Palin Poet

In 2011, Michael Solomon released a Kindle single entitled “I Hope Like Heck: The Selected Poems of Sarah Palin.” The book consisted of Palin speeches reprinted word for word but broken into poetic lines. Solomon isn’t the only one who has noticed that Palin’s much-mocked speeches make more sense if formatted as poetry. Writers for both Fusion and the Huffington Post have taken Palin’s speech endorsing Donald Trump and re-cast it as vatic verse.

Here is a fragment of Palin, with line breaks from Jason O. Gilbert of Fusion:

I Sing the Body Apoplectic

We all have a part in this, we all have a responsibility.
Looking around at all of you, you hard-working Iowa families.
You farm families! And teachers! And teamsters! And cops, and cooks!
You rockin’ rollers! And holy rollers!
All of you who work so hard,
You full-time moms!
You, with the hands that rock the cradle!
You all make the world go round,
and now,

Our cause is one!

(…) As Michael Solomon writes, “Not since Walt Whitman first heard America singing has a writer captured the hopes and dreams of her people so effortlessly—and with so many gerunds.”

Jason O. Gilbert agrees. “Many critics derided [Palin’s] speech as ‘rambling’ and ‘insane,’” he notes. “These critics are wrong. With a little proper formatting, this speech was poetry, in the tradition of Walt Whitman.” / Jeet Heer, New Republic

Jürgen Fuchs wäre jetzt 65

Der Politiker und Dichter Hans-Jürgen Döring, der ausgewählte Texte vortrug, meinte, Fuchs müsse als Desiderat literarisch noch entdeckt werden. „,Magdalena muss man lesen.“ Und Utz Rachowski scheint es, als würde Fuchs‘ literarische Bedeutung stetig wachsen. Er sei „als Literat lange unterschätzt“ worden. Es sei singulär, „wenn jemand so von unten schreibt, mit diesem plebejischen Blick der kleinen Bahnstationen“, meinte Rachowski, einen Fuchs-Essay Herta Müllers zitierend. / Michael Helbing, Thüringer Allgemeine

Wortarten – Ein Lyrikfestival präsentiert von Monika Rinck

Samstag, 6. Februar 2016

 

Um Worte soll es gehen. Als der Maler Degas während einer Abendgesellschaft darüber klagte, wie schwer ihm das Dichten falle, und das, obwohl er doch so viele Ideen habe, erging an ihn von Mallarmé, „avec douce profondeur“, der Hinweis, dass man ja auch nicht mit Ideen Gedichte mache, sondern mit Worten. Nun sind Worte aber auch nicht das blanke Gegenteil von Ideen, was sich an vielen guten Gedichten zeigen lässt, und zudem daran ersichtlich ist, dass Ideen wortlos nur schwer zu vermitteln sind.

Was aber machen die Worte? Und wie machen sie es? Bewegen die Verben, was die Präpositionen einrichten, während Adjektive sich um das Substantiv bemühen, das auf seine pronominale Ersetzung wartet? Ja, und Metapher ist auch nur ein Wort. Aber das stimmt nicht. Kein Wort ist nur ein Wort. Auch darum soll es gehen. In Lesungen und Geprächen – mit Marion Poschmann, Kerstin Preiwuß, Farhad Showghi, Sabine Scho und Martina Hefter.

Beginn: 15 Uhr, Abschlussdiskussion: 20 Uhr

Eintritt frei

Zur Facebook Veranstaltung hier

/ Spec ops network

Opferhaltung

Da wir grad bei garstig sind. Auf seiner Facebookseite kommentiert Hamed Abdel-Samad ein Video, auf dem eine Frau mit Kopftuch ein Gedicht vorträgt. Er schreibt:

Natürlich gibt es oft Diskriminierung gegen Muslime, wie es gegen Juden, Schwarze auch Diskriminierung gibt. Aber keine Gruppe beschwert sich mehr über Benachteiligung wie Muslime. Ich verstehe aber nicht warum Muslime Ereignisse wie die Silvester-Übergriffe auch nutzen um sich als die eigentlichen Opfer zu stilisieren wie die Poetin (…) das tut? Warum protestiert sie nicht gegen die Diskriminierung der muslimischen Frauen durch muslimische Männer? Warum beschwert sie sich nicht über die Diskriminierung der Andersgläubigen durch Muslime?

Zusammenfassung ihres Gedichts ist: Hallo, ich bin Muslima, vergesst die Frauen von Köln. Ich bin das eigentliche Opfer, und deutsche Männer fassen mich ständig an. Und Köln hat weder mit Ethnie noch mit Religion zu tun. Das ist ein deutsches Problem, weil ich in Deutschland nur Probleme sehe!

Die gleiche junge Poetin (wenn ich mich ans Gesicht und an die Stimme richtig erinnern kann) war bei meiner Buchpräsentation „Der islamische Faschismus“ im Gorki-Theater in Berlin und ließ die gleiche Opferhaltung auf mich los. Sie meinte meine Bücher machen ihr das Leben schwer. Ich fragte sie ob sie in Berlin mehr Probleme habe mit ihrem Kopftuch als ein Jude mit einer Kippa. Sie blieb stumm. Ich, der nur in Begleitung von 6 Polizisten auftreten durfte, nur weil meine Kritik Muslime beleidigt, mache ihr das Leben schwer? Es gibt einige junge Muslime, die eigentlich Kader der Islamverbände sind, und darauf vorbereitet werden, künftig den Ton über die Islamdebatte in den Medien zu bestimmen.

Blutiger Anschlag

Unbekannte Schützen betraten heute die Bacha-Khan-Universität in der nordpakistanischen Stadt Charsadda, nahe der afghanischen Grenze, und eröffneten das Feuer auf Studenten, die gerade zu einer Lyriklesung zum Gedenken an den Namensgeber der Universität, den Kämpfer gegen die britische Herrschaft Bacha (Badsha) Khan (um 1890-1988) versammelt waren.

Der Anführer der verbotenen Tehreek-i-Taliban Pakistan (TTP)-Geedar-Gruppe Umar Mansoor bekannte sich auf seiner Facebookseite zu dem Anschlag. Ein Sprecher der TTP widersprach ihm und verurteilte die Tat als „gegen die Scharia“ gerichtet. / Dawn

Der Guardian spricht von mindestens 30 Toten.

 

Sensers Lyrik

Armin Sensers Lyrik ist komplexer geworden, vertrackter, gedankenreicher. «Der Gedanke ist ein Liebhaber der Poesie», heisst es in dem nämlichen Aufsatzband. Wohl in keinem Band zuvor hat Senser, der immer schon zu einer diskursiven, argumentativen und bildarmen Gedankenlyrik neigte, die Schönheit des Denkens und die verständige Klarheit alles Schönen so konsequent in Verse gefasst.

Und trotzdem bewahren sich diese Gedichte den erzählerischen Gestus, den Senser in dem biografischen Versroman «Shakespeare» erprobt hatte. Elegisch und lakonisch zugleich sind nun die neuen Gedichte gestimmt. Sie atmen weit (im nicht vollends gelungenen Zyklus «Die menschliche Komödie» zum Beispiel), sie öffnen etwa in der «Kolumbianischen Serenade» mit emphatischer Anschaulichkeit einen grossen Erfahrungs- und Denkraum. Senser rekapituliert ohne Pathos, nüchtern und lakonisch biografische Reminiszenzen, er erzählt bewegend von seinem Vater, von seiner Kindheit, von frühen Versuchen mit der Malerei. Und gelegentlich erscheint dazwischen ein Bild von der Liebe, verstohlen fast. / Roman Bucheli, NZZ

Armin Senser: Liebesleben. Gedichte. Verlag Carl Hanser, München 2015. 110 S., Fr. 23.90; Priester und Ironiker. Über Literatur. Klever-Verlag, Wien 2015. 168 S., Fr. 25.40.

Das Unbehagen in der Literatur

Literarische Welt:

Sie sind in erster Linie Lyriker, Romancier erst seit Kurzem. Was ist die Rolle des Dichters in der heutigen Gesellschaft? Wer schreibt heute noch Sonette und wozu?

Ben Lerner:

Lyrik ist ein Kürzel, ein Ausdruck für das Unbehagen in der Literatur: Ist sie relevant, ist sie irrelevant? Kann sie etwas zur öffentlichen Debatte beitragen oder nicht? Und die Frage, ob es richtig ist, heute noch Lyrik zu schreiben, war von Anfang an Thema der Lyrik. Denn letztlich geht es ihr immer nur um ein Thema: Was ist Lyrik überhaupt? Lyrik ist immer selbstreferenziell. Es ist eine Form der Literatur, die nicht Marktgesetzen unterworfen ist, weil sie nicht erfolgreich sein muss. Eine Parallelgesellschaft, wenn Sie so wollen. Wenn ein Lyrikband sich ein paar Tausend Mal verkauft, ist das schon beinahe sensationell.

Kennen Sie die enzensbergersche Konstante? Sie wurde von Hans Magnus Enzensberger entdeckt, einem deutschen Lyriker, der die Mathematik liebt, und beträgt 1354. Das ist – laut Enzensberger – die Anzahl von Menschen in jeder Sprachgemeinschaft der Welt, die Gedichte liest.

Großartig! Natürlich kann niemand vom Gedichteschreiben leben, ich auch nicht. Mir macht es aber Spaß, mich in dieser Literaturgattung zu bewegen, die so unbestimmt und selbstreferenziell ist, die mit Ambivalenzen spielt, die ein Unbehagen ausdrückt.

/ Hannes Stein, Die Welt

Nachricht aus Guatemala

Wie lauten deine Programmziele für Editorial Cafeína und wie suchst du deine Autoren aus?

Die Idee ist, daß jeder guatemaltekische Autor bei uns veröffentlichen kann. Ich denke, daß die Dezentralisierung, die der verlegerische Prozeß im Landesinneren erleidet, ebenso von Bedeutung ist wie die Tatsache, daß die daraus sich entwickelnden und ergebenden Verlagsaktivitäten fern der Hauptstadt nicht nur ein kulturelles Erbe bekräftigen, sondern auch mit herkömmlichen literarischen Paradigmen brechen. Das Wichtigste ist, daß es sich um Werke handelt, die andere Lesarten anbieten und befördern und eine klare Botschaft vermitteln, daß einem bestimmten literarischen Zirkel anzugehören keine notwendige Voraussetzung darstellt, um veröffentlicht zu werden. Die Auswahl betreiben wir in einem Herausgeberrat, eine Art Filter, der dafür sorgt, daß das, was publiziert werden soll, literarische Qualität aufweist, wenngleich das relativ ist.

Gibt es in der jungen guatemaltekischen Literatur so etwas wie einen gemeinsam zu nennenden Trend? Worüber schreiben die jungen guatemaltekischen Dichter (deines Verlags) in diesen Tagen?

Es gibt eine ziemlich lange Liste junger guatemaltekischer Dichter und Schriftsteller, dazu gehören Sonia Marroquín, Alberto Arzú, Rebeca Lane, Daniela Castillo, Pep Barcárcel, Marilinda Guerrero, Vanessa Ramos, Evelyn Macario, Jhonatan Bell, Marco Valerio Reyes, Numa Dávila, José Juan Guzmán, José Alvarado, Joselin Pinto, Pablo Hernández, Julio Prado, Marlon Francisco, Gabriela Gómez, César Yumán, Carlos Orellana, Rafael Romero und viele andere, die gerade meiner Erinnerung entflohen sind, aber zweifellos existiert eine große Varietät guatemaltekischer Literatur, die mit Kraft und sehr guten literarischen Vorschlägen aufwartet und die sich deutlich von romantischen oder Nachkriegskriterien absetzt. Ich würde sagen, es handelt sich um eine Literatur, welche die literarische Sprache neu zu erfinden beabsichtigt, und die unter anderem eine eineindeutige Beziehung zwischen Schriftsteller und Leser herzustellen versucht. / Stan Lafleur im Gespräch mit dem guatemaltekischen Dichter und Verleger Rudy Alfonzo Gomez Rivas (Mehr hier)

Zwei Ansichten

Über die Anthologie Lyrik von jetzt 3 – Babelsprech

Formale Grenzen des Gedichts scheinen endgültig aufgehoben. Was auf knapp dreihundert Seiten zu lesen ist, zeigt eine Vielfalt, wie man sie so noch nicht bestaunen konnte. Waren bisher deutliche oder indirekte Anknüpfungen an tradierte Formen, an Reim und Strophe, in der zeitgenössischen Lyrik unübersehbar, so verfügen die meisten Texten kaum mehr über eine feste oder vorgegebene Struktur. Die meisten Gedichte ankern in der fortgesetzten Postmoderne. Gerade dies macht ihren Reiz aus. Es herrscht eine Tendenz zum Versatzstückhaften, zum Schreiben und Denken in zerbrochenen, nicht mehr zusammenzufügenden Teilen. Es geht nicht mehr um das Große und Ganze.

War das Gedicht vor einigen Jahrzehnten noch ein Träger von Botschaften, eine Art Kassiber, so ist es heutzutage ein stupender Kunstgriff oder ein kritisches Selbstgespräch. Es richtet sich nur noch selten emphatisch an einen Leser, eine Leserin. Das Gedicht will häufig mit sich sein, ein Fragen stellender und womöglich klärender Monolog: „Ich habe noch nie so viel Schnee gesehen / nicht so viele Landschaften so dick überfroren / kalt und eisesstill wie das Land das sich abkehrt von uns / in ein inneres Gespräch…“ – wie es bei Anja Kampmann heißt. / Tom Schulz, Die Welt 24.10.15

Zu heterogen, zu aufgesplittert das Ganze. Aber auch: Nichts wirklich Neues oder Herausragendes. Natürlich gibt es auch hier einige Stimmen, die bereits verlegt und damit etabliert sind, übliche Verdächtige wie Carolin Callies, Dagmara Kraus, Martin Piekar, Marie T. Martin. Aber ansonsten überwiegt das Gefühl, »die Nischen für Ausreifungszeiten« (Falkner) würden weniger und stattdessen nehme das »Überfischen der Jugendgewässer« (ebenfalls Falkner) deutlich zu. Da gibt es eben auch viel Beifang, der dann – zu früh an die Oberfläche geholt – halb betäubt wieder in die tückischen Strudel und Unterströmungen des lyrischen Betriebs zurückgeworfen werden muss.

Was auffällt: Die Enigmatiker sind in der Überzahl, ihre Gedichte verschließen alle Zugänge bewusst und schwingen sich stattdessen an den Lianen willkürlicher Assoziationen durch den Vokabeldschungel. Manche wirken schon visuell abweisend wie etwa die monolithischen Texttafeln von Richard Duraj, die wie Steilwände vor dem Leser aufragen und ihm keine Möglichkeit zum Einstieg bieten. Auch die heterogenen Elementarteilchen von Charlotte Warsen fliegen wirr umher, ohne sich jemals zu einem Ganzen zusammenzusetzen. Die »Plugs« genannten quadratisch umlaufenden Texte von Andreas Bülhoff sehen zwar schön aus, bieten aber inhaltlich in keiner Weise eine Notwendigkeit für ihre optische Extravaganz.
Léonce W. Lupette erhebt Stammeln und Stottern zum Stilprinzip seiner hier vorgestellten Gedichte: »& sadden-su-suddenly auch in Jena-ja-jena der Jebel na Nebel die Nebel…« oder: »kein Kosen-ko-Kosen-ko-komo to-tosen die Dämpfe ent-/ krämpfe sich etwas Toskana la Thema la Therma la kontra la toz…« usw. Ein ostentativ Gassi geführtes palatales Handicap macht noch kein gutes Gedicht, möchte man gern dazwischenrufen. / Hellmuth Opitz, dasgedichtblog

Größere Realität

Eins vorweg, wenn es um Daniela Seels zweiten Gedichtband „Was weißt du schon von Prärie“ geht: Ich verstehe diese Gedichte auch nicht. Wer Daniela Seel begegnet, versteht aber sofort, dass sie nicht um des Effekts willen hermetisch schreibt. Dafür nimmt sie sich selbst zu wenig wichtig und die gesellschaftlichen Zusammenhänge der Literatur zu ernst. Sie muss also etwas im Sinn haben mit dieser kryptischen Schreibweise: „Zu Wänden sprechen, sich in Verhältnisse setzen. Die Zunge will immerzu lecken. Mehrere Enden. Lugen aus Architekturen, Ich-Territorien, Flimmern. Ich will. Ich verspreche. Überall Inventionen, überall Stimmen.“ – So beginnt das erste Gedicht der ersten Abteilung „Territorien, Flimmern“. Wie soll man so einen Text lesen? Die klügsten Antworten darauf hat Daniela Seel selbst gegeben, die ja nicht nur Dichterin ist, sondern als Kookbooks-Verlegerin auch eine bedeutende Vermittlerin.

Als klaustrophobisch habe sie irgendwann ihre eigenen Gedichte empfunden, erklärt sie in einem Essay von 2011, der sich auf den Zyklus „Fuchsia“ aus ihrem ersten Band bezieht, von ihr jetzt aber erst in diesem zweiten Buch veröffentlicht wurde. Da steht: „ich suchte eine form, die beweglich ist und trotzdem treffend und die denken kann. die vorstellungen freisetzt, statt durch zu viel beschreibung zu beschränken. die erfahrungen lieber bereitstellt, als sie mitzuteilen.“ Größere Gleichzeitigkeit, also größere Realität wünsche sie sich für ihre Gedichte, schreibt Daniela Seel. / Insa Wilke, Süddeutsche Zeitung

Daniela Seel: Was weißt du schon von Prärie. Gedichte. Kookbooks Verlag, Berlin2015. 80 Seiten, 19,90 Euro.

„Poesie ist eine unhörbare Bewegung der Buchstaben“

Alice Salomon Hochschule Berlin vergibt am 23. Januar 2016 Poetik Preis an Elfriede Czurda

„Poesie kann dem Publikum nicht mittels Lärm in die Ohren gedröhnt werden, sondern verlangt ihm etwas ab: die Bereitschaft zu hören und zu denken“, so die Schriftstellerin Elfriede Czurda. Am 23. Januar 2016 erhält sie den mit 6.000 Euro dotierten Alice Salomon Poetik Preis.

Der Alice Salomon Poetik Preis wird im Rahmen des Neujahrsempfangs der Hochschule verliehen. Die Veranstaltung wird unterstützt durch die Literaturwerkstatt Berlin/Haus für Poesie.

Elfriede Czurda, geboren 1946 in Wels, lebt als freie Schriftstellerin in Wien. Nach abgeschlossenem Studium publizierte sie 1974 ihre ersten Texte in der Linzer Zeitschrift „neue texte“, war später mehrere Jahre Lektorin der gleichnamigen Buchedition. Mit „ein griff = eingriff inbegriffen“ veröffentlichte sie 1978 ihr erstes Buch im Rainer Verlag in Berlin. 1980 verlagerte sie ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin und kehrte 2007 nach Wien zurück. Sie lebte einige Zeit als Writer in Residence und Gastprofessorin in den USA und in Japan.

Die Jury des Alice Salomon Poetik Preises würdigt Czurda als Künstlerin, die eine „offene, hoch konzentrierte und subtile Poesie zwischen den Künsten geschaffen hat.“ Ihr breit gefächertes Werk umfasst Prosa, Gedichte, Essays sowie visuelle und fotografische Arbeiten, sie schrieb und inszenierte Hörstücke. Zu ihren Werken zählen u.a. die Romane „Kerner. Ein Abenteuerroman“ (1987/2009), „Die Giftmörderinnen“ (1991), „Die Schläferin“ (1997) sowie die Gedichtbände „Das Confuse Compendium“ (1992), „ich, weiß“ (2008), „Dunkelziffer“ (2011) und das „Buch vom Fließen und Stehen“ (2014). „In der Vielfalt ihres Werks vermittelt sie eine Ästhetik des Intermediären – zwischen Poesie und Theorie, Sinnlichkeit und Konzeptualität, Sprachkraft und Unsagbarkeit sowie auch zwischen Text, Bild, Musik und Architektur“, so die Jury weiter. Die Jury setzt sich aus Größen der deutschen Kunst- und Literaturszene sowie aus Multiplikatoren der Alice Salomon Hochschule Berlin zusammen.

Die Poesie hat für Elfriede Czurda einen besonderen Stellenwert: „Das Spektakuläre an dieser Form des Ausdrucks, die sich Poesie nennt, ist die Dynamik der Sprachelemente selbst, eine Bewegung der Laute, der Buchstaben, die sich rätselhaft und trivial zugleich an Dinge heften und von Dingen lösen und so mit größter Leichtigkeit komplexe Vorstellungen prozessieren: ‚ein rascheln ist dort wo ich glaube zu sein‘ als poetologischer Ausgangspunkt, ‚und ein huschen ist dort wo ich hin will‘ (Reinhart Priessnitz). – Diese Vorgänge sind also derart differenziert und minimalistisch, dass sie im Lärm des medialen Rummels so gut wie unhörbar sind.“ Vor diesem Hintergrund, und weil „Poesie ganz und gar und im Wortsinn ohne Grund ist“, sieht Czurda in Poetikpreisen einen „(lebens-?)wichtigen Fingerzeig auf eine der bedeutendsten Kulturtechniken.“

Mit dem Alice Salomon Poetik Preis zeichnet die Alice Salomon Hochschule Berlin Künstlerinnen und Künstler aus, die durch ihre besondere Formensprache und Vielfalt zur Weiterentwicklung der literarischen, visuellen sowie akustischen Künste beitragen und dabei immer interdisziplinär arbeiten und wirken. Die Berliner Hochschule für Soziale Arbeit, Gesundheit sowie Erziehung und Bildung im Kindesalter führte 2007 den Masterstudiengang „Biografisches und Kreatives Schreiben“ ein – im Zuge dessen wurde der Alice Salomon Poetik Preis erstmalig vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Gerhard Rühm, Michael Roes, Rebecca Horn, Valeri Scherstjanoi, Eugen Gomringer, Emine Sevgi Özdamar, Andreas Steinhöfel, Franz Hohler und Volker Ludwig.

Über die Alice Salomon Hochschule Berlin
Die Alice Salomon Hochschule Berlin bietet Bachelor- sowie Masterstudiengänge für Soziale Arbeit, den Gesundheitsbereich sowie Erziehung und Bildung im Kindesalter an. Derzeit studieren circa 3.500 Studierende an der Hochschule mit Sitz in Berlin-Hellersdorf.
http://www.ash-berlin.eu

Über die Literaturwerkstatt Berlin/Haus für Poesie
Die Literaturwerkstatt Berlin/Haus für Poesie fördert seit ihrer Gründung 1991 alle Bereiche der Literatur und seit rund 15 Jahren speziell Dichtung. Sie gibt Poesie aus aller Welt eine Bühne und ebnet deutschsprachiger Dichtkunst den Weg ins Ausland. Das Jahr hindurch präsentiert sie rund 150 Veranstaltungen.

/ Literaturwerkstatt

Poetopie

du auf dem Foto – wie kommst du da wieder herunter?

Hansjürgen Bulkowski

Gestorben

Gestern starb der Chicano-Dichter Francisco X. Alarcón in San Francisco an Krebs. Er war 61 Jahre alt. / El Tecolote 

Homerische Szenerie

(…) Wer hat die „Odyssee“ schon einmal so gelesen? Als eine märchenhafte Ausflucht für einen Mann, der alle Welt getäuscht hat mit der Geschichte, wie unwillig er weggegangen wäre in den Krieg um Troja? / Ralf Julke, Leipziger Internetzeitung

Phoebe Giannisi Homerika, Übers. Dirk Uwe Hansen. Reinecke & Voß, Leipzig 2016, 10 Euro.

Peter-Huchel-Preis 2016 für Barbara Köhler

Der diesjährige Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik geht an die 1959 in Burgstädt bei Amerika (Sachsen) geborene und in Duisburg lebende Dichterin Barbara Köhler. Die Jury würdigte in ihrer Sitzung am 15. und 16. Januar 2016 in Freiburg ihren im Verlag Lilienfeld erschienenen Band „Istanbul, zusehends“ als herausragende Neuerscheinung des Jahres 2015. Der mit 10.000 Euro dotierte Peter-Huchel-Preis wird am 3. April 2016, dem Geburtstag Huchels, in Staufen im Breisgau verliehen. Preisstifter sind der Südwestrundfunk und das Land Baden-Württemberg. Zu den bisherigen Preisträgern gehörten u. a. Ernst Jandl, Durs Grünbein, Thomas Kling, Oskar Pastior, Friederike Mayröcker und Paulus Böhmer.

Die Jury in ihrer Begründung: „Mit dem doppelten Blick der Fotografin und Dichterin formuliert Barbara Köhler in ihrem Gedichtband ‚Istanbul, zusehends‘ eine Liebeserklärung an eine Stadt, die ihr immer zugleich fremd und vertraut bleibt. Das Zusammenspiel von Sprache und Bild stiftet eine poetische Genauigkeit, in der mit Emphase und Empathie die Topographie der Stadt erkundet wird. Ihre Auseinandersetzung mit der eigenen Fremdheit am Bosporus zeigt, dass es keine Unschuld des Blicks gibt, aber dass die Betrachterin immer schon teilhat am Gesehenen. Ein raffiniertes Netz von Sprachbildern und Bildsprache knüpft einen fliegenden lyrischen Teppich, der ganz selbstverständlich im Alltag auch die Wucht des Politischen einfängt.“

Der vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk gestiftete Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik wird seit 1983 für ein herausragendes lyrisches Werk des vergangenen Jahres verliehen. Der Preis erinnert an den Namensgeber Peter Huchel (geboren am 3. April 1903 in Groß-Lichterfelde bei Berlin, gestorben am 30. April 1981 in Staufen im Breisgau), den bedeutenden Lyriker und langjährigen Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Sinn und Form“. Die Jury besteht aus sieben unabhängigen Literaturkritikern, -wissenschaftlern und Autoren.

Informationen zum Peter-Huchel-Preis unter peter-huchel-preis.de