O Nacht!

Ernst Wilhelm Lotz

(* 6. Februar 1890 Culm an der Weichsel, Westpreußen; † 26. September 1914 bei Bouconville, Frankreich)

O Nacht!

Nacht! Du sollst mit deinen dunkelbraunen Haaren
Mich zudecken, mich bewahren
Vor der herzlosen Sonnengöttin mit den Lichthaaren.
Sie hat mich verzaubert mit Zaubersprüchen,
Mit Sonnenstrahlen=Flüchen,
Daß ich außen wie Gold glänze und scheine
Und anderes sage, als ich meine,
Daß ich wie schönes Wetter auf die Fluren strahle
Und grün=goldene Bilder male,
Da ich der Sorgen gelacht
Und hohngelacht den Finsternissen, –
Und doch ist mir meine Seele zerrissen
Bei jedem Sonnenliede! –
O Sterne der Nacht!
O dunkler Friede!

Aus: Ernst Wilhelm Lotz: Gedichte, Prosa, Briefe. Hrsg. Jürgen von Esenwein. München: edition text + kritik, 1993

„Lotz hat auch Gedichte von Verlaine sowie Rimbauds „Bateau ivre“ (Das trunk‘ne Schiff) übertragen. Eine Ausgabe seines Gesamtwerks liegt noch immer nicht vor.“ (mehr)

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: