Kategorie: Deutsch

Wohin ist der Krieg gegangen

Ursula Maria Wartmann In Stellung Wohin ist der Krieg gegangen fragt das Kind der Himmel schäumt seit Tagen in ruhigem milchigem Weiß und das Kind schaut über das blühende Feld legt den Armstumpf über die Stirn zum Schutz vor hellem Himmel kneift es die… Continue Reading „Wohin ist der Krieg gegangen“

Pure Geometrie

späte stimmen reisen durch
junge wunden
unsere ideen sind
pure geometrie

Stimme der Ochsenheit

Er galt in der DDR als Klassiker, wurde rezitiert in Schulen und Festsälen. Aber der größte Teil seines Werks wurde vor der Gründung der zwei deutschen Staaten geschrieben. Es ist ein Stück nach 1945 auf zwei Staaten aufgeteilte Geschichte. Heute vor 70 Jahren ist… Continue Reading „Stimme der Ochsenheit“

Der Turm

Alexandra Dust-Wiese (* 15. April 1923 in Rostock, † 11.9.1995 in Wolfsburg) Der Turm Zwei schmale Bäume winden sich zum Licht. Mit Gitteraugen starrt das Zellenhaus auf harten Kies, der durch den Asphalt bricht. Die Mauern löschen jeden Seufzer aus. Der Hof kennt keine… Continue Reading „Der Turm“

Ort statt Ich

Die Idee eines Schreibens, das das Denken aufzeichnet – statt nur gediegene Resultate abzubilden – war bereits vor hundert Jahren dem mittlerweile wieder als Skandalkünstler geltenden Hugo Ball einen Eintrag wert in sein später unter dem Titel ‘Sturz aus der Zeit’ publizierten Diarium…

Dünger

Werner Dürrson (* 12. September 1932 in Schwenningen am Neckar; † 17. April 2008, gestern vor 15 Jahren, in Neufra)  Pariser Spitzen 57 Ein flauer Wind weht in der Rue de Rivoli / da ritt einst (nein nicht Heine der an Deutschland litt) auf hohem Roß der Hauptmann Jünger // der hinterließ… Continue Reading „Dünger“

Draußen niemand

Niemand hat einen.
Jemand hat keinen.
Einer hat jeden.
Jeder hat einen.

Und dann ab

Leute verstehen nicht ein
Begräbnis, Leute sind krude.

Fährfrau

Gabriele Stötzer (* 14. April 1953 in Emleben) fährfrau ich bin nicht mehr auf dem untergehenden boot ich bin nicht mehr auf dem untergehenden boot ich bin nicht mehr auf dem untergehenden boot ich brauch euch nicht mehr über den kopf zu streichen und zu… Continue Reading „Fährfrau“

habe ich denn eine chance

wie kann ich denn beweisen
dass ich verstehe
alles alles
dass ich alles verstehe

An die Könige

Wenn eurer Mordsucht einst ein Friede wehret,
Der jedem das geraubte Land
Und seine bangen Festen wiedergibt, verheeret,
Entvölkert, abgebrannt

Die Poeten

Richard Wagner (* 10. April 1952 in Lowrin, Rumänien; † 14. März 2023 in Berlin) Die Poeten Fest verwachsen mit Sitzgelegenheiten, Schreibmöglichkeiten, Liegestätten, Wohnraum und Bewegungsfreiheit verharren sie in diesen gut funktionierenden Städten. Die Stille saugt sie langsam auf. Aus: Das Land am Nebentisch.… Continue Reading „Die Poeten“

Mein Freund, der Luftgeist

Johannes Bobrowski (* 9. April 1917 in Tilsit; † 2. September 1965 in Ost-Berlin) Der Muschelbläser Der schöne Luftgeist bläst auf dem Muschelhorn, dem rötlichen, gespitzten, er teilt den Schall mit seiner Hand, der hier- und dorthin fliegt, soviel anders als Ufervögel. Mein Freund,… Continue Reading „Mein Freund, der Luftgeist“

O kämst Du

Elsa Asenijeff (* 3. Januar 1867 in Wien; † 5. April 1941 in Bräunsdorf, Sachsen) Nächtliche Erwartung Licht fällt in die dunkle Nacht Durch die offene Tür – Ach, wie schluchzt mein Sehnen Mit Macht Und wimmert nach Dir …! O kämst Du aus… Continue Reading „O kämst Du“

Ein Knochen für Mama

Inge Müller (* 13. März 1925 in Berlin; † 1. Juni 1966 ebenda) TRÜMMER 45Da fand ich michUnd band mich in ein Tuch:Ein Knochen für MamaEin Knochen für PapaEinen ins Buch. Aus: Inge Müller: Irgendwo; noch einmal möcht ich sehn. Lyrik, Prosa, Tagebücher. Mit… Continue Reading „Ein Knochen für Mama“