BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
An exchange of stories is frequently one of the first steps toward a friendship. Here’s the recollection of one of those exchanges, by Dorianne Laux, who lives and teaches in North Carolina.
Family Stories
I had a boyfriend who told me stories about his family,
how an argument once ended when his father
seized a lit birthday cake in both hands
and hurled it out a second-story window. That,
I thought, was what a normal family was like: anger
sent out across the sill, landing like a gift
to decorate the sidewalk below. In mine
it was fists and direct hits to the solar plexus,
and nobody ever forgave anyone. But I believed
the people in his stories really loved one another,
even when they yelled and shoved their feet
through cabinet doors, or held a chair like a bottle
of cheap champagne, christening the wall,
rungs exploding from their holes.
I said it sounded harmless, the pomp and fury
of the passionate. He said it was a curse
being born Italian and Catholic and when he
looked from that window what he saw was the moment
rudely crushed. But all I could see was a gorgeous
three-layer cake gliding like a battered ship
down the sidewalk, the smoking candles broken, sunk
deep in the icing, a few still burning.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2000 by Dorianne Laux, whose most recent book of poems is The Book of Men, W.W. Norton & Co., 2011. Poem reprinted from Smoke, BOA Editions, Ltd., 2000, by permission of Dorianne Laux and the publisher. Introduction copyright © 2012 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Unter dem Namen Martin Mollnitz veröffentlichten die Zeitung Freitag und die Greifswalder Wasser-Prawda vor einigen Wochen ein Pamphlet angeblich über die junge Lyrik, die saft- und kraftlose Selbstbespiegelung sei im Unterschied zu den kraftvollen Versen des Herrn Mollnitz.
Der sprach zwar nicht wirklich von der jungen Lyrik der Gegenwart, er zitierte weder kook-, lux-, roughbooks noch Frank, Poetenladen, Fixpoetry, Schöffling, Rugerup, Distillery und wie die in der Szene klangvollen Namen heißen, sondern nur lokale Literaturblogs und einzig den Namen Thomas Kunst, der in einer Fassung des Pamphlets als „Multipreisträger“ vorgestellt wurde. Aber kann man von der Redaktion des geschätzten Freitag verlangen, daß sie den Unterschied bemerken? Offensichtlich nicht.
Von Mollnitz hieß es, er hätte eine DDR-Jugend mit ersten erfolgreichen Publikationen. Die Wasser-Prawda veröffentlichte ein paar Gedichte. Die Gedichte verwiesen auf eine Sprache, wie sie in den 80er Jahren in Leipzig und anderswo außerhalb der Undergroundszene gepflegt wurde, ich nenne sie mal FDJ-Fraktion der sächsischen Dichterschule. Da ich mich in den damaligen Szenen recht gut auskenne, war mir sofort klar, daß es sich entweder um eine Mystifikation oder ein Pseudonym handeln muß.
Inzwischen kenne ich den wirklichen Namen von Herrn Mollnitz. Vor einigen Tagen schickte er mir innerhalb weniger als 20 Stunden eMails mit 3 verschiedenen Namen: erst als Johannes Erichson (unter diesem Namen als angeblich Berliner Lehrer erbat er von mir Informationen über Herrn Mollnitz, dessen kraftvolle Gedichte er an seinen Schülern erfolgreich erprobt habe), dann als Mollnitz selber und schließlich als Heino Bosselmann. Letzterer Name ist der einzige, den ich aus meinem Archiv kenne – ein 1964 geborener Lyriker dieses Namens veröffentlichte u.a. ein paar Texte in der FDJ-Zeitschrift Temperamente.
Heute veröffentlicht der Freitag einen Remix der Debatte von neulich, der zwar diese kritisch werten will, sie in Wirklichkeit aber nur prolongiert. Ein unwürdiger Anlaß für fortgesetzte Pseudodebatte.
Zumindest mit seinem richtigen Namen soll man ihn künftig ansprechen. (Allerdings wird man bemerken, daß er unter diesem richtigen oder soll man sagen Klar-Namen außer paar frühen Veröffentlichungen weder Lyrik noch Aufsätze über Lyrik publiziert, sondern ausschließlich politische rechtspopulistische Kommentare an Orten, mit denen der Freitag gemeinhin nix am Hut hat.)
P.S. Daß es sich um ein Pseudonym handelt, konnte man am 5.6. in der Lyrikzeitung lesen.
Harsch das Urteil des Rezensenten über den dritten Band von Matthias Göritz:
Leider muss man konstatieren: Anstatt das Potenzial seiner Werkzeuge auszunutzen, fasern die Gedichte in labberiges Pathos aus, verfallen in einen rhythmisch unglücklichen Stop-and-Go-Modus oder hüllen noch die belanglosesten Gedanken in den Anschein von Literarizität. Sei es die zyklische Schilderung eines Krankenhausaufenthaltes, eine als Sonettenkranz gebaute Roadmovie-Romanze oder seien es tagebuchartige Notate: Weder inhaltlich noch sprachlich kann »Tools« wirklich begeistern. Wenn im Peter-Lustig-Parlando eine kleine Geschichte der Tulpe im eurasischen Kulturkreis in Verse gebrochen wird, kommt dabei mit Ausnahme einiger etymologischer Nebenbemerkungen wenig herum. Was hängen bleibt sind eher gruselige Kalauer und Momente klebrigen Kitsches. Wird die Dichterin Emily Dickinson mit den Worten »Du, / eine Frau,/ in die man sich / wieder verliest« apostrophiert, ist das ein ziemlich müder Kalauer und kein erfrischendes Wortspiel, das die Möglichkeiten der Sprache nachvollzieht. Auch Verse wie »Tränen hinterlassen keine Spur, / Ähnlich ist es mit dir« haben weniger poetischen als Poesiealbencharakter. / Kristoffer Cornils, junge Welt 13.6.
Matthias Göritz: Tools. Gedichte. Berlin Verlag, Berlin 2012. 112 S., 19,90 Euro
Mitgerissen in einem assoziativen Strom von Berührungen, Düften und stillen Augenblicken staunt der Leser über den Bauchladen voller Merkwürdigkeiten, den die Autorin Anne Dorn ihm anpreist. Sie hat viel zu erzählen. „Und aus solchem Reichtum, / den ich mit mir herumschleppe, / erwächst mir große Unruhe“. „Ungefragt“ überbringt sie Sehnsüchte: „Ich erinner Euch an Eure große Lust, / zu leben.“ Unstillbar ist ihr „Hunger nach Schönem, / diese seltsame Sucht, sich aufzurichten, / zu warten und zu empfangen mit offenen Augen“.
Ausgangspunkt ihrer Beobachtungen ist fast immer das Licht, „das Vielerlei / aus nichts als Licht!“ Von ihm kommt sie meist zu den Geräuschen. Mit hingetupften Wörtern initiiert sich der Regen als Staccato. Es gurgelt und gluckst in Regenrinne und Fallrohr, bis schließlich der Himmel aufreißt und die Sonne wieder scheint. Das Dampfen und die Gerüche nach dem warmen Sommerregen werden greifbar. …
Warum Anne Dorn erst jetzt eine Sammlung ihrer Gedichte vorlegt, bleibt ein Rätsel. Zwar veröffentlichte sie bereits Romane und schrieb Hörspiele, aber das lyrische Werk blieb über Jahrzehnte – um in Dorns Sprache zu bleiben – „unter der Wiese“. Nur das auserlesene Publikum literarischer Fachzeitschriften kam in den Genuss der Lektüre einzelner poetischer Kostproben. Dass man Anne Dorn, die 1925 geboren wurde, nun als 86jährige Debütantin bezeichnen kann, wird sie sicherlich freuen. Viel wichtiger ist aber, dass ihre wertvolle Sammlung jetzt nicht mehr verloren gehen kann und zwischen zwei (hässlichen) Buchdeckeln gerettet zum Kauf bereit steht.
Doch Vorsicht: „Jeden, der glaubt, mich genau zu verstehen, / und der mich entdeckt, gerade jetzt, / muß ich sofort erschießen!“. Lächelnd kann das Buch geschlossen werden – mit der Gewissheit, dass es nicht im Regal verstauben wird, denn es enthält einfach zu viele Momente, die es wert sind, immer wieder aufgerufen und nachgelesen zu werden. / Thorsten Schulte, literaturkritik.de
Anne Dorn: Wetterleuchten. Gedichte.
Poetenladen, Leipzig 2011.
79 Seiten, 16,80 EUR.
ISBN-13: 9783940691309
Getwitterte Abiperlen aus Frankreich 2012:
„Sprechen wir von Rimbauds Werk. Rimbaud hat viele Teile… Rimbaud 1 Rimbaud 2 Rimbaud 3…“
„Wie Bonaparte konnte Jules Cäsar mehrere Briefe gleichzeitig diktieren, das nennt man Diktator.“
Valeri Scherstjanoi
Auf dem Weg zum Scribentismus. Experimentelle Texte und Gesten. 1982-1989
Ausstellung (Teil1) 30. Juni – 28. Juli 2012
Vernissage: Samstag, 30. Juni 2012, 18-22 Uhr
Rumpsti Pumsti (Musik) Weserstr. 165, Berlin 12045
Die Ausstellung ist der erste Teil einer Ausstellungsreihe, die sich Scherstjanoi’s visuellen Texten und grafischer Poesie widmet.
Anlässlich der Ausstellung erscheint die Schallplatte ‚Zaum´ – Заумь 1981-1989‘ (Tochnit Aleph, Berlin) mit einer Auswahl von raren und bisher unveröffentlichten lautpoetischen Stücken in einer Auflage von 80 nummerierten und signierten Exemplaren.
Der Künstler wird anwesend sein und ab 19 Uhr die Ausstellung vorstellen und einige seiner frühen Arbeiten lesen und performen.
Am Donnerstag, den 28. 6., ist es soweit: München hat eine neue Lesereihe, die sich ausschließlich neuer Lyrik widmet. Drei Mal im Jahr laden Walter Fabian Schmid und Tristan Marquardt drei Lyriker/innen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ein, die erst einen oder noch keinen Band veröffentlicht haben. Die Angst vorm Neuen fürchten lehren – das ist das Credo.
Den Anfang machen Sascha Kokot, Max Czollek und Markus Hallinger.
28. 6., 20 Uhr | Kulturzentrum Einstein, Einsteinstr. 42 | U 4/5 Max-Weber-Platz | Eintritt: 5 / 3
Am 1. 11. geht es dann weiter mit Martina Hefter, Daniela Seel und Andrea Heuser.

Georg Kulka | Dem Libanon
Dem Libanon, dem jüngst im Flügelkleide schwärmenden,
Wuchs heut der Regen bleicher aus der Stirne.
Knatternd, als man die Seide zerbrach.
O du hellhöriger höllhärener Morgen!
Der Tag blieb dir im Munde stecken.
Aber die Wolken poltern sich stauend.
Niemand ist beiläufig – wo Regen das Hirn perforiert,
Erschlagene Blutkörner aufpickt.
Georg Kulka: Werke. Hg. Gerhard Sauder. München: edition text + kritik 1987 (Frühe Texte der Moderne), S. 36. Zuerst in: Die Aktion Jg. 8 Nr. 5/6, 9.2. 1918
Der Mexikaner José Emilio Pacheco macht sich in „Sirenendämmerung“ Gedanken über Wissen und Nichtwissen, Wirklichkeit und Fantasie. Reichlich mysteriös ist das neunseitige Gedicht „Der Tiger im Haus“ von Pachecos Landsmann Eduardo Lizalde, auf das auch der Titel des Sammelbandes zurückgeht.
Als „Antipoet“ kommt der exzentrische Chilene Nicanor Parra daher. Er misstraut den Wörtern und ihrer Fähigkeit, etwas zu bezeichnen und fordert in „Umbenennungen“ die Dichter dazu auf, die Namen aller Dinge zu ändern, auch den Namen Gottes. In „What is poetry?“ definiert er sein Verständnis von Poesie: „alles was man sagt ist Poesie/alles was man schreibt ist Prosa/alles was sich bewegt ist Poesie/was stillsteht ist Prosa.“
„In allen Ländern Lateinamerikas haben die Dichter eine besondere Stellung. Sie werden geliebt und rezitiert“, sagte Strausfeld bei der Vorstellung ihres Buches in Berlin. …
Ein Anschlussband mit jüngeren Dichtern ist nicht ausgeschlossen…
/ Die Erben Nerudas – neuere lateinamerikanische Poesie – weiter lesen auf FOCUS Online
Michi Strausfeld (Hg.): Dunkle Tiger – Lateinamerikanische Lyrik, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 373 Seiten, 24,99 Euro, ISBN 978-3-10-074444-9
Von Felix Philipp Ingold
Ein merkwürdiges Phänomen sind jene Kommentare Ingolds, die so vernichtend wirken, als wollten sie einem die Lust zum Weiterlesen austreiben. Man versteht nicht, wie ein Herausgeber, von dem man doch meinen sollte, er empfehle seine Ausgabe, sich derart selber ein Bein stellen kann. (Birgit Veit in „Neue Zürcher Zeitung“, 2012-06-06)
Was man bei der Lektüre meiner Lyrikanthologie Als Gruss zu lesen „meinen sollte“ (also erwarten dürfte), legt die Rezensentin in ihrer kritischen Besprechung wortreich und mit merklicher Irritation dar. Indigniert wirft sie mir vor, einige der ins Buch aufgenommenen Autoren schlecht zu machen und damit nicht nur ihren weithin anerkannten Rang herabzumindern, sondern auch dem Grundprinzip anthologischer Auslese zu widersprechen.
Dass eben dies mein erklärtes Ziel ist, entgeht ihr, obwohl ich im Vorwort deutlich mache, dass meine „Blütenlese“ ausser Orchideen auch mindere Gewächse und sogar Unkraut berücksichtigt, weil erst all dies zusammengenommen die literarische Kultur einer Epoche oder einer Nation ausmache. Auch verkennt die Rezensentin, dass es innerhalb meines Konzepts kein Kritiktabu geben kann; dass also von einem starken Autor (etwa Wiktor Sosnora), einer starken Autorin (etwa Jelena Schwarz) durchaus gesagt werden darf, dass es in deren Gesamtwerk – wie übrigens bei jedem Dichter ‒ auch schwächere und beiläufige Texte gibt.
Es ist schon dreist (oder ist es bloss unbedarft?), von mir eben das zu erwarten, sogar zu fordern, was ich explizit nicht zu liefern beabsichtige. Meine Anthologie ist gerade kein weiterer Beitrag zur Kanonisierung „schöner“, „bedeutender“, „wunderbarer“ Gedichte oder „herausragender“, wenn nicht „genialer“ Autoren. Als repräsentativ kann sich die Sammlung nur deshalb empfehlen, weil sie neben Meisterwerken auch Gelegenheitsgedichte – gelungene und weniger gelungene – berücksichtigt; weil sie ausser lyrischen Spitzenprodukten auch mittelmässige Ware zugänglich macht: die gängige Durchschnittsqualität prägt den Epochenstil (wie übrigens oft auch den Personalstil der Autoren) weit mehr als vereinzelte dichterische Höchstleistungen.
Lew Tolstoj war’s doch, der einst das Elend aller Kanonisierung – auch seiner eigenen! ‒ beklagte und davor warnte, grosse Namen und kanonisierte Werke bloss aufgrund ihrer literarhistorischen Einstufung der Kritik zu entziehen. Nicht alles – eigentlich doch das Wenigste – von dem, was als „klassisch“ und somit als vorbildlich gilt, vermag auf Dauer, bei unvoreingenommener Lektüre, seinen angeblichen Rang zu bewahren, so wie auch keineswegs jene andern Autoren vergessen werden sollten, die vom Kanon ausgeschlossen blieben und in der Literaturgeschichte dementsprechend marginalisiert wurden. Unter den Aussenseitern gibt es – meine Anthologie ist ein Beleg dafür ‒ „Genies“, die mit noch unerkannten „Meisterwerken“ manches von dem übertreffen, was weiterhin als „ewiger Vorrat“ europäischer Dichtung gehortet wird.
Felix Philipp Ingold, „Als Gruss zu lesen“. Russische Lyrik von 2000 bis 1800. Russisch/Deutsch. Dörlemann Verlag, Zürich 2012, 532 S.
Erlanger Poetik-Kolleg 2012 mit Gerhard Falkner. Am 20.6. u.a. über „Gegensprechstadt“, am 18.7. über die dann druckfrisch vorliegenden „Pergamon Poems“.
In dem von ihr herausgegebenen Buch „Unterbrochenes Gedicht“ stellt die Literaturwissenschaftlerin Tamar Lewinsky ein vergessenes Kapitel der Holocaustliteratur vor: die jiddisch-sprachige Literatur osteuropäisch-jüdischer Displaced Persons, die diese in den unmittelbaren Nachkriegsjahren verfassten, während sie im besetzten Deutschland auf eine Ausreise nach Palästina oder die USA hofften. Die in diesem Buch erstmals ins Deutsche übertragenen Gedichte und Prosastücke zählen zu den frühesten Versuchen jüdischer Überlebender, sich der erlittenen Katastrophe literarisch zu nähern.
Der Churbn, wie der Holocaust auf Jiddisch genannt wird, umfasste für die Verfasser nicht nur den nationalsozialistischen Genozid, sondern auch unterschiedliche Kriegserfahrungen, die traumatische Begegnung mit der Zerstörung und den Verlust von Familie und Heimat. Darüber hinaus zeugen die Texte von der unmittelbaren und schmerzlichen Begegnung zwischen Tätern und Opfern in der Nachkriegszeit auf deutschem Gebiet. Sie dokumentieren damit auch die Neu-Anfänge der deutsch-jüdischen Beziehungsgeschichte.
Am Mittwoch, 20. Juni um 19 Uhr liest Tamar Lewinsky im Festsaal der Synagoge (Halderstraße 6-8) aus ihrem Buch. Die Lesung ergänzt die aktuelle Wechselausstellung des Jüdischen Kulturmuseums „GEHEN? oder BLEIBEN!“, die sich mit dem Neuanfang jüdischen Lebens im Augsburg der Nachkriegszeit beschäftigt. / Die Augsburger Zeitung
Tamar Lewinsky (Hrsg.)
Unterbrochenes Gedicht
Jiddische Literatur in Deutschland 1944-1950 (Studien zur Jüdischen Geschichte und Kultur in Bayern, Bd. 7)
2011. IX, 168 S., gebunden
ISBN 978-3-486-70588-1
€ 24,80
Wann: 17.6. – 19:00 Uhr
Fidicinstraße 40
10965 Berlin
» Lageplan
Veranstalter: Theater Thikwa
Atelier Wolfgang Heyder, F40-Kunsthöfe
Lyriklesungen Folge 5 Atelier Wolfgang Heyder Im Rahmen der offenen Ateliers hinter blauen türen ? folge 17 Neue russische Lyrik aus Berlin. Lesung auf Russisch und Deutsch Die Gruppe Запад наперёд – KdW – Kehrseite des Westens: Dmitri Dragilew, Sergej Sturz, Ilya Ryvkin und Alexander Filyuta, Elena (Ilina) Rajeshvari Moderation: Elena Ilina und Wolfgang Heyder
Не та планета. 2 Новая русская поэзия в Берлине. Группа Запад наперёд – KdW Дмитрий Драгилёв, Сергей Штурц, Илья Рывкин а также Александр Филюта и Елена (Ильина) Раджешвари Модераторы: Елена Ильина и Вольфганг Хейдер
Es ist wieder soweit: „jazz me, if you can!“
das tohuwabohu 2012 im Schloss Lüntenbeck!
vom 22. bis zum 24. Juni 2012 treffen sich
die Generationen der Jandl-Musik in Wuppertal.
Ernst Jandl würde sagen: Ein tohuwabohu kann etwas Schlechtes sein, ein tohuwabohu kann auch etwas Gutes sein. Und als ein tohuwabohu erscheint unter manchem Blickwinkel Jandls Leben. Seine literarisches Werk spiegelt dieses Durcheinander, das der Dichter mal als Bereicherung, jedoch oft auch als Bedrohung seines Seelenfriedens wahrnahm, zweifach wider: Erstens ist auch bei Jandl das innere Getrieben-Sein der Hauptmotor für eine künstlerische Produktion, die 17 Gedichtbände und zahlreiche ‚freistehende’ prosaische, dramatische, lyrische und wie-auch-immer-zu-nennende Texte umfasst. Zweitens ist das Werk ungewöhnlich bunt: Jandl ist nicht nur ein Konkreter, nicht nur ein Sound-Poet, weder nur visueller Dichter, noch ausschließlich Tiefsinn-Schürfer. Man reduziere ihn nicht auf Wortspiele oder hermetische Dichtung! Jandl ist das alles. Und deshalb nie langweilig.
Der vitalste Aspekt an Jandl ist nicht erst nach seinem Tod die Jandl-Musik: Musik zu, mit und nach Jandl. Der Wiener Wortwinder ist mit Sicherheit der zeitgenössische deutschsprachige Dichter, der am häufigsten von Musikern vertont oder auf andere Weise künstlerisch bearbeitet worden ist und immer noch wird. Denn trifft sein Werk auf weitere Spielernaturen, so ergibt sich fast zwangsläufig eine künstlerische Melange die es in sich hat. Und wie bei Milch und Wiener Kaffee ergibt sich auch bei Musik und Wiener Lyrik eine heiße und spannende Mischung! Bis heute sind, mit und ohne Ernst Jandls Beteiligung, nahezu vierhundert Jandl-Musik-Stücke entstanden.
Der im letzten Jahr verstorbene Dietmar Mues, der viele Jahre mit seinem Freund und Kollegen Dieter Glawischnig in furiosen Konzerten die Gedichte Jandls gesprochen hat, bezeichnete seinen Kontakt mit Jandls Werk als Landung auf dem „Planeten Jandl“. Denn hat man erst einmal einen Fuß auf dieses Rund (oder ist es eckig?) gesetzt, gibt es kein Zurück mehr, stattdessen aber viel zu entdecken: Jedes einzelne Gedicht wieder ein tohuwabohu, hier ist nichts glatt außer der hohen Stirn des Dichters! Es kracht und stampft, es irritiert und brüskiert, es schweigt und harrt der Interpretation. Achtung, da läuft ein Gedicht! (oder fliegt es?) Man sah auch schon Leute lachen.
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