37. Literaturkritik 3.0

Goethes „Werther“? „Hätte sich dieser Lappen nur gleich erschossen, als er angefangen hat, rumzuheulen, wäre mir einiges erspart geblieben. Hemingway hätte den gesamten Inhalt auf einer Seite besser rüberbringen können.“ Oder: „Dieses Buch ist selbst unter dem niedrigen Niveau Goethes. Außerdem besitzt Werther keinerlei Tiefgang, und somit fehlt dem Leser jegliche Identifikationsmöglichkeit, außer er besitzt einen ähnlich miserablen Charakter.“

Kurz fällt das Urteil eines anderen Lesers über Goethe aus: „Er labert.“ Natürlich wird auch jeder Bibelkäufer von Amazon dazu eingeladen, eine Rezension zu schreiben. „Mrs Betty Bowers“ erklärt sich enttäuscht: „Ich weigere mich, die kostbaren Seelen meiner christlichen Kinder mit lasziven Geschichten von Töchtern zu vergiften, die ihren Vater betrunken machen und dann Sex mit ihm haben (Genesis 19:30–38) – oder von Huren, die nach eselsgroßen Penissen gieren (Ezechiel 23:20).“ / Kostproben aus Amazons Leserkritiken in: Die Presse

Weitere Pröbchen:

„Faust I“
„Ich bin kein Goethe-Fan und lese sonst auch eher Krimis, aber der Tragödie erster Teil kann man sich durchaus mal gönnen.“
„Der Plot ist aus heutiger Sicht mittelmäßig; Fausts Midlife-Crisis könnte aus jeder drittklassigen Soap-Opera stammen. Die Mär vom Teufel und der Seele ist für Leser, die weder an das eine noch an das andere glauben, im besten Fall ermüdend. Die textliche Umsetzung des Werkes ist mehr als bescheiden.“

„Romeo und Julia“

„Ich habe dieses Buch gekauft, weil ich dachte, es wäre normal zum Lesen, doch es ist ein Theaterstück und auch so gegliedert.“

„Hamlet
„Natürlich wird Willy als der beste Schreiber aller Zeiten bejubelt, aber das kommt nur daher, dass britische Medien den Mann hypen, nach 400 Jahren.“

2 Comments on “37. Literaturkritik 3.0

  1. oh mann also in dem fall eher frau,
    gut dass du uns darauf hingewiesen hast.
    so hab ich heute abend mal richtig gut und auch nicht zu kurz lachen können.
    was hat man sonst schon/noch von diesen ganzen meinungsverbundenheiten !

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  2. manchmal sind diese bemerkungen großartig und hinreißend. einen autor und seinen text zu betrachten als sei er einfach ein text und nicht teil einer sog. literaturgeschichte, bringt zuweilen wahrheiten ans licht, die sonst vom auratischen des werks überblendet werden und jede echte empörung ist besser als die dämlichen auftragskommentare, die die verlage zuweilen veranlassen.
    wenn ich sehe, was unter meinen zwei plöttnerbänden als einziger kommentar steht, mag ich jedes mal im erdboden versinken.

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