Veröffentlicht am 27. Januar 2016
von lyrikzeitung
13 Kommentare
Von Axel Kutsch
Lyrikrezensionen muss man in unseren überregionalen Zeitungen fast mit der Lupe suchen. So wurden im vergangenen Jahr im sogenannten „großen Feuilleton“ aus einer Vielzahl von 2015 veröffentlichten Gedichtbüchern deutschsprachiger Autorinnen und Autoren nur rund dreißig kritisiert, allen voran „Vonne Endlichkait“ von Günter Grass. Während in der NZZ laut Perlentaucher immerhin noch zwölf Rezensionen erschienen, waren es in der TAZ und ZEIT gerade mal zwei.
Neben dem Lyrikband von Günter Grass galt das Interesse der Kritiker vor allem den Neuerscheinungen von Christoph Meckel und Raoul Schrott. Dass ein herausragendes Buch wie „Neu-Jerusalem“ von Ulf Stolterfoht bisher nur in der FAZ und NZZ rezensiert worden ist, ist ein weiteres Indiz für den schweren Stand der Lyrik im „großen Feuilleton“. Krimis haben es da leichter.
Die Liste der Rezensionen wird nach meiner Perlentaucher-Auswertung von Günter Grass angeführt. Kritiken über „Vonne Endlichkait“ erschienen in der ZEIT, NZZ, FAZ, Welt, SZ und FR. Ebenfalls mit mehreren Rezensionen folgen Christoph Meckel („Tarnkappe“, FAZ, NZZ, SZ, Die Welt), Raoul Schrott („Die Kunst an nichts zu glauben“, FAZ, SZ, NZZ, TAZ), Tom Schulz („Lichtveränderung“, NZZ, Die Welt, TAZ), Carolin Callies („fünf sinne & nur ein besteckkasten“, NZZ, Die Welt), Angelika Krauß („Eine Wiege“, FAZ, SZ) und Ulf Stolterfoht („Neu-Jerusalem“, FAZ, NZZ).
Zu den Lyrikbänden, die jeweils einmal im überregionalen Feuilleton rezensiert worden sind, gehören unter anderem „Venice singt“ von Sonja vom Brocke (NZZ), „CEK“ von Daniel Falb (Die Welt), „Spiegelungen Orte“ von Manfred Peter Hein (FAZ), „Gegenreden“ von Uwe Kolbe (FR), „Istanbul, zusehends“ von Barbara Köhler (SZ), „Mikadogeäst“ von Jürgen Nendza (SZ), „Scharlachnatter“ von Robert Schindel (NZZ), „was weißt du schon von prärie“ von Daniela Seel (SZ) und „Liebesleben“ von Armin Senser (NZZ). Nicht nur diesen Gedichtbüchern wäre mehr Aufmerksamkeit in den oft lyrikverschnarchten Redaktionen zu wünschen.
Zwölf Rezensionen über Neuerscheinungen des vergangenen Jahres von deutschsprachigen Lyrikerinnen und Lyrikern wurden 2015 in der NZZ veröffentlicht, elf in der FAZ, neun in der SZ, acht in der Welt, drei in der FR, je zwei in der TAZ und ZEIT – zumindest teilweise ein Armutszeugnis. Vielleicht wacht man ja 2016 in der einen oder anderen Redaktion auf. So viel Tiefschlaf hat unsere innovative neue Lyrik nämlich nicht verdient.
Neueste Kommentare