Veröffentlicht am 18. Januar 2016 von lyrikzeitung
Wie lauten deine Programmziele für Editorial Cafeína und wie suchst du deine Autoren aus?
Die Idee ist, daß jeder guatemaltekische Autor bei uns veröffentlichen kann. Ich denke, daß die Dezentralisierung, die der verlegerische Prozeß im Landesinneren erleidet, ebenso von Bedeutung ist wie die Tatsache, daß die daraus sich entwickelnden und ergebenden Verlagsaktivitäten fern der Hauptstadt nicht nur ein kulturelles Erbe bekräftigen, sondern auch mit herkömmlichen literarischen Paradigmen brechen. Das Wichtigste ist, daß es sich um Werke handelt, die andere Lesarten anbieten und befördern und eine klare Botschaft vermitteln, daß einem bestimmten literarischen Zirkel anzugehören keine notwendige Voraussetzung darstellt, um veröffentlicht zu werden. Die Auswahl betreiben wir in einem Herausgeberrat, eine Art Filter, der dafür sorgt, daß das, was publiziert werden soll, literarische Qualität aufweist, wenngleich das relativ ist.
Gibt es in der jungen guatemaltekischen Literatur so etwas wie einen gemeinsam zu nennenden Trend? Worüber schreiben die jungen guatemaltekischen Dichter (deines Verlags) in diesen Tagen?
Es gibt eine ziemlich lange Liste junger guatemaltekischer Dichter und Schriftsteller, dazu gehören Sonia Marroquín, Alberto Arzú, Rebeca Lane, Daniela Castillo, Pep Barcárcel, Marilinda Guerrero, Vanessa Ramos, Evelyn Macario, Jhonatan Bell, Marco Valerio Reyes, Numa Dávila, José Juan Guzmán, José Alvarado, Joselin Pinto, Pablo Hernández, Julio Prado, Marlon Francisco, Gabriela Gómez, César Yumán, Carlos Orellana, Rafael Romero und viele andere, die gerade meiner Erinnerung entflohen sind, aber zweifellos existiert eine große Varietät guatemaltekischer Literatur, die mit Kraft und sehr guten literarischen Vorschlägen aufwartet und die sich deutlich von romantischen oder Nachkriegskriterien absetzt. Ich würde sagen, es handelt sich um eine Literatur, welche die literarische Sprache neu zu erfinden beabsichtigt, und die unter anderem eine eineindeutige Beziehung zwischen Schriftsteller und Leser herzustellen versucht. / Stan Lafleur im Gespräch mit dem guatemaltekischen Dichter und Verleger Rudy Alfonzo Gomez Rivas (Mehr hier)
Veröffentlicht am 18. Januar 2016 von lyrikzeitung
Über die Anthologie Lyrik von jetzt 3 – Babelsprech
Formale Grenzen des Gedichts scheinen endgültig aufgehoben. Was auf knapp dreihundert Seiten zu lesen ist, zeigt eine Vielfalt, wie man sie so noch nicht bestaunen konnte. Waren bisher deutliche oder indirekte Anknüpfungen an tradierte Formen, an Reim und Strophe, in der zeitgenössischen Lyrik unübersehbar, so verfügen die meisten Texten kaum mehr über eine feste oder vorgegebene Struktur. Die meisten Gedichte ankern in der fortgesetzten Postmoderne. Gerade dies macht ihren Reiz aus. Es herrscht eine Tendenz zum Versatzstückhaften, zum Schreiben und Denken in zerbrochenen, nicht mehr zusammenzufügenden Teilen. Es geht nicht mehr um das Große und Ganze.
War das Gedicht vor einigen Jahrzehnten noch ein Träger von Botschaften, eine Art Kassiber, so ist es heutzutage ein stupender Kunstgriff oder ein kritisches Selbstgespräch. Es richtet sich nur noch selten emphatisch an einen Leser, eine Leserin. Das Gedicht will häufig mit sich sein, ein Fragen stellender und womöglich klärender Monolog: „Ich habe noch nie so viel Schnee gesehen / nicht so viele Landschaften so dick überfroren / kalt und eisesstill wie das Land das sich abkehrt von uns / in ein inneres Gespräch…“ – wie es bei Anja Kampmann heißt. / Tom Schulz, Die Welt 24.10.15
Zu heterogen, zu aufgesplittert das Ganze. Aber auch: Nichts wirklich Neues oder Herausragendes. Natürlich gibt es auch hier einige Stimmen, die bereits verlegt und damit etabliert sind, übliche Verdächtige wie Carolin Callies, Dagmara Kraus, Martin Piekar, Marie T. Martin. Aber ansonsten überwiegt das Gefühl, »die Nischen für Ausreifungszeiten« (Falkner) würden weniger und stattdessen nehme das »Überfischen der Jugendgewässer« (ebenfalls Falkner) deutlich zu. Da gibt es eben auch viel Beifang, der dann – zu früh an die Oberfläche geholt – halb betäubt wieder in die tückischen Strudel und Unterströmungen des lyrischen Betriebs zurückgeworfen werden muss.
Was auffällt: Die Enigmatiker sind in der Überzahl, ihre Gedichte verschließen alle Zugänge bewusst und schwingen sich stattdessen an den Lianen willkürlicher Assoziationen durch den Vokabeldschungel. Manche wirken schon visuell abweisend wie etwa die monolithischen Texttafeln von Richard Duraj, die wie Steilwände vor dem Leser aufragen und ihm keine Möglichkeit zum Einstieg bieten. Auch die heterogenen Elementarteilchen von Charlotte Warsen fliegen wirr umher, ohne sich jemals zu einem Ganzen zusammenzusetzen. Die »Plugs« genannten quadratisch umlaufenden Texte von Andreas Bülhoff sehen zwar schön aus, bieten aber inhaltlich in keiner Weise eine Notwendigkeit für ihre optische Extravaganz.
Léonce W. Lupette erhebt Stammeln und Stottern zum Stilprinzip seiner hier vorgestellten Gedichte: »& sadden-su-suddenly auch in Jena-ja-jena der Jebel na Nebel die Nebel…« oder: »kein Kosen-ko-Kosen-ko-komo to-tosen die Dämpfe ent-/ krämpfe sich etwas Toskana la Thema la Therma la kontra la toz…« usw. Ein ostentativ Gassi geführtes palatales Handicap macht noch kein gutes Gedicht, möchte man gern dazwischenrufen. / Hellmuth Opitz, dasgedichtblog
Veröffentlicht am 18. Januar 2016 von lyrikzeitung
Als klaustrophobisch habe sie irgendwann ihre eigenen Gedichte empfunden, erklärt sie in einem Essay von 2011, der sich auf den Zyklus „Fuchsia“ aus ihrem ersten Band bezieht, von ihr jetzt aber erst in diesem zweiten Buch veröffentlicht wurde. Da steht: „ich suchte eine form, die beweglich ist und trotzdem treffend und die denken kann. die vorstellungen freisetzt, statt durch zu viel beschreibung zu beschränken. die erfahrungen lieber bereitstellt, als sie mitzuteilen.“ Größere Gleichzeitigkeit, also größere Realität wünsche sie sich für ihre Gedichte, schreibt Daniela Seel. / Insa Wilke, Süddeutsche Zeitung
Daniela Seel: Was weißt du schon von Prärie. Gedichte. Kookbooks Verlag, Berlin2015. 80 Seiten, 19,90 Euro.
Veröffentlicht am 18. Januar 2016 von lyrikzeitung
Alice Salomon Hochschule Berlin vergibt am 23. Januar 2016 Poetik Preis an Elfriede Czurda
„Poesie kann dem Publikum nicht mittels Lärm in die Ohren gedröhnt werden, sondern verlangt ihm etwas ab: die Bereitschaft zu hören und zu denken“, so die Schriftstellerin Elfriede Czurda. Am 23. Januar 2016 erhält sie den mit 6.000 Euro dotierten Alice Salomon Poetik Preis.
Der Alice Salomon Poetik Preis wird im Rahmen des Neujahrsempfangs der Hochschule verliehen. Die Veranstaltung wird unterstützt durch die Literaturwerkstatt Berlin/Haus für Poesie.
Elfriede Czurda, geboren 1946 in Wels, lebt als freie Schriftstellerin in Wien. Nach abgeschlossenem Studium publizierte sie 1974 ihre ersten Texte in der Linzer Zeitschrift „neue texte“, war später mehrere Jahre Lektorin der gleichnamigen Buchedition. Mit „ein griff = eingriff inbegriffen“ veröffentlichte sie 1978 ihr erstes Buch im Rainer Verlag in Berlin. 1980 verlagerte sie ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin und kehrte 2007 nach Wien zurück. Sie lebte einige Zeit als Writer in Residence und Gastprofessorin in den USA und in Japan.
Die Jury des Alice Salomon Poetik Preises würdigt Czurda als Künstlerin, die eine „offene, hoch konzentrierte und subtile Poesie zwischen den Künsten geschaffen hat.“ Ihr breit gefächertes Werk umfasst Prosa, Gedichte, Essays sowie visuelle und fotografische Arbeiten, sie schrieb und inszenierte Hörstücke. Zu ihren Werken zählen u.a. die Romane „Kerner. Ein Abenteuerroman“ (1987/2009), „Die Giftmörderinnen“ (1991), „Die Schläferin“ (1997) sowie die Gedichtbände „Das Confuse Compendium“ (1992), „ich, weiß“ (2008), „Dunkelziffer“ (2011) und das „Buch vom Fließen und Stehen“ (2014). „In der Vielfalt ihres Werks vermittelt sie eine Ästhetik des Intermediären – zwischen Poesie und Theorie, Sinnlichkeit und Konzeptualität, Sprachkraft und Unsagbarkeit sowie auch zwischen Text, Bild, Musik und Architektur“, so die Jury weiter. Die Jury setzt sich aus Größen der deutschen Kunst- und Literaturszene sowie aus Multiplikatoren der Alice Salomon Hochschule Berlin zusammen.
Die Poesie hat für Elfriede Czurda einen besonderen Stellenwert: „Das Spektakuläre an dieser Form des Ausdrucks, die sich Poesie nennt, ist die Dynamik der Sprachelemente selbst, eine Bewegung der Laute, der Buchstaben, die sich rätselhaft und trivial zugleich an Dinge heften und von Dingen lösen und so mit größter Leichtigkeit komplexe Vorstellungen prozessieren: ‚ein rascheln ist dort wo ich glaube zu sein‘ als poetologischer Ausgangspunkt, ‚und ein huschen ist dort wo ich hin will‘ (Reinhart Priessnitz). – Diese Vorgänge sind also derart differenziert und minimalistisch, dass sie im Lärm des medialen Rummels so gut wie unhörbar sind.“ Vor diesem Hintergrund, und weil „Poesie ganz und gar und im Wortsinn ohne Grund ist“, sieht Czurda in Poetikpreisen einen „(lebens-?)wichtigen Fingerzeig auf eine der bedeutendsten Kulturtechniken.“
Mit dem Alice Salomon Poetik Preis zeichnet die Alice Salomon Hochschule Berlin Künstlerinnen und Künstler aus, die durch ihre besondere Formensprache und Vielfalt zur Weiterentwicklung der literarischen, visuellen sowie akustischen Künste beitragen und dabei immer interdisziplinär arbeiten und wirken. Die Berliner Hochschule für Soziale Arbeit, Gesundheit sowie Erziehung und Bildung im Kindesalter führte 2007 den Masterstudiengang „Biografisches und Kreatives Schreiben“ ein – im Zuge dessen wurde der Alice Salomon Poetik Preis erstmalig vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Gerhard Rühm, Michael Roes, Rebecca Horn, Valeri Scherstjanoi, Eugen Gomringer, Emine Sevgi Özdamar, Andreas Steinhöfel, Franz Hohler und Volker Ludwig.
Über die Alice Salomon Hochschule Berlin
Die Alice Salomon Hochschule Berlin bietet Bachelor- sowie Masterstudiengänge für Soziale Arbeit, den Gesundheitsbereich sowie Erziehung und Bildung im Kindesalter an. Derzeit studieren circa 3.500 Studierende an der Hochschule mit Sitz in Berlin-Hellersdorf.
http://www.ash-berlin.eu
Über die Literaturwerkstatt Berlin/Haus für Poesie
Die Literaturwerkstatt Berlin/Haus für Poesie fördert seit ihrer Gründung 1991 alle Bereiche der Literatur und seit rund 15 Jahren speziell Dichtung. Sie gibt Poesie aus aller Welt eine Bühne und ebnet deutschsprachiger Dichtkunst den Weg ins Ausland. Das Jahr hindurch präsentiert sie rund 150 Veranstaltungen.
Veröffentlicht am 17. Januar 2016 von lyrikzeitung
du auf dem Foto – wie kommst du da wieder herunter?
Hansjürgen Bulkowski
Veröffentlicht am 16. Januar 2016 von lyrikzeitung
Gestern starb der Chicano-Dichter Francisco X. Alarcón in San Francisco an Krebs. Er war 61 Jahre alt. / El Tecolote
Veröffentlicht am 16. Januar 2016 von lyrikzeitung
Es gibt Bücher, die wirken, als wären sie genau fürs aktuelle Drama der Zeit geschrieben. Und dabei sind sie in ganz anderen Zeiten erschienen. Der Gedichtband „Homerika“ von Phoebe Giannisi schon 2010 in Athen, sogar noch vor Beginn des großen Troika-Dilemmas, erst recht vor dem großen Beginn der Flüchtlingsströme. Aber genau diese Szenerie ist ja der Schauplatz der Dramen des Jahres 2015. Eine homerische Szenerie. (…) Wer hier im Schatten des Pelion lebt, der steht auf antikem Grund. Der hat es nicht weit zu Orten, die auch Homer erwähnt in seiner Odyssee. Und den nimmt die Reise des Helden von Ithaka auf eigene Weise gefangen. Denn hier lösen sich die zeitlichen Distanzen auf, die räumlichen sowieso. Und das ganze Werk Homers lässt sich auf einmal lesen als Parabel auf eine ebenso unüberschaubare Gegenwart mit ihren tückischen Passagen, Verführungen, Sehnsüchten und Hoffnungen.
(…) Wer hat die „Odyssee“ schon einmal so gelesen? Als eine märchenhafte Ausflucht für einen Mann, der alle Welt getäuscht hat mit der Geschichte, wie unwillig er weggegangen wäre in den Krieg um Troja? / Ralf Julke, Leipziger Internetzeitung
Phoebe Giannisi Homerika, Übers. Dirk Uwe Hansen. Reinecke & Voß, Leipzig 2016, 10 Euro.
Veröffentlicht am 16. Januar 2016 von lyrikzeitung
Der diesjährige Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik geht an die 1959 in Burgstädt bei Amerika (Sachsen) geborene und in Duisburg lebende Dichterin Barbara Köhler. Die Jury würdigte in ihrer Sitzung am 15. und 16. Januar 2016 in Freiburg ihren im Verlag Lilienfeld erschienenen Band „Istanbul, zusehends“ als herausragende Neuerscheinung des Jahres 2015. Der mit 10.000 Euro dotierte Peter-Huchel-Preis wird am 3. April 2016, dem Geburtstag Huchels, in Staufen im Breisgau verliehen. Preisstifter sind der Südwestrundfunk und das Land Baden-Württemberg. Zu den bisherigen Preisträgern gehörten u. a. Ernst Jandl, Durs Grünbein, Thomas Kling, Oskar Pastior, Friederike Mayröcker und Paulus Böhmer.
Die Jury in ihrer Begründung: „Mit dem doppelten Blick der Fotografin und Dichterin formuliert Barbara Köhler in ihrem Gedichtband ‚Istanbul, zusehends‘ eine Liebeserklärung an eine Stadt, die ihr immer zugleich fremd und vertraut bleibt. Das Zusammenspiel von Sprache und Bild stiftet eine poetische Genauigkeit, in der mit Emphase und Empathie die Topographie der Stadt erkundet wird. Ihre Auseinandersetzung mit der eigenen Fremdheit am Bosporus zeigt, dass es keine Unschuld des Blicks gibt, aber dass die Betrachterin immer schon teilhat am Gesehenen. Ein raffiniertes Netz von Sprachbildern und Bildsprache knüpft einen fliegenden lyrischen Teppich, der ganz selbstverständlich im Alltag auch die Wucht des Politischen einfängt.“
Der vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk gestiftete Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik wird seit 1983 für ein herausragendes lyrisches Werk des vergangenen Jahres verliehen. Der Preis erinnert an den Namensgeber Peter Huchel (geboren am 3. April 1903 in Groß-Lichterfelde bei Berlin, gestorben am 30. April 1981 in Staufen im Breisgau), den bedeutenden Lyriker und langjährigen Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Sinn und Form“. Die Jury besteht aus sieben unabhängigen Literaturkritikern, -wissenschaftlern und Autoren.
Informationen zum Peter-Huchel-Preis unter peter-huchel-preis.de
Veröffentlicht am 15. Januar 2016 von lyrikzeitung
Entschuldigung, „Todgeweihte“ ist sowieso ein pathetisches Wort. Aber finden Sie nicht, daß es in Anwendung auf einen zum Tode Verurteilten, wie jetzt im Fall der Solidaritätslesungen für den in Saudi-Arabien verurteilten Dichter Ashraf Fayadh, geschmacklos, feierlich-überhöhend, geradezu „sinnstiftend“ wirkt? Haben seine Richter ihn „geweiht“, wem, Allah? Wie so manche Begriffe, mit denen wir Schreckliches bemänteln und überhöhen: Im Krieg „gefallen“, ist er gestolpert? Einem Verkehrsunfall zum „Opfer“ fallen, dem Gott des Verkehrs geopfert? … Schreckliche Atavismen, finde ich.
Geistige Gummibärchen ist eine Kolumne zur Poesie des Medienspeak.
Veröffentlicht am 15. Januar 2016 von lyrikzeitung
„Sonnet 129“ by William Shakespeare
Mad in pursuit, and in possession so,
Had, having, and in quest to have, extreme;
A bliss in proof, and proved, a very woe;
Before, a joy proposed; behind, a dream.
Shakespeare wrote a lot about sex. He just has such a highbrow reputation these days, that sometimes it’s hard to remember that he was considered lowbrow in his own time. His plays and sonnets are riddled with innuendo, but „Sonnet 129“ is especially vague in talking about physical love. He only mentions lust once, but the rest of the poem is about pursuing and then having and then kind of regretting and feeling ashamed of what you’ve had. Really, he’s talking about sex that seems like a good idea before the fact, but then turns out to have been a very bad idea. We’ve all had nights like that, Shakespeare.
/ CHARLOTTE AHLIN, bustle.com
Andere Gedichte, denen sie „es“ nachweist, sind: „Come Slowly – Eden!“ by Emily Dickinson; „Putting in The Seed“ by Robert Frost; „I Sing the Body Electric“ by Walt Whitman; „First Fig“ by Edna St. Vincent Millay; „In Adoration“ by Sappho; „To a Dark Moses“ by Lucille Clifton.
Okay: bei Whitman und Sappho wird man nicht erstaunt sein. Und im Deutschen? Probieren Sie mal, im Deutschkurs (oder im Proseminar?) zu sagen, daß dieses Gedicht von Rilke von der „Überwindung der Masturbation“ handelt, oh je! 🙂
XXIII. Sonett
O erst dann, wenn der Flug
nicht mehr um seinetwillen
wird in die Himmelstillen
steigen, sich selber genug,
um in lichten Profilen,
als das Gerät, das gelang,
Liebling der Winde zu spielen,
sicher, schwenkend und schlank, –
erst, wenn ein reines Wohin
wachsender Apparate
Knabenstolz überwiegt,
wird, überstürzt von Gewinn,
jener den Fernen Genahte
sein, was er einsam erfliegt.
Aus: Die Sonette an Orpheus, Erster Teil (1922)
Veröffentlicht am 15. Januar 2016 von lyrikzeitung
Was ist heute noch aktuell an Mandelstam?
Er ist eine exemplarische Figur des von Totalitarismus und Diktatur geprägten 20. Jahrhunderts. Sein Beharren auf der Menschenwürde hat dieser Dichter der Weltkultur mit dem Leben bezahlt. Mandelstams Werk ist gerade heute wieder, angesichts nationalistischer Verblendung in Russland, Repression und Propaganda-Exzessen, von brennender Notwendigkeit. Aber die unerhörte Kraft seiner Bilder, die Musik seiner Gedichte, deren schiere Schönheit sind zeitlos. / Ralph Dutli im Gespräch it der Rhein-Neckar-Zeitung
Veröffentlicht am 15. Januar 2016 von lyrikzeitung
Der ägyptische Dichter Omar Hazek ist am Mittwoch auf dem Flughafen von Kairo festgenommen und an der Ausreise gehindert worden. Die österreichische Schriftstellervereinigung Pen-Club („Poets, Essayists, Novelist“) gab am Donnerstag bekannt, Hazek sei auf dem Weg nach Amsterdam gewesen, um dort den Oxfam-Literaturpreis entgegenzunehmen. Über die Hintergründe seiner Festnahme herrscht derzeit Unklarheit.
Hazek war 2013 zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er an einer unerlaubten Demonstration aus Solidarität zu dem von Polizisten erschlagenen Blogger Khalid Said teilgenommen hatte. Im September 2015 kam er frei und wollte auf Einladung des Pen-Clubs Wien besuchen.
Die österreichischen Behörden verweigerten ihm allerdings die Ausstellung eines Schengen-Visums, weil nicht davon ausgegangen werden könne, dass er wieder in seine Heimat zurückkehren werde. Die Niederlande hingegen stellten das Visum ohne Probleme aus. Nach seinem Auftritt in den Niederlanden wollte Hazem nach Österreich und Deutschland weiterreisen, um sein Buch „In der Liebe des Lebens. Kassiber aus der Haft“ zu präsentieren. / Der Standard
Veröffentlicht am 14. Januar 2016 von lyrikzeitung
«Ich werde nach einem angemessenen Trost für meine Lage suchen» – so heisst es in Ashraf Fayadhs Gedicht «Frida Kahlos Schnurrbart», das von einer gescheiterten Liebe erzählt. Die Zeile hat einen unheimlichen Nachhall angenommen, seit der junge palästinensische Lyriker vergangenes Jahr in Saudiarabien, wo seine Familie seit längerem lebt, zum Tode verurteilt wurde; auf Blasphemie und Abfall vom Glauben lautete die Anklage. Das ganze Gedicht mutet nun weniger wie ein letztes Wort an eine verlorene Geliebte an denn wie eine Elegie auf ein verlorenes Leben. (…)
Barmherzigkeit existiert nicht im Vokabular des saudischen Regimes. Wie Fundamentalisten jeglicher Couleur orientieren sich die Machthaber an einer simplen Prämisse, die das Blut gefrieren lässt und die der Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka folgendermassen resümiert hat: «Ich bin im Recht – du bist tot.» Die Sprache der internationalen Realpolitik findet bei solcher Gelegenheit ebenfalls keine Worte. (…)
Heute, am 14. Januar, werden Texte des palästinensischen Dichters auf der ganzen Welt in dreiundvierzig Ländern und im Rahmen von hunderteinundzwanzig Veranstaltungen vorgetragen.
Auf Arabisch und Italienisch, Nepali, Griechisch, Kroatisch und in anderen Sprachen sollen Ashraf Fayadhs Worte erklingen und dem Versuch, ihn zum Schweigen zu bringen, trotzen. / Priya Basil, Neue Zürcher Zeitung
Veröffentlicht am 14. Januar 2016 von lyrikzeitung
In DDR-Zeiten musste Andreas Reimann immer wieder die Willkür der Mächtigen erleben, die sehr genau lasen, was er schrieb. Jahrelang durfte von ihm nichts publiziert werden, nahmen ihm die grauen Männer genau das krumm, was richtig gute Lyrik ausmacht: das persönliche, unverwechselbare Sehen, die genaue, fein nuancierte Sprache und die Fähigkeit, im scheinbar Alltäglichen, in Liebe, Lebenslust und Welterleben seinen Widerspruch deutlich zu machen gegen Missstände, Übelstände, die verordneten Unmöglichkeiten.
Auf die Idee, so einen Mann, der für sein Lebendigsein tatsächlich leiden musste, überhaupt einmal als Ehrenbürger vorzuschlagen, kämen die heutigen Zelebritäten nicht mal im Traum. Warum auch. Haben sie seine Gedichte gelesen? Oder haben sie einen Schreck bekommen, als sie seinen Leipzig-Gedichtband „Bewohnbare Stadt“ von 2009 in die Hände bekamen? Erschrocken darüber, dass so ein Leipziger Urgestein mit sehr skeptischem Blick dem Treiben und Wandel zuschaut oder gar der manifesten Selbstbeweihräucherung auf hoher Marketing-Ebene. / Ralf Julke, Leipziger Internet-Zeitung
Am Donnerstag, 14. Januar, liest der Leipziger Autor Andreas Reimann um 19 Uhr in der Stadtbibliothek am Wilhelm-Leuschner-Platz aus seinem Gedichtband „Grüner Winter“. Mit diesem bibliophilen Band präsentiert der Autor neue Verse, die er 2015 während seines dreimonatigen Aufenthalts im Buch-Haus in Dresden Loschwitz schrieb. Die anmutigen aber auch aufstörenden Gedichte haben Dresden zum Gegenstand, die Landschaft und Gebäude dieser Stadt. An seiner Seite wird der Leipziger Martin Hoepfner an der E-Gitarre die passende Begleitmelodie für diesen Abend spielen. Der Eintritt ist frei.
Andreas Reimann Grüner Winter, edition buchhaus loschwitz, Dresden 2015, 14,90 Euro.
Veröffentlicht am 14. Januar 2016 von lyrikzeitung
Die Poetry Foundation und Copper Canyon Press teilen mit, daß die Lyrikerin C.D. Wright am 12. Januar unerwartet gestorben ist. Sie wurde 1949 in Mountain Home, Arkansas, geboren und studierte an der Memphis State University und der University of Arkansas. Ihr von der Landschaft des Südens inspiriertes Buch One With Others (Copper Canyon Press, 2010) gewann den Lenore Marshall Poetry Prize, den National Book Critics Circle Award und war Finalist des National Book Award. 2013 wurde sie zu einer Kanzlerin der Academy of American Poets gewählt. Anne Waldman nannte sie aus diesem Anlaß „eine unserer furchtlosesten Autoren“.
Ihr Gedicht “from ‘The Obscure Lives of Poets’” erscheint in der Februarausgabe von Poetry auf einer aufklappbaren Seite, um die Verse in voller Länge aufzunehmen.
C.D. Wright über die Dichtung: „Lyrik ist eine Lebensnotwendigkeit… Eine ihrer Funktionen ist, Bereiche in uns aufzufinden, die frei sein könnten, und sie für frei zu erklären.“
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