10. Kuhlbrodt & Hefter

Am kommenden Freitag gibt es eine ganz besondere Lesung in unserer Lesereihe „Poetische Wahlverwandtschaften“ mit Jan Kuhlbrodt und Martina Hefter!
Über die Lesereihe:

Autorinnen und Autoren des Verlagshaus J. Frank | Berlin laden ihre Wunschautor_innen ein, mit deren Literatur sie eine besondere Beziehung verbindet. Diesseits ihrer Schreibtische ergibt sich so für jeden Abend ein neues poetisches Paar, findet in der intimen Atmosphäre der Z-Bar eine literarische Begegnung statt: Die Autor_innen stellen sich einander und dem Publikum in Lesungen vor, lassen ihre Gedichte miteinander in Austausch treten. Sie sprechen über ihre Poetiken, über das, was ihrem Schreiben zugrunde liegt, diskutieren über Gegenwartslyrik und Lyrik in der Gegenwart, über Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Sprache, kurz: sie gewähren einen Blick hinter die Kulissen und zwischen die Zeilen.
Jan Kuhlbrodt und Martina Hefter
Freitag, 4.10., 21:00 Uhr
Z-Bar, Bergstr. 2, Berlin-Mitte
Eintritt: 5,- €

 

Jan Kuhlbrodt

Geboren 1966 in Chemnitz, lebt als Autor und Herausgeber in Leipzig. Er studierte Ökonomie, Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaften in Leipzig und Frankfurt/Main sowie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

Jan Kuhlbrodt hatte verschiedene Lehraufträge und Gastdozenturen für Literatur und Kreatives Schreiben und war Redakteur bei EDIT und Ostragehege.

Von Kuhlbrodt erschienen mehrere Prosa- und Lyrikbände (u. a. die Romane Schneckenparadies, 2008, und Vor der Schrift, 2010).

Auszeichnungen u.a.: Arbeitsstipendium der Kulturstiftung Sachsen; Autorenförderungsprogramm der Stiftung Niedersachsen.

Zuletzt erschienen:
Geschichte. Essay (Band 1 der Edition Poeticon), Verlagshaus J. Frank 2013
Stötzers Lied. Gesang vom Leben danach, Verlagshaus J. Frank 2013

 

Martina Hefter

Geboren 1965 in Pfronten/Allgäu, lebt als Dichterin und Performerin in Leipzig. Neben ihrer literarischen Arbeit beschäftigt sich Martina Hefter mit Projekten, die Text und Bewegung zusammenbringen. Zuletzt veröffentlichte sie die Gedichtbände „Nach den Diskotheken“ (kookbooks, Berlin 2010) und „Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch“, (kookbooks, Berlin 2013). 2012 war sie Initiatorin und künstlerische Leiterin von „Bewegungsschreiber. Dichtung trifft Tanz“ am Dock 11, Berlin. Martina Hefter zeigte in der Lofft-Werkstatt Leipzig die Tanz-Gedicht-Performance „Vier Gedichte mal vier Tanzsequenzen“ (2010) und hielt am Deutschen Literaturinstitut Leipzig sowie im offenen Programm der Scala Leipzig den Vortrag in Bewegung „Im Liegen lesen“ (2009/10).
Im August 2013 gestaltete sie im Rahmen des Projekts „Sprechende Gänge. KOOKwalks durch Berlin“ ein choreografisches Spiel, in dem Meinungen und Haltungen zu Gedichten eine räumliche Installation bilden.

Zuletzt bei KOOKbooks erschienen:
Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch · Gedichte
DAS AMORTISIERT SICH NICHT · 10 Jahre kookbooks. Das Jubelprogramm.
Nach den Diskotheken · Gedichte

 

9. Kindertodtenlieder

Die Rückert-Gesellschaft lädt anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens zu einer Tagung in das Museum Otto Schäfer ein. Thema sind Friedrich Rückerts „Kindertodtenlieder“, die 1872 von dessen Sohn Heinrich anonym aus dem Nachlass herausgegeben wurden. Friedrich Rückert selbst hatte diese mehr als 400 Gedichte in dem Jahr nach dem Tod seiner beiden jüngsten Kinder Luise und Ernst verfasst und sie nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Hans Wollschläger, der die „Kindertodtenlieder“ 1988 wieder herausgegeben hat nannte sie eine „Schmerzsprache eines Schicksals über den Schicksalen, jetztlos und nie endend“. / Mainpost

8. Franziskanisch

Wie gehen heute Lyrik, Herzlichkeit und Bewahrung der Schöpfung zusammen. Auf eine franziskanische Spurensuche begeben sich die Teilnehmer einer Veranstaltung am Freitag um 20 Uhr im Kelheimer Orgelmuseum … / Donaukurier

7. Holzwege

Gerhard Zwerenz, Erstdruck neue deutsche Literatur 10/90

In einem Nachruf von Zwerenz auf Erich Loest im Poetenladen

6. Herrlich & herrisch

Immer, wenn Peter Handke übersetzt, will er uns auch einen Autor, den er schätzt, ins Bewusstsein bringen; es sind in einem guten Sinne «Freundschaftsdienste». Das gilt auch für Dimitri T. Analis, den 2012 verstorbenen griechischen Dichter, der französisch schrieb; Handkes Analis-Auswahl heisst «Präludium zur neuen Kälte der Welt» (Jung und Jung), Handke las sie zusammen mit seiner französischen Frau Sophie Semin. Er könne Analis‘ Gedichte ganz ernst nehmen, es gebe «nichts Herrlicheres». René Char zum Beispiel sei ein «herrischer Dichter», Analis dagegen spreche mit sich selbst, vielleicht seien seine Selbstgespräche an «verlassene Zimmer» gerichtet, um einen Roman von Hermann Lenz zu nennen.

Schliesslich las er noch mit seinem serbischen Übersetzer Žarko Radaković (der ausdrücklich sagte, er übersetze ins Serbokroatische, es sei eine Sprache) das Gedicht «Vielleicht schläft sie» des serbischen Symbolisten Vladislav Petrović Dis (1880–1917), ein Gedicht, das sich selbst strukturiere, weil es keine rhythmischen und seelischen Grenzen kenne; Radaković und Handke haben es zusammen ins Deutsche übertragen. / Peter Urban-Halle, NZZ 25.9.

5. Babelsprech

Lyrisches Davos: Babelsprech in Lana

Am Sonntag, 29.9.2013 ist das Treffen junger Lyriker und Lyrikerinnen „Babelsprech“ in Lana/Südtirol zu Ende gegangen. Das Treffen möge zu einem „lyrischen Davos“ werden, von dem wesentliche Impulse für die aktuelle Lyrik ausgehen, diesen Wunsch gab Friederike Tappe-Hornbostel von der Kulturstiftung des Bundes dem auf zwei Jahre angelegten Projekt mit auf den Weg.
„Babelsprech“ ist ein Projekt der Literaturwerkstatt Berlin und des Literaturhauses Wien. Es wurde mit dem Ziel ins Leben gerufenen, erstmals eine breiteDiskussion über die Möglichkeiten zeitgenössischer deutschsprachiger Lyrik und ihrer Vermittlung zu initiieren. Darüber hinaus soll „Babelsprech“ auch zu einer Vernetzung junger Schreibender in den deutschsprachigen Ländern beitragen. Das Projekt wird von drei jungen Lyrikern kuratiert und geleitet: Max Czollek (Deutschland), Robert Prosser (Österreich) und Michael Fehr (Schweiz).

An dem Treffen in Lana nahmen 29 Lyriker und Lyrikerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil, alle Teilnehmer/innen waren nach 1980 geboren.
Die Dichterin Anja Utler (*1973) hielt einen Impulsvortrag zum Thema „Sprache ist Dichtung ist Performanz“, der Dichter Raoul Schrott (*1964) zu „Historische (Un-)Möglichkeiten lyrischer Positionen“ und der Lektor Thorsten Ahrend (*1960) (Wallenstein Verlag) zu „Lyrik in Aktion. Medien und Öffentlichkeit“.

Auf der Konferenz wurden verschiedene Fragen diskutiert, u.a.:

  • Was ist die Position der Schreibenden aus den jeweiligen Ländern zum Literaturbetrieb?
  • Wie sehen die Poetologien aus, mit denen junge Lyrik arbeitet?
  • In welchen medialen Erscheinungsformen kann Lyrik umgesetzt werden?
  • Wie gestaltet sich der internationale Austausch zwischen den Schreibenden?
  • Wie kann zeitgenössische Lyrik einer breiteren Öffentlichkeit vermittelt werden?

Die Diskussion wird auf der zeitgleich eröffneten Internetplattform www.babelsprech.org fortgesetzt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

„Babelsprech“ geht weiter:
Nach der Konferenz in Lana und dem Start von www.babelsprech.org beginnt am 27.11.2013 in Zürich die Veranstaltungsreihe „Babelsprech live“ mit Lesungen, Diskussionsgruppen und Textwerkstätten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die nächsten Veranstaltungen finden am 28.11.2013 im Literaturhaus Wien und am 5.12.2013 in der Literaturwerkstatt Berlin statt. Weitere Termine werden auf der Internetplattform bekannt gegeben.
Den Abschluss macht die für Herbst 2015 geplante Anthologie „Lyrik von Jetzt 3 / Babelsprech“, die im Wallstein Verlag erscheinen und rund 100 Stimmen junger Dichterinnen und Dichter aus dem deutschsprachigen Raum versammeln wird.

Teilnehmende:
Deutschland: Kathrin Bach, Yevgeniy Breyger, Peter Dietze, Christiane Heidrich, Tim Holland, Anja Kampmann, Dagmara Kraus, Alexander Makowka, Tristan Marquardt, Charlotte Warsen, Mónika Koncz, Rick Reuther, Lea Schneider, Michael Spyra, Max Wallenhorst
Österreich: Martin Fritz, Reinhard Lechner, Oravin, Sophie Reyer, Lydia Steinbacher, Esther Strauß, Christoph Szalay, Matthias Vieider (Südtirol)
Schweiz: Barbara Arnold, Sascha Garzetti, Wolfram Höll, Simone Lappert, Patrick Savolainen, Michelle Steinbeck

Babelsprech ist eine Initiative der Literaturwerkstatt Berlin und des Literaturhauses Wien, in Kooperation mit Literatur Lana, Kaufleuten Zürich, dem Robert Walser-Zentrum sowie dem Wallstein Verlag.
Das Projekt wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes (Deutschland), vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (Österreich) und von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung.

4. American Life in Poetry: Column 437

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

To capture an object in words is a difficult chore, but when it’s done exceptionally well, as in this poem by A. E. Stallings, I’d rather read the description than see the object itself. A. E. Stallings is an American poet living in Greece.

The Pull Toy

You squeezed its leash in your fist,
It followed where you led:
Tick, tock, tick, tock,
Nodding its wooden head.

Wagging a tail on a spring,
Its wheels gearing lackety-clack,
Dogging your heels the length of the house,
Though you seldom glanced back.

It didn’t mind being dragged
When it toppled on its side
Scraping its coat of primary colors:
Love has no pride.

But now that you run and climb
And leap, it has no hope
Of keeping up, so it sits, hunched
At the end of its short rope

And dreams of a rummage sale
Where it’s snapped up for a song,
And of somebody—somebody just like you—
Stringing it along.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by A. E. Stallings, whose most recent book of poems is Olives, Northwestern University Press, 2012. Poem reprinted from Five Points, Vol. 14, no. 3, by permission of A. E. Stallings and the publisher. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

3. KÜNSTE IM EXIL

DIE VIRTUELLE AUSSTELLUNG UND DAS NETZWERK KÜNSTE IM EXIL

Material zu Bertolt Brecht, Jo Mihaly, Herta Müller, Kurt Schwitters, Liao Yiwu und vielen anderen

Hier

Künste im Exil ist eine Ausstellung im virtuellen Raum, die sich den Künsten unter den Bedingungen des Exils zuwendet. Ihr Anliegen ist es, das Exil von Künstlern in seiner ganzen Vielschichtigkeit zu zeigen und in der gegenwärtigen deutschen Erinnerungskultur zu verankern.

In Deutschland steht das Thema Exil unter ganz besonderen Vorzeichen, denn Exil bedeutet hier sehr gegensätzliche Phänomene: waren in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft zwischen 1933 und 1945 tausende von Künstlern gezwungen, sich ins Exil zu flüchten, so wurden die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik nach 1945 zu Ländern, in denen verfolgte Künstler – teilweise sogar vom einen ins andere Deutschland emigrierend – Zuflucht suchten. Bis heute suchen auch in der Bundesrepublik Deutschland verfolgte Künstler Zuflucht.

Künste im Exil widmet sich vor diesem facettenreichen Hintergrund Künsten und Künstlern im Exil. Die Ausstellung orientiert sich in ihrem konzeptionellen Aufbau nicht an historischen Epocheneinteilungen, sondern wendet sich vielmehr den Gemeinsamkeiten und den Unterschieden des Phänomens Exil zu. Es sind gerade die unerwarteten Verbindungslinien zwischen historisch spezifischen Exil-Situationen, die das Thema Exil so spannend machen. Die Ausstellung nimmt mit dieser Herangehensweise auch aktuelle Positionen der Exilforschung auf. Sie stellt die Frage danach, was Exil ist, und daran anschließend die Frage, was ,Exil-Kunst‘ sein könnte, neu.

Auf Wunsch des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Bernd Neumann, hat das Deutsche Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek im Jahr 2012 die Federführung und Koordination der virtuellen Ausstellung übernommen. Gemeinsam mit den Agenturen Iglhaut + von Grote und ]Init[ AG wurde das inhaltliche und technische Konzept der virtuellen Ausstellung erarbeitet. An der Entwicklung des inhaltlichen Konzepts war zudem von Anbeginn an das Deutsche Literaturarchiv Marbach beteiligt, das auch den museumspädagogischen Bereich der virtuellen Ausstellung konzipiert hat.

Das Vorhaben versteht sich ganz ausdrücklich als ein Netzwerkprojekt: in die virtuelle Ausstellung fließen die Inhalte und Ergebnisse von Forschungseinrichtungen, Archiven, Ausstellungshäusern und Initiativen im In- und Ausland ein. Die am Netzwerk Künste im Exil beteiligten Partnerinstitutionen treffen sich in regelmäßigen Abständen zu Netzwerktreffen, um aktuelle Forschungspositionen zu diskutieren und sich über die konzeptionelle Ausrichtung der virtuellen Ausstellung auszutauschen.

Das Projekt Künste im Exil wird zudem von einem Beirat begleitet, dem Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel, Prof. Doerte Bischoff, Prof. Dan Diner, Prof. Burcu Dogramaci, Abbas Khider, Dr. Ursula Langkau-Alex, Prof. Michaela Melián und Volker Weidermann angehören.

Darüber hinaus steuern die Netzwerkpartner Objekte aus ihren Archiv-Beständen sowie inhaltliche Beiträge und Anregungen bei. Damit das Projekt Künste im Exil in eine lebendige und stetig wachsende Ausstellung mündet, ist die kontinuierliche Bestückung mit Objekten und Beiträgen für die kommenden Jahre vorgesehen.

Warum eine virtuelle Ausstellung?

Das Ausstellungskonzept macht sich die technischen Möglichkeiten des Internet zu eigen und verknüpft über kuratierte Galerien Objekte miteinander, die von den unterschiedlichsten Orten stammen und unterschiedlichen Kunstsparten, Material- und Medientypen zuzuordnen sind.

Den Besuchern der Ausstellung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Sie folgen keinem festgelegten Weg durch die Ausstellung, sondern jede Nutzerin und jeder Nutzer legt einen eigenen Klickweg durch die Ausstellung zurück und kann dabei eine eigene Vorstellung von Künsten im Exil ,erklicken‘.

1. Kulturpädagogisch

Konzentriert still ist es, wenn der Darmstädter Professor zum Lesen ansetzt. Enjambements und unterschiedliche Metriken bestimmen seinen Lesefluss. Mit nichts Geringerem als der „Ästhetischen Erlebniswelt Lyrik“ begann am Sonntagvormittag ein neuer Vorlesungsreigen über kulturpädagogische Reflexionen über die deutsche Literatur an der Landakademie Weilrod in Gemünden.

„Ich habe selten einen Menschen getroffen, der in so vielen Bereichen gelehrt hat“, stellte Vorstandsmitglied Professor Dr. Horst Seibert seinen Freund und ehemaligen Lehrer Professor Dr. Noack vor. In einem zweieinhalbstündigen Seminar führte der Darmstädter Professor – unter anderem Verfasser des Lehrbuches Sozialpädagogik – in die liedhafte, lehrhafte und hymnische Lyrik ein.

„Dicht“, so Noack, das stecke ja offensichtlich im Wort „Gedicht“ drin und lasse erahnen, dass es sich bei der Lyrik um eine komprimierte sprachliche Form handle. Im Zentrum der poetischen Struktur stehe jedoch immer das Bild. Zugleich seien aber bildhafte Erzählungen in Reimform noch lange keine Dichtung. „Das Bild ist das ursprüngliche poetische Phänomen; in ihm ereignet sich die Vergegenwärtigung der Dinge in der Welt. Diese Geschehnisse werden durch das Bild erfasst und in Sprache verwandelt.“ / Usinger Anzeiger

112. Form des Ghasel’s

Friedrich Rückert

Die Form des Ghasels

Die neue Form, die ich zuerst in deinen Garten pflanze,
O Deutschland wird nicht übel stehn in deinem reichen Kranze.
Nach meinem Vorgang mag sich nun mit Glück versuchen mancher
Sogut im persischen Ghasel, wie sonst in welscher Stanze.

Aus: Gesammelte Gedichte von Friedrich Rückert. Erster Theil. Frankfurt/ Main: Johann David Sauerländer, 1843, S. 609

Ghasele I.

Mewlana Dschelaleddin Rumi

1819.

Darüber als Motto:

»Im Osten tagt’s von unsres Feuereifers Lichte.«
J.v. Hammer,
in den Redekünsten Persiens.

Aus: Deutsche Geisteshelden. Aus dem Leben deutscher Dichter 
Eine Literaturkunde in Bildern von C. Carstensen. Große Ausgabe. 3., verm. Aufl. Braunschweig u. Leipzig: Verlag von Hellmuth Wollermann, 1914, S. 127.
Aus: Deutsche Geisteshelden. Aus dem Leben deutscher Dichter 
Eine Literaturkunde in Bildern von C. Carstensen. Große Ausgabe. 3., verm. Aufl. Braunschweig u. Leipzig: Verlag von Hellmuth Wollermann, 1914, S. 127.

111. Open Mike

Die Finalisten des 21. open mike

Lyrik

Lea Schneider (Berlin)
Verena Fiebiger (München)
Janin Wölke (Leipzig)
Stephan Reich (Berlin)
Maren Kames (Leipzig)

Bewerben konnten sich junge Autoren bis 35 Jahre, die noch kein Buch veröffentlicht haben. Die Auswahl der Finalisten haben sechs Lektoren aus renommierten Verlagen getroffen. Julia Graf (Hanser Berlin), Martin Kordic (Dumont Verlag), Günther Opitz (DTV), Ulrike Ostermeyer (Arche Literatur Verlag), Christian Ruzicska (Secession Verlag) und Thomas Tebbe (Piper Verlag) wählten aus über 680 eingesandten Texten ihre Favoriten aus. Während des Finales stellen sie die Teilnehmer dem Publikum und der Jury vor. Die Juroren Jenny Erpenbeck, Ulrich Peltzer und Raphael Urweider können bis zu drei Preisträger küren. Einer der Preise wird für Lyrik vergeben. Für die Preisträger steht eine Gewinnsumme von insgesamt 7500 EUR zur Verfügung. Außerdem wird der Preis der taz-Publikumsjury verliehen, der Gewinnertext wird in der taz veröffentlicht.

Mehr

110. In der Presse

findet sich Lyrik – keiner kommt dran vorbei – häufig auf den Politik- oder Wirtschaftsseiten und in der Werbung. Wie hier, Süddeutsche Zeitung*:

Man weiß nicht, ob man sich auf der Abiturfeier verliebt, bei einer Wohnungsbesichtigung oder bei einer Lesung postmoderner Lyrik. Wer die Liebe planen will, sucht im Internet (Foto:dpa).

*) Im Feuilleton: auch heute keine Spur. Film, Theater, Kunst und so. Sein Lyrikbedürfnis befriedigt der Jetztmensch im Alltag oder, wenn er Politiker, Zeitungsschreiber oder Werbespezi ist, auch im Beruf. Früher, ja da war es noch anders. Gottfried Benn bezeugt es:

wenn Sie am Sonntag morgen Ihre Zeitung aufschlagen, und manchmal sogar auch mitten in der Woche, finden Sie in einer Beilage meistens rechts oben oder links unten etwas, das durch gesperrten Druck und besondere Umrahmung auffällt, es ist ein Gedicht. Es ist meistens kein langes Gedicht, und sein Thema nimmt die Fragen der Jahreszeit auf, im Herbst werden die Novembernebel in die Verse verwoben, im Frühling die Krokusse als Bringer des Lichts begrüßt, im Sommer die mohndurchschossene Wiese im Nacken besungen, zur Zeit der kirchlichen Feste werden Motive des Ritus und der Legenden in Reime gebracht — kurz, bei der Regelmäßigkeit, mit der sich dieser Vorgang abspielt, jahraus, jahrein, wöchentlich erwartbar und pünktlich, muß man annehmen, daß zu jeder Zeit eine ganze Reihe von Menschen in unserm Vaterland dasitzen und Gedichte machen, die sie an die Zeitungen schicken, und die Zeitungen scheinen überzeugt zu sein, daß das Lesepublikum diese Gedichte wünscht, sonst würden die Blätter den Raum anders verwenden.

Was sie ja heute tun. Wann hat das eigentlich aufgehört? Kurz nach der Wiedervereinigung war es noch da, wie sich die Älteren erinnern werden. Obwohl schon Benn eine Ahnung hatte, denn im nächsten Satz sagt er:

Die Namen dieser Gedichthersteller sind meistens keine sehr bekannten Namen, sie verschwinden dann wieder aus den Feuilletons …

109. Früher

… ja, da

galt der Dichter, Zeitschriftengründer, Literaturprofessor und Institutionenstifter Walter Höllerer (…) als „Literaturpapst“.

(…) Höllerer nämlich war es, der zwei Jahre nach dem Mauerbau es aufgrund seiner einzigartigen Netzwerk-Fähigkeiten schaffte, von den Amerikanern in Gestalt des Deutschlandexperten Shepard Stone 1,4 Millionen Deutschmarks zu erhalten und diese Summe in die Gründung eines Literaturhauses – dem „Literarischen Colloquium Berlin“, das das ganze Jahr schon seinen 50. Geburtstag feiert – zu stecken.

Gruppe-47-Chef Hans Werner Richter attestierte Höllerer damals das Talent zum „Behörden-Sex-Appeal“. In jener Phase zwischen Mauerbau und Studentenbewegung war Walter Höllerer tatsächlich die zentrale Figur im literarischen Leben der jungen Bundesrepublik. Er gilt nicht nur als Begründer, sondern vor allem als Erfinder des modernen Literaturbetriebs.

Als Liberalem war es ihm ein Bedürfnis, Berlin an Traditionen anzubinden, die durch die Zeit der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten zerstört worden waren. Gleichzeitig hatte er keine Berührungsängste, was Amerika betraf. / Peter Geiger, Mittelbayrische Zeitung

108. Poetopie

so weit du sie auch aufreißt – es sind nicht allein die Augen, mit denen du siehst

Hansjürgen Bulkowski