Begnadigt zu 8 Jahren und 800 Hieben

Ein Gericht in Saudi Arabian hat heute das Todesurteil gegen den aus Palästina stammenden Dichter Ashraf Fayadh aufgehoben und verurteilt ihn zu 8 Jahren Haft und 800 Peitschenhieben wegen Abfalls vom Glauben, teilt das Internationale PEN-Zentrum mit. Kein Sieg für die Menschenrechte, sondern in seiner Länge und Grausamkeit völlig inakzeptabel, sagt PEN.

Am 27. November 2015 hatten mehr als 1000 Autoren aus der ganzen Welt, darunter Adonis, Paul Muldoon und Charles Simić, in einem Brief seine Freilassung gefordert. Am 14. Januar fanden in mehr als 40 Ländern Solidaritätslesungen seiner Gedichte statt.

Saudi Arabia: Poets and international organisations call for release of Ashraf Fayadh
Saudi Arabia: International organisations call for Ashraf Fayadh’s release
Syrian poet Adonis reads a poem by Ashraf Fayadh
PEN Vlaanderen poetry reading for Ashraf Fayadh

poetica 2 mit Rock und Pop im Senatssaal

Das hatten sich die wenigsten unter den Studierenden und Akademikern vorgestellt, die sich im Alten Senatssaal der Kölner Albertus-Magnus-Universität unter den Porträts verblichener Magnifizenzen eingefunden hatten, um dem Treffen einer Reihe von Dichtern und Schriftstellern von Weltruf beizuwohnen: Statt hoher Töne und hehrer Verse wurde ihnen amerikanischer Bluesrock, ukrainischer Heavy Metal Sound baskischer Reggae und isländischer Folkrock und Pop serviert. Groß war da die Verlegenheit im Publikum, das in zwei Gruppen zerfiel: Die einen folgten dem unheimlichen Geschehen sichtlich verlegen oder mit stocksteifer Miene, die anderen wippten mit den Füßen und swingten rhythmisch mit Köpfen, Händen und Hüften.

Der isländische Lyriker und Romancier Sjón, Songschreiber für die Sängerin Björk, deren Lied „I’ve seen it all“ aus Lars van Triers Film „Dancer in the Dark“ für einen Oscar nominiert wurde, registrierte die so unterschiedlichen Reaktionsweisen im Saal mit dezentem Spott. Er war nicht der einzige Autor, der über seine Mehrfachrolle als Lyriker, Songschreiber und Musiker Auskunft gab: Zusammen mit Sjón am Konferenztisch saßen der baskische Lyriker und Romancier Bernardo Atxaga, dessen Gedichte von populären Sängern seiner Heimat vertont werden, der im nordamerikanischen Princeton lebende und lehrende nordirische Lyriker, Rockgitarrist und Songschreiber („Nothing On You“) Paul Muldoon sowie der ukrainische Romancier, Lyriker und Essayist Juri Andruchowytsch, dessen Gedichte von Rockbands vertont werden, während er selbst als Frontsänger mehreren Formationen – einer polnischen und einer schweizerischen – angehört. / Volker Breidecker, Süddeutsche Zeitung

A view from India (& Wales)

Poetry is what in a poem makes you laugh, cry, prickle, be silent, makes your toe nails twinkle, makes you want to do this or that or nothing, makes you know that you are alone in the unknown world, that your bliss and suffering is forever shared and forever all your own. • Dylan Thomas

This is probably why it is important to introduce children to poetry while they are still at an impressionable age. Expression, rhythm and language can be used to refine the experiences that children have. Children should be shown the way to express themselves through different forms of art, poetry being one. / IBC World News

Finalists for Kingsley Tufts Poetry Award

Claremont Graduate University announced the finalists for its Kingsley Tufts Poetry Award. The prize, which goes to a mid-career poet of a current book, carries with it an award of $100,000.

The finalists are:

  • Kyle Dargan for „Honest Engine“ (University of Georgia Press)
  • Ross Gay for „Catalog of Unabashed Gratitude“ (University of PittsburghPress)
  • Amy Gerstler for „Scattered at Sea“ (Penguin)
  • Fred Moten for „The Little Edges“ (Wesleyan)
  • Jennifer Moxley for „The Open Secret“ (Flood Editions)

Claremont Graduate University also announced the finalists for the Kate Tufts Discovery Award, a $10,000 prize for an emerging poet. They are:

  • Meg Day for „Last Psalm at Sea Level“ (Barrow Street)
  • Bethany Schultz Hurst for „Miss Lost Nation“ (Anhinga Press)
  • Michael Morse for „Void and Compensation“ (Canarium)
  • Danez Smith for „[insert] boy“ (YesYes Books)

/ Los Angeles Times

Gestorben

Der slowenische Dichter, Schriftsteller und Herausgeber Aleš Debeljak ist am 28. Jänner tödlich verunglückt, wie der Klagenfurter Wieser-Verlag jetzt mitteilte. „Seine Gedanken fehlen uns schon jetzt!“, heißt es in der Aussendung. Er wurde 54 Jahre alt. / Der Standard 

Ägyptische Dichterin verurteilt

Die Kairoer Dichterin, Journalistin und Architektin Fatima Naoot wurde wegen eines privaten Facebook-Posts zu drei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt. Sie hatte sich gegen die rituelle Tierschlachtung zum islamischen Opferfest ausgesprochen, die ihrer Meinung nach ein Akt der Gewalt gegen Tiere sei.  Erst im Dezember war der Fernsehmacher Islam Behery wegen „Verachtung der Religion“ verurteilt worden. / Daily News Egypt 26.1. 16

Die hilflosen Kreaturen, schrieb sie, müssten jedes Jahr dafür bezahlen, dass irgendwann einmal ein Mann (Abraham/ Ibrahim; Anm.) einen Albtraum über seinen Sohn (im Islam soll Ismail geopfert werden, nicht Isaak; Anm.) gehabt habe.

Die ägyptische Lyrikerin und Übersetzerin sah nach ersten Reaktionen den Ärger kommen und löschte ihren Eintrag. Aber es war zu spät, die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Herabwürdigung der Religion. / Gudrun Harrer, Der Standard 30.12. 14

Der in Deutschland lebende ägyptische Kafkaforscher  Atef Botros wurde vor einigen Tagen bei der Ankunft auf dem Flughafen Kairo festgehalten, nachdem die ägyptische Botschaft in Berlin ihn in einem Bericht als Sicherheitsrisiko gemeldet hatte. Sicherheitsbeamte erklärten, er dürfe auf Lebenszeit nicht nach Ägypten einreisen. Er begann einen Sitzstreik. Schon mehrfach hatten Meldungen der Botschaft zu Einreiseverboten geführt. / Daily News

Fatima Naoot auf lyrikline

Texte zur Veranstaltung „Poesie als Verbrechen. Verfolgte Autor/inn/en – Inkriminierte Texte“

1 Flop oder 120 Gedichtbände

[Michael] Krüger, ehemaliger Leiter des Hanser-Verlags, kritisiert die hohen Vorschüsse für populäre Romanautoren – bei einem Flop geht dann viel Geld verloren. Erst kürzlich habe es in einem großen Verlag wieder einen solchen Fall gegeben: „Von der Abschreibungssumme hätte man 120 Gedichtbände finanzieren können.“

Diese und weitere Meinungen und Vermutungen über Lyrik (u.a. mit Daniela Seel) in einem dpa-Artikel von Peter Zschunke, hier

Niemals weggeben!

Bildergeschichte aus dem Leben eines Buches

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„Niemals“ ist halt immer relativ

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allesgebendie

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Poetopie

schweigend gehen wir nebeneinander her – jeder in seinen Gedanken allein

Hansjürgen Bulkowski

Zucker

Bei Fixpoetry gibt ein Thomas Reger seinem Affen Zucker, schießt sich auf die Lyrik im Allgemeinen und Tobias Roth im Speziellen ein und bezieht sich dabei auf seinen Meister Arno Schmidt (der selber Auchgedichte schrieb, aber von Lyrik nicht viel hielt). Daß St. Arno den Reim für die gedankenvergewaltigende Richtung des Dichtens verantwortlich macht, während er „sogenannte freie Verse“ für nichts als „schlampiges Sprechen“ hält, ficht ihn* dabei nicht an. Auszug:

Dass diese Lyrik ein gesellschaftlich völlig irrelevantes, akademisch überzüchtetes und verteufelt routiniert feilgebotenes Gerede ist, mithin unverständlich, leblos, leer, das wird man da nicht hören – wo sich die happy few zusammensetzen, um Einwände an sich abperlen zu lassen. Aber der Leser ist ihnen wichtig und groß. Implikation, Assoziation, Rätsel, Verdichtung, Leerstelle – all das ist ein Dienst am Leser, um ihn nicht festzulegen, um ihm das freie Spiel zu lassen. Will man dem Leser nun etwas vorsetzen oder nicht? Wenn er sich selbst bespiegeln soll, was soll ihm das neue Gedicht? Man schreibt so dahin – und verkauft es als Lesers Freiheit, dass der Leser die ganze Arbeit machen muss, wenn er nur etwas begreifen will. Das Gedicht sei frei und offen, frei von allen Zwecken, offen für alle Deutungen, aber was soll es dann? Wieso geht das Gedicht dann nicht in die Einsiedelei, wo Freiheit ist, anstatt auf Bühnen und in Bücher? Indessen diese Form des privatistischen Assoziierens, das kein Mensch nachvollziehen kann (ausgenommen, er will sich fein schöngeistig als Lyrikkenner rausputzen, dann muss er natürlich hinterher), das kommt mir schon seit Jahrzehnten bekannt vor. Es tritt auf der Stelle und die Fanfare der Zeitgenossenschaft hört nicht auf. Wie selig sind dagegen die exakten Wissenschaften, in denen das neue Messergebnis das alte Messergebnis ablöst, ohne viel Tamtam. Das hat Funktion für die Gesellschaft. Lyrik wird gepriesen als kurze, konzise, präzise Form des Sprechens. Was? Ich hörte den ganzen Abend sogenannte freie Verse, was ja nichts anderes heißt als schlampige Zeilen. Auch bemerkenswert fand ich, dass so viele Lyriker hintereinander lasen, obwohl sie offenbar nichts miteinander gemein hatten, als die Unfähigkeit, allein eine Ansage zu machen und allein einen Abend zu füllen.

*) einige vermuten eine „sie“ hinter dem Namen, siehe die Diskussion unter dem Artikel

A taste of Burmese poetry

in Simbabwan newspaper Herald. Burmese poet Han Lynn visited Litfest in Harare.

Die Flüsse haben aufgehört, Jiddisch zu sprechen

Heute muss viel erklärt werden, denn die jiddische Kultur wurde zusammen mit ihren Menschen ausgerottet von den Nazis. Und mit der Schoah, die Manger ins Exil trieb, nach Frankreich, England, in die USA und schließlich nach Israel, wo der 1901 in Czernowitz in der Bukowina Geborene 1969 in Gedera starb, mit der Vernichtung von Mensch und Schrift also, verstummte auch der Balladen-Dichter in ihm. Deshalb eröffnete Akademiepräsident Michael Krüger mit dem gewichtigen Satz: „Wem bei diesen Buch nicht die Tränen kommen, der hat keine mehr.“

Manger hatte sich mit 17Jahren bewusst für das Jiddische entschieden. 1927 war das Jiddische eine „Worterepublik“ für das Volk des Wortes ohne Nationalstaat, die den letzten Platz im Pen-Club besetzte. 1947 schrieb Itzik Manger in Polen: „Die Flüsse haben aufgehört, Jiddisch zu sprechen.“ Ach ja, wer da nicht weint… Eva-Elisabeth Fischer, Süddeutsche Zeitung 21.1.

Unzeitgemäß

Der Dichter Rudolf Borchardt, Spross einer deutsch-jüdischen Kaufmannsfamilie in Königsberg, war einer der großen unzeitgemäßen Literaten des 20. Jahrhunderts. Ein erz-konservativer Rebell, der mit Leidenschaft gegen den Zeitgeist der Moderne zu Felde zog. / Radio Bremen

1. Weimarer Poetryfilmpreis

Die Literarische Gesellschaft Thüringen e. V. und das backup_festival der Bauhaus-Universität Weimar vergeben im Mai 2016 zum ersten Mal den »Weimarer Poetryfilmpreis«.

(…) Teilnehmen können Filmemacherinnen und -macher aller Länder und jeden Alters mit max. drei Kurzfilmen, in denen Film und Lyrik auf innovative Weise aufeinander bezogen werden. Die eingereichten Filme sollen nicht länger als 8:00 Min. und seit 2013 produziert worden sein.

Weimar als Ort der Literatur und Kunst bietet sich für einen solchen Wettbewerb in besonderer Weise an. Die Bauhaus-Universität bildet in ihren kreativen Studiengängen in praktisch allen für den Poesiefilm relevanten Techniken aus. Hier besteht ein Potential, Begegnungen zwischen Film und Literatur hervorzubringen.

Die geeignete Plattform dafür ist das jährliche backup_festival. Es findet in diesem Jahr vom 18.–22. Mai statt. Mit einem Begleitprogramm wird der neue Poetryfilm-Wettbewerb außerdem einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Daran beteiligt sind Schriftsteller, Kuratoren, Filmemacher und Wissenschaftler.

Gefördert wird das Projekt von der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen, der Thüringer Staatskanzlei sowie der Stadt Weimar.

Preisgelder: Jurypreis: 1000,- €, Publikumspreis: 250,- €

/ Poetryfilmkanal

Gestorben

Der kanadische Dichter und Übersetzer Pierre DesRuisseaux, der 2009-2011 Offizieller Dichter des kanadischen Parlaments war, starb im Alter von 70 Jahren.  Seit 1976 veröffentlichte er 14 Gedichtbände, darunter den Band Monème (1989), der mit dem Preis des Generalgouverneurs ausgezeichnet wurde. Er veröffentlichte auch Bücher über Québecer Volkskultur, ein Wörterbuch québecischer Ausdrücke und übersetzte u.a. Popol Vuh und englischsprachige Dichter Québecs. / JOSÉE LAPOINTE, La Presse