Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Burnside ist weniger Naturlyriker als vielmehr Romantiker. Sein Werk ist der Weg, dessen Richtung Novalis beschrieben hat: „Wo gehn wir denn hin? Immer nach Hause.“ Das Berührende an Burnsides Gedichten ist, dass sie durch alles Rohe, Kalte und Düstere der Natur manchmal einen Abglanz… Continue Reading „John Burnside“
Horst Samson DAS WORT AM ENDE DES JAHRHUNDERTS Wir sind frei, zu jagen oder Gejagt zu werden. Jemand ergreift Das Wort. Immer gibt es jemanden, der Das Wort ergreift, Am Anfang des Jahrhunderts oder Am Ende des Jahrhunderts oder irgendwann Dazwischen. Jemand muß es… Continue Reading „Jemand ergreift das Wort“
Die russische Dichterin Anzhelina Polonskaya, die seit September 2015 in Frankfurt am Main als Gastautorin im Rahmen des Programms Frankfurt – Stadt der Zuflucht lebt, wird Anfang September im norwegischen Frederikstad den Literaturpreis Ord i Grenseland – Words on Borders Freedom Prize – erhalten.… Continue Reading „Norwegische Auszeichnung für Anzhelina Pololonskaya“
Samuel Gerlach war kein großer Dichter, nach den wenigen Widmungsgedichten zu urteilen, die ich kenne. Seine Widmung für Königin Christina von Schweden, die neben vielen Landstrichen auch Pommern regierte, heißt Untertähnigste Zuschrifft Der Durchlauchtigsten / Großmäch= tigsten und Sieghaftesten Fürstin und Fräulein / Fr.… Continue Reading „Satzzeichen-Suada“
Die Verlage Piper und Suhrkamp bringen gemeinsam eine 30-bändige Gesamtausgabe der Werke und Briefe Ingeborg Bachmanns heraus. Neben der Lyrik und Prosa sowie den Essays der österreichischen Dichterin (1926 – 1973) soll auch den bisher unveröffentlichten Korrespondenzen mit u. a. Uwe Johnson und Heinrich… Continue Reading „Bachmann-Gesamtausgabe“
Für jemanden, der selbst bei der Choreographie des eigenen Todes um den kleinstmöglichen Interpretationsspielraum bemüht war, hat man Brecht im Laufe der Jahre einer schwindelerregenden Anzahl scheinbar inkompatibler Deutungen und Vereinnahmungen unterzogen, und das innerhalb wie außerhalb Deutschlands: „zu politisch“, „nicht politisch genug“, „apolitisch“;… Continue Reading „Wahrer Klassiker“
Selten kommen lyrische Debüts so fertig und lakonisch daher wie dieses, mit dem sicheren Gespür dafür, dass das Schöne oft nur ein Konkurrenzprodukt zur Wahrheit ist. Trost gibt es keinen, nicht einmal von den Vögeln: „sie geben/ kunde von den gängen sagen sie sind/… Continue Reading „Trost gibt es keinen“
In der Neuen Zürcher Zeitung schreibt Felix Philipp Ingold über die von Dagmara Kraus herausgegebenen Auswahlbände des polnischen Lyrikers Miron Białoszewski: Die reiche Instrumentierung seiner lyrischen und erzählerischen Rhetorik wie auch die permanenten Anspielungen auf zutiefst persönliche, meist problematische Befindlichkeiten oder auf schwerlich eruierbare… Continue Reading „«Unübersetzbar? Nichts!»“
Im Alter von 88 Jahren ist in Luzern der Lyriker Hans Leopold Davi gestorben. Davi sprach Spanisch und Deutsch und hat fast alle Bücher zweisprachig herausgegeben. Nachruf von Charles Linsmayer, Neue Zürcher Zeitung
Die Herstellung, auch der Genuss von Lyrik können ein kontemplativer Akt ebenso sein wie eine Performance, intimes In-sich-Gehen ebenso wie öffentliches Ereignis. Zwei Lyriker, von Herkunft und Alter könnten sie kaum unterschiedlicher sein, zeigen in dem gemeinsamen Projekt eines „48-Stunden-Gedichts“ den Variantenreichtum lyrischer Produktion… Continue Reading „Kettendichtung geht weiter“
Tuğçe Tekhanlı (*1990, Nordzypern) Der Mastixbaum Dein Hals weil er schwer verletzt wurde, dreht sich auf diese Seite der Mastixbaum zeigt beständig seine Wunden ich gebe Cézanne Recht die Bäume sollten mit ihren Gerüchen abgebildet werden auf der Haut Übersetzung: Achim Wagner Sakız Ağacı… Continue Reading „Der Mastixbaum“
Am 5. September 1947 wurde [Hans] Weigel von der einundzwanzigjährigen Kärntner Studentin der Philosophie, Psychologie und Germanistik Ingeborg Bachmann interviewt. Sie verstanden sich auf Anhieb. Als er 1948 seine nach New York emigrierten Eltern besuchte, übernahm Bachmann für ihn notwendige Alltagstätigkeiten: Sie führte fällige… Continue Reading „Bachmann und Weigel“
Sollte zutreffen, dass das Wesen des Literarischen gerade darin besteht, emphatisch über keines zu verfügen, sich in hakenschlagenden Fluchtbewegungen (preschen: ein Anagramm von sprechen) von allem Essentiellen, die Sprache zur Sprache, d.h., siehe oben, zur berstenden Streuung, kommenlassend, frei- und auszuschreiben? Die frühromantische Kunstkritik… Continue Reading „Anderes Verstehen oder Anderes als Verstehen“
Ein Gedicht von 1821 „Fröhlich treibt die laute Menge immer mit dem Partyschwarm, alle huldigen und drängen auf die Bühne – ein Altar! Ich komm ohne ihresgleichen, ohne Drama, Lärm und Rausch mit dem Schicksal sehr gut aus: Songs und gute Freunde reichen.“ Wem… Continue Reading „Dmitrij Venevitinov“
Neueste Kommentare