. mit dem Werk Heimrad Bäckers auseinandersetzt.

Jung und frech

Wer in die Hölle kommt und wer in den Himmel, das entscheidet ER – Dante nämlich, vor 750 Jahren geboren und Leitstern von Friedrich Christian Delius, der dem großen italienischen Dichter in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG ausführlich huldigen darf. Das macht der Schriftsteller und Büchner-Preisträger Delius so begeistert und mitreißend, dass man die ungelesene, angelesene, achtel- oder halbgelesene Göttliche Komödie sofort aus dem Bücherregal ziehen, den Staub wegpusten und loslegen möchte. Das muss ein Feuilleton erstmal hinkriegen!

Dabei bekennt Delius beruhigenderweise, dass auch er sich an den Übervater der italienischen Literatur erst so nach und nach herangerobbt hat, bis er begriff:

„Hier schreibt der frechste Dichter aller Zeiten“. 

Ob Himmel, Hölle oder Vorhölle – Dante sortiert selbst, wen er schmoren lässt und arbeitet dem Jüngsten Gericht schon mal vor. Allein sechs Päpste hat der Dichter um 1300 erlebt – „fünf verurteilt er zur Hölle, einen zur Vorhölle.“

Nicht auszudenken, welche Eiferer heute jemand auf den Plan riefe, wenn er’s dem vor 750 Jahren geborenen Dante irgendwie nachtäte. Friedrich Christian Delius macht in der FAZ jedenfalls neue Lust auf ein uraltes Buch und einen ewig jungen Dichter. / Ulrike Timm, DLR

How Great Poems Transform the World

Some people feel intimidated by poetry and they look away when what they should look for is poet Jane Hirshfield’s “Ten Windows: How Great Poems Transform the World” (Knopf). In 10 essays, Hirshfield discusses the meanings of dozens of poems — by Matsuo Basho and Emily Dickinson, among others — and explains different kinds of poetic magic. / Jan Gardner, Boston Globe

Lyrik am Vormittag

(später nachlesbar!)

Die Lyrik fristet ein Schattendasein. Das „Notizbuch“ stellt in einer Serie moderne Gedichte vor, die Justina Schreiber szenisch ausdeutet. Sie zeigt: Poesie ist aktuell, sie bringt eine besondere Saite in uns zum Klingen. Lyrik am Vormittag – eine Kooperation mit der Stiftung Lyrikkabinett in München-Schwabing. / bayern2

aktuell u.a. Katharina Schultens, Brigitte Oleschinski, Ulrike Draesner, Thomas Kling, Marcel Beyer, Sabina Lorenz, Johannes Kühn, Sabine Scho, Àxel Sanjosé u.v.a.

Burlesken des Körpers

Die poetischen Körper-Erkundungen von Carolin Callies verbieten sich jede Harmonisierung der versehrten Körperlichkeit. Aber selbst die krudesten Beschreibungen somatischen Unheils trägt die Autorin in einem burlesken Ton und in schwarzhumorigem Sarkasmus vor, so dass die Bilder beschädigter Leiblichkeit nicht als finsteres Endspiel, sondern als groteske Komödie daherkommen. Gedichte wie «vom logieren innerhalb eines fleischfarbenen lappens» oder «dir & dem feuchten» oszillieren zwischen harter Desillusionierungs-Poesie und frivoler Leichtigkeit und leisten sich die kalauernde Verabschiedung erotischer Illusionen: «die feuchten zwischen zähnen & kronen / & du fragst: war das noch geschlechtsorgan / oder doch schon trockenobst?» Mit ihren Burlesken des Körpers hat Carolin Callies einen neuen frechen Ton für die Sensationen unserer Sinne gefunden, lästerliche Lieder «zwischen haut & welt». / Michael Braun, Neue Zürcher Zeitung

Carolin Callies: fünf sinne & nur ein besteckkasten. Gedichte. Schöffling-Verlag, Frankfurt am Main 2015. 112 S., Fr. 28.90.

Pfingsten ist ein Werk

Tagung der Oskar-Pastior-Stiftung, organisiert in Zusammenarbeit mit der Oskar-Pastior-Stiftung und dem Verein zur Förderung des Kunst- und Kulturraumes Hombroich

Raketenstation Hombroich
Freitag, 22. Mai und Samstag, 23. Mai 2015

Öffentliche Lesung aller an den Gesprächen Beteiligter
Veranstaltungshalle, Raketenstation Hombroich 32
Samstag, 23. Mai 2015, 19 Uhr
Bitte melden Sie sich zur Lesung via mail oder telefonisch über 02182/ 887-4000 an.

Der Lyriker Oskar Pastior (1927-2006), bis zu seinem Tod vertrauter Gast in Hombroich, verfügte testamentarisch die Gründung der Oskar-Pastior-Stiftung zur Förderung experimenteller Literatur. Zu seinem Gedenken treffen sich Urs Allemann (Goslar), Gabriel Horatiu Decuble (Bukarest), Oswald Egger (Hombroich), Elke Erb (Berlin), Jean-René Lassalle (Bad Krozingen) sowie Herta Müller, Monika Rinck, Ulf Stolterfoht, Sissi Tax und Ernest Wichner (alle Berlin) auf der Raketenstation Hombroich. Sie nutzen die Tage mit Referaten und Statements zum Austausch über Oskar Pastior als übersetzendem und als übersetztem Dichter, ebenso zum Gespräch über das eigene poetische Tun.

Oskar Pastior wurde 1927 in Hermannstadt (Siebenbürgen) geboren. Von 1945 bis 1949 war er im sowjetischen Arbeitslager im Donbas. Nach seiner Rückkehr schlug er sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, begann ein Studium der Germanistik und arbeitete beim Rundfunk in Bukarest. 1964 erschien der erste Gedichtband «Offene Worte». 1968 floh er in den Westen. Seit 1969 lebte Pastior als freier Schriftsteller und Übersetzer in Berlin. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Peter Huchel-Preis und den Erich Fried-Preis. Oskar Pastior war Mitglied der Werkstatt für Potentielle Literatur OULIPO in Paris, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt sowie der Akademie der Künste in Berlin. Oskar Pastior starb am 4. Oktober 2006 in Frankfurt/Main während der Buchmesse. Die Verleihung des ihm zugesprochenen Georg Büchner-Preises erfolgte posthum.

Nach seinem Tod wurde am 28. April 2008 die Oskar-Pastior-Stiftung in Berlin gegründet. Oskar Pastior hatte dies testamentarisch verfügt und die Stiftungsratsmitglieder Marianne Frisch, Herta Müller, Klaus Ramm (Vorsitzender), Dierk Rodewald, Ulf Stolterfoht, Christina Weiss und Ernest Wichner (Stellv. Vorsitzender) benannt. Die Stiftung hat das Ziel, die literarische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit experimenteller Literatur sowie mit dem Werk von Oskar Pastior zu fördern.
Die Stiftung vergibt zudem den Oskar Pastior-Preis, mit dem Autoren ausgezeichnet werden, deren Werk in der Tradition der Wiener Gruppe, des Bielefelder Colloquiums Neue Poesie und von OULIPO (der Werkstatt für potentielle Literatur) steht. 2014 erhielt Marcel Beyer den mit 40.000 Euro dotierten Preis, der alle zwei Jahre verliehen wird. Der Hombroicher Lyriker Oswald Egger war 2010 der erste Preisträger der Oskar-Pastior-Stiftung.

Die Tagung organisiert die Stiftung Insel Hombroich in Zusammenarbeit mit der Oskar-Pastior-Stiftung und dem Verein zur Förderung des Kunst- und Kulturraumes Hombroich.

/ Stiftung Insel Hombroich

 

Im Wortbergwerk

Alltagssprachliches sorgt in Stolterfohts Lyrik für den besonderen Sound. Gedichte sind schließlich nicht aus Gefühlen, sondern aus Worten gemacht, und diese finden sich in Büchern, in TV-Sendungen, auf der Straße und auf Waldbühnen. Seine Arbeitsweise – Montage, Kompilation und Persiflage – hat Stolterfoht in „Neu Jerusalem“ weiter verfeinert. „so wahr ich hier schreibe“, schwört das Ich. Und schon weiß der Leser: Alles ist erfunden und doch aufs Köstlichste wahr. Hat man die Idee von der Aussage eines Gedichtes und von der Lesbarkeit der Welt erst hinter sich gelassen, beginnt ein Hören, in das man einfach eintauchen kann.

Bereits seit vielen Jahren betreibt Ulf Stolterfoht neben seiner Poesie intensiv den öffentlichen Dichter-Austausch: Er bringt zusammen, was sich zuhören und inspirieren könnte. Zur „sittlich-moralischen Unterstützung von Dichtern und deren Arbeit im Wortbergwerk“ schuf er gemeinsam mit anderen Ende der 1990er Jahre die „Lyrikknappschaft Schöneberg“, die allein durch ihr sprachliches Vorhandensein so manchem Poeten Schutz und Schirm gewährt. 2003 veröffentlichte er den Band „Elf Widerstandsnester“, darin u.a. Wort- und Bild-Beiträge von Paulus Böhmer, Oswalt Egger, Bert Papenfuss und Hans Thill. 2008 edierte er mit Christoph Buchwald das Jahrbuch der Lyrik. Und 2010 rief er TIMBER ins Leben, ein „Forum für kollektive Poetologie“ samt zweitägigem Poetentreffen im Berliner Literaturhaus.

In diesem Frühjahr nun hat Stolterfoht den Verlag Brüterich Press gegründet, um versprengt arbeitenden Kollegen auch in diesen verlegerisch schwierigen Zeiten eine Heimat zu bieten, wie es ehedem der Verlag Urs Engeler für ihn gewesen ist. „Es gilt, denen eine Chance zu geben, die sonst keine haben auf dem Markt“, sagt er. Denn: „Wir brauchen uns.“

Gedruckt wird alles, womit er sich gerne verbinden möchte. Und: Gedruckt wird, solange das Geld reicht. / Marie Luise Knott, Tagesspiegel