Generationswechsel

FAZ berichtet von der Verleihung des Lyrikpreises Meran. Zwei Auszüge:

Im unaufhörlich von Pappelflaum umwehten Kurhaus brachte Konstantin Ames, 1979 in Völklingen geboren und trotz Preußen-Skepsis in Berlin beheimatet, seine Pathos-Zersetzungsmaschine in Stellung: „Es ist Frühling und es zucken (die Stangen) / Günstlinge in bleichen Mehrzweckhallen.“ In „Blas heller“ lässt er zur Sommerzeit neben den Uhren die Huren geschlechtlich umstellen: „Da kommen sie! Na ja, da humpeln sie. / Schackeline, Nadja, Schantal / Waren früher echte Kerle.“ Ames lehnt für sich den Ausdruck „Lyriker“ als bildungsbürgerliches Relikt ab. Mit der neoexpressionistischen Binnenspannung seiner witzigen, bösen Nicht-Elegien (etwa über den „beleidigten Privatier“ Wolf Biermann), die sich im Vortrag niederschlug, versetzte er der neuen, durchweg sachlich und engagiert argumentierenden Meraner Jury einen gehörigen Vitaminschub und gewann den mit 8000 Euro dotierten Hauptpreis. Diese Gedichte enthusiasmierten ihn, ohne dass er sie ganz verstehe, bekannte Urs Allemann im Kreise von Thorsten Ahrend, Ulrike Draesner, Konstanze Fliedl und Paul Jandl.

(…)

Mit Kurt Drawert, Kathrin Schmidt, Lutz Seiler oder Uwe Kolbe akzentuierten bisher oft Preisträger mit DDR-Vergangenheit den Lyrikpreis Meran. Nun hat endgültig ein Generationswechsel stattgefunden. Konstantin Ames zersetzt auch noch das zittrige Honecker-Motto „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ – bei ihm lautet es „Verbleichen immer, verblichen nimmer“. / Katrin Hillgruber, FAZ 10.5.

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