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320 Wörter, 2 Minuten Lesedauer.
Thema:
Stille Nacht, heilige Nacht,
alles wacht,
Einar Schleef.
Variationen: Stille Nacht, treibende Nacht, alles sprießt, Siegfried Lenz. Stille Nacht, lärmende Nacht, alles knallt, Heinrich Böll. Stille Nacht, stürmische Nacht, alles bläst, Theo Storm. Stille Nacht, lockere Nacht, alles zieht, August Stramm. Stille Nacht, speiende Nacht, alles kotzt, Hermann Broch. Stille Nacht, trunkene Nacht, alles blau, Joseph Roth. Stille Nacht, frostige Nacht, alles friert, Maxe Frisch. Stille Nacht, endende Nacht, alles kräht, Ulla Hahn. Stille Nacht, streitbare Nacht, alles ficht, Botho Strauß. Stille Nacht, tastende Nacht, alles sucht, Heming Way. Stille Nacht, kickende Nacht, alles trifft, Hugo Ball. Stille Nacht, betende Nacht, alles kniet, Erich Fromm. Stille Nacht, schmökernde Nacht, alles liest, H. C. Buch. Stille Nacht, schnupfende Nacht, alles niest, Marcel Proust. Stille Nacht, scheidende Nacht, alles fährt, Richard Ford.
Aus: Stephan Krass, Auf der Lebensgeisterbahn. Poetische Miniaturen – Lyrik. Coesfeld: Elsinor Verlag, September 2026, S. 149ff
Unsere Sprache ist nicht nur ein Transportmittel für Informationen, sie ist auch ein Instrument, in dessen Resonanzraum der vielstimmige Soundtrack der Buchstaben und Silben zum Klingen gebracht wird. Da pulsieren die Konsonanten als Rhythmusgeber, und die Vokale weben den Klangteppich. Die Sprache wird so zu einer Einladung, mit den Lettern und Worten zu spielen. Es ist der große Vorzug unserer buchstabenbasierten Alphabetschrift, dass man die Worte in ihre Bestandteile zerlegen und neu zusammensetzen kann. Die einzelnen Lettern sind abstrakte Module, die frei flottieren und in immer neue Figurationen eintreten können. Unsere Buchstaben sind gleichermaßen Monaden wie Nomaden.
Aus dem Nachwort von a.a.O. S. 166
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