Raoulito-Gedichte

Es wurde als bibliophile Rarität – 444 Stück Erstauflage – geboren und hätte eine bibliophile Rarität bleiben sollen, doch dann entschieden sich Autor und Verleger doch für eine Neuauflage mit weiteren 500 Stück: Die ersten 444 waren binnen weniger Wochen verkauft worden, und außerdem galt es einige Fehler auszubessern. Die Rede ist von einem Gedichtbändchen von Wolf Wondratschek mit dem Titel For a Life without a Dentist … / Christoph Winder, Der Standard

Wolf Wondratschek, „For a Life without a Dentist. Raoulito-Gedichte“. Edition Ornament im Quartus-Verlag. € 20,50 / 56 Seiten. Zweite Auflage: Bucha-Verlag 2015. Zu beziehen ist das Buch direkt beim Verleger, und zwar über die E-Mail-Adresse jens-f@dwars. jetzweb.de

Kommunikative Eingänge

Nichts in der gegenwärtigen Lyrik ist kommunikativer als die auf den ersten Blick eingängigen Sätze, die schon in den Überschriften den Leser in den Sog der Verse ziehen: „Hilde ist bestimmt gar nicht nach Bonn gefahren“, „Ach wäre ich nur an der See geblieben“, „Du wirst doch jetzt nicht etwa traurig werden“, „Ich lebe mit einer Spinne zusammen“. Das weckt Neugier auf die zwischen Tragik und Komik balancierenden Episoden und Dramen, deren Verläufe in den Versen festgehalten sind. Der Sprecher des Gedichts gesteht unerfüllbare Wünsche und gibt unlösbare Rätsel auf.

Die Langgedichte des Thomas Kunst kommen in einem unaufgeregten Parlando daher, das fabulierend auf das Subversive der Wortfolgen setzt und zum Widerspruch herausfordert. Zwischen den lässig gestreuten Aussagen feiert das „Aber“ ein Fest. Dabei sperren sich die Gedichte gegen ein schnelles Einverständnis mit dem, wovon sie bildhaft erzählen: kleine Geschichten über Liebe und Tod, Familie, Einsamkeit zu zweit und durch Distanz wachsende Nähe. /Dorothea von Törne, Die Welt

Thomas Kunst: Kunst. Edition AZUR, Dresden. 144 S., 20 €.

Wortsturm

Aktuell steht die Dichterin in ihrem 92. Jahr. Von der Ekstase des Schreibens will und kann sie nicht lassen, heute vielleicht weniger denn je. In ihrer Zettelwerkstatt in Wien-Margareten ist jetzt fleurs entstanden. Nach études und cahier liegt damit ein weiteres „Schulheft“ vor. Ein Pappband mit Tintenlinien auf dem Cover, Merkheft und Sudelbuch in einem, ein poetisches Diarium, von „24.3.14“ bis „31.5.15“ säuberlich datiert.

Sollte Mayröcker tatsächlich jemals erzählt haben, so hat sie die dazugehörige Haltung – ich teile dem Leser etwas Wiederzugebendes mit – endgültig ad acta gelegt. Die Grande Dame der heimischen Moderne inszeniert einen Wortsturm. Tag für Tag platzen ihr poetische Sensationen aus dem Mund.

(…) Mayröcker ist endgültig zur Ovid-Figur geworden. Wie Daphne sich in einen Lorbeerbaum verwandelt, so zwingt sie ihr beschwerliches Leben, ihr besessenes Alter unter das Joch der Sprache. (…) Ein betörendes Sudelheft, aus dem man ständig exzerpieren sollte. / Ronald Pohl, Der Standard

Friederike Mayröcker, „fleurs“. € 23,60 / 154 Seiten. Suhrkamp 2016

Rethinking of difficulty

Like poet Charles Bernstein, who addresses the myth of poetry’s difficulty in Attack of the Difficult Poems (2011), Jane Hirshfield argues for a rethinking of difficulty as a ‘‘path towards concentration’’. She notes Sartre called genius ‘‘not a gift, but the way a person invents in difficult ­circumstances’’.

Ten Windows offers access to poetry, revealing its light and air, tonic and charge. Hirshfield argues a poem can profoundly affect its reader: its ‘‘startlements displace the existing self with a changed one’’. Edward Hirsch in his similarly ecstatic How to Read a Poem (1999) collects poets’ metaphors of the journey of poem to reader, from Osip Mandelstam’s poet as seafarer and a poem’s ‘‘secret addressee’’ to Paul Celan’s image of the poem as a message in a bottle, only just retaining hope of the shoreline of attentive reading.

Hirsch imagines poetry’s reader — Wallace Stevens’s ‘‘scholar of one candle’’ — as joyful and awed: ‘‘We can hardly turn the page, so much do we linger with pleasure over the ecstatic beginning.’’ / FELICITY PLUNKETT, THE AUSTRALIAN FEBRUARY 13

Gerettet

Doktor Peng spricht mit Adrian Kasnitz, Auszug:

Sollten wieder mehr Gedichte gelesen werden? Wenn ja, warum?

Unbedingt! Lyrik passt eigentlich viel besser zu unserem Lebensstil der Kurzmitteilung und reduzierten Aufmerksamkeit. Bei Lyrik reicht es schon, eine Seite zu lesen, und der Tag ist gerettet! Gedichte sind nicht immer einfach zu knacken, sie bieten aber meistens mehrere Lesarten, mehrere Ebenen an. Sie sind oft ironisch und lieben die Sprache. Bei 700-Seiten-Schmökern muss ich immer sofort gähnen.

Marcel Beyer erhält Düsseldorfer Literaturpreis 2016

Der diesjährige Preisträger des mit 20.000 Euro dotierten Düsseldorfer Literaturpreises ist der in Dresden lebende Schriftsteller Marcel Beyer. Dorothée Coßmann und Rudolf Müller, Mitglieder der Jury, begründen die Wahl so:

Der Romanautor, Lyriker und Essayist Marcel Beyer findet in seinen Gedichten einen fein schwingenden Ton, der die Leser auf die Reise zu inneren und äußeren Welten mitnimmt und sie trägt. Mit seiner scharfsinnigen, akribisch genauen Sprache thematisiert Beyer alltägliche, ebenso wie politische, zeithistorische Themen, Erlebnisse, Erfahrungen, um sie zugleich als mediale zu zeigen und zu brechen. So auch in seinem zuletzt erschienenen Lyrikband Graphit, in dem er mit seiner Meisterschaft der gradlinigen, genauen Beobachtung außerordentlich beeindruckt.

Die Preisverleihung findet am Montag, den 6. Juni 2016 im Forum der Stadtsparkasse Düsseldorf statt.

Der Düsseldorfer Literaturpreis zeichnet Autorinnen und Autoren aus, deren deutschsprachiges literarisches Werk inhaltlich oder formal Bezug auf andere Künste nimmt. Bisher wurden vierzehn Autorinnen und Autoren damit ausgezeichnet, darunter Patrick Roth, Christoph Peters, Katharina Hacker, Ulrich Peltzer, Ursula Krechel, Thomas Hettche oder zuletzt Michael Köhlmeier.

Gentlemen!

The surreal figure of Sir Arthur Quiller-Couch, who in the early years of the Cambridge English Faculty would greet a lecture audience composed largely of women with the word ‘Gentlemen!’ … / Terry Eagleton in The London Review of Books (Subscribers only)

Niemandssprache

Mit der Vernichtung der Juden Osteuropas verschwand auch die rund tausend Jahre alte Sprach- und Lebenswelt des Jiddischen fast vollständig. Aus dem Mittelhochdeutschen hervorgegangen, wurde sie in der aschkenasischen Diaspora um hebräisch-aramäische und slawische Elemente angereichert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägte sie die Alltagskultur von mehr als zehn Millionen Menschen. Neben Czernowitz, Warschau oder Wilna war auch New York ein Zentrum des transnationalen „Jiddischlandes“.

Die Anfänge der jiddischen Literatur lassen sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Ihre Repräsentanten im 19. und 20. Jahrhundert heißen Mendele Mojcher Sforim, Jizchak Lejb Perez, Scholem Alejchem, Itzik Manger oder Isaac Bashevis Singer (Literaturnobelpreisträger von 1978). Wie vital die Sprache aber noch immer ist, zeigt sich an der Aktualität von Lehnwörtern im Deutschen: Mischpoke, Schickse, meschugge, Tacheles, Reibach, Kaff, Schlamassel oder Chuzpe. Auch Neuschöpfungen wie „blizbrif“ (für E-Mail) könnten Karriere machen. (…)

Doch während viele jüdische Dichter aus der Bukowina – unter ihnen Paul Antschel (Celan) und die ebenfalls 1901 in Czernowitz geborene Rose Ausländer – ein deutschsprachiges Werk hinterließen, blieb Itzik Manger bis zuletzt ein jiddischer „Märchenprinz“.

Allein in seinem Warschauer Jahrzehnt von 1928 bis 1938 entstanden in dieser herrenlosen und vogelfreien „Hefker-Sprache“ sechs Gedichtbände, Prosatexte, Essays, ein Theaterstück, Filmlieder und wenige Wochen vor dem deutschen Überfall der Romanwelterfolg „buch fun gan-ejden“ (Das Buch vom Paradies). In den folgenden Jahren, als der Holocaust Mangers Familie, seine Heimat und die meisten seiner Leser vernichtete, wurden auch seine Bindungen an die deutsche Kultur zerstört.

Seine Erkenntnis aus dem Jahr 1940: „In meinen Träumen sehe ich Goethe mit einem Gummiknüppel in der Hand, Kant in einer SS-Uniform, sehe Faust mit einer Hakenkreuzbinde auf dem rechten Arm – und Blut, Blut, Blut, jüdisches Blut.“ / Willi Jasper, Tagesspiegel

Efrat Gal-Ed: Niemandssprache. Itzik Manger – ein europäischer Dichter. Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Berlin 2015. 784 Seiten, 44 €.

Staubschwinge

«‹Route dégradée› ist ein viel / schöneres Wort als / Strassenschäden», so beginnt eines von Jürgen Brôcans Gedichten. Die sprachliche Differenz, die bei einer Fahrt durch Belgien registriert wird, scheint eher beiläufiger Natur zu sein, entpuppt sich aber als wichtig. Sie wird im Folgenden fruchtbar gemacht und leitet über zu dem Bild einer Landschaft, die historische Spuren trägt und geprägt ist von Veränderungen. Jürgen Brôcan ist leidenschaftlich gerne zwischen Sprachen unterwegs, als Leser, als Übersetzer und auch als Lyriker. Als Skeptiker zudem gegenüber den Worten: «Schuppenflügler / ist ein allzu rauhes Wort, / schöner wäre Staubschwinge», heisst es im Gedicht «Sommervogel». / Martin Zingg, NZZ

Jürgen Brôcan: Holzäpfel. Gedichte. Edition Rugerup, Berlin 2015. 155 S., Fr. 31.90.

Dadaismus treiben

Der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch erinnert sich:

Ich hingegen hatte bis in die zweite Hälfte der 1980er Jahre hinein erst ein einziges Mal von den Dadaisten gehört – als Student. Eine Dozentin hatte dem Dekan der Fakultät aufgebracht berichtet, der «Student Andruchowytsch, Juri» führe ein Bohème-Leben und gehöre im Wohnheim zu einer Gruppe gleichermassen verderbter Typen, die «Dadaismus treiben». Ich wusste nicht, was das bedeutet, fühlte mich aber geehrt.

1985 wurden wir drei – der erwähnte Wiktor Neborak, Oleksandr Irwanetz und ich – zu Bubabisten. Die Literaturkritiker irrten sich oft und nannten uns mal Bombisten, mal Babujinen. In einem Bericht über jüngste Literaturentwicklungen dechiffrierte der Autor Bu-Ba-Bu als Bummelei – Bacchanal – Butaforie. Schwer zu sagen, ob er das positiv meinte.

Ungefähr zur selben Zeit, also in den 1980ern, entstand in Lwiw noch eine andere poetische Gruppe aus drei Dichtern – LuHoSad. Dieser Name war nicht so anspruchsvoll wie unserer. Es waren einfach nur die ersten Silben der Nachnamen Lutschuk, Hontschar, Sadlowsky. Aber es passte gut, dass man aufgrund dieser Abkürzung mit «luh», also Wiese, und «sad», Garten, spielen konnte. Eine Schule der Wiesen- und Gartenpoesie.

Das dritte der bekannten Dichtertrios war die Kiewer «Verschwundene Urkunde». Die kamen ohne Abkürzungen aus: Der Name ist einer der frühen Erzählungen Gogols entlehnt, aus der Sammlung «Abende auf dem Weiler bei Dikanka». Sonst gab es allerdings nichts Gogoleskes an der Kunst der «Verschwundenen Urkunde». Einmal abgesehen von der Kultur des Lachens an sich. Hingegen verwendeten die drei Kiewer Dichter, die das Trio gegründet hatten, im Unterschied zu uns und zu LuHoSad immer Pseudonyme. Einem von ihnen hilft das, heute das Gesicht zu wahren, wenn er in der würdevollen Rolle des bedeutenden ukrainischen Diplomaten auftritt. 

/ NZZ 6.2.

Eine der vielen

… Geschichten um Dada hat 1921 Hans Arp aufgezeichnet: «Ich erkläre, dass Tristan Tzara das Wort DADA am 8. Februar 1916 um 6 Uhr abends eingefallen ist; ich war mit meinen 12 Kindern dabei, als Tzara zum ersten Mal dieses Wort aussprach, das in uns eine berechtigte Begeisterung auslöste. Dies ereignete sich im Café Terrasse zu Zürich, und ich trug gerade eine Brioche im linken Nasenloch.» / Mehr

Versflug

Axel Kutsch erweist sich als Meister der Twitteratur. Aus dem Band Versflug präsentiert KUNO in 2016 ausgewählte Kurz-Gedichte aus den Jahren 1974 bis 2015, keines länger als 140 Zeichen! (KUNO)

Wie kürzt man ein kurzes Gedicht?

Im Osten gehen
die Verse auf,
(…)
Mein Fräulein!
Sei’n Sie munter.

Grün ohne Adjektiv

Hier wie versprochen drei Texte von Carles Hac Mor (s. hier):

 

EL GENOLL QUE FUMA

si voluntat equival a desig
et faré mal m’imagino
aquesta aranya
que s’enfila per la paret
un concert de guitarra
in memoriam
o potser n’eren dues
de sobte però les gotes
i les passes comptades
l’ametller i la guia d’Itàlia
ai tot creix en un verd
sense adjectiu

 

das rauchende knie

wenn der wille dem begehren entspricht
werde ich dir weh tun, nehme ich an
diese spinne
die die wand emporsteigt
ein konzert mit gitarre
in memoriam
oder vielleicht waren’s zwei
plötzlich aber die tropfen
und die schritte abgezählt
der mandelbaum und der italienführer
ach alles wächst in einem grün
ohne adjektiv


ENTROPIA

Hola noi! Com va tot?
Bé, bé. Ah! I tu què?
Ves, no res. Home! Uf!
Sí, quina calor! Ep!
Quina hora és? Alabat
sigui Déu! Ca barret!
Malament rai. Què fas?
Ecs! Fuig! Deixa’m! Quin fàstic!
Reina Santa! Pollós!
Alça! Correu-hi tots! Au!
Vinga! No comencem!
Si no dic res, però!
Més val! Desagraït!
Ai! Para compte, eh?
Ara sí que m’has mort!
Que et fas el ruc o què?
Que parlo amb la paret?
Que més val que callis!
Què tens ara, bandarra?
Totxo! De què te’n fums?
Què t’has pensat? Prou, pou!
Faltat! Què t’empatolles?
Qui ho havia de dir?
Pots comptar! Quines penques!
Vés, vés! Malaguanyat!
Vols dir? Bah! Se me’n fot!
Avall, que fa baixada!
Tu mateix. Quina angúnia!
Barrut! Pallús! Vagarro!
Vergonya me’n daria!

 

Entropie

Hallo mein Lieber, wie geht’s so?
Gut gut. Ach ja, und bei dir?
Na ja, nichts Besondres. Mensch! Puh!
Ja, was für eine Hitze! Hey!
Wie spät ist es? Gott
sei gelobt! Kommt nicht in die Tüte!
Dann wirds zappenduster. Was machst du da?
Igitt! Geh weg! Lass mich! Ekelhaft!
Heilige Muttergottes! Schmutzfink!
Meine Güte! Das ist ja soooo schlimm!
Na, na, na! Komm mir nicht so!
Ich sag doch gar nichts!
Ist auch besser! So was von undankbar!
Ach nee! Pass auf, du!
Das ist ja wohl nicht dein Ernst!
Stellst du dich dumm oder was?
Rede ich denn gegen eine Wand?
Ich sag doch, dass du besser den Mund hälst !
Was hast du jetzt, du miese Ratte?
Du Vollpfosten! Worüber machst du dich lustig?
Was bildest du dir ein? Hör auf!
Völlig daneben! Was faselst du da?
Wer hätte das gedacht!
Wer’s glaubt. Unverschämtheit!
Geh weiter! Versager!
Meinst du? Pah, geht mir am Arsch vorbei!
Du wirst schon wissen. Das macht einen krank!
Assi! Trottel! Penner!
Schämen würde ich mich!


ARA SÍ QUE M’HE PERDUT

l’infant que s’acosta
també s’allunya
i es perd en arribar
és a dir
l’infant que s’allunya
s’acosta per perdre’s
amb el benentès
que no sabem
qui és aquest infant
i de tota manera
antany la música
era més blanca
i com pot ser però
que fos blanca
i què hi té a veure
la música
amb acostar-se
i allunyar-se

 

jetzt habe ich mich aber wirklich verlaufen

das kind das sich nähert
entfernt sich zugleich
und geht beim ankommen verloren
das heißt
das kind das sich entfernt
nähert sich um verloren zu gehen
stets davon ausgehend
dass wir nicht wissen
wer dieses kind ist
und jedenfalls
war die musik früher
weißer
und wie kann es aber sein
dass sie weiß war
und was hat
die musik zu tun
mit sich entfernen
und sich nähern

[aus dem Kat.: à.s.]

The discussants should consider the work of a young Russian poet, Galina Rymbu

There is a lot of talk now, in the United States at least, about political poetry and even revolutionary poetry, and what these are, and how to write them. The discussants should consider the work of a young Russian poet, Galina Rymbu.

I first came across a poem of hers shortly after she posted it on LiveJournal, a social network popular in Russia, on February 27, 2014. It was the day that Russian troops started operating in Crimea, and several days after the victory of the Maidan Revolution in Kyiv and the tawdry close of the Sochi Olympics. Russian media fanned the flames of patriotic hysteria and the Kremlin was clearly going to exploit Maidan to crack down on domestic dissent.

It felt strange that a work of this artistic sophistication and power could be composed and posted on the Web simultaneously with the events it responded to. Its viewpoint was that of the minuscule and very young Russian Left—roughly the same political alignment as those of the poet-activist Kirill Medvedev and of Pussy Riot, to cite figures known to some Western readers. But the poetry was different. It was Big Poetry, very much grounded in tradition but also propelling it forward, into the terra incognita of the now. It’s been a while since I read a poem that felt so real.

That poem has since appeared in English translation by Jonathan Platt. It can be read here, the middle one, starting with “the dream is over, Lesbia, now it’s time for sorrow…” I want to talk about the Russian original a little, and then say a few things about the present publication of Rymbu’s work in Platt’s translation in Music & Literature. / Eugene Ostashevsky, Music & Literature

Galina Rymbu was born in 1990 in the city of Omsk (Siberia, Russia) and currently lives in St. Petersburg. She has published poems in the Russian Journals The New Literary Observer, Air, Sho, and in the Translit series. Her essays on cinema, literature, and sexuality have appeared on the internet portals Séance, Colta, and Milk and Honey. She is the author of the recently published collection Moving Space of the Revolution.

Eugene Ostashevsky is a poet and translator of Russian avant-garde and contemporary poetry. His edition of Alexander Vvedensky’s An Invitation for Me to Think won the 2014 National Translation Award from the American Literary Translators Association.

Poetopie

schau aufmerksam auf die Uhr – die Zeiger umkreisen zeitlos die Achse der Gegenwart

Hansjürgen Bulkowski