To be fair, [Dana] Gioia has been baffling critics for decades. During the 1980s, he was mockingly labeled as the champion of “New Formalism” because he liked to write poems in traditional rhyme and meter. It’s a critique that has always puzzled Gioia, who recognized that most people like structure to their poems.
“When I started, it was considered un-American,” he said. “But the times have changed because hip-hop has reminded intellectuals that average people like meter, rhyme and form — these are not elitist tools.” / Eli Wolfe, San Francisco Chronicle
„Frohburg“, dieses 1002 Seiten starke Porträt seiner Heimatstadt, ist ein Buch, in dem etwas festgehalten wird. Der Preis für Stolterfoht dagegen geht an ein mobileres, performativeres Verständnis von Literatur. Im vergangenen Jahr hat er den Verlag Brueterich Press gegründet. Dessen Motto „Schwierige Lyrik zu einem sehr hohen Preis“ wurde seither oft amüsiert zitiert. Das Vermarktungskonzept des Verlags heißt, man staunt, Abonnements für Neuerscheinungen. Eine trotzig-ironische Zuspitzung des Markenprinzips.
Darin stecken zwei Tendenzen des jüngeren Literaturbetriebs: der wiedererwachende Wille zum Kuratorischen und zu Literatur als „sozialer Praxis“. (…)
Bei Poetry Slams entscheidet das Publikum, welcher Vortragende gewinnt, wer verliert. Daher konzentrieren sich die dabei „performten“ Texte meist auf tragische und komische Pointen. Es besteht der implizite Zwang, alles so einfach und dadurch zugänglich wie möglich zu halten. Wer nicht verstanden wird, gewinnt auch nicht. Und darum geht es schließlich.
Dem entgegen steht die heitere Kompliziertheit, die sich Brueterich Press auf die Fahnen geschrieben hat. Dass schwierige Sprache aber zugleich als „soziale Praxis“ funktionieren kann, lässt sich an der Dichterin Uljana Wolf illustrieren. Ein paar Stunden zuvor konnte man sie noch am Arte-Stand auf der Messe bewundern, am Freitagabend trat sie im Hinterzimmer einer Leipziger Metal-Kneipe ans Mikrofon. Dumpfe Stimmen und Gitarrenmusik drücken durch die Tür.
„Sist zappenduster im gedicht, welche sprache es wohl spricht?“ In Zeilen wie diesen wandert sie mit der vorgeblich naiven Freude eines Kindes, das sprechen lernt, zwischen den Sprachen hin und her, übersetzt wörtlich und dadurch falsch, stellt Fallen, „sodass auch die festländer wieder dösen, sich lösen von allem“, bis einem auch die eigene Sprache zur Fremdsprache wird. Jedes ihrer Gedichte ist ein zugleich politischer und analytischer Akt. Ein Sturz ins Unbekannte, in dem sich, nur für einen Moment, der utopische Raum eines gegenseitigen Verstehens öffnet. / Philipp Rovermann, Süddeutsche Zeitung
Marcel Beyer hat sich durch den Schutt des eingestürzten Kölner Stadtarchivs gemaulwurft und dabei einen schönen Fund gemacht. Es sind die Dichtungen des Konrad Muskatblut, die er von Geröll und Staub befreien konnte.*
Rezension von Matthias Ehlers, WDR
Marcel Beyer (Hrsg.): Muskatblut, Muskatblüt Zwiesprachen
Eine Reihe des Lyrik Kabinett München
Hrsg.: Ursula Haeusgen und Holger Pils
32 Seiten, Verlag das Wunderhorn, 15,80 Euro
*) wer´s glaubt 🙂
auf der Buchmesse und im Radio Blau.
Zonic präsentiert: »Die Pop-Texte-Transformationsshow« Buchmessemitschnitt aus der Nato zu songtextlichen Übertragungsverhältnissen mit Michael Gratz, Martina Lisa, Robert Mießner und Alexander Pehlemann. Mit germanisierten Lyrics von Wire, Už jsme doma, Graschdanskaja Oborona, Psí vojáci, A. E. Bizottság, Spions, Armia u. v. a. m.
Bei Radio Blau am Montag, 21.3. von 20-22 Uhr (Nachhören)
Thomas Havliks Stimme ist ein Glücksfall. Schnarrend und nuschelnd wienerisch, nie kunstlos motzend, rettet sie viel von dem, was aus dem Beiheft (stumm oder halblaut) abgelesen, sich bemüht lieblos, übellaunig, überkandidelt läse: „Wieviele Zikaden sind notwendig, wieviele Ichs/ Um das Schnalzen der gerissenen Sehne zu übertönen/ Welcher Akt. Für das Honorar, das mir dieses Gedicht/ Einbringt, werde ich mir ein weiteres Gedicht zulegen// Anfang April. Pyramidenspiel. Pollenallergie.“ (aus „30 Milliarden Silben“) Es ist das alte Hin und Her zwischen den Weltbewältigungskonzepten Phantasie und Einbildungskraft, wodurch Tempo und Peripetien ermöglicht werden: Die Einbildungskraft (die vielgesungene ‘Kreativität’ von heute) als ein gestalterisches Vermögen, das auf teilbare und tradierbare Bestände von Werten zurückgreift (hier: Redensarten, Kollokationen, Anspielungen, Reiz-Reaktions-Muster); vergleichsweise asozial die Phantasie, die von einem logizistischen Standpunkt aus betrachtet seit jeher im Verdacht steht, mit allerlei pathologisch subversiven Mächten im Bunde zu sein. InSyllablesshooter – 30 Milliarden Silben sind beide Konzepte einigermaßen gleichberechtigt vorhanden, ohne dass eine vermittelnde Instanz ein Urteil über die Stimmenmontage oder das Aufeinanderprallen der beiden genannten Konzepte spräche. Sonst entstünde eben auch wieder eine (unerwünschte) Hierarchie.
(…) Das Nationalratsgebäude in Wien und die Staatskanzlei in München sollten 24/7 damit beschallt werden. / Konstantin Ames, Signaturen
Thomas Havlik: Syllablesshooter – 30 Milliarden Silben. Wien (edition zzoo/audiobeans) 2015. 72 min. lautpoesie und soundpoetry. 17,50 Euro
… renommierte Literaturverlage wie Hanser, Fischer, Beck winkten ab: zu exotisch, zu wenig gesponsert.
Denn die bei einem Ehrengast-Auftritt übliche Übersetzungsförderung kam zu spät – zu lange hatte die Regierung in Jakarta geglaubt, man könne deutsche Übersetzer und Übersetzerinnen nach indonesischen Tarifen honorieren. Noch im Januar 2015 sass Husni Syawie, der Vorsitzende des Verlegerverbandes, bei 36 Grad Hitze in seinem eiskalt klimatisierten Büro in Jakarta und wartete händeringend auf die Zusage der nötigen Mittel durch das Kulturministerium. Als sie kam, hatten deutsche Verlage ihr Programm längst ohne die Indonesier geplant. Goenawan Mohamad, der den Frankfurter Messeauftritt kuratierte, hatte zumindest eigene Gedichte und die Romane seiner Autorinnen Ayu Utami und Leila Chudori bei deutschen Verlagen untergebracht. /
Indonesiens moderne Lyrik ist stark vom Westen inspiriert – nicht zuletzt auch von deutschen Dichtern. Den einflussreichsten unter ihnen hat der 1962 geborene Dichter und Übersetzer Agus R. Sarjono vor fünf Jahren mit seinem Gedichtzyklus «Lumbung Perjumpaan» ein Denkmal gesetzt. Da heisst es etwa über Brecht: «Kaum hatte er die Lieder / der Dreigroschenoper vorgetragen, / verschlug es Brecht in Asphaltstädte. / Und er murrte, / dass es eine schlechte Zeit für Lyrik sei. / Gibt es denn / gute Zeiten für Lyrik?»
Sarjonos lyrische Frage hat prosaische Sprengkraft: Wie sind denn die Zeiten für indonesische Lyrik in Übersetzung? Sie sind – man muss es drastisch sagen – erbärmlich! Das Licht der deutschsprachigen Welt erblickten 2015 anlässlich von Indonesiens Auftritt als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse nur gerade eine Anthologie und drei schmale Gedichtbände.
Eigentlich müsste Sarjonos Frage heissen: Was fehlt? Es fehlt zum Beispiel eine Übersetzung von «Lumbung Perjumpaan», stattdessen gibt es von ihm die schmale Werkauswahl «Gestatten, mein Name ist Trübsinn». Solche Auswahlbände sind die Norm; selten werden Originalpublikationen indonesischer Dichter übersetzt, also Bände, die poetische Konzeptionen und ideologische Kontexte sichtbar machen. 1978 hat man immerhin sämtliche Gedichte von Chairil Anwar (1922–1949) übersetzt, dem Dichter, der am radikalsten die Hinwendung zum modernen Individualismus vollzog. Einen integral übersetzten Gedichtband gab es 1991 auch von Rendra (1935–2009), Regisseur, Theatermann und der eindrucksvollste indonesische Poet, der in der bleiernen Zeit unter Suharto mit offen politischer Agenda auftrat.
Nun sind die bisher genannten Dichter in einer grossen Anthologie enthalten: «Sprachfeuer» stellt insgesamt 28 Lyrikerinnen und Lyriker mit 223 Gedichten aus acht Jahrzehnten vor. Übersetzt hat sie allesamt Berthold Damshäuser, der mit Novalis davon ausgeht, dass der Übersetzer der Dichter des Dichters ist. Martin Zähringer, Neue Zürcher Zeitung 19.3.
Agus R. Sarjono: Gestatten, mein Name ist Trübsinn. Übersetzt von Berthold Damshäuser. Verlag regiospectra, Berlin 2015. 112 S., € 14.90. Berthold Damshäuser (Hg.): Sprachfeuer. Verlag regiospectra, Berlin 2015. 374 S., Fr. 31.90. Dorothea Rosa Herliany: Hochzeit der Messer. Deutsch von Brigitte Oleschinski und Ulrike Draesner. Verlagshaus Berlin, Berlin 2015. 236 S., Fr. 26.90. Goenawan Mohamad: Don Quijote. Übersetzt von Sabine Müller. Sujet-Verlag, Bremen 2015. 69 S., Fr. 26.90.
Neulich bei einer Tagung zur zeitgenössischen Kinderpoesie brachte es der legendäre Herausgeber Hans-Joachim Gelberg auf den Punkt: „Es ist fatal – bist du einmal als Kinderdichter eingeordnet und eingezäunt, kommst du nicht mehr auf die Weide, wo die großen Tiere sind.“ Die Rede war vom Dichter Josef Guggenmos, der nahezu in jedem Schullesebuch vertreten ist, an dem der große Literaturbetrieb aber vorbeigerauscht ist. / Arne Rautenberg, FAZ
Ein Kommentar von Daniella Jancsó zu Rautenbergs Artikel:
Es ist alles richtig und schön, was Arne Rautenberg über die Bedeutung von (Kinder)lyrik für unsere Zeit sagt (“Möge die gemeine Hundsrose blühen!”, F.A.Z. vom 5. März). Nur sein Appell für mehr öffentliche Aufmerksamkeit geht am Wesen der “Sache” (seiner “Mission Poesie”) vorbei. Die Dichtung braucht weder Plädoyers noch Preise. Was sie hingegen gut gebrauchen kann, sind leidenschaftliche Vermittler – Lehrer, Lyriker, Leser. Sie können – im Gegensatz zu Literaturpreisen und Sonntagsreden über Lyrik – viel bewirken. In diesem Zusammenhang wäre neben Arne Rautenbergs Engagement auch das Projekt “Lust auf Lyrik” des Münchner Lyrik Kabinetts zu erwähnen. Seit vielen Jahren eröffnen Lyriker und Lyrikerinnen Schülern und ihren Lehrern spielerische Umgangsformen mit poetischen Texten. Undogmatische Herangehensweisen haben sich auch an der Universität bewährt. Die Erfahrung zeigt, daß Studentinnen und Studenten sehr wohl für Lyrik zu begeistern sind, sofern es dem Dozenten gelingt, den Zauber der Dichtung, den Rautenberg so eloquent beschreibt, in einer Seminardiskussion real erfahrbar zu machen.
Dr. Daniella Jancsó, München
Der katarische Dichter Mohamed al-Ajmi, alias Ibn al-Dhib, der 2013 wegen eines Gedichts, das den „arabischen Frühling“ feierte und die Hoffnung ausdrückte, daß er sich auch auf die Golfstaaten erstrecken möge, zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war (siehe hier), wurde jetzt nach über 4 Jahren Haft freigelassen. Ein Verwandter, der anonym bleiben wollte, bestätigte: „Ja, das stimmt, aber wir haben nichts dazu zu sagen“. / tv5monde
Dieser Gedichtband ist philosophisch hochbewusst und sperrt sich gegen einen raschen Konsum, belohnt den Leser aber mit bestechenden Formulierungen und Einsichten. Dabei hält er zunächst einmal Reiseeindrücke der Dichterin fest. Sie besucht Kaliningrad, das frühere Königsberg, nimmt die Plattenbauten aus der Sowjetzeit in den Blick, sucht aber auch nach Spuren der deutschen Vergangenheit, nach den Philosophen Johann Georg Hamann und Immanuel Kant. Ein Kindergarten in dem Berliner Bezirk Lichtenberg wird besichtigt, der von der betonsüchtigen Naturferne sozialistischer Architektur zeugt.
Poschmann hält sich in Coney Island auf, sieht den dortigen Lunapark und die Verwüstungen, die der letzte Hurrikan angerichtet hat. Im japanischen Matsushima wandelt sie auf den Spuren des Haiku-Dichters Bashō. / Eberhard Geisler, taz
Marion Poschmann: „Geliehene Landschaften. Lehrgedichte und Elegien“. Suhrkamp Verlag, Berlin 2016. 118 Seiten, 19,95 Euro.
Am 21. März kann man einen Kaffee mit einem Gedicht bezahlen. Julius Meinl feiert an diesem Tag rund um den Globus die Kraft der Poesie die Menschen über alle Grenzen verbindet.
Unter dem Motto “Pay with a Poem” ruft Julius Meinl alle Alltagspoeten dazu auf, ihre Gedanken in Worte zu fassen und mit anderen zu teilen. So haben die Gäste an diesem Tag die Möglichkeit, ihren Julius Meinl Kaffee mit einem Gedicht zu bezahlen.
Aus dem Notizbuch
The grail is the opposite of Poetry (…) The poem. Opposite. Us. Unfullfilled. (Jack Spicer: The holy Grail. Mütze 11, S. 524)
Frei übersetzt:
Die Zeitung ist das Gegenteil von Poesie. Füllt uns ab anstatt uns als Schale zu benutzen aus der die Toten trinken. Die Zeitung ist die Schale in die Christus blutete, die Schale des Überflusses. Das Gedicht. Uns. Gegenüber. Leer.
Widdershins ist ein tolles Wort*
Cock-forward vs Ass-forward
*) Widdershins (sometimes withershins, widershins or widderschynnes) is a term meaning to go counter-clockwise, to go anti-clockwise, or to go lefthandwise, or to walk around an object by always keeping it on the left. i.e. literally, it means to take a course opposite the apparent motion of the sun viewed from the Northern Hemisphere, (the centre of this imaginary clock is the ground the viewer stands upon). The Oxford English Dictionary’s entry cites the earliest uses of the word from 1513, where it was found in the phrase widdersyns start my hair, i.e. my hair stood on end.
The use of the word also means „in a direction opposite to the usual“, and in a direction contrary to the apparent course of the sun. It is cognate with the German language widersinnig, i.e., „against“ + „sense“. The term „widdershins“ was especially common in Lowland Scots.
Es ist irritierend, wie verunsichert wir sind. Aber es ist auch gut, wenn die Verunsicherung von Gedichten ausgeht, kann sie unser gewohntes Denken und Sprechen in Frage stellen. Gedichte können Offenheit erfahrbar machen, Blicke weiten, Erkenntnis ist möglich, Abweichung produktiv.
Einleitung zu einer Sammelrezension von Beate Tröger (Freitag)* zu
*) Wie üblich trompetet es, ALLES ÜBER DIE WICHTIGSTEN LYRIKNEUERSCHEINUNGEN, so in der Art. Damit der gemeine Leser Orientierung findet innerhalb der „allgemeinen Verunsicherung“. Abweichung ist produktiv, aber bitteschön im Rahmen. Lesen Sie bei uns alles was Sie wissen müssen um schön offen und verunsichert zu bleiben!
ist keine Gegendarstellung, sondern die (ich nehme an, redaktionelle) Überschrift in der Zeit für den gleichen Artikel von Gregor Dotzauer, der schon in der vorigen Nachricht aus dem Tagesspiegel vorgestellt wurde. Sie wollten was über Poschmann als potentielle Nachfolgerin Jan Wagners im Amt des Lyrikheroen. Wow, wär das toll, wenn wieder eine Lyrikerin den Romanciers die Nase zeigt. Der Ton im Feuilleton das kommende Jahr: nicht auszuhalten. Na, die Jury weiß, was sie dem deutschen Buchhandel schuldig ist! In der so gewonnenen Zeit können wir in aller Stille Ágnes Nemes Nagy lesen. Wenn nicht im Buchhandel vorhanden: gut sortierte Bibliotheken helfen gern aus.
Ich lasse die Verbeugung vor dem Zweitgeist* weg und gehe gleich zum Wesentlichen in Gregor Dotzauers Rundblick um die Neue deutsche Lyrik im Jahr eins „nach Jan Wagners Sieg“:
Ágnes Nemes Nagy, die bedeutendste ungarische Dichterin des 20. Jahrhunderts, hat aus gutem Grund die Steinzeit als die glänzendste Epoche des Gedichts bezeichnet. „Da hatten sie es so richtig gut: die Poeten, die Schamanen, die Herbeizauberer des täglichen Fleisches, oder Verwalter der Geister“, schreibt sie in ihrem Essay „Büffellos“, der ihren von Franz Fühmann nachgedichteten Band „Dennoch schauen“ beschließt. „Seit wir nicht mehr verlangen, dass Gesangsverse, Rituale und Tänze imstande seien, Büffelherden vor uns hin zu treiben, hat die Glorie des Künstlers begonnen, Abnutzungserscheinungen aufzuweisen.“ Die Poesie, sagt sie mit Blick auf die Bisons an den Höhlenwänden im spanischen Altamira, „ist seit ein paar tausend Jahren büffellos.“ Aus dem magischen „So-als-ob“, dem Glauben an kausale Einwirkungsmöglichkeiten auf die Wirklichkeit, wurde ein „So-als-ob-es-lebte“, der Auftrag zur naturgetreuen Nachahmung. Die Mimesis wiederum, die etwas auf Anhieb Wiedererkennbares herstellen sollte, zerfiel unter dem Ansturm der modernen Naturwissenschaften in einzelne Formelemente, in denen das Analytische über das Synthetische triumphiert: Man wollte, in der Meinung, dem Geheimnis der Kunst so auf die Spur zu kommen, die ästhetischen Botenstoffe isolieren.
Ágnes Nemes Nagy definiert damit das Spannungsfeld, in dem sich die Poesie bis heute bewegt. Ohne schamanische Reste ist sie undenkbar. Ein Ausdrucks- und Darstellungsbedürfnis lässt sich ihr nicht austreiben. Zugleich sucht sie nach ihren sprachmaterialistischen Grundlagen und neigt im Experimentellen zu einer Objekthaftigkeit, die nur sich selbst repräsentiert – nicht das, was man gemeinhin den Sinn von Gedichten nennt. / Tagesspiegel
*) den Tippfehler lass ich stehen, vielleicht ergibt sich was
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