Ingolds Einzeiler

Was ist’s, das den Hahnenfuss in perfekter Neigung stehn lässt, derweil aus blitzenden Nähten – jetzt – der Regen platzt?

Jeden Donnerstag punkt 11 Uhr veröffentlicht L&Poe ein ungedrucktes Monostichon des Schweizer Dichters Felix Philipp Ingold. Mehr

Treffen der Nationaldichter

Zum „Treffen der Nationaldichter“ kommt es am Donnerstag, 21. Mai, in Frankfurt/Main: Charles Ducal aus Flandern und Anne Vegter aus den Niederlanden wurden in ihrem jeweiligen Heimatland zum „Dichter des Vaterlands“ gekürt. Diesen Titel gibt es in den Niederlanden seit dem Jahre 2000, in Belgien seit 2014. Die Geehrten haben die Aufgabe, zu wichtigen Ereignissen im Land Gedichte zu schreiben. Ducal und Vegter werden aus ihren „nationalen“ Gedichten auf Niederländisch und auf Deutsch vorlesen. Sie werden über ihr Amt und dessen Ausfüllung sowie über die Entstehungsgeschichte der nationalen Gedichte erzählen. Der Abend wird ebenfalls zweisprachig sein. Im Anschluss bietet die Generaldirektion der Regierung Flanderns in Berlin einen Empfang an.

Auch der Auftaktabend zum dreitägigen 8. Europäischen Poesiefestival Frankfurt am darauffolgenden Tag präsentiert zwei niederländischsprachige Poeten: Willem van Toorn (Niederlande) und Miriam Van hee (Belgien) werden ebenso wie Franco Buffoni (Italien) und Barbara Zeizinger (Deutschland) aus ihren Werken vortragen. Anschließend findet eine Diskussion statt zum Thema: „Europa heute. Wie die Dichter es empfinden“. / Goethe-Universität

  • Treffen der Nationaldichter: Lesung mit Charles Ducal und Anne Vegter, Donnerstag, 21. Mai 2015, 19 Uhr, Raum 1.801, Casinogebäude, Campus Westend
  • Auftakt zum 8. Europäischen Poesiefestival: Lesung mit Willem van Toorn und Miram Van hee, Freitag, 22. Mai 2015, 19 Uhr, Raum 1.802, Casinogebäude, Campus Westend

Gegenwart in der Lehre

„Im Zentrum stehen Gedichte von Konstantin Ames, Kenah Cusanit, Daniela Danz und Lutz Seiler, die in ihrem Form- und Sprachbewusstsein exemplarisch für die Lyrik der letzten zehn Jahre sind. Durch die Interpretation soll der Umgang mit Texten geübt werden. Dabei findet man sich in einer Lage, die gegenüber zeitgenössischer Literatur typisch ist: Es liegt meist wenig oder keine Sekundärliteratur vor. Das Seminar möchte daraus einen Gewinn ziehen. Der fehlende externe wissenschaftliche Diskurs soll durch dezidierte methodische Positionen kompensiert werden, die wir zu Beginn des Seminars erarbeiten und die sich in der Praxis der Seminardiskussion immer wieder neu bewähren müssen. Neben der konkreten Textarbeit werden die Institutionen und Mechanismen der Lyrik-Szene hinterfragt, die Bedeutung von Zeitschriften, Verlagen, Netzwerken, Lesungen und Preisen diskutiert.

Wie die Astrologen

Immer wieder findet sich die Anrufung an die Sonne, den Tag-Stern, und das Licht als Lebenselixier. Das Licht einer südlichen Landschaft, gleißend vor Helle und ägäischer Transparenz. Dabei reichen die Referenzflächen und Traditionslinien, die Jan Röhnert berührt, von der Moderne zu den französischen Dichtern des neunzehnten Jahrhunderts bis hinein in die Klassik. So lässt er gleich im ersten Gedicht „Landschaft“ den Leser wissen: „Ich will, um mit meinen Liedern abzuheben,/unter freiem Himmel wie die Astrologen leben,/und den Bildern, angespornt von Wind,/folgen an den Tagen, die aus Sonne sind.“ *) War wirkliche Dichtung jemals frei von wahrhaftigem Pathos? Röhnert scheut sich nicht etwas aufzurufen, das in uns verborgen liegt: die Tage der Kindheit und die Sehnsucht nach einer anderen Welt, vielleicht sogar nach einem Fantasie-Reich. Um an die weniger belichteten Stellen der eigenen Geschichte zu treten und zu reflektieren, dass die Erinnerung ein „unscharfes Sommerbild“ ist. Dem Akt des Erinnerns wird das Positive zugeschrieben: Was immer wir im Spiegel erkennen, der Blick ist unvermeidlich – und was immer wir sehen, es zeigt unser wirkliches Bild. / Tom Schulz, Signaturen

*) also bis hinein in die klassische Moderne

Preis für uruguayische Dichterin

Die uruguayische Dichterin Ida Vitale (91) bekommt den mit €42.100 dotierten Reina-Sofía-Preis für Iberoamerikanische Lyrik. Mit dem Preis ist auch die Herausgabe eines Sammelbandes verbunden sowie die Veranstaltung einer Tagung über die Autorin. Ziel des Königin-Sofia-Preises ist die Würdigung des Gesamtwerks eines lebenden Autors, das in seinem literarischen Wert einen relevanten Beitrag zum gemeinsamen kulturellen Erbe Iberoamerikas und Spaniens bildet. / El país

New Zealand Poetry Prize

Wellington poet Diana Bridge was announced as the winner of the Sarah Broom Poetry Prize at the Auckland Writers Festival on Sunday 17 May.

Bridge has published five collections of poems, the latest of which, aloe & other poems, came out in 2009. She was awarded the Lauris Edmond Memorial Award in 2010, for her distinguished contribution to New Zealand poetry, and her essay, „An attachment to China“ won the 2014 Landfall essay competition. / More

Museumsschreiberin

Michael Braun: Sie haben mir en passant er­zählt, dass Sie auch als „Museums­schreibe­r­in“ über die Kunst­halle Biele­feld tätig waren, im Rahmen eines Projekts des Literatur­büros Ost­west­falen. Und hier ist auch eine eigene kleine Publi­kation von Ihnen ent­standen, über „Das Leben des Lichts“. Und die Gedichte dieser kleinen Publik­ation finden wir alle auch in dem „Helenas Traum“-Kapitel in „Skizze vom Gras“. Wie ist es denn zu Ihrer „Beru­fung“ als „Mu­seums­schreibe­rin“ gekommen?

Silke Scheuermann: Das war eine Anfrage, die ich sehr dankbar aufgenommen habe. Man wusste von meinem Interesse an bildender Kunst. Als Museums­schrei­be­rin hatte ich mich mit der Kunsthalle Biele­feld zu beschäftigen, schaute mir die Kunst­halle und ihre Exponate an, machte mir Notizen. Dann schaute ich mir die Kunstwerke ein zweites Mal an und dann habe ich mir Kunstwerke aus­gesucht, über die ich Gedichte geschrieben habe. Andere Museums­schreiber haben Geschichten geschrieben oder einen Essay. Ich hatte gar nicht vorge­habt, ein Gemälde­kapitel oder ein Kunst-Kapitel in „Skizze vom Gras“ aufzunehmen, zum Kapitel „Zweite Schöpfung“ passte es dann aber sehr gut. Als die Schöp­fung der Menschen, als Parallel-Aktion zur Natur­schöpfung, als das Geniale, was der Mensch hinbekommt.

Aus: Ein Gespräch mit Silke Scheuermann über Poesie und bildende Kunst mit Michael Braun, Poetenladen

Skizze vom Gras. (Schöffling & Co, Frankfurt am Main, 104 Seiten, 18,95 Euro)

Nachruf

In Memoriam Marcus Brühl – Nachruf von Waldtraut Lewin

Ein Versuch, mit Fassungslosigkeit umzugehen

Warum?
Das alte Monster Tod schlägt zu, unersättlich, blind und ohne Gnade. Das wissen wir ja. Aber warum er, der, wie es aussah, gerade dabei war, wieder einen Weg zu finden zu sich selbst, zu seinen Poesien – warum einen Jungen, wo andere vielleicht verzweifelt um Erlösung vom Erdendasein flehen?
Wir kannten einander seit zwanzig Jahren. Beim Treffen Junger Autoren, wo ich in der Jury saß, kam er Rad schlagend in den Raum, tänzerisch, überströmend vor Lebensfreude, und schockierte den angereisten Bonner Beamten, indem er im Fummel, auf Pumps und die Federboa um den Hals, seinen Preis entgegennahm.
Eine Zeitlang lebten wir sogar unter einem Dach, in freundlicher Symbiose.
Er war verspielt, unordentlich, soff Kaffee wie ein Muselmann, quarzte, was das Zeug hielt, war dem Alkohol ganz und gar nicht abgeneigt.
Wo es aber niemals liederlich zuging, das war, wenn es sich um seine Poesien handelte.
Von Anfang an war da die Pranke des Löwen zu spüren.
Diese filigranen Gebilde, meist nur ein paar Zeilen, waren bei aller Zartheit von solcher Stringenz, so genau erdacht und erfühlt, dass es nichts daran zu rütteln gab. Sie waren hauchdünne Spinnweben – und dabei unzerstörbar wie Stahl.
Er schrieb ein Buch, das in der Szene gleich zum Beststeller wurde, er versah seinen unterm Pseudonym Penelope geschriebenen „Tuntenleitfaden“ mit all dem skurrilen Humor, der ihm zur Verfügung stand.
Was noch? Er war freundlich, ein Freund. Liebenswert.
Er sollte uns nicht verlassen müssen.
Vor ein paar Tagen schenkte ich ihm mein jüngstes Buch. Es ist – zunächst – eine Auseinandersetzung mit dem Tod. Er kam nicht mehr dazu, es zu lesen.
Darin heißt es, im direkten Gespräch mit der Naturgewalt: „Niemand kann DICH besiegen. Aber DIR Paroli bieten, indem man gegen das Vergessen angeht.
Erinnern ist Leben.
Dem Unsinn des Vergehens setze ich meinen Trotz entgegen.“
Marcus, wir hätten dich noch gebraucht.

Gegen das Neobiedermeier ein Neobarock

So heißt ein Essay von Jan Kuhlbrodt, Auszug:

Es ist keinesfalls so, dass ein Begriff wie Neobiedermeier für die gesamte gegenwärtige lyrische Produktion Geltung beanspruchen kann. Ohnehin gibt es keinen Begriff, der das könnte. Er fasst lediglich eine Strömung innerhalb des Gesamtfeldes zusammen, nicht das gesamte Feld.
Dennoch gibt es eine Tendenz in der Wahrnehmung von Lyrik und deren Bepreisung, die eine solche Kategorisierung zulassen könnte, und er zieht eine Parallele zu außerlyrischen gesellschaftlichen Bewegungen. Aber auch diese repräsentieren nicht das gesamte Feld.

Mir geht es also um das Einhäkeln von Bäumen und Fahrbahnbegrenzungen, das in den letzten Jahren in Mode gekommen ist. Die Ästhetik der Berliner Republik also, die sich mehr und mehr in vermeintlichen oder wirklichen Belanglosigkeiten gefällt. Klar sind die Stricknadelartisten eine Minderheit, werden aber in der medialen Wahrnehmung zu einer bestimmenden Strömung. An dieser Stelle muss man fragen, wie sich der Zugang zur öffentlichen Darstellung und Wahrnehmung gestaltet, wie also und was ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gelangt. Denn das scheint mir auch die weitere Entwicklung zu beeinflussen. Die Künstlerinnen und Künstler entsprechen nämlich nicht dem romantischen Bild der genialischen Einzeltäter, sondern eher dem, was in der Soziologie Mitglied einer sozialen Gruppe genannt wird. Die Angleichung in Kleidungsstil und Habitus, die Unterwerfung unter herrschende Moden bestimmen doch in zunehmenden Maße das Bild und führt meiner Meinung nach auch zu einer Angleichung der Produkte.

Mehr bei Signaturen

Eilbrief an Europa

poesiefestival berlin: Eilbrief an Europa

Africa calling: das Verhältnis von Afrika und Europa steht derzeit mehr im Fokus des öffentlichen Interesses denn je. Die aktuelle Situation ist dramatisch und die Herausforderungen für die Zukunft sind groß.
Das 16. poesiefestival berlin präsentiert afrikanische KünstlerInnen, die mit neuem Selbstverständnis Perspektiven auf einen Kontinent und eine Welt eröffnen, die fremd und unnahbar erscheint und medial oft undifferenziert dargestellt wird.
Kwame Dawes, Natalia Molebatsi, Chenjerai Hove, Warsan Shire und L-Ness lesen, performen und rappen am 20.6. in die Akademie der Künste am Hanseatenweg von Bürgerkrieg, Gewalt und Exil, von Frauenrechten, von Heimat, von Liebe. Europa haben sie einen „Eilbrief“ mitgebracht: das von den Künstlern gemeinsam verfasste Kettengedicht stellt Fragen, formuliert Wünsche und Kritik und spricht über das schwierige und komplexe Verhältnis der beiden Kontinente und auferlegte einseitige Vorurteile, die zu negativer
und schmerzhafter Tradition wurden. Es ist Zeit, das Europa sein
Bild korrigiert und sein Verhältnis zu Afrika neu definiert.

Kwame Dawes Gedichte sind voller Musikalität, Rhythmus und
Stärke, seine Performance ist ein bewegendes Erlebnis, das mitreißt und nachklingt. Natalia Molebatsi kombiniert ihre Gedichte, bei denen die Rechte der Frauen, aber auch Themen wie Liebe, Angst und Treue im Mittelpunkt stehen, mit Jazzklängen. Chenjerai Hove, der unter Präsident Mugabe seine Heimat Simbabwe verlassen und ins Exil gehen musste, setzt sich poetisch mit Exil, Heimat, Bürgerkrieg und Gewalt auseinander. Wie Molebatsi rückt auch die kenianische Hip Hop-Größe L-ness die Frau in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit und rappt über Diskriminierung, Unterdrückung und Missbrauch. Warsan Shires Gedichte sprechen mit einer feinen Stimme über Bürgerkrieg, Exil und Weiblichkeit und erzeugen eine irritierende Unruhe.
Der Abend wird musikalisch begleitet vom Trompeter El Congo Allen, der bereits mit Stars wie Lauryn Hill oder Aloe Blacc aufgetreten ist. Die Hip Hop-Größen L-ness, Diamondog und Amewu wollen beim anschließenden Konzert das Studiofoyer der Akademie der Künste zum Kochen bringen.

Samstag 20.6. 17:00 Uhr
Poesiegespräch: Kwame Dawes – The edge of lake Utopia
Akademie der Künste, Hanseatenweg, Clubraum
Eintritt € 6/4
Kwame Dawes (Autor und Herausgeber, Ghana / Jamaika) im Gespräch mit Dr. Susanne Stemmler (Kulturmanagerin, Berlin) und Dr. Volker Riehl (Referent, MISEREOR e. V.)
Mit freundlicher Unterstützung durch: Auswärtiges Amt, MISEREOR, Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, ECHOO Konferenzdolmetschen

Samstag 20.6. 20:00 Uhr
Eilbrief an Europa
Akademie der Künste, Hanseatenweg, Kleines Parkett
Eintritt € 10/7
Mit Kwame Dawes (Ghana/Jamaika/USA), Chenjerai Hove (Simbabwe), L-ness (Kenia), Natalia Molebatsi (Südafrika), Warsan Shire (Somalia/UK)
Jazz-Trompete: El Congo Allen (Cuba / Deutschland)
Moderation: Uljana Wolf (Dichterin, Deutschland)
Konzert im Anschluss: L-ness (Kenia), Diamondog (Angola / Deutschland), Amewu (Deutschland)

Mit freundlicher Unterstützung durch: Auswärtiges Amt, MISEREOR, Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, The Mandala Hotel

Das 16. poesiefestival berlin findet statt vom 19. – 27.6.2015 in der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin.
Weitere Informationen unter www.poesiefestival.org

Das poesiefestival berlin ist ein Projekt der Literaturwerkstatt Berlin in Kooperation mit der Akademie der Künste und wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

Eine Spur Straßendreck

Unmissverständlich bringt Thomas Kling in seinem Essay „Die gebrannte Performance“ zum Ausdruck, wogegen er ansprach: „Wir wollen hier nicht das knarrend-geschmeidige Burgtheaterdeutsch zurück; die geschriebene wie die gesprochene Sprache müssen beide auch eine Spur Straßendreck unter den Nägeln haben.“

Thomas Kling liest:

„bläue

anläufe; anläufe, es ans laufn
zu kriegn; diese blindanläufe für
leitmotive, für handzeichn. reanimations-
versuche am themen-, am textkadaver wobei
dizungnspitze sichtbar wird: di helfer-
zungn zungnhelfer beim hantieren; dies
handfläche auf handrückkn pumpm pumpm bis
di rippm knakkn. helfershelferzungn. was
di leistn beim überm herzaas hantieren.
ein schaun, ein schaum in di runde; ein
zukkn mittn schultern, mit den zungn in
stillem, ständig wiederkehrendem licht.“

/ Michael Opitz, DLR hier zum Anhören

Thomas Kling: Die gebrannte Performance – Lesungen und Gespräche
Hrsg. v. Ulrike Janssen und Norbert Wehr
Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2015
4 CDs, 260 Minuten, 24,90 Euro

MEHR ZUM THEMA:

Thomas-Kling-Hörbuch – Das richtige Wort am richtigen Platz
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 01.04.2015)

Erinnerung an Thomas Kling
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 08.08.2011)

Zum ersten Todestag von Thomas Kling
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 03.04.2006)

Zum Tode des Dichters Thomas Kling
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 04.04.2005)

Alte Schrift

Eine 2000 Jahre alte Kopie der 10 Gebote – die älteste bekannte vollständige Version– wird in Israel zum ersten Mal ausgestellt. Die Schriftrolle wird auf die Jahre zwischen 30 vor und 1 nach unserer Zeitrechnung datiert. Sie wurde in der Mitte des 20. Jahrhunderts zusammen mit den anderen Dead Sea Scrolls in Khirbet Qumran. Die Schriftrolle wird etwa 4 Wochen gezeigt und danach durch ein Faksimile ersetzt. Die Ausstellung „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ im  Israel Museum in Jerusalem geht bis 2. Januar. / ArtsBeat

Alice Notley Wins $100,000 Poetry Prize

Alice Notley, a poet who has worked in a wide variety of forms and styles in more than 25 books, has been awarded the lucrative and prestigious Ruth Lilly Poetry Prize. The prize, presented annually by the Poetry Foundation to to a living American poet for lifetime accomplishment, comes with $100,000.

Ms. Notley, who was associated with the New York poetry scene in the 1960s and ’70s, has lived in Paris since 1992. / John Williams, ArtsBeat Blogs

The poet of anti-pathos

In The Making of the Reader, David Trotter proposes a useful distinction between “pathos” and what he terms “anti-pathos”. In any poem the voice of the self and the voice of the text are subtly different. For a Romantic poet their clash results in pathos: the pathos of origins, sincerity and feeling. In modernist poetry, what we frequently get instead is “anti-pathos”, which rejects appeals to origins and insists on dissonance, not harmony, as the defining condition of art.

JH Prynne is the ultimate poet of anti-pathos. Everything about him spells distance and difficulty. He does not give poetry readings; he does not appear in anthologies and is never nominated for prizes; his books have Captain Beefheart-like titles such as Her Weasels Wild Returning and Streak~~~Willing~~~Entourage~~~Artesian; he attracts acolytes and execrators, rather than run-of-the-mill readers, and, most important, no one knows what any of it means. Such are the familiar assumptions where this poet is concerned. Passions run deep: when The Oxford English Literary History had the temerity to suggest that Prynne was more deserving of notice than Larkin, the brouhaha ended up on the Today programme. (…)

If comparisons across artforms are any help, Prynne is to modern poetry roughly what Karlheinz Stockhausen is to modern music. Both are products of the 60s avant garde: both have messianic ambitions (some would say delusions), and give the impression of wandering into our zone of consciousness from some unearthly space, like a passing UFO. There is something impersonal, inhuman even, about Prynne, but the challenge for the reader is to move beyond the obligatory prefixing of the poet’s name with the word “rebarbative” and find a space for pleasure. / David Wheatley, Guardian 8.5.

acolytes: Komplizen, Gesinnungsgenossen
execrators: Hasser
temerity: Frechheit, Verwegenheit
brouhaha: Stimmengewirr, wilder Lärm
Today programme: BBC-Nachrichtensendung

Poetopie

nicht dein Selbstbewusstsein – deine Schwäche lenkt unsere Zuneigung auf dich

Hansjürgen Bulkowski