Vom Freitag 19. Oktober bis Sonntag 21. Oktober sind 40 Dichterinnen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Südtirol und Finnland zum ersten internationalen Lyrikerinnenfestival nach München in die Pasinger Fabrik eingeladen. Das „Schamrock – Festival der Dichterinnen“ gibt in Lesungen und Perfomances der aktuellen Lyrik ein weibliches Gesicht.
Unter ihnen sind: Marlene Streeruwitz (Österreich), Ilma Rakusa (Schweiz), Ruth Klüger U.S.A.), Swantje Lichtenstein (Deutschland), Sabine Gruber (Südtirol), Martina Hefter, Lydia Daher und Tanja Dückers (Alle drei Deutschland) und neben den Veranstalterinnen natürlich noch eine ganze Reihe Münchner Lyrikerinnen. / Nachrichten München
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
A Kansas poet, Wyatt Townley has written a number of fine poems about the swift and relentless passage of time, one of the great themes of the world’s poetry, and I especially like this one.
Finding the Scarf
The woods are the book
we read over and over as children.
Now trees lie at angles, felled
by lightning, torn by tornados,
silvered trunks turning back
to earth. Late November light
slants through the oaks
as our small parade, father, mother, child,
shushes along, the wind searching treetops
for the last leaf. Childhood lies
on the forest floor, not evergreen
but oaken, its branches latched
to a graying sky. Here is the scarf
we left years ago like a bookmark,
meaning to return the next day,
having just turned our heads
toward a noise in the bushes,
toward the dinnerbell in the distance,
toward what we knew and did not know
we knew, in the spreading twilight
that returns changed to a changed place.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2007 by Wyatt Townley from her most recent book of poems, The Afterlives of Trees, Woodley Press, 2011. Poem reprinted by permission of Wyatt Townley and the publisher. Introduction copyright © 2012 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
in der Lyrikzeitung? Nicht daß ich wüßte. Weder hab ich welche geordert noch jemals gesehn. Da mir aber bereits mehrere Leser berichteten, daß neuerdings unter den Nachrichten Werbung zu sehen ist (ich hab gute Werbeblocker, die schneiden alles weg!), muß es sich um ein neues „Feature“ von WordPress handeln. Und tatsächlich, auf ihren Seiten lese ich, daß ich gegen Extragebühr die Werbung loswerden kann. Das ist neu und wurde mir nicht mitgeteilt. Wahrscheinlich bleibt mir nichts anderes übrig. Im November, wenn ohnehin neue Gebühren (dafür daß ich Bilder hochladen und einen eigenen Namen benutzen kann) anfallen, werde ich wohl ein teureres Paket nehmen. Bis dahin, und überhaupt, empfehle ich Werbeblocker.
In diesen Tagen erschien von Ralf Willms der Gedichtband Phobos. In der Mythologie ist Phobos der Sohn des Kriegsgottes Ares und der Liebesgöttin Aphrodite; die Texte spüren indessen dem Ephemeren – als Bestandteil von umfassenden Zusammenhängen – nach. Ulrich Schödlbauer schreibt dazu:
Phobos, oft mit Schaudern übersetzt, gelegentlich auch mit Furcht, entspricht jenem inneren Zittern, das Menschen befällt, die sich plötzlich einem Stück Welt gegenüber befinden statt, wie üblich, in Welt eingebunden zu sein durch Kontexte, die für sie die Wahrnehmungssteuerung übernehmen und ihr Handeln in geeigneten Bahnen verlaufen lassen. Das muss nichts landläufig Schreckliches sein. Die kleinste Wahrnehmung kann zum Auslöser werden, eine Email, eine Szene im Café oder der Anblick einer Ente im Park. Das seismographische Schreiben, das dieses Zittern aufzeichnet, folgt einer langen Tradition. Es kann also nicht so tun, als sei jede seiner Gebärden frisch und jede Vokabel neu. Die Kunst besteht darin, den Einsatz zu finden, Schnitte zu setzen und rechtzeitig auszusteigen, bevor das Bedürfnis, Zusammenhänge herzustellen, die Führung übernimmt. Am Ende ist das die einzige Opposition, die Willms gelten lässt: der vernutzten Welt stellt er nun nicht eine Welt ohne Nutzen gegenüber – wo wäre die zu finden? –, doch mit einer gewissen Entschlossenheit den Anflug der Unvernutztheit: unerwartet, unvermittelt, folgenlos, wenigstens in der Zeitfolge, dabei selbst eine Folge bildend, die vermutlich allem, was wahrnehmend lebt, den letzten Grund zur Empfindung gibt, da zu sein.
Die Phobos-Texte erschienen bereits – mit den Möglichkeiten des Internets aufbereitet – bei Acta Litterarum. Mit der Buchfassung handelt es sich um eine erweiterte Ausgabe; es finden sich 13 weitere Texte und Fotografien darin.
Ralf Willms: Phobos, Manutius Verlag, Heidelberg 2012
St. Veit veranstaltet am 12. und 13. Oktober schon den achtzehnten Jahrgang der Thomas-Bernhard-Tage. Im Ort gibt es einen Thomas-Bernhard-Wanderweg. Was sagen Sie zur neuen Konkurrenz in Goldegg?
Der Bernhard hat mit Goldegg wenig zu tun. In späteren Jahren ist er manchmal mit der Stavianicek im Postauto, selten im Taxi – dazu war sie zu sparsam – hinaufgefahren und zurückspaziert. Manchmal ist er auch zum Essen hinauf, aber eine echte Beziehung zu dem Ort hatte er nie.
Ist das dann nicht Trittbrettfahrerei?
Na ja. St. Veit konzentriert sich auf Vorträge über Leben und Werk des Dichters, in Goldegg machen sie jetzt Lesungen. Das war uns zu teuer, ein guter Schauspieler kostet einfach. Außerdem verlangt der Suhrkamp Verlag Tantiemen für eine Lesung – was für mich widersinnig ist. Aber so sind die einfach. Es wird die Frage sein, ob Goldegg das auf Dauer durchhält, ob die Veranstalter genügend Subventionen bekommen. Bei uns haben ein paar Leute aufgeschrieen, aber an und für sich ist nichts dagegen einzuwenden. Den Termin hätte man allerdings besser abstimmen können.
/ FAZ
Vom 14.10. – 18.10. 2012 wählt Urs Engeler das Fixpoetry-Gedicht des Tages aus. Gestern den französischsprachigen Schweizer Frédéric Wandelère:
Lyrik aus der Schweiz? La suisse n’existe pas, damit hat ein Künstler namens Ben vor Jahren den biederen Teil der Schweizer schockiert. Schockierender ist, „plötzlich“ einen solchen Giganten unter den Schweizern zu wissen. La poésie existe même en suisse!
Die vergangenen Beiträge werden temporär in der Rubrik Fixative archiviert. Dort findet man auch noch die Auswahl von Beat Brechbühl: den Ungarn Sándor Weöres, den Griechen Kavafis, den Amerikaner William Carlos Williams und dreimal den Türken Orhan Veli Kanık. (Vorsicht, Weltlyrik!)
Fratzen sickern aus Händen, Mythomanen manteln sich am Tor zu Prozessionen, wir finden Pyramidenschwestern, Würzwürfel, pomadiges Stochern, Bremsbahnen der Hirngespinste. etc.
Jinn Pogys erster Gedichtband, unter dem Titel „Golems Totems – Million-Dollar-Kirschen und verstimmte Vögel“ beim Verlagshaus J. Frank erschienen, birst vor Einfällen. Manche gefallen, zumal wenn sie gewitzt sind: „gestecknadelte Ahnen“. Daneben gibt es auch eingängige Zeilen wie „unterm Satellitenhimmel ein schwerer Mai“, „Rastest du an unseren räudigen Morgenden und dem Lächeln aus Licht“ oder gar etwas problematischer: „schnitzen wir Totenköpfe in die zagen Augenblicke“. Dann wieder findet man ron-winkler-like Zeilen wie „tageswürdiges Abseilen“ oder „ein Huf in die Magengrube“. Einige „soundarten“ klingen an, die man von kookbook-Autoren kennt. Wie bei diesen ist ihre Dichtung eine Synthese aus Abstraktem und Bildreichem, aus thematisch Konzentriertem und sprachtechnisch kunstvoll Abdriftendem. Mal befindet man sich einer „Scheichschleife“, nachdem zuvor surreal ein Hyänenkopf schräg auf der Erdkugel haftete. Dann ein plötzliches „Ficken“ am Anfang eines Gedichts, während das nächste, fast romantisch, beginnt mit „Die Nacht wächst heran“.
So oszilliert der Band zwischen in Demiurgenfeier zusammengeschlackten Sprachkreaturen („Golems“) und den Beobachtungen einer scheinbar seit jeher tumb dastehenden Welt, die aber mehr magische Kräfte besitzen soll, als ihr gemeinhin zugestanden wird („Totems“).
Man wird durchgeschüttelt in dieser Art von Poesie: in der Vielfalt der Themen ebenso wie der Intonationen, saloppen Einsprengsel und exzentrischer Brechungen. / Hendrik Jackson, lyrikkritik.de
Jinn Pogy, Golems Totems – Million-Dollar-Kirschen und verstimmte Vögel, Quartheft 32, 120 Seiten, Verlagshaus J. Frank
Öffentliche Veranstaltung
Freitag, 26. Oktober 2012
20:00
jugendkunstschule ARThus, rostock
das literaturhaus rostock startet eine neue reihe für lyrikerinnen und lyriker des landes mecklenburg-vorpommern.
gäste: odile endres, peter neumann, bertram reinecke, marcus roloff
moderation: ron winkler
musik: marten pankow
freitag, 26. oktober, 20.00 uhr
theatersaal, jugendkunstschule ARThus
kuphalstr. 77, 18069 rostock
EUR 6,- / 4,-
Kurz vor seinem 85. Geburtstag am 16. Oktober hat der Literaturnobelpreisträger einen Band mit – so Grass – „Gelegenheitsgedichten“ vorgelegt: „Eintagsfliegen“. Die Lyrik des wortmächtigen Autors und Mahners bildet den Leitfaden für das Gespräch, in dem Ulrich Wickert und Günter Grass zahlreiche Themen antippen, die für heftige Debatten in Deutschland und in der Welt gesorgt haben – und womöglich auch neue Debatten auslösen werden. / NDR
(Nun ja, bei den Gedichten fällt mir nicht als erstes „wortmächtig“ ein.)
Der Kerpener Autor Gerrit Wustmann hat den Lyrik-Wettbewerb Postpoetry 2012 gewonnen.
Die Jury – Prof. Dr. Ralph Köhnen von der Ruhr-Universität Bochum, der Lyriker Dr. Jürgen Nendza und die Autorin Monika Littau – war angetan von seinem Gedicht „Zaman/Zeit“, in dem Wustmann Erfahrungen von Türkei-Aufenthalten verarbeitet. Die Juroren sahen darin einen Konflikt angedeutet, der den interkulturellen Dialog zwischen Asien und Europa durchziehe: Der Begriff Milli hain, den der Lyriker gleich zweimal verwendet, bedeutet Vaterlandsverräter. / Ulla Jürgensonn, Kölner Stadtanzeiger
Vogel braucht manchmal bloß zwei halbe Sätze zum Gedicht, einmal sogar nur fünf Wörter, freilich mehr eine witzige Sentenz denn ein ganzes Gedicht. Vogel schiebt die Sprache vorsichtig voran, liest behutsam und silbenweise, mit der zaghaften Aufmerksamkeit einer Schildkröte oder einer Morgenstern’schen Schnecke („soll i raus? oder nit raus?“). Die Verse haben eine dünne Haut, gehen zärtlich miteinander und der Sprache um – und finden dem gelegentlich unausgesprochenen Thema Liebe neue, noch nicht verbrauchte Bilder. / Siegener Zeitung
Die Konservativen waren immer große Geschichtenerzähler; es ist ihre große Schwäche. Sie lieben es, die Augen in der Vergangenheit schweifen zu lassen, um nicht sehen zu müssen, was ihnen vor der Nase liegt. Zu der Geschichte gehört immer eine Vertreibung aus Eden, sei es durch die Hippies der 1960er Jahre, die Suffragetten, den elenden Abfall der Schtetl, die Französische Revolution, die Aufklärung, Luther, Machiavelli oder die Plünderung Roms. Als nächstes kann man sicher sein, daß sie Mallarmés Urteil wiederholen, daß „alle Poesie seit der großen homerischen Abweichung verkehrt läuft“. (Er scherzte nur halb dabei).
/ Mark Lilla in einem Essay über ein konservatives Horrorszenarium von „Obama und der Krise des Liberalismus“, New York Times Book Review 30.9. (Der deutsche Professor Hegel als Anstifter der Zerstörung des amerikanischen Liberalismus durch Obama – lesenswert!)
Neueste Kommentare