Kategorie: Deutsch

Neunter Dezember

Ulrich Koch NEUNTER DEZEMBER Das vollkommene Gedicht ist eine Landkarte in einer menschenleeren Gegend. Ich halte sie in Händen und blicke von oben aus der Vogelperspektive herab. Dort, sehe ich, stehe ich lesend. Es ist ganz einfach. Dann gehst auch du hinein und wirst… Continue Reading „Neunter Dezember“

Ständerle

Seitdem die Kerm richtig groß begangen wird, gibt es den Kirchweih-Generaler. Das ist eine Kirchweihzeitung, in der alle „Ständerle“ – kurze Gedichte – bei den Wirtsleuten, der mit spitzer Feder verfasste Prolog und Geschichten aus dem Leben der Gärtner niedergeschrieben sind. Der erste Generaler… Continue Reading „Ständerle“

Macht die Nacht die Farben aus

Felix Philipp Ingold Vorspruch Macht die Nacht die Farben aus, dann ist es wieder Zeit und sind die Farben eins. (aus dem Notizbuch eines Malers, anonym, 1942) Ein Ah! ist der Anfang von allem und heisst soviel wie Schra… wie Schwarz. Soviel wie nichts.… Continue Reading „Macht die Nacht die Farben aus“

Wo das abstrakte Wort

Richard Anders Wort Wo das abstrakte Wort grenzenlos  in Duft- frische übergeht,endet auch die Macht dei- nes nach Asche  süchtigen Zunders,  dessen selbstverzehrende Glut fruchtlos ist. Mach dir nichts vor: Der Widerschein deines Au- todafés in Leserköpfen hindert diese nicht daran, im Heu, das… Continue Reading „Wo das abstrakte Wort“

Bücher mit Lesespuren

Antiquare leben von alten Büchern, die sie weiterverkaufen. Einmal traf ich einen, der verkaufte mir die Erstausgabe von Goethes Faust spottbillig. Ich hab ihn nicht gefragt warum, ich hab schnell bezahlt. Ich nehme an, er hat die Abnutzungsspuren stark preismindernd verrechnet. Es war schon… Continue Reading „Bücher mit Lesespuren“

wirst zwischen Blinden schwirren

Dirk Uwe Hansens zweite Version, die Nach-Dichtung, von Fragment Voigt 55, mit dem unsere kleine Sapphoserie begonnen hatte: Frg. 55 Voigt Tot wirst du sein und begraben, wird keiner sich deiner erinnern, hier, denn die Rosen der Musen sind dir nichts. Durchsichtig, dort, in… Continue Reading „wirst zwischen Blinden schwirren“

Chronik – November 2017

(Wird laufend ergänzt) Viele Preise wurden vergeben, in Deutschland wird weiter über Gomringer, naja: geredet, Gedichte von Charles Bukowski aus dem Nachlaß wurden so verfälscht, daß man von Zensur reden muß, und Ende November wurde bei einem amerikanischen Rundfunksender über Nacht und so gut… Continue Reading „Chronik – November 2017“

Unsterbliche Aphrodite

Aus Dirk Uwe Hansen: Sappho. Scherben – Skizzen Frg. 1 Voigt Unsterbliche Aphrodite auf dem bunten Thron Tochter des Zeus, listenreiche, ich bitte dich: nicht mit Sorgen und Kummer bedränge Herrin, mein Herz. Sondern komm her, wenn du schon einmal von anderswo mein Rufen… Continue Reading „Unsterbliche Aphrodite“

Chronik – Oktober 2017

Im Oktober Preise, Preise und Festivals, nichts Neues in der Sache Gomringer-ASH (oder doch?), ein Skandal um Herta Müller in Belgrad, viel Jan Wagner und 25 Jahre Zeitschrift „Das Gedicht“, Hán Nôm in Vietnam, Leonard Cohen… und nicht zu vergessen: Gedichte in den Wahlurnen… Continue Reading „Chronik – Oktober 2017“

Pleiadengedicht

Heute Dirk Uwe Hansens Doppelfassung des „Pleiadengedichts“. Obwohl es nicht einmal sicher ist, ob es wirklich von Sappho stammt, ist es heute eins ihrer bekanntesten Gedichte. Überliefert ist es ohne Nennung eines Autornamens in einem antiken Metrikhandbuch. In einer Anthologie aus dem 15. Jahrhundert… Continue Reading „Pleiadengedicht“

Nekrolog – Oktober 2017

Gestorben im Oktober Am 1. Oktober František (Jorge) Listopad, tschechisch-portugiesischer Schriftsteller (95) Am 1. Oktober Pierluigi Cappello, italienischer Lyriker (50) Am 1. Oktober Philippe Rahmy, 52, Schweizer Schriftsteller (Schweizer Literaturpreis 2017) Mehr (frz.) Am 2. Oktober Gaspar Jesús Azcorra Alejos (75), mexikanischer Schriftsteller Am… Continue Reading „Nekrolog – Oktober 2017“

Scherben und Skizzen

2012 veröffentlichte der Philologe und Dichter Dirk Uwe Hansen ein Bändchen mit ausgewählten Fragmenten der Sappho in zweifacher Gestalt, als die Scherben der Fragmente (Scherben ist bei einem der Fragmente sogar wortwörtlich wahr: der Text von Fragment 2 Voigt überdauerte eingeritzt in eine Tonscherbe)… Continue Reading „Scherben und Skizzen“

Honoraraussicht ist es nicht

Achtung Achtung, wir unterbrechen unsere Sapphoserie für eine wichtige Duchsage: Gottfried Benn Satzbau Alle haben den Himmel, die Liebe und das Grab, damit wollen wir uns nicht befassen, das ist für den Kulturkreis besprochen und durchgearbeitet. Was aber neu ist, ist die Frage nach… Continue Reading „Honoraraussicht ist es nicht“

dünn-/stimmig

Ich bleibe noch etwas bei Sappho. „Übersetzungen Sapphos waren bis vor einigen Jahren auf absurde Weise unangemessen… Heute gibt es eine ausreichende Anzahl wörtlicher Übersetzungen durch moderne Dichter, die es dem Leser ermöglichen, Sappho zu erfassen und zu bestimmen, wie man weit entfernte Sterne… Continue Reading „dünn-/stimmig“

Zauberspruch

Sarah Kirsch Keiner hat mich verlassen Keiner hat mich verlassen Keiner ein Haus mir gezeigt Keiner einen Stein aufgehoben Erschlagen wollte mich keiner Alle reden mir zu Aus: Sarah Kirsch: Zaubersprüche, Gedichte. Berlin und Weimar: Aufbau, 1972