63. Buchmesse 1

Dagmara Kraus und Nicolas Cavaillès in der Lyrikbuchhandlung, 15.3. (Auf der Bank Thomas Kunst)
Dagmara Kraus und Nicolas Cavaillès in der Lyrikbuchhandlung, 15.3. (Auf der Bank Thomas Kunst)
Leipzig baut und liest
Leipzig baut und liest
Auf der Messe geht die Sonne unter
Auf der Messe geht die Sonne unter
Leipzig liest Zeitung
Leipzig liest Zeitung
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Die ukrainische Autorin Marysia Nikitiuk
Der tschechische Lyriker Radek Fridrich
Der tschechische Lyriker Radek Fridrich
Silke Peters
Silke Peters
Sascha Kokot und Tomas Kunst in der Lyrikbuchhandlung
Sascha Kokot und Tomas Kunst in der Lyrikbuchhandlung
auch hier
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62. Tschechisch auf der Messe

Der Magnesia-Literaturpreis gilt als bedeutendster tschechischer Literaturpreis. Er wird jährlich in acht Kategorien verliehen, darunter Prosa, Lyrik und Kinderbuch. Einer der Gewinnertitel der Einzelkategorien wird zusätzlich zum Buch des Jahres gewählt. Gewinner in der Kategorie Lyrik war 2012 Radek Fridrich mit dem Band „Krooa krooa“ (phonetische Nachbildung des Krähenrufs auf Tschechisch und wohl auch auf Deutsch verständlich). Er stellte das Buch heute im Café Europa auf der Leipziger Buchmesse vor (nicht ohne zweimalige geschickte Nachahmung des Krähenrufs – wird später in meiner Radiosendung dokumentiert).

Weitere Lyriklesungen heute zur gleichen Zeit zwischen 16 und 17 Uhr: die weißrussichen Lyriker Viktar Marcinovič und Valzhyna Mort, der Brasilianer Age de Carvalho, der Slowene Aleš Šteger, die Tschechin Kateřina Rudčenková, Nico Bleutge sowie die Übersetzung des klassischen persischen bzw. aserbaidschanischen Dichters Nisami. Da man sich nicht zerteilen kann, habe ich mich für Fridrich und Rudčenková entschieden. Die letzten 3 Lesungen des Tages oder die ersten des Sonnabends zwischen Mitternacht und Eins in der immer noch voll besetzten Lyrikbuchhandlung (u.a. Angelika Janz und Silke Peters). Kompliment für Leipzig!

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61. For the Delhi girl

The shock created by the rape and murder of ‚Nirbhaya‘, the Delhi rape victim, is still creating waves among the people and that fright is being reflected in the social sphere in many ways. The latest example is a book of poems, ‚Delhi Penkutikku‘ (For the Delhi girl), edited and created by the students of Kannur University’s Department of Mass Communication and Journalism.

The book is a poetic homage to the Delhi rape victim and it also strongly criticizes and raises voice against the recent Tirur rape incident and other sexual assaults on women in the state. The book is a collection of 24 poems written by the Journalism Department’s students and teachers. / P Sudhakaran, Times of India

60. Ge“türkt“

Einer anonymen Postkarte verdankte die Florentiner Gazzetta della Domenica 1880 eine Meldung, die Aufsehen erregte: Der bekannte junge Dichter Gabriele D’Annunzio, stand darauf, sei vom Pferd gestürzt und im Alter von nur 16 Jahren gestorben. Die Zeitungen berichteten betroffen.

Der zu diesem Zeitpunkt mitnichten bekannte Jungspund erfreute sich indes bester Gesundheit. Er hatte die Karte selbst geschrieben, um das Interesse an seinem ersten Gedichtband Primo Vere zu steigern. Mit Erfolg. Die getürkte Schlagzeile brachte ihn dem angestrebten Ruhm ein Stück näher. / Isabella Pohl, Der Standard

59. Exhumiert

Die sterblichen Überreste des chilenischen Literaturnobelpreisträgers Pablo Neruda sollen am 8. April exhumiert werden. Das verlautete am Dienstag aus chilenischen Justizkreisen. Ziel der Exhumierung ist es, herauszufinden, ob Neruda an Krebs starb oder ob er vergiftet wurde. / Der Standard

58. Buchpreis für Lyrikband???

LBM_Logo_13_4c_Dat_JahrFür den Preis der Leipziger Buchmesse ist Lyrik an sich nicht vorgesehen. Zu abseitig, nicht vermittel-, nicht zumutbar*.

Die Vorjury hat doch einen Weg gefunden und einen Gedichtband in der Kategorie Übersetzung eingeschmuggelt. Und die Jury hat diesem Gedichtband – schlechtes Gewissen? – nun den Preis zuerkannt. Die Übersetzerin Eva Hesse erhielt den Preis für ihre Übersetzung der Cantos von Ezra Pound. Die Jury lobte ihren (der Übersetzung? der Übersetzerin?) „großen Scharfsinn“. Die 1925 in Berlin geborene Übersetzerin konnte wegen Krankheit den Preis nicht selbst entgegennehmen. Eva Hesse übersetzte u.a. auch E.E. Cummings, T.S. Eliot und Samuel Beckett.

Der Hauptpreis (€ 15.000) geht an David Wagner für seinen Roman Leben, der Sachbuchpreis an Helmut Böttiger für sein Werk Die Gruppe 47: Als die deutsche Literatur Geschichte schrieb.

(Und ich geh jetzt zur Moritzbastei, da lesen junge Lyriker).

*) Juryvorsitzender Hubert Winkels: „Wenn wir einen Lyrik-Band auszeichnen würden, würden viele lange Gesichter machen. Man würde auch Schelte bekommen. Bei großen Preisen sollte man keinen exotischen Weg gehen und nach Kleinverlagen mit avantgardistischer Lyrik suchen. Das wäre der falsche Weg. Man adressiert sich an ein großes nationales, ja internationales Publikum. Natürlich freut man sich, ein Buch auszuzeichnen, das anschließend eine große Zahl von Lesern hat.“ (Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, 30.9. 12). Vgl. hier https://lyrikzeitung.com/2012/09/27/113-buchpreis/

57. Überlebensmittel

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Manche der aus sechs Nationen stammenden Verfasser haben nur ein Gedicht hinterlassen, andere schrieben drei, vier oder fünf. André Verdet und Yves Boulongne hatten die Texte versteckt und nach Befreiung des Lagers mit nach Frankreich genommen. Schon der Besitz von Schreibmaterial war im KZ Buchenwald strengstens verboten. Gleich nach dem Krieg, 1945, gaben Verdet und Boulongne eine Gedicht-Anthologie in nur drei Exemplaren heraus, eine zweite Auflage ebenfalls in französischer Sprache erschien 1995. Jetzt liegt die mit dem originalen Vorwort von André Verdet eingeleitete Anthologie erstmals auch auf Deutsch vor. Ihre Premiere erlebt die Neuerscheinung aus dem Wallstein Verlag am morgigen Donnerstag zur Leipziger Buchmesse im Rahmen der Reihe „Leipzig liest“ (Sächsische Akademie der Wissenschaften, 18 Uhr). (…)

Die Gedichte waren für die Häftlinge Überlebensmittel, sie halfen ihnen „sich als Mensch zu behaupten und sich selbst zu retten“, beschreibt Annette Seemann. Es geht um den Lageralltag, um Hunger, Kälte, Todesangst, aber auch um Liebe, Heimat, die Solidarität unter den Häftlingen. / Christiane Weber, Thüringische Landeszeitung

In Weimar wird das Buch am Montag, 18. März, 18 Uhr, in der Herzogin Anna AmaliaBibliothek vorgestellt.

56. Überholt

In einem Blog, 28.2. (Auszug):

I want a new pope
One that won’t make me sick
One that won’t make me crash my car
Or make me feel three feet thick

I want a new pope
One that won’t hurt my head
One that won’t make my mouth too dry
Or make my eyes too red

(…)

I want a new pope
One that won’t go away
One that won’t keep me up all night
One that won’t make me sleep all day

One that won’t make me nervous
Wonderin‘ what to do
One that makes me feel like I feel when I’m with you
When I’m alone with you
I’m alone with you baby

I want a new pope
One that does what it should
One that won’t make me feel too bad
One that won’t make me feel too good

(…)

Mehr

55. Von der lit.cologne

Gedichte aus dem LED-Zeitalter also. Das klingt, nun ja, modern? Hell? Erleuchtend? Ein Beispiel. „Was nicht passt, ist die Zukunft von früher.“ Punkt. Schnell wird klar, vor allem sind die Gedichte von Judith Nika Pfeifer eins: kurz. Und: anders. Wieso die künstlerische Epoche Pfeifers als LED-Zeitalter beschrieben wird, leuchtet ein. Ihre Gedichte blinken auf, schnellen für einen kurzen Moment intensiv empor. Und hinterlassen bisweilen Dunkelheit, zumindest in der Verständnisfrage. „Ich muss ehrlich sagen, ich habe kein einziges Gedicht verstanden“, sagt ein Zuhörer.

(…) als die Wienerin ein wenig aufgeregt frei heraus mitteilte, sich bei ihren durchaus speziellen Texten teilweise gar nicht so viel gedacht zu haben. Sie einfach im Kopf gehabt hätte. Und die Interpretation doch den Lesern überlassen wolle. „So einfach ist es nicht“ tadelte sie die vorzügliche Moderatorin, Literaturkritikerin Verena Auffermann. / Michael Krämer, Kölner Stadtanzeiger

Für Schnellleser in Kurzfassung:

Gedichte aus dem LED-Zeitalter also. Das klingt, nun ja, modern? Hell? Erleuchtend? Ein Beispiel. „Was nicht passt, ist die Zukunft von früher.“ Punkt. Schnell wird klar, vor allem sind die Gedichte von Judith Nika Pfeifer eins: kurz. Und: anders. Wieso die künstlerische Epoche Pfeifers als LED-Zeitalter beschrieben wird, leuchtet ein. Ihre Gedichte blinken auf, schnellen für einen kurzen Moment intensiv empor. Und hinterlassen bisweilen Dunkelheit, zumindest in der Verständnisfrage. „Ich muss ehrlich sagen, ich habe kein einziges Gedicht verstanden“, sagt ein Zuhörer.

(…) als die Wienerin ein wenig aufgeregt frei heraus mitteilte, sich bei ihren durchaus speziellen Texten teilweise gar nicht so viel gedacht zu haben. Sie einfach im Kopf gehabt hätte. Und die Interpretation doch den Lesern überlassen wolle. „So einfach ist es nicht“ tadelte sie die vorzügliche Moderatorin, Literaturkritikerin Verena Auffermann.

54. Zum Welttag der Poesie

Widerstandsnester gegen den Sprachmüll – zum Welttag der Poesie

Poesie ist Sprachkunst in konzentrierter Form. Sie schafft neue Ausdrucksmöglichkeiten und gibt uns Worte, wo die Worte fehlen. Sie dekonstruiert Sprache dort, wo sie missbraucht, banalisiert oder abgenutzt ist, und reinigt sie vom Sprachmüll. Mit einer Lesung in der Stiftung Brandenburger Tor feiern die Literaturwerkstatt Berlin und ihre Partner am Mittwoch, 20.3.2012 den UNESCO-Welttag der Poesie. Mit dabei sind Gérard Haller (Frankreich), Orsolya Kalász (Deutschland / Ungarn), Remi Raji (Nigeria), Tomas Venclova (Litauen), Yang Lian (Großbritannien /  China).
Aus dem gleichen Anlass befragt lyrikline.org, die Webseite für Poesie, Dichter und Dichterinnen nach dem Ort, an dem sie schreiben, und präsentiert die Fotos und Texte auf dem lyrikline-Blog. Auskunft über ihren Ort des Schreibens geben u.a. Eirikur Örn Norddahl (Island), Yan Jun (China), Ghayat Almadhoun (Schweden), Erín Mouré (Quebec) und aus Deutschland der visuelle Poet Klaus Peter Dencker.

„In Verlagen hat Lyrik einen schweren Stand, da sich mit ihr selten hohe Auflagen erzielen lassen. Durch das Internet werden Kommunikationsformen begünstigt, bei denen es auf Kürze und Bündelung ankommt. Die lyrische Verdichtung ist eine ideale Schule für die Poesie des Augenblicks, wie sie im Zeitalter der Smartphones inzwischen massenhaft praktiziert wird. Sie lehrt, wie sich in der sprachlichen Konzentration Ausdrucksmöglichkeiten erweitern. Die älteste literarische Gattung ist vermutlich die aktuellste“, sagt Dr. Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission.
Prof. Monika Grütters (MdB), Gastgeberin der Veranstaltung zum Welttag der Poesie, betont die Bedeutung des Welttages für den Schutz der Sprachkunst:
„Ähnlich wie beim Schutz des immateriellen Kulturerbes geht es auch beim UNESCO-Welttag der Poesie darum, das Bewusstsein zu schärfen für die Tradition mündlicher Überlieferung, für die Vielfalt des Kulturgutes Sprache und dafür, diese Schätze aktiv zu pflegen. Die Poesie löst dabei keine Massenbewegung aus, sie ist eher wie ein Widerstandsnest in der Flut an Sprachmüll. Sie lädt zum Hinhören und Innehalten ein, und das gilt weltweit. Was will man mehr?“

Der UNESCO-Welttag der Poesie würdigt den Stellenwert der Poesie, die Vielfalt des Kulturguts Sprache und die Bedeutung mündlicher Traditionen. Er weist der Dichtkunst einen zentralen Platz im kulturellen und gesellschaftlichen Leben zu. Seitdem er im Jahr 2000 ins Leben gerufen wurde, organisiert die Literaturwerkstatt Berlin gemeinsam mit ihren Partnern die zentrale Veranstaltung zum Welttag der Poesie in Deutschland.

Die Feier zum Welttag der Poesie ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Stiftung Brandenburger Tor mit der Akademie Schloss Solitude und dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD.
Unter der Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission.

Die Literaturwerkstatt Berlin führt eine Kampagne zur Gründung eines Deutschen Zentrums für Poesie. Dieses Poesiezentrum wird Informations-, Arbeits-, Begegnungs- und Veranstaltungsstätte für Dichterinnen und Dichter sein, für die interessierte Öffentlichkeit aller Altersstufen, für Verleger, für Lernende und Lehrende, für Medien und Multiplikatoren aus dem In- und Ausland. Weitere Informationen unter www.poesiezentrum.de

Mi, 20.3.2012, 20.00 Uhr
Welttag der Poesie
Stiftung Brandenburger Tor, Max Liebermann Haus, Pariser Platz 7, 10117 Berlin.
Mit dabei sind Gérard Haller (Frankreich), Orsolya Kalász (Deutschland / Ungarn), Remi Raji (Nigeria), Tomas Venclova (Litauen), Yang Lian (Großbritannien /  China).

53. Das Raue – Aufbrüche auf ungebahnte Wege

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Freitag 15.3.
21:00 bis 23:00

Galerie KUB Kantstraße 18

Ein barocker Dichterwettstreit, die Dichtergruppe um Arno Holz, Fragmenttexte von Angelika Janz

Mit Angelika Janz, Jürgen Buchmann, Robert Wohlleben

Marino griff bewusst über den verbindlichen stilistischen Kanon hinaus und befreite die Zeichen von Ihrer Bindung an den sachlichen Gehalt. Die Eigenstofflichkeit der Zeichen beginnt sich vorlaut in den Sinn einzumischen, die Laute führen seltsame Tänze auf … Von den Zeitgenossen wurde er dafür angegriffen, sein (unterlegener) Kontrahent in einer zunächst in Sonetten ausgetragenen Fehde versuchte gar, ihn zu erschießen.

Während Marino die Konventionen des Gedichts durch Überspitzung hintergeht, beginnen Arno Holz und seine Mitstreiter sie durch radikalen Verzicht auf hergebrachte Schmuckmittel in vorher nie dagewesener Konsequenz zu umgehen. Wie macht man das Gespräch über Alltagsdinge in schlichter Rede kunstfähig?

Angelika Janz in der Konsequenz der Zuspitzung des Ingeniums eher ein Nachfahre Marionos, generiert ihre Fragmenttexte aus zufälligen Textfundstücken und setzt so auch das naturalistische Begehren auf überraschende Weise fort. Der materiale Aspekt lässt diese Textfragmente gleichzeitig zu Artefakten der bildenden Kunst werden.

52. Lange Leipziger Lesenacht

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L3 Lange Leipziger Lesenacht
14. März 2013 | 20:00
Mitwirkende:
Sascha Kokot, Simone Kornappel, Levin Westermann
Veranstalter:
ClaraPark, Leipziger Buchmesse, Moritzbastei , luxbooks,edition AZUR
Beschreibung:
Sascha Kokot „Rodung“; Levin Westermann; Simone Kornappel „Raumanzug“
Ort:
Moritzbastei, Ratstonne Universitätsstr. 9, 04109, Leipzig (Zentrum)
Eintritt:
Tageskasse / Abendkasse , 10 / 7€ erm.
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L3 Lange Leipziger Lesenacht
14. März 2013 | 21:00
Mitwirkende:
Sünje Lewejohann, Christian Schloyer, Jan Skudlarek
Moderation:
Ulrike Feibig
Veranstalter:
ClaraPark, Leipziger Buchmesse, Moritzbastei , poetenladen , luxbooks, CVB
Beschreibung:
Sünje Lewejohann „In den Hirschen“; Jan Skudlarek „landzungen“; Christian Schloyer „panik · blüten“
Ort:
Moritzbastei, Schwalbennest, Universitätstr. 9, 04109, Leipzig (Zentrum)
Eintritt:
Tageskasse / Abendkasse , 10 / 7€ erm.

 

51. Teil der Bewegung

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Teil der Bewegung. Lyriknacht an Musik

16. März 2013 | 20:00

Mitwirkende:

Martina Hefter, Kerstin Hensel, Simone Kornappel, Steffen Popp, Lars Reyer, Rike Scheffler (Musik), Jan Skudlarek, Charlotte Warsen, Martina Weber, Aleš Šteger

Veranstalter:

Schöffling & Co. poetenladen , kookbooks, luxbooks, Texttonlabel KOOK , Edit e.V.

Art der Veranstaltung:

Lesung mit Musik

Ort:

Hochschule für Grafik und Buchkunst, Wächterstr. 11, 04107, Leipzig (Süd)

 

50. Gelächter

Gaspare Mùrtola, La Marineïde, Risata No. 26

Poiché Marin ti piace lodare
In ogni tuo Sonetto over canzone
Ch´io mi trovo un grosso piffarone,
Da far tutte le donne in frega andare,

Io perché non ti voglio ingiuria fare
Con dar una mentita alle persone.
Dirò, che dici il vero, e c´hai ragione,
E te ne voglio ancora ringratiare.

E s´ancor non temessi di privarmi
Di questa si abbondante cornucopia,
E tagliarmi il preputio, e Giudeo farmi.

A fe io ti prometto da Dottore
Ch´a te, che ne sei senza, e n´hai inopia
Verrei per farten parte, e di bon core.
Ma se t´usò rigore

La natura avarissima, e fu scarsa
Di ciò, ch´a me più liberal è apparsa
Acciò di quella sfarsa

Tu non ti dogli, e come fu ragione
Ti dè tanto più colpa di coglione.

Gelächter Nr. 26 Da du beliebst, Marino, in jedem deiner Sonette / Oder Lieder davon Aufhebens zu machen, / Ich sei ein Flötenbläser,* / Dem die Frauen brünstig hinterher seien,**Will ich nicht unfair sein, / Indem ich dich vor anderen der Lüge zeihe: / Ich werde sagen, dass du die Wahrheit sprichst und richtig
liegst, / Und will mich auch noch schön bei dir bedanken.

Und wenn es mich nicht reute, mich dieses Füllhorns, / Das so unerschöpflich
ist, zu berauben, / Würde ich auch noch einen Juden
aus mir machen und mir die Vorhaut abschneiden.

Ich schwöre dir bei meinem Ehrenwort als Doktor: / Ich würde dir, der ohne ist und keinen hat, / Und zwar von Herzen gern, von meinem Schwanz ein Zipfelchen spendieren.

Doch wenn dich die Natur mit Missgunst / Und größtem Geiz behandelt hat und mit dem kargte, / Worin sie sich bei mir soviel verschwenderischer zeigte,

So hat sie doch, damit du diesen Schimpf / Nicht allzu schmerzlich
fühlst, / Umso verdienterermaßen aus dir ein Ei gemacht.***

*) Piffarone ist im Toskanischen im allgemeinen ein Ausdruck für einen Dummkopf; der Zusammenhang macht allerdings die ursprüngliche Bedeutung eines Flötenspielers, der andere zum Tanzen bringt, plausibel.
Nicht unpassend hat das Gedicht die Form eines sonetto caudato oder „geschwänzten Sonetts“ (technisch gesprochen handelt es sich um ein Sonett mit zusätzlichen Dreizeilern).
**) Die Murtoleïde spricht zwar nirgends von amourösen Heldentaten Mùrtolas; in seiner ungebrochenen Macho-Herrlichkeit gehört das Gedicht nichtsdestotrotz zu den komischsten der Marineïde.
***) ein Ei: Ital. un coglione, „Hoden” oder „Trottel”

A.a.O. (s. vorigen Beitrag) S. 16f

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Veranstaltungen des Verlages zur Leipziger Buchmesse

  • Do. 14.3. 22:30 Uhr Der Übersetzer Jürgen Buchmann liest aus „Episteln und Pistolen“ einer barocker Dichterfehde zwischen Marino und Mùrtola, ausgetragen zunächst mit Sonetten, gipfelte sie in einem Mordanschlag. Anschließend: 23.00 Uhr: Der Herausgeber Robert Wohlleben liest aus „Hieb und Stichfest“. Der Streit ums Sonett zwischen Lothar Klünner, Klaus M. Rarisch und ihren Freunden – scharfsinnig komisch, aber auch voll von bitterem Ernst. Moderation Bertram Reinecke Lyrikbuchhandlung Karl-Heine-Str. 59, 04229, Leipzig (West)
  • Fr. 15.3. Ein 21.00 Uhr Die Dichterfehde zwischen Marino und Mùrtola vorgestellt vom Übersetzer Jürgen Buchmann, der Aufbruch der Lyriker um Arno Holz, vorgestellt von Herausgeber Robert Wohlleben, Fragmenttexte von Angelika Janz, Moderation Bertram Reinecke Galerie KUB Kanststraße 18
  • Sa 16. 3. 13:30 Uhr, Jürgen Buchmann liest aus „Grammatik der Sprachen von Babel“, Moderation Bertram Reinecke Messegelände, Sachbuchforum Halle 5 Stand A211
  • Sa 16. 3. 15:00 Uhr 1. Leipziger Autorenrunde Bertram Reinecke äußert sich im Tischgespräch als Verleger über die Perspektiven der Lyrik. Ausführliche Informationen finden Sie unter http://www.leipziger-autorenrunde.de Messegelände CCL Mehrzweckfläche 3 – Fachforum 3 (Anmeldung erforderlich)
  • Sa 16.3. 18.30 Uhr,  „Antreten zum Dichten“ Die Lyrikgruppe um Arno Holz, vorgestellt vom Herausgeber Robert Wohlleben. Moderation Henner Kotte, Buchhandlung Hugendubel, Petersstr. 12-14, 04109

Zu den Lesungen ist der Eintritt kostenlos. (Zu Veranstaltungen auf dem Messegelände ist der Messeeintritt erforderlich.) Besuchen Sie uns auch auf unserem Messestand: Halle 5, D 113.

49. Fehde

Aus der Rivalität zweier Literaten am herzoglichen Hofe, Gaspare Mùrtola (1570-1624) und Giambattista Marino (1569-1625), entwickelte sich eine Fehde, die mit Sonetten begann und mit einem mörderischen Showdown endete. Die Texte dieses Versduells, gleich bemerkenswert durch ihre Angriffslust, ihre Obszönität, ihre bizarre Phantasie und die einzigartige technische Bravour des einen der beiden Kontrahenten, waren im 17. Jahrhundert in nicht weniger als acht gedruckten Ausgaben verbreitet, darunter sieben Raubdrucke. Ihnen zur Seite stehen autobiographische Zeugnisse, die zu den glänzendsten Seiten der italienischen Briefliteratur gehören.

(Aus der Einleitung)

Ausgemacht [ist], daß niemahls ein Dichter gebohren worden, dem die Natur ihre wunderbaren Gaben reichlicher mitgetheilet. Niemand hat je eine so unglaubliche Fähigkeit zur Dicht-Kunst, niemand mehr lebhafftes, scharffsinniges und annehmliches zugleich besessen. Daher man ihn billig an Erfindung dem Ariosti, an Majestät dem Tasso, an Kürtze aber sich selbst nur gleich geschätzt. Er war in der Tat ein Glantz der Welschen Wolredenheit, er wußte durch seine geistreiche Einfälle die Gemüther mit wundersamen Reitzungen einzunehmen, weil er sowohl in schertz- als ernsthafften Gedichten vollkommen glücklich gewesen. Kurtz, er erwarb besonders durch seine Lyrische Schreib-Art nicht minder Ruhm als Anacreon, und an Menge selbstverfertigter Schrifften haben es ihm wenige gleich oder zuvor gethan.

(Barthold Hinrich Brockes)

Mit Erlaubnis des Verlages hier und in der folgenden Nachricht je ein Gedicht der Kontrahenten.

Giambattista Marino, La Murtoleïde,
Fischiata No. 17

Soletto e sequestrato da le genti,
Di gravosi pensieri onusto e carco
L´altra mattina il Mùrtola sul parco1
Già poetando a tardi passi e lenti,

E con certi atti e certi svenimento,
E con un ceffo acconcio a far san Marco,
Stringea le labbra e torcea gli occhi in arco
Da spiritar il cielo e gli elementi.

Io, che osservavo le scempiezze sue,
Gli tenni dietro e ritrovai stampate,
L`orme sopra l´arena, a due e due.

Onde a cose sì nuove e disusate
Trasecolai e non credea che un bue
Potesse far umane le pedate.

Auspfiff Nr. 17

Allein und ferne vom Getriebe* / Von gewichtigen Gedanken schwer und beladen, / [Wanderte] gestern morgen Mùrtola über den Park,** / Bereits beim Dichten, mit langsamen und schleppenden Schritten.

Und mit einer Art von Gehampel und ekstatischem Getue / Nebst einer Miene, wie gemacht, den heiligen Markus zu mimen,*** / Verzog er die Lippen und rollte die Augen, / Um Himmel und Elementen den Geist der Poesie einzuhauchen.

Ich, Zeuge seiner halbverrückten Launen, / Hielt mich gleich hinter
ihm und fand dem Sande / Paarweise seine Tritte eingeprägt,

Weshalb ich, angesichts so neuer und ungewohnter Dinge, / Erstaunte
und nicht glauben wollte, ein Ochse / Vermöchte Spuren ganz wie ein Mensch zu hinterlassen.

*) Eine Anspielung auf das berühmte 35. Sonett des Canzoniere oder „Liederbuchs” von Francesco Petrarca (1304-1374): Solo e pensoso i più deserti campi, „Allein und in Gedanken, durch verlassenste Gefilde…“
**) Am Ufer des Pos befand sich in einiger Entfernung von der Residenz ein ausgedehnter herzoglicher Park mit einer Menagerie, der Schauplatz einiger Gedichte der Murtoleïde ist.
***) Sankt Markus: der Evangelist

Aus: Giambattista Marino, Gaspare Mùrtola; Episteln und Pistolen
Leipzig: Reinecke & Voß, 1. Auflage 2013 (S. 23)
19x12cm. 9 Euro
ISBN 978-3-942901-08-6