Preis für Ulrich Schacht

Edition Rugerup teilt mit:

Wir freuen uns sehr, dass unser Autor Ulrich Schacht den Preis der Lite­ra­Tour Nord erhält. Der Preis ist von der VGH-Stiftung aus­ge­lobt und mit 15.000 Euro dotiert. Der Autor nimmt die Aus­zeich­nung im Rah­men einer öffent­li­chen Preis­ver­lei­hung am Don­ners­tag, dem 21. April, in Han­no­ver ent­ge­gen. Die Lau­da­tio hält der Lite­ra­tur­kri­ti­ker und Jour­na­list Ulrich Grei­ner.

Lesung zur Buchmesse, 16. März 2016

Am 16. März 2016 sind Texte der Edi­tion Ruge­rup bei einer Ver­an­stal­tung der Buch­hand­lung der Lyrik­ver­lage zu hören: Um 20:30 Uhr stellt Mar­gitt Leh­bert einen inter­na­tio­na­len Dich­ter aus Ihrem Pro­gramm vor. Um 21 Uhr liest Ulrich Schacht aus sei­nem Lyrik­band ”Pla­ton denkt ein Gedicht”, der eben­falls in der Edi­tion Ruge­rup erschie­nen ist. Die Ver­an­stal­tung beginnt um 20 Uhr.

Christian-Wagner-Preis für Kito Lorenc

Der sorbisch-deutsche Dichter Kito Lorenc erhält den 13. Christian-Wagner-Preis. Der 78-Jährige werde mit der Auszeichnung für sein lyrisches Gesamtwerk geehrt, teilte die Christian-Wagner-Gesellschaft am Montag in Leonberg (Baden-Württemberg) mit. «Seine Gedichte entfalten ihre subversive Schönheit zwischen ernster, genauer Weltwahrnehmung und selbstreflexivem Sprachwitz», hieß es. Lorenc wurde 1938 in dem Ort Schleife bei Görlitz geboren.

Verliehen wird die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung am 19. November in Leonberg. Der Preis geht nach Angaben der Gesellschaft seit 1992 im Zweijahresrhythmus an Lyriker, die in ihrem Werk der Gedankenwelt des Dichters Christian Wagner (1835-1918) nahe stehen. / Die Welt

Christian-Wagner-Gesellschaft

Lyrik-Empfehlungen 2016 veröffentlicht

Eine Initiative der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Stiftung Lyrik Kabinett und der Literaturwerkstatt Berlin/Haus für Poesie

Veranstaltungen am 18. März auf der Leipziger Buchmesse und am 23. März in der Literaturwerkstatt Berlin/Haus für Poesie

Welche Gedichtbücher sind besonders bemerkenswert, interessant, überraschend? Kritiker, Lyriker und Vertreter literarischer Institutionen empfehlen zwölf deutschsprachige und zwölf ins Deutsche übersetzte Gedichtbände – ausgewählt aus den Neuerscheinungen von Anfang 2015 bis März 2016. Abgegeben haben die Empfehlungen in diesem Jahr: Michael Braun, Heinrich Detering, Ursula Haeusgen, Harald Hartung, Florian Kessler, Michael Krüger, Kristina Maidt-Zinke, Holger Pils, Marion Poschmann, Monika Rinck, Daniela Strigl und Thomas Wohlfahrt.

Die Lyrik-Empfehlungen werden jährlich zur Leipziger Buchmesse veröffentlicht. Sie werden herausgegeben von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Stiftung Lyrik Kabinett und der Literaturwerkstatt Berlin/Haus für Poesie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bibliotheksverband. Gefördert von: Deutscher Literaturfonds

Im Internet unter: www.lyrik-empfehlungen.de 

Lesungen zu den Lyrik-Empfehlungen finden am 18. März in Leipzig und am 23. März in Berlin statt. Zum Welttag der Poesie, am 21. März, werden die empfohlenen Lyrikbände in Bibliotheken und Buchhandlungen präsentiert.

 

Kurzübersicht der Lyrik-Empfehlungen

Deutschsprachige Lyrik

Gerd Adloff: zwischen Geschichte und September. Corvinus Presse, Berlin 2015

Christoph W. Bauer: stromern. Haymon, Innsbruck 2015

Daniel Falb: CEK. kookbooks, Berlin 2015

Swantje Lichtenstein: Kommentararten. Verlagshaus J. Frank, Berlin 2015

Andreas Neeser: Wie halten Fische die Luft an. Haymon, Innsbruck 2015

Daniela Seel: was weißt du schon von prärie. kookbooks, Berlin 2015

Anne Seidel: Chlebnikov weint. Poetenladen, Leipzig 2015

Armin Senser: Liebesleben. Edition Lyrik Kabinett, Hanser, München 2015

Volker Sielaff: Glossar des Prinzen. luxbooks, Wiesbaden 2015

Julia Trompeter: Zum Begreifen nah. Schöffling & Co., Frankfurt a. M. 2015

Christoph Wenzel: lidschluss. Edition Korrespondenzen, Wien 2015

Ror Wolf: Die plötzlich hereinkriechende Kälte im Dezember. Schöffling & Co., Frankfurt a. M. 2015

  

Lyrik in deutscher Übersetzung

Henry Beissel: Flüchtige Horizonte. Aus dem Englischen von Heide Fruth-Sachs. LiteraturWissenschaft.de (Transmit), Marburg a. d. Lahn 2016

Anna Maria Carpi: Entweder bin ich unsterblich. Aus dem Italienischen von Piero Salabè. Edition Lyrik Kabinett, Hanser, München 2015

Jon Fosse: Diese unerklärliche Stille. Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Kleinheinrich, Münster 2015

Federico García Lorca: Liebesgedichte. Aus dem Spanischen von Ulrich Daum. Rimbaud, Aachen 2016

Bengt Emil Johnson: Das Fest der Wörter. Aus dem Sumpf. Aus dem Schwedischen von Lukas Dettwiler. edition offenes feld, Dortmund 2015

István Kemény: Ein guter Traum mit Tieren. Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck. Matthes & Seitz, Berlin 2015

Itzik Manger: Dunkelgold. Aus dem Jiddischen von Efrat Gal-Ed. Jüdischer Verlag / Suhrkamp, Berlin 2016

Kate Tempest: Hold Your Own. Aus dem Englischen von Johanna Wange. Suhrkamp, Berlin 2016 (Erscheinungstermin wurde auf Juni verschoben.)

Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki: Tumor linguae. Aus dem Polnischen von Michael Zgodzay und Uljana Wolf. Edition Korrespondenzen, Wien 2015

Rosmarie Waldrop: Ins Abstrakte treiben. Aus dem Amerikanischen von Elfriede Czurda und Geoff Howes. Edition Korrespondenzen, Wien 2015

William Wordsworth: Gedicht, noch ohne Titel, für S. T. Coleridge (The 1805 Prelude). Aus dem Englischen von Wolfgang Schlüter. Matthes & Seitz, Berlin 2015

Jeffrey Yang: Yennecott. Aus dem Amerikanischen von Beatrice Faßbender. Berenberg, Berlin 2015 

Militanz der schlechten Gedichte

Die Technik, mit der Boris Preckwitz Lyrik simuliert, ist geradezu peinlich schlicht: Man nehme eine möglichst platte politische Phrase, zerhacke den Satz dann, schreibe die Teile untereinander und quirle die gewöhnliche Wortstellung noch ein bisschen durcheinander. Heinrich Heine erfand für diese Art der Makulatur den schönen Begriff „gereimte Zeitungsartikel“ – allerdings bekommt Preckwitz selbst Reime nur selten hin. Als Beispiel diene das Poem mit dem subtilen Titel Merkel muss weg:

Wir schaffen das,
schwafelte die Kanzlermadame. Sie
hat es geschafft, das Land zu spalten, sie
hat es geschafft, einen Erdteil zu spalten.
Sie – und jene Geister, den [sic] sie rief –
haben hier nichts mehr
und gar nichts zu schaffen.

Wir jedenfalls
wollen mit ihr
nichts zu schaffen haben.

Preckwitz‘ Blog ist ein komplett gefüllter Krämerladen für den gewöhnlichen Reichsbürger- und Klemmnazibedarf. Natürlich geht’s oft gegen die „Maulhuren“ der Sudel-Journaille und ihre Lügen, was bei einem Mann, der als PR-Fatzke sein Geld auch schon mal selbst als professioneller Lügner verdiente, doch etwas überrascht. Die Kommunistenfresser und Judenhasser zugleich bedient er mit einem Poem, das die Ermordung der illegal eingewanderten „Galizierin“ Rosa Luxemburg* durch „Kolbenhieb an den Kopf“ aufs Schönste begründet. „Huschen Schwule durch die Schule“, beginnt ein Gedicht über grüne Kinderschänder, das mit einer zauberhaften Wortschöpfung endet: „Mal wieder wollen sie die Welt verändern, / jetzt gehen sie vergewaltigendern.“ […] Und den Rassisten erklärt Boris Preckwitz, wer allein schuld an Afrikas Schande hat – natürlich der Neger:

[…] Schwarze sind es,
die immer noch Schwarze
verjagen, vergewaltigen, zerhacken,
Wo immer sie darben
auf Wegen und Wellen,
wo immer sie sterben
in Wäldern und Wüsten,

das Elend Afrikas
ist die Schande des schwarzen Mannes.

/ Michael Bittner

*) Das ist zu schlimm, das muß ich [M.G.] ganz einrücken, damit keiner sagen kann, ich hätte extra die schlimmsten Stellen ausgesucht. Was ist das Schlimmste daran, die schiefe Grammatik, die verrenkten Gedanken, die verunglückten Bilder oder die widerlichen Bewertungen?

Rozalia Luksenburg

Eine Jüdin aus Polen.
Vorkämpferin deutscher Arbeiter,
versuchte sich Einheitsparteidichter Brecht
an sozialistischer Seligspreche.
Tatsächlich, scheinverehelicht
die Staatsbürgerschaft im Reich
erschlichen, beehrte sie Freund und Feind
mit klassenkämpferischem Gekeife, Genossen
vom F.-Lassallschen-Gedächtnisverein
nannten sie Giftnudel, sie
keilte zurück gegen die Judasse.
Zuwider war der Galizierin, dass Ukrainer
und Polen sich anschickten, freie Staaten zu gründen.
Selbst den Bolschewiki schickte sie
noch eine Verwünschung in den Smolny –
sie irrte… sie irrte… sie irrte, bestückte Lenin
das Magazin
zum späteren Abschuss der Luksenburgisten.
Im absichtlichen Sinne ist
ihr missverstandener Satz
über die Freiheit der Andersdenkenden zu lesen,
denn diese Freiheit meinte Rosa lediglich
als Freiheit der marxistisch Denkenden.
Den gewaltigsten Bürgerkrieg forderte sie
für die Gewaltherrschaft des Proletariats,
Todfeinde die Sozialdemokraten, ein Popanz
und Kretinismus das Parlament. Jawohl: Diktatur!
Dann Machtergreifung, Endsieg, Enteignung, weg
mit den Bürgerrechen. Sogar als die Arbeiter
vom Massenstreik nichts wissen wollten: Alle Macht den Räten,
dem Feinde Daumen aufs Auge und Knie auf die Brust!
Später am Tage, abseits von Urteil und Recht
beendete ein Kolbenhieb an den Kopf
ihr Schreien nach Staatsstreich.

Boris Preckwitz in L&Poe

Nachtrag 15.3.: Der beleidigte Barde droht damit, sich an den von ihm verachteten Staat um Hilfe gegen den Kritiker zu wenden. Hier

Ermordet

Der syrische Dichter Mohammad Bashir Al Ani aus Deir Ez-Zour im Osten des Landes wurde im September 2015 von ISIS verhaftet und am 10. März 2016 zusammen mit seinem Sohn Eias wegen „Unglauben“ hingerichtet. / Syrian network for human rights

Poetopie

halb Insel, halb Festland – wohin lässt sich der Kontinent treiben?

Hansjürgen Bulkowski

Whitman-Fund

Kürzlich wurde ein von Walt Whitman für einen analphabetischen todkranken Soldaten des Bürgerkriegs geschriebener Brief an dessen Frau entdeckt, einer von nur drei existierenden. Whitman nennt seinen Namen im Postskript. / The Washington Post

Peter Wawerzinek wird Dresdner Stadtschreiber 2016

Der Autor Peter Wawerzinek wird Dresdner Stadtschreiber 2016. Zum 21. Mal vergibt die Dresdner Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden dieses Literaturstipendium, das jährlich in Kooperation mit der Landeshauptstadt Dresden ausgelobt wird. Unter den Bewerbern hat sich die unabhängige Jury für die Nominierung des Berliner Autors entschieden. „Peter Wawerzineks Bewerbung überzeugte die Jury bereits mit ihrem ungewöhnlichen Anschreiben von literarischer Qualität, in dem er Dresden als einen für seine Biografie und sein literarisches Schaffen wesentlichen Erinnerungs- und Aktionsort definiert. Daneben stellte er inhaltlich wie formal originelle, auf Tiefenwirkung zielende kurze Prosa-texte einer „Sentimentalen Reise allein nur im Hirn“. Sie lässt den Leser fantasievoll und bizarr Deutschland und die Welt abseits touristischer Straßen und Pfade in Gedanken durchqueren.“

Seine Motivation nach Dresden zu kommen formuliert Peter Wawerzinek wie folgt: „Ich weiß nicht, ob ich das schaffen werde, oder ob es mich schaffen wird. Ich fühle den Übermüdungsbruch meiner verletzten Seele. Aber im Arm, das Kind, es lebt“ und weiter: „Mich in der aktuellen Phase in Dresden bewerben, ist für mich auch eine Sache des Anstandes im Sinne von tun, was längst anstand und ansteht.“

Peter Wawerzinek wurde 1954 in Rostock geboren. Kurz nach seiner Geburt floh seine alleinerziehende Mutter in den Westen und ließ ihn und seine Schwester in der DDR zurück. Seine Kindheit in Heimen und bei Pflegeeltern verarbeitete er erst Jahrzehnte später in dem, wie viele seiner Werke stark autobiografisch geprägten, Roman „Rabenliebe“. Er wurde 2010 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Peter Wawerzinek war bereits in den 1980er Jahren unter dem Pseudonym „Sc.Happy“ in der Ostberliner Literatenszene als Performance-Künstler und Stegreifpoet aktiv. Nach der Wende veröffentlichte er eine Sammlung von Parodien zur DDR-Literatur sowie experimentelle Prosatexte. Daneben entstanden Songs, journalistische Texte, Hörpiele, Kurz- und Experimentalfilme. Zuletzt erschienen 2014 sein Roman „Schluckspecht“ sowie 2015 „Ich – Dylan – Ich“ über Dylan Thomas.

Das Stadtschreiberstipendium der Dresdner Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden bietet deutschsprachigen Autoren die Möglichkeit, für sechs Monate in Dresden zu leben und zu arbeiten. Dabei wird dem Stadtschreiber neben einer monatlichen finanziellen Unterstützung auch eine Wohnung zur Verfügung gestellt. Die Autoren sind in das kulturelle Geschehen eingebunden und tragen beispielsweise durch Lesungen zu dessen weiteren Vielfalt und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit bei. / dresden.de

Ausgebufft romantisch*

Ann Cotten ist die klügste und schwierigste Dichterin in deutscher Sprache. Ein poetisches Gespräch über ihr neues Versepos „Verbannt!“, den Psychoterror des Internets und die Konterrevolution japanischer Zedern.

(…) Während sie gerade zwischen Berlin, Wien und London pendelt, spielt ihr neues, die Sinne taumelnd machendes Werk auf einer einsamen Insel. „Verbannt!“ heißt die Mischung aus Pop und Mythos, aus Hoffnung und Vergeblichkeit. Und mit ihm schreibt die 1982 im amerikanischen Iowa geboreneSchriftstellerin ein Projekt fort, das anders ist, als alles, was es in der deutschsprachigen Literatur sonst gibt. Ann Cotten geht zurück in die Geschichte des Dichtens, um ganz im Heute anzukommen. In der bei Byron, Shelley und Keats beliebten Spenserstrophe ist ihr jüngstes Versepos erzählt. Ein Drahtseilakt zwischen seelenvoller Romantik und ausgebufftem Witz, über dessen Gefahren die Dichterin bei ein paar Bieren im Berliner Lokal „Keyser Soze“ erzählt.

(Das Gespräch, das Paul Jandl für die „Literarische Welt“ mit Ann Cotten führte, ist sogar noch besser als die Anmoderation.)

*) Nicht so widersprüchlich wie es klingen mag. Vielleicht nicht alle, aber viele Romantiker waren ausgebuffter als ihr Ruf.

Gefährliches Wortspiel

Der türkische Autor Ahmet Altan wurde 1995 entlassen, weil er in einem Anagramm aus Atatürk (Vater der Türken) Atakürt (Vater der Kurden) gemacht hatte. Das Wortspiel war dem Gericht 18 Monate wert.

Jetzt schreibt die Welt:

Der Journalist Baris Ince versteckte in Anfangsbuchstaben eines Textes eine Botschaft an Präsident Erdogan. Dafür wurde er nun zu 21 Monaten Haft verurteilt – wegen Beleidigung durch ein Akrostichon.

(…)

Baris Ince: Ich war nach einem Artikel über Korruptionsvorwürfe gegen die AKP-Regierung wegen Beleidigung des Staatspräsidenten verklagt worden. In meiner Verteidigungsrede habe ich ein Akrostichon unterbracht. Die Anfangsbuchstaben der Absätze ergaben die Wörter „Dieb Tayyip“.

Clemens Brentano Preis der Stadt Heidelberg 2016 geht an Thilo Krause

Der mit 10.000 Euro dotierte Clemens Brentano Förderpreis für Literatur der Stadt Heidelberg geht an Thilo Krause. Er erhält den Preis für seinen Gedichtband „Um die Dinge ganz zu lassen“ (poetenladen, 2015).

Thilo Krause wurde 1977 in Dresden geboren, wo er nach dem Abitur als Pfleger arbeitete. Anschließend studierte er Wirtschaftsingenieurwesen, promovierte in Zürich und arbeitet heute an der Zürcher Hochschule der Angewandten Wissenschaften. Nach seinem Debüt „Und das ist alles genug“ (poetenladen 2012) erschien 2015 sein zweiter Gedichtband „Um die Dinge ganz zu lassen“. Thilo Krause wurde unter anderem 2012 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet.

In der Jury-Begründung heißt es: „In das mediale Rauschen hinein setzen Thilo Krauses ruhig gehende Verse einen Kontrapunkt: Mit wenigen Worten und unprätentiöser Sprache fängt dieser genaue Beobachter Stimmungen und Lebenssituationen ein und verwandelt sie in Sprach- und Klangbilder von großer Tiefenschärfe. Das Gedicht wird hier zum Ort, ‚um die Dinge ganz zu lassen‘.“

Der Clemens Brentano Preis der Stadt Heidelberg wird seit 1993 jährlich im Wechsel in den Sparten Lyrik, Erzählung, Essay und Roman an deutschsprachige Autorinnen und Autoren vergeben, die mit ihren Erstlingswerken bereits die Aufmerksamkeit der Kritiker und des Lesepublikums auf sich gelenkt haben. Der Preis ist deutschlandweit einmalig, denn die Jury ist nicht nur mit professionellen Literaturkritikerinnen und -kritikern, sondern auch mit Studierenden des Germanistischen Seminars der Universität Heidelberg besetzt.

Der Brentano-Preis-Jury gehören an: die Literaturkritikerin und Kulturjournalistin Claudia Kramatschek, die SWR-Redakteurin Annette Lennartz, der Heidelberger Literaturwissenschaftler und Editionsphilologe Prof. Dr. Roland Reuß, Dr. Thomas Wohlfahrt, Direktor der Literaturwerkstatt Berlin, sowie die Germanistik-Studierenden der Universität Heidelberg Katharina Grünke, Markus Schork und Marcus Weiss.

Die bisherigen Preisträger sind Saskia Hennig von Lange, Maximilian Probst, Philipp Schönthaler, Alexander Gumz, Wolfgang Herrndorf, Sven Hillenkamp, Andreas Stichmann, Felicia Zeller, Ann Cotten, Clemens Meyer, Stefan Weidner, Anna Katharina Hahn, Raphael Urweider, Andreas Maier, Doron Rabinovici, Sabine Peters, Hendrik Rost, Oswald Egger, Norbert Niemann, Benjamin Korn, Daniel Zahno, Jörg Schieke, Barbara Köhler, Gabriele Kögl und Günter Coufal.

Der Preis wird am 28. Juni 2016 durch Bürgermeister Dr. Joachim Gerner in Heidelberg an Thilo Krause überreicht. Eine öffentliche Lesung des Preisträgers findet am 29. Juni 2016 in der Stadtbücherei Heidelberg statt.

Nominiert waren außerdem:

  • Carolin Callies mit „fünf sinne & nur ein besteckkasten“ (Schöffling & Co., 2015)
  • Christian Filips mit „Der Scheiße-Engel“ (Verlag Peter Engstler, 2015)
  • Nadja Küchenmeister mit „Unter dem Wacholder“ (Schöffling & Co., 2015)

weitere Informationen zum Clemens Brentano Preis

Formierter Geist (2)

Soweit ist Europa noch nicht. In Europa (Gayropa sagt man auf Russisch) haben die „keine Eier“, wie man sich heute ausdrückt. Erst kürzlich auf Versammlungen sogenannter Rußlanddeutscher, die ihr Deutschtum mit überwiegend russischen Reden hochhielten, um es vor andren Einwanderern zu beschützen.

Hier und da finden schon Proben statt, im Westen. Schlagzeile aus Österreich:

Werte: Welser FPÖ will Kinder zu Gedichten verpflichten

Zu Gedichten verpflichten, das klingt für manche von uns nicht schlecht. Aber man muß schon weiterlesen.

Welche Lernziele soll ein Kindergarten erfüllen? Für den FPÖ-Bürgermeister von Wels, Andreas Rabl, sind einige offenbar sehr klar. In seinem Auftrag erstellte die Welser Dienststelle „Kindergärten und Horte“ deshalb einen Wertekodex, in dem neben allgemeinen Verhaltensregeln auch konkrete Bildungsangebote definiert werden.

Inhalte des Kodex sind etwa die kulturellen Grundwerte, betont werden mehrmals die christlichen Feste. Erntedank und Nikolaus sollen den Kindern „Brauchtum, Tradition, Werte und Gemeinschaft“ näher bringen. Ein Punkt, der für städtische Kindergärten wohl ungewöhnlich ist: Zu den jeweiligen christlichen Festen müssen Besuche einer Kirche angeboten werden.

Doch ein Punkt erregt besondere Aufmerksamkeit: „Die Kinder sind fähig, mindestens 5 deutschsprachige Lieder und mindestens 5 deutschsprachige Gedichte zu singen bzw. vorzutragen (eine konkrete Festlegung der Lieder und Gedichte erfolgt)“, heißt es in dem Schreiben an die Kindergärten.

Wohlgemerkt, Gedichte über Brauchtum, Tradition, Werte und Gemeinschaft. Schluß mit dem Nihilismus, nieder mit der individualistischen, unverantwortlichen, unverständlichen Lyrik! Seine Heiligkeit und die FPÖ arbeiten daran.

Doch auch in Deutschland laufen schon Proben.

Die sächsische AfD-Chefin Frauke Petry lehnt englische Gesänge auf deutschen Kindergeburtstagen ab. Der „Bild am Sonntag“ sagte die frisch gewählte AfD-Fraktionschefin im Dresdner Landtag, es störe sie, wenn bei Kindergeburtstagen „nur Happy Birthday gesungen wird und nicht auch deutsche Lieder“.  (ntv)

Museen, Orchester und Theater sind in der Pflicht, einen positiven Bezug zur eigenen Heimat zu fördern. Die Bühnen des Landes Sachsen-Anhalt sollen neben den großen klassischen internationalen Werken stets auch klassische deutsche Stücke spielen und sie so inszenieren, dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen. (rhode.theaterblogs)

Formierter Geist (1)

slowestnost

Was von weitem wie eine Versammlung kirchlicher Oberhirten aussieht, ist die Gründung einer „Gesellschaft der russischen Literatur“.

Am 9. März 2016 fand unter dem Vorsitz Seiner Heiligkeit Patriarch von Moskau und ganz Russland, Kirill, eine erweiterte Sitzung des patriarchalischen Rates für Kultur statt, auf der die Gründung der „Gesellschaft für russische Literatur“ beschlossen wurde. (Das benutzte Wort für Literatur, slowestnostj, ist veraltet und bedeutet auch Philologie, sagt mein Wörterbuch).

Im Präsidium der Versammlung waren u.a.

  • Seine Heiligkeit Patriarch von Moskau und ganz Rußland Kirill (Vorsitzender)
  • Metropolit Juvenalij (Stellvertretender Vorsitzender)
  • Metropolit Ilarion
  • Bischof Tichon

sowie der Rektor des Literaturinstituts „Maxim Gorki“, der Chef von Mosfilm, der Dichter  und Staatspreisträger der UdSSR Nikolai N. Dobronrawow und weitere Vorsitzende, Akademiker sowie „Volkskünstler der UdSSR“ (sic).

Seine Heiligkeit teilte mit, daß ihm vor einigen Monaten der Präsident Rußlands, Wladimir Wladimirowitsch Putin, vorgeschlagen habe, eine „Gesellschaft für russische Literatur“ zu gründen. „Ich nahm den Vorschlag an, weil es um die menschliche Dimension unseres Lebens, der Persönlichkeit, der Gesellschaft und des Staats geht, und die menschliche Dimension gehört zum geistigen Verantwortungsbereich der Kirche“, sagte Seine Heiligkeit. „Namentlich als Hirte, der  gemeinsam mit anderen Verantwortung trägt für den geistigen Zustand des Volkes, beschloß ich, diese Gesellschaft zu leiten.“ Zwar habe er als Patriarch mehr als genug zu tun, aber bei einem für das Volk und die Gesellschaft so wichtigen Thema sei der Patriarch in der Pflicht.

In der Debatte schlug Kirill eine einheitliche Leseliste für das Studium an russischen Schulen vor. Es gebe den englischen Terminus guide lines. „Warum sollen wir solche guide lines nicht aufstellen? Fehlt es uns etwa an Verstand, fehlt es uns an Kompetenz?“ Es gehe nicht darum, alles bis ins Kleinste zu regeln. Aber bestimmte klare Kriterien müsse man aufstellen, sagte Kirill. Es sei sehr riskant, nicht an Empfehlungen für die Schullektüre mitzuwirken, wenn es darum gehe, „einen einheitlichen geistigen Raum des Landes zu formieren“.

Bei znak.com heißt die Überschrift: „Guide lines. Patriarch Kirill beschloß die Schaffung eines einheitlichen Literaturkanons für Schulen“. Die Volksdenker und -künstler dürfen reden, der Chef handelt.

Auf der Facebookseite der Russischen Philologischen Gesellschaft wird kontrovers diskutiert. Was wolle die neue Gesellschaft machen, Märchen umschreiben? wird gefragt. Wir werden sehen, wir werdens überstehen. Eiferer verweisen auf die Rolle der Kirche bei der Entstehung der slawischen Sprachen und Schrift. Das ist lange her, sagt jemand. Wir sind eine säkulare Gesellschaft. Hat der Patriarch überhaupt Zeit zu lesen? Die Diskussion schwankt. Auf wen wird Putin hören?

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Prawoslawie.ru / znak.com / EB

Lyrik im Ausland

„Lyrik im ausland“ – am kommenden Mittwoch startet der Programmschwerpunkt 2016: Lesungen von Autorinnen und Autoren aus dem weitläufigen osteuropäischen Sprachraum.

*

Mi, 16. März 2016 – geöffnet ab 20:00 Uhr, Beginn 20:30 Uhr – Eintritt 5 EUR

Ein Abend mit Lyriklesungen von

Simone Kornappel,

Márió Z. Nemes

(zweisprachig Ungarisch/Deutsch – zusammen mit Orsolya Kalász)

http://www.lyrikline.org/de/gedichte/allat-alaku-szivek-11167#

und

Jelena Saslawskaja

(zweisprachig Russisch/Dt. – zusammen mit Matthias Kniep)

http://www.lyrikline.org/de/gedichte/sochinene-stihov-chem-ne-priznak-shizofrenii-5863#.VuKjdebYzI

Weitere Informationen (auf Russisch) finden sich auf ihrer Webseite:

http://zaslavskaja.com/

Details zur Veranstaltung, biographische Informationen zu den

AutorInnen und Weiterführendes unter:

http://ausland-berlin.de/lyriklesung-kornappel-nemes-saslawskaja

https://www.facebook.com/events/754446921323306/

Mit freundlicher Unterstützung der Berliner Senatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten.

*

Vorschau:

Am 6. April lesen Rainer René Mueller aus Heidelberg und Katariina Vuorinen aus Finnland bei uns:

http://ausland-berlin.de/lyrik-rainer-rene-mueller-katariina-vuorinen

https://www.facebook.com/events/754446921323306/

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All dies wie immer im:

ausland – Territory for experimental music, performance and art

Lychener Str. 60, 10437 Berlin-Prenzlauer Berg

Weiterentwicklung des Lyrikpreises München

Der Lyrikpreis München, der 2016 zum siebten Mal ausgeschrieben wird, entwickelt sich organisatorisch und inhaltlich weiter.

Neuer Trägerverein

Veranstalter des Preises ist nun der im Herbst 2015 gegründete Lyrikpreis München e.V. Ziel ist es, den bislang weitgehend durch Zuwendungen von Privatpersonen ermöglichten Wettbewerb auf eine stabilere finanzielle Basis zu stellen. Dies umfasst Förderungen der öffentlichen Hand, Unterstützung durch Sponsoren und, solange dies rechnerisch notwendig ist, weiterhin das Erheben von Teilnahmegebühren (unverändert 10 Euro pro Einreichung). Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt.

Bewährter Ablauf, poetologischer Schwerpunkt

Strukturell bleibt das bisherige Drei-Stufen-Verfahren (Vorjurierung der Einreichungen, Zwischenrunde, Finale) unverändert. Programmatisch werden wir künftig einen besonderen Schwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit der Poetik der einzelnen Autorinnen und Autoren legen. Ziel ist es, dass die Teilnehmer/innen mit den Juror/innen ins Gespräch über die Gedichte kommen: Statt feuilletonistischer Exkurse der Jurierenden konkrete Fragen zum Text, statt schweigend leidender Dichter/innen Einblicke in ihre poetologischen Überlegungen.

Ein paar Neuerungen für mehr Transparenz

Darüber hinaus ist es uns ein Anliegen, für größtmögliche Transparenz in allen Bereichen (Prozesse, Entscheidungen, Finanzierung) zu sorgen. Dazu gehören von nun an anonymisierte Einreichungen, eine wechselnde, vorab bekanntgegebene Besetzung der Vorjury und die öffentliche Austragung der Diskussion und Abstimmung durch die Zwischenrunden- und Finaljurys. Darüber hinaus werden wir einen Tätigkeitsbericht mit den finanziellen Eckdaten auf unserer Website veröffentlichen.

Mitglieder des Lyrikpreis München e.V. sind derzeitig: Michael Braun, Richard Dove, Markus Hallinger, Andrea Heuser, Florian Kessler, Kristian Kühn, Tristan Marquardt, Àxel Sanjosé, Ulrich Schäfer-Newiger, Johanna Schumm und Christel Steigenberger. In den Vorstand wurden À. Sanjosé, K. Kühn und U. Schäfer-Newiger gewählt (jeweils als 1., 2. und 3. Vorsitzender).

Lyrikpreis München e.V.
http://www.lyrikpreis-muenchen.de
info@lyrikpreis-muenchen.de