Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Der Dichter aus Hausach im Kinzigtal, Sohn spanischer Eltern, passte sehr wohl in den Rahmen dieser »wundervollen Einrichtung«, wie Oliver die Kinderwerkstatt nannte. Er hat selbst in Peru ein Projekt für Straßenkinder auf die Beine gestellt. Er hat auch mit Freunden durchgesetzt, dass Kinder… Continue Reading „94. Andalusisches Schwarzwalddorf“
Schon in seinem ersten Gedichtband, 1994 in einer Auflage von 250 Exemplaren in einem Hamburger Kleinverlag erschienen, ist es zu verfolgen. Mirko Bonné hat eine ganz bestimmte Poetologie im Kopf, eine Möglichkeit, das Wirkliche und seine fiktive Ausgestaltung nicht als Gegensatz wahrzunehmen, sondern als… Continue Reading „91. Mirko Bonnés Essayband „Ausflug mit dem Zerberus““
Thomas Kunst schreibt mir: Ernst Herhaus, einer der für mich überragenden Prosadichter deutscher Sprache, mit 78 Jahren gestorben. Seine Romane „Kapitulation“, „Gebete in die Gottesferne“ und „Der zerbrochene Schlaf“ zählen für mich zu den bewegendsten, insistierendsten und sprachgewaltigsten Auseinandersetzungen mit dem Thema Alkohol in… Continue Reading „89. Ernst Herhaus ist gestorben“
Vor zweihundert Jahren gab es in Deutschland täglich mehrere „Literatur-Zeitungen“ zu lesen, die anspruchsvolle und ausführliche Besprechungen literarischer, philosophischer, politischer und naturwissenschaftlicher Neuerscheinungen brachten. Das erstaunliche Niveau damaliger Bildung resultierte nicht aus einer zufälligen Häufung außergewöhnlicher Talente; es wurde vielmehr von jenen wohlorganisierten Institutionen… Continue Reading „86. Geheime Akademie“
Die Arndtdebatte bietet uns allen die Chance, unser Arndtbild zu hinterfragen, zu überdenken und, wenn notwendig, zu korrigieren. Das schreibt Jost Ae zur Arndt-Debatte in der Greifswalder Ausgabe der Ostsee-Zeitung vom 13.3. Natürlich hat er Recht. Die Frage ist nur, ob die Chance ergriffen wird. Ich fürchte: nein.… Continue Reading „85. Anti-Arndt“
atemhole innen der lungenbaum das einmalgeäst mit dem luftsaft. hochgekrempelte sorge. obenwabe. auchholz. windig. unten im elefantenfuß boden zieht einmal ums andre die wurzel am kaumsolz. hängeknitter. vorsteherlampe. auchmilch. wer also mehr weiß […] vom klumpigen […] flügel schlag an die decke […] vom… Continue Reading „83. Kaumsolz“
Stabwechsel im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg: Die erst 30-jährige Nora Gomringer hat hier künftig das Sagen. Sie ist damit die jüngste Leiterin einer staatlichen Kultureinrichtung in Bayern. Der Wechsel könnte krasser kaum sein: Auf den 65-jährigen, distinguierten Kunstkenner Bernd Goldmann, der in… Continue Reading „82. Nora Gomringer leitet Künstlerhaus“
WINTER OHNE LEUCHTANZEIGE, DU Hast an einem Sonntag mit dem Jonglieren Angefangen, mit drei Mandarinen, mit Drei noch nach einer Woche in Silberfolie Eingewickelten, auf dem Sofa verstreuten, Jeweils bis zum Scheitelpunkt hochgeworfenen, mit Den Fingerspitzen nach innen durch das Gesichtsfeld parallel etwas näher… Continue Reading „78. Gedicht“
Nadja Küchenmeisters tritt in ihrem ersten Gedichtband als eine einzigartige lyrische Stimme auf, die sanft und gelassen klingt, obwohl sie mitten aus dem Fegefeuer zwischen Liebe und Tod zu kommen scheint. Seit Ingeborg Bachmann hat niemand mehr ein Du, sich selbst oder den Leser… Continue Reading „77. Sanft und gelassen … aus dem Fegefeuer“
An Hoheliedern auf die Lyrik von Ulrike Almut Sandig fehlt es nicht, und doch scheint es, dass kaum einer ihre Strophen tatsächlich verstanden hat. Zu hermetisch, zu mysteriös kamen die Verse daher. Bang fürchtete man deshalb, dass die gefeierte Autorin das Verrätseln als Hypothek… Continue Reading „76. Schwyrig“
Wie die erste Ausgabe der Anthologie „Lyrik von Jetzt“ dokumentiert auch Nummer zwei einen Generationswechsel. Fünfzig überwiegend neue Beiträger, die um 1975 herum geboren wurden, wurden in Zeitschriften, Miniverlagen, Szenespielstätten und auf Lesebühnen entdeckt. Da jeder der Auserwählten mit vier Gedichten vertreten ist, lassen… Continue Reading „73. Generationswechsel“
Und hier erleben wir Robert Gernhardt als Äquilibristen auf dem Hochseil über unseren Köpfen: Wird er ins Albern-Triviale abstürzen? Nein! Denn, so Gernhardt verschmitzt, manchmal muss man einen Fund einfach nur so lange liegen lassen, bis sich ein sinntragendes Gedicht um den zarten Reimkern… Continue Reading „72. Hochseil“
Kathrin Schmidt ist in der Prosa wie in der Lyrik zuhause. Sie teilt das Entweder-Oder der berühmten Amerikanerin Emily Dickinson nicht, die vor rund 150 Jahren bekannte: „Ich wohne in der Möglichkeit/ Und nicht im Prosahaus/ An Fenstern reich und heller/ Mit Türen ein… Continue Reading „71. Prosa wie Lyrik“
Falbs virtuose Bildsprache erzeugt Kurzschlüsse, deren erratische Konfrontation plötzlich bekannte Formeln wie „porentief rein“ bloßstellt vor der intensiven Lesehaltung, dem gebannten Blick. Die Funktion dieser Lyrik als semantischer Hebebühne, auf die die Narrheit der Welt gestellt wird, soll nicht davon ablenken, dass diese Bühne… Continue Reading „70. Weltsprache“
Zu den bedrückendsten Lese-Erfahrungen, die das vergangene Jahrhundert bereithält, gehören die Begeisterungsschreie, mit denen die Schleppenträger des deutschen Geistes den Ausbruch des Ersten Weltkriegs begrüßt haben. Inständig beteten Dichter und Denker zu Gott, damit er den Feind im deutschen Kugelhagel verrecken lasse. In anderthalb… Continue Reading „68. Kriegsgeschrei“
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