jedenfalls war ich heut nacht im park

Lioba Happel

(* 7. Februar 1957 in Aschaffenburg)

«Ist mein Fräulein traurig
soll sie sich zum Teufel scheren»

zwei mal zwei ist sieben fünf acht
drei mal drei alle viere

jedenfalls war ich heut nacht im park
jedenfalls gibt’s da wilde tiere

der erste ein herzog der zweite am geigen
der dritte ein tanzbär der vierte leibeigen

jedenfalls lieber gott vielen dank
da blühte auch einmal ein blümlein

da kannste mal sehen was übrig bleibt
bei tage im hellen mondenschein

der fünfte ein henker der sechste dort hängt er
der siebte ein schwein der achte ganz rein

jedenfalls hab ich den neunten vergessen
der neunte hat alle aufgefressen

und die blume ist schwarz und die sonne ist rot
und gold ist aus dreck und die liebe tut not

zwei augen sah ich den himmel durchqueren
«soll sie sich zum teufel scheren»

jedenfalls war ich heut nacht im park
jedenfalls gibt’s da wilde tiere

zwei mal zwei ist sieben fünf acht
drei mal drei alle viere

Lioba Happel aus: Aus einer Zeit des Umbruchs, in Zwischen den Zeilen 11 (1998) S. 60f

Aus einem Essay über Dichtung im gleichen Heft:

Begriffe sind kleine Gemeinheiten, sie wiegen dich in Sicherheit, bis es dir die Welt zerschlägt.

A.a.O. S. 69

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