Kategorie: Deutschland

Die Geige lügt

Paul Zech  (* 19. Februar 1881 in Briesen, Westpreußen; † 7. September 1946 in Buenos Aires)  Café Auch hier ist alles nur Betrug und Schein: Die Geige lügt, die Kellner gehn gemein. Das Wort noch, in Gesprächen ausgetauscht, macht uns nicht heiß. Wir sind belauscht.… Continue Reading „Die Geige lügt“

Der Dichter deichselt die Wahrheit

Ich bleibe noch einen Tag bei Handrij Zejler. Ein Gedicht des deutschen und sorbischen Dichters Kito Lorenc, der als Christoph Lorenz aufwuchs, bis er seine sorbische Herkunft entdeckte. Kito Lorenc war einer aus dem mächtigen Haufen der „sächsischen Dichterschule“. Hier huldigt er dem Vorfahren… Continue Reading „Der Dichter deichselt die Wahrheit“

Sorbische Dichtung

Handrij Zejler  (gesprochen wie Seiler, deutsche Namensform Andreas Seiler; * 1. Februar  1804  in Salzenforst bei Budissin / Bautzen; † 15. Oktober 1872, heute vor 150 Jahren in Lohsa, Oberlausitz) gilt als Vater der modernen sorbischen Dichtung. Gedankensplitter Gott, den Meister, will ich preisen, daß nicht alle Vögel Meisen! * Was bist? Was kannst?… Continue Reading „Sorbische Dichtung“

Und das Gedicht das Gedicht

Stefan Döring das gedicht das gedicht das notizbuch bleibe das notizbuch das telefon bleibe das telefon die zigarette die zigarette und das gedicht das gedicht das wetter sei nicht wetterbericht die strasse nicht strassenverkehr das leben sei nicht lebenslauf und der weg nicht strecke… Continue Reading „Und das Gedicht das Gedicht“

Sätze auf kauernden Stirnen oder Hinschauen statt Verstehen

Was heißt schon Verstehen? Mal vorausgesetzt, das Lesen geschieht freiwillig. Man kann entzückt verharren, achselzuckend weitergehn, wieder lesen, Indizien sammeln, sätze / Stelzen auf kauernden stirnen? Was haben wir da, eine Beziehungskiste, du so, ich so? du in der Sonne deines badezimmers du in… Continue Reading „Sätze auf kauernden Stirnen oder Hinschauen statt Verstehen“

Tayari. Through. Durch

Jumoke Adeyanju Tayari. Tuko tayari. Na wewe? Umejificha kwenye ndoto za kiume kimya unavaa kitenge cha askari aliyefariki Through. We are through. And you? You hide in the dream of masculinity silently wearing the cloth of a dead soldier Durch. Wir sind durch. Und… Continue Reading „Tayari. Through. Durch“

Hier ist nichts mehr zu zähmen

Horst Lange (* 6. Oktober 1904 in Liegnitz; † 6. Juli 1971 in München) Die Katzen Der Wind drängt die zerbrochnen Türen Ins leere Haus hinein, Der Wind will meine Schritte führen, Ich trete zögernd ein, Die kalten Wirbel schweifen Um Tisch und Stuhl und Spind Und rühren Band und Schleifen, Der… Continue Reading „Hier ist nichts mehr zu zähmen“

Doch ich lebe

Zum Feiertag und zur Erinnerung an Eva Maria Hagen ein Lied von Wolf Biermann Ich leb mein Leben, sagt Eva Marie 1 Als ich saß in meiner Mutter dunklem Bauch Sprang sie mit mir Treppen runter schluckte auch Rattengift, den Sud von Kippen presste… Continue Reading „Doch ich lebe“

Foxhole, Fuchsloch, Voßkuhle

Florian Voß Denkmal für den unbekannten Soldaten Foxhole, Fuchsloch, Voßkuhle so nennen sie es, wenn Soldaten im Boden liegen, eng und ungeschützt in Richtung Himmel, am Rand der Sphären Das Auge der Drohne scannt die Glieder die Köpfe, die Position der Waffen die ebenso… Continue Reading „Foxhole, Fuchsloch, Voßkuhle“

Weil wir es uns nicht vorstellen können

Marco Kerler Wir machen Witze darüber dass bald alles zu Ende sein könnte weil wir es uns nicht vorstellen können wir können uns keinen Krieg vorstellen keinen Rechtsruck keine Flüchtlingskrise nicht mal den Tod der Queen wir können uns kein Leben ohne Strom vorstellen… Continue Reading „Weil wir es uns nicht vorstellen können“

Wie Morgenröthe

Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) Hatem Locken! haltet mich gefangen In dem Kreise des Gesichts! Euch geliebten braunen Schlangen Zu erwiedern hab‘ ich Nichts. Nur dies Herz es ist von Dauer, Schwillt in jugendlichstem Flor; Unter Schnee und Nebelschauer Rast ein Aetna dir hervor. Du… Continue Reading „Wie Morgenröthe“

Das Publikum stellt die Diagnose

Axel Reitel Aufzeichnungen des Schauspielers R. Menschenkörper sind Krankenhäuser. Hamlet auf dem Weg zur Visite. Das Publikum stellt die Diagnose. Tun oder nicht tun, Wir kommen ohne Erwartungen nicht aus. Applaus, das Publikum stellt die Diagnose: Alle Vorhersagen bestätigen dein Leben Aus: Poesiealbum 369:… Continue Reading „Das Publikum stellt die Diagnose“

Überholt

Hans Bender  (* 1. Juli 1919 in Mühlhausen, Baden; † 28. Mai 2015 in Köln) Überholt Selbst vom hochgelobten Benn Nicht jede Metapher preisen. Hochgehaltene Schwerter zählen längst zum alten Eisen. Aus: Hans Bender, Hinter die dunkle Tür. Vierzeiler 2013-2015. Ludwigsburg: Pop, 2019, S. 77 Vergleiche Gottfried Benns Gedicht „Dennoch die Schwerter halten“:… Continue Reading „Überholt“

Notiz

Elisabeth Borchers (* 27. Februar 1926 in Homberg, Niederrhein; † 25. September 2013 in Frankfurt am Main) Rette uns, sage ich zur eben gelesenen Zeile (Schön ist die Menschenvernunft und unbesiegbar. Czesław Miłosz) bevor es zu spät ist Aus: Notizen. In: Elisabeth Borchers, Von der Grammatik des heutigen Tages. Gedichte. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1992,… Continue Reading „Notiz“

all die unerlösten biographien

Jayne-Ann Igel Was war zunächst war die fremde, aus der kehrte sie nach einem jahr heim, ohne begriff davon, was es bedeutete. Die familie oder das zuhause schien der ort, dem zu entsagen sie wenig mühe hatte. Wenn das nicht eine selbst erfundene legende… Continue Reading „all die unerlösten biographien“