Universalgedicht det/ das

Wörter berühren sich mit den Phänomenen; sie wissen von einem riesigen Realitätsgeflecht. Damit aber die Wörter und Dinge untereinander in eine Beziehung treten können, bedarf es der Ordnung der Sätze und der Musik in den Sätzen. In der poetischen Organisation sprachlicher Zeichen spiegelt sich immer eine mathematische Organisation, ein bestimmtes serielles Prinzip, ein Zahlensystem. Es verhält sich sogar so, dass das mathematische Verhältnisspiel die Sprache erst zu sich selber bringt. Die Dichterin mit ihrem strengen, alles andere als willkürlichen Dichten weiss mehr als die zufällig Redenden. Sie ist näher bei Delphi, ist Pythia und Priesterin zugleich.

Das Zutrauen in ihr Tun verlieh Inger Christensen Flügel. Sie wagte es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ein «Universalgedicht» in Angriff zu nehmen, womit auf ein anderes Novalis-Wort angespielt sei. Nicht mehr und nicht weniger als ein Weltpoem hatte sie damals mit «det» angestrebt. In der hervorragenden Übersetzung von Hanns Grössel ist es jetzt auch auf Deutsch zu lesen: «das». In dem poetischen Schöpfungsbericht lässt sie die Systeme fruchtbar ineinander spielen. Eines verstärkt das andere. Das hauptsächliche Ordnungsprinzip basiert auf den Zahlen drei und acht. Jeder der drei Teile Prologos, Logos, Epilogos ist neu organisiert. / Beatrice von Matt, NZZ 17.9.03

Inger Christensen: det/das. Aus dem Dänischen von Hanns Grössel. Dänische Literatur der Moderne 15, Kleinheinrich-Verlag, Münster 2002. 463 S., EUR 45.-.

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