Kettendichtung geht weiter

Die Herstellung, auch der Genuss von Lyrik können ein kontemplativer Akt ebenso sein wie eine Performance, intimes In-sich-Gehen ebenso wie öffentliches Ereignis. Zwei Lyriker, von Herkunft und Alter könnten sie kaum unterschiedlicher sein, zeigen in dem gemeinsamen Projekt eines „48-Stunden-Gedichts“ den Variantenreichtum lyrischer Produktion und Rezeption.

Der Schweizer Jürg Halter, geboren 1980 in Bern, machte sich als Mundart-Rapper und Sprechsänger „Kutti MC“ einen Namen. Er veröffentlichte neben seinen Büchern fünf Alben. Mehr als fünfzig Jahre vor Halters Debüt als Lyriker 2005 brachte der 1931 geborene Japaner Tanikawa Shuntarō seinen ersten Gedichtband heraus. Der Wegbereiter moderner, zukunftsorientierter Dichtung veröffentlichte bisher sechzig Lyrikbände, die in fünfzehn Sprachen übersetzt wurden.

2007 kam es bereits zu einer ersten Zusammenarbeit zwischen Halter und Shuntarō. 2012 veröffentlichten sie ihr Kettengedicht „Sprechendes Wasser“. War dieses noch mithilfe von E-Mails über Kontinente und einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg entstanden, so ist ihr jüngster lyrischer Dialog Resultat einer direkten Begegnung. / Carsten Hueck, DLR

Jürg Halter und Tanikawa Shuntarō: Das 48-Stunden-Gedicht. Ein Kettengedicht. Deutsch und Japanisch
Aus dem Deutschen von Niimoto Fuminari, aus dem Japanischen von Franz Hintereder-Emde
Wallstein Verlag, Göttingen 2016
46 Seiten mit je vier Zeichnungen von Yves Netzhammer und Tabaimo, 22,90 Euro 

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