Die nächste Lesung: „Zwiesprachen VII: Jan Wagner über Ted Hughes“, Mittwoch, 16. März, 20 Uhr, Lyrik Kabinett, Amalienstraße 83/ Rückgebäude
Der Lyrikpreis München, der 2016 zum siebten Mal ausgeschrieben wird, entwickelt sich organisatorisch und inhaltlich weiter.
Neuer Trägerverein
Veranstalter des Preises ist nun der im Herbst 2015 gegründete Lyrikpreis München e.V. Ziel ist es, den bislang weitgehend durch Zuwendungen von Privatpersonen ermöglichten Wettbewerb auf eine stabilere finanzielle Basis zu stellen. Dies umfasst Förderungen der öffentlichen Hand, Unterstützung durch Sponsoren und, solange dies rechnerisch notwendig ist, weiterhin das Erheben von Teilnahmegebühren (unverändert 10 Euro pro Einreichung). Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt.
Bewährter Ablauf, poetologischer Schwerpunkt
Strukturell bleibt das bisherige Drei-Stufen-Verfahren (Vorjurierung der Einreichungen, Zwischenrunde, Finale) unverändert. Programmatisch werden wir künftig einen besonderen Schwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit der Poetik der einzelnen Autorinnen und Autoren legen. Ziel ist es, dass die Teilnehmer/innen mit den Juror/innen ins Gespräch über die Gedichte kommen: Statt feuilletonistischer Exkurse der Jurierenden konkrete Fragen zum Text, statt schweigend leidender Dichter/innen Einblicke in ihre poetologischen Überlegungen.
Ein paar Neuerungen für mehr Transparenz
Darüber hinaus ist es uns ein Anliegen, für größtmögliche Transparenz in allen Bereichen (Prozesse, Entscheidungen, Finanzierung) zu sorgen. Dazu gehören von nun an anonymisierte Einreichungen, eine wechselnde, vorab bekanntgegebene Besetzung der Vorjury und die öffentliche Austragung der Diskussion und Abstimmung durch die Zwischenrunden- und Finaljurys. Darüber hinaus werden wir einen Tätigkeitsbericht mit den finanziellen Eckdaten auf unserer Website veröffentlichen.
Mitglieder des Lyrikpreis München e.V. sind derzeitig: Michael Braun, Richard Dove, Markus Hallinger, Andrea Heuser, Florian Kessler, Kristian Kühn, Tristan Marquardt, Àxel Sanjosé, Ulrich Schäfer-Newiger, Johanna Schumm und Christel Steigenberger. In den Vorstand wurden À. Sanjosé, K. Kühn und U. Schäfer-Newiger gewählt (jeweils als 1., 2. und 3. Vorsitzender).
Lyrikpreis München e.V.
http://www.lyrikpreis-muenchen.de
info@lyrikpreis-muenchen.de
Uljana Wolf sagte 2009 in ihrer Rede über ein Prosagedicht von Lydia Davis: „Der Text mündet in einer nur durch Kommata und Semikola leicht getakteten Endlosschleife, statt plots und dots“ – statt Handlungen und Punkten – „eine Serie von knots„, Knoten.
Ein Satz, der problemlos auch in die Rede von Ilma Rakusa gepasst hätte. Listen, so ihre These, verknoten das Widerspenstige, was eigentlich nicht zusammengehört, dann aber doch eine rätselhafte Synthese bildet, wenn, in der berühmten Losung der Surrealisten, „ein Regenschirm und eine Nähmaschine auf einem Seziertisch“ zur alchemistischen Reaktion gebracht werden – oder eben in einer Liste.
Rakusa liest ein Gedicht von Danilo Kiš, eines in Deutschland wenig bekannten jugoslawischen Autors des 20. Jahrhunderts. Auch andere eher abseitige Stimmen finden bei ihr Platz, zum Beispiel der Amerikaner Robert Lax oder der futuristische russische Dichter Welimir Chlebnikow. Auch diese Funktion haben Listen: Sie sind Inventare, rein formale Erinnerungsspeicher, ohne die dazugehörige Geschichte, nur durch Satzzeichen verbunden, „eine Vielfalt von Nichts“, wie Rakusa sich ausdrückt, die „antipathetische Rekonstruktion“ einer sich auflösenden Welt. / Philipp Bovermann, Süddeutsche Zeitung
Die nächste Lesung: „Zwiesprachen VII: Jan Wagner über Ted Hughes“, Mittwoch, 16. März, 20 Uhr, Lyrik Kabinett, Amalienstraße 83/ Rückgebäude
Dirk Uwe Hansens schöne Rezension (Signaturen) auf das Wesentliche reduziert:
… Schultens’ poetologische Betrachtungen machen neugierig auf ihre Poesie.
Katharina Schultens: Geld. Eine Abrechnung mit privaten Ressourcen. Berlin (Edition Poeticon im Verlagshaus Berlin) Berlin 2015. 48 Seiten. 7,90 Euro.
Lesen Sie die Sätze im Zusammenhang bei Michael Braun, hundertvierzehn.de
Am ADC in Genf würdigt „Ossip Mandelstam. A Performance“ den großen russischen Dichter.
Vier Menschen sitzen auf behelfsmäßigen Stühlen um einen Holztisch. Drei Tänzer, die gleich der Stimme von Ossip Mandelstam (1891-1938) Körper verleihen werden. Es spricht der Schauspieler Bruce Myers, dessen Karriere untrennbar mit dem Dramatiker Peter Brook verbunden ist.
…
Ossip Mandelstam. A performance ist eine Idee des Tänzers und Choreographen Ioannis Mandafounis. Eine physische Verlängerung jener Verse von 1909: «Que faire de ce corps qui m’a été donné/Si mien, si intime […]» «Man gab mir einen Körper, und was nun? / Mit ihm, dem meinen, einzigen – was tun?» « Дано мнe тeло — что мнe дeлать съ нимъ,/ Такимъ единымъ и такимъ моимъ?»
Die choreographische Antwort der drei Tänzer beweist, daß die dichterische Sprache zu berühren vermag, noch bevor sie eine Botschaft überbringt. / Maxime Maillard, Le Courrier http://www.lecourrier.ch/137185/la_poesie_avec_le_corps
Jusqu’au dimanche 13 mars, 20h30, sa 19h, di 18h, Salle des Eaux-Vives, 82-84 rue des Eaux-Vives, Genève. Loc: 022 320 06 06, www.adc-geneve.ch
Hier kann man Gilgamesch und andere altbabylonische Dichtungen in Transkription und englischer Übersetzung lesen und – in rekonstruiertem Akkadisch gesprochen anhören.
Veröffentlicht am 08.03.2016
Pressemitteilung, Darmstadt, 8. März 2016
Der Lyriker Daniel Falb (*1977) erhält den erstmals vom deutschen PEN-Zentrum ausgeschriebenen Kurt Sigel-Preis für Lyrik. Unter mehr als 1100 Einsendungen ragt die seine heraus, weil sie Maßstäbe für die Qualität politisch und gesellschaftlich relevanter Poesie heute setzt, so die Einschätzung der Jury, der Dorothea von Törne, Hans Thill und Herbert Wiesner angehörten.
Stifter des mit 4.000 € dotierten Preises ist der Frankfurter Schriftsteller Kurt Sigel (Jg. 1931 und seit 1974 Mitglied des PEN), der sich als Autor von Romanen, Erzählungen, Gedichtbänden und von Büchern in hessischer Mundart, die er teilweise mit eigenen Zeichnungen und Cartoons illustrierte, einen Namen gemacht hat. Der Preis, der künftig alle zwei Jahre verliehen werden soll, wird am 21. April 2016 auf der PEN-Jahrestagung in Bamberg verliehen; die Laudatio hält Dorothea von Törne.
In der Begründung der Jury heißt es weiterhin:
„Die eigene, unverwechselbare Stimme ist hier Teil eines ‚Wir‘, das in unpathetischen und spannenden Diskursen und mit überraschenden Sprachbildern Erd- und Menschheitsgeschichte neu bedenkt: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Falbs Gedichtzyklus sprengt alle traditionellen Erwartungen an Lyrik. Statt Metrum, Reim und Strophe regiert das mehrbezügliche assoziative Verknüpfen von prägnanten Bildern und Redeteilen. Das Gedicht als ein Ort reiner Möglichkeiten. In strömenden, tauchenden und steigenden Sprachbewegungen treibt Falb seinen Text Richtung Erkenntnisgewinn voran.“
Eine demokratische Debatte über Literatur
Launch ~ 15. März 2016
Wir experimentieren mit neuen Ansätzen in der digitalen Literaturkritik und nutzen eine einfache Struktur. Dabei richten wir uns an Leserinnen, die den Prozess des Schreibens einer Kritik begleiten möchten, die neugierig sind auf die Reaktion der Buchautorin, und die mitdebattieren wollen.
Was bedeutet das?
Stellen Sie sich drei gleich große Kreise vor, die eine Schnittmenge suchen, wie groß auch immer diese werden mag …
Was bedeutet das ein wenig konkreter?
Zwei Literaturkritikerinnen aus unserem Netzwerk schreiben an einer gemeinsamen Kritik, wechseln sich Absatz für Absatz ab, gehen aufeinander ein und formulieren Denkansätze. Nach jeweils zwei Statements meldet sich als Dritte die Autorin der besprochenen Buches zu Wort, formuliert ihrerseits ein Statement, auf das die Kritikerinnen wiederum reagieren usw. Alle Statements sind in jeder Phase der Kritik offen für Kommentare von Ihnen, den Leserinnen. Diese Leserinnenkommentare laufen übersichtlich neben den Statements mit. So kann die Rezension unter Berücksichtigung aller Freiheitsgrade wachsen.
(…)In der ersten Folge express! erforschen wir A.H.A.S.V.E.R von Max Czollek, ein E-Book aus der neuen Reihe Binaer, die exakt am 15.03.2016 im Verlagshaus Berlin erscheint. Mit dabei sind die Literaturkritiker Kristoffer Cornils, Martin A. Hainz und der Buchautor Max Czollek.
Auch die 2. Folge der Reihe steht bereits fest und ist Ende März 2016 geplant. Elke Engelhardt und Stefan Schmitzer und der Autor Yevgeniy Breyger werden eine Rezension zum Gedichtband flüchtige monde von Yevgeniy Breyger, der im März bei Kookbooks erscheint, entwickeln.
/ Julietta Fix, Fixpoetry
Endlich eine Rezension, die ihre – starken – Wertungen nicht aus den gängigen Klischee- und Ressentimentkisten holt. Über die man also streiten könnte, ohne sich auf die festen Standpunkte irgendwelcher binär aufgestellter Lager zu begeben. Beiträge zur Vermessung der Anthologien-, der Lyrikszene. Hier ein paar der griffigsten (streitbarsten) Aussagen in Konstantin Ames‘ Besprechung von
Lyrik von Jetzt 3 – Babelsprech. Hrsg. von Max Czollek, Michael Fehr und Robert Prosser. Göttingen (Wallstein Verlag) 2015. 360 Seiten. 19,90 Euro.
(bei Signaturen)
Wer als Beitragender zu einer derart flamboyant beworbenen Sammlung auf Cleverness bewusst verzichtet und stattdessen den eigenen Zirkus rauslässt und nicht nur zynisch versifiziert, was er vorhat, der wagt nicht wenig. Diese Chance haben aber nur Niklas L. Niskate und Linus Westheuser voll ausgereizt. Ihr weiteres Schaffen dürfte nicht nur deshalb von Interesse sein. Das Gros des Teilnehmerfeldes ergeht sich hingegen entweder in kosmischer Schau (Himmel, Berge, Meer, Heimat und Gliedmaßen von Großmüttern), zeilenumbrochenen Reiseimpressionen (wäre ein Gedankenbuch nicht ästhetisch redlicher und ergiebiger gewesen?), Datumsspäßchen und poetischen Fingerübungen, die sich selbst als politisch zu verstehen geben und nicht lange fragen. Ich habe mich noch nie so sehr nach Diskurspop gesehnt wie nach beinah jedem Reinblättern ins Klassenzielbuch von „Babelsprech“ und dem damit verbundenen Unbehagen. All dieser Beschwur von Alleinstellungsmerkmalen, verhauchter Innerlichkeit! Tiraden und Stänkereien, die ich so läppisch noch nie gelesen hab!
(…) Ein elaborierter performativer Zugang zu diesem Teil Kunst, Sprachkunst, ist also unerlässlich. Wo Mündlichkeit auf dem Papier eine lebendige Konkretion sucht, muss nicht nur Skepsis walten, es braucht auch sprachphilosophische Expertise („Akademismus! – Ach, Stammtisch …“), sonst wird jeder Motivballast (Himmel, Ich, Nebel, Wir, Tiere, Meer, Ficken) unerträglich; Germanistikstudium hin, Germanistikstudium her. Nicht von ungefähr sind es die Beiträge von Richard Duraj, Jan Skudlarek, Sonja vom Brocke, Sascha Kokot, Sophie Reyer, Georg Leß und Léonce Lupette, die (obwohl anscheinend auch gehörig Autobiographisches mitnotiert wird) nicht aufs Niveau naiver Bekenntnislyrik oder aufgesagter Gedankenlyrik herabsinken.
Es könnte auch passieren, dass die boshaften Meisterwerke von Jenny-Mai Nuyen, Charlotte Warsen, Maren Kames und Irmgard Fuchs ebenfalls als Bekenntnislyrik passieren oder eine vampiristische Art der Verballhornung davon. Die vier Dichterinnen machen aber etwas ganz anderes, wodurch ihre Texte dem Sich-Verheddern in hubernd kleingeschriebenem Parlando entgehen. (…)
Der poetische Nihilismus von Irmgard Fuchs, Maren Kames, Jenny-Mai Nuyen und Charlotte Warsen hält das Niveau dieses Buchs hoch, ich traue ihrer Poesie, vielleicht gerade weil es sich um Kommunikationsharakiri handelt. Ihre Texte bilden den Kern desjenigen Bereichs der Sammlung, der nicht Schlafsaal ist, sondern wohl eher die Abflughalle. (…)
Hervorzuheben sind außerdem die visuellen Arbeiten von Andreas Bülhoff und die Collagen von Dagmara Kraus. Als „maßgeblich“ würden die geschätzte Kollegin und der geschätzte Kollege ihre Beiträge aber vielleicht selbst nicht einschätzen. Ihre Arbeiten überragen auch keineswegs die Arbeiten auf dem Grenzbereich von Grafik und Poesie von Simone Kornappel, die in der Anthologie nicht vertreten ist. Überhaupt: Es fehlen viel zu viele entwickelte poetische Positionen (nicht Beitragende), um den Ruf, den die Anthologie gern genösse in irgendeiner Weise zu rechtfertigen. Es ist viel zu viel desselben drin, um von einem „Verzeichnis maßgeblicher deutscher Dichtung“ oder auch nur von „größtmöglicher Aufmerksamkeit für das weite Spektrum poetologischer Zugänge innerhalb der Gegenwartsdichtung“ seriös die Rede führen zu können.
(…) Eine maßgebliche Anthologie macht das aus dem vorliegenden (sehr abgeschlossenen) Buch nicht. Und doch steht es in einer Reihe wichtiger Maßnahmen, der Poesie per Buch etwas mehr Aufmerksamkeit über die Szeneränder hinweg zu verschaffen; etwa die beiden Bände der Anthologie Der gelbe Akrobat (poetenladen, ³2011 und 2016), die von Christian Lux edierte Anthologie freie radikale lyrik (luxbooks, 2010) oder das von Ron Winkler herausgegebeneNeubuch (yedermann, 2008). Das bleibende Verdienst des mit Lyrik von Jetzt 3 verbundenen und sicherlich nicht abgeschlossenen Projekts ist es, eine beachtliche Anzahl verschiedener Akteur_innen lokaler Szenen unübersehbar miteinander ins Gespräch gebracht zu haben. Das versuchen diverse Literaturhäuser, Verlagsblogs, Festivals selbstverständlich auch – „Babelsprech“ ist es gelungen. Das ist ein nachhaltigeres Verdienst als so ein blassgrünes Buch.
Am 10. März wäre Karl Bröger 130 Jahre alt geworden. Um den Nürnberger Arbeiterdichter zu ehren, wird eine neu gestiftete Auszeichnung verliehen: die Karl-Bröger-Medaille. Erster Preisträger ist der Dichter [die fränkische Meldung sagt: fränkische Mundartdichter] Fitzgerald Kusz. Mit der Medaille erinnert die Karl-Bröger-Gesellschaft künftig an „einen der bedeutendsten deutschen Arbeiterdichter“, so Horst Schmidbauer, der Gründer der Karl-Bröger-Gesellschaft und langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete. Offiziell überreicht wird die Medaille am 10. März. (…)
Karl Bröger aus Nürnberg war ein deutscher Arbeiterdichter. Er wurde mit anderen SPD-Funktionären 1933 verhaftet und für mehrere Monate ins KZ Dachau verschleppt. Dennoch wurden einige seiner Gedichte von der NS-Propaganda ausgeschlachtet. Karl Bröger starb 1944 mit 48 Jahren an Krebs. / BR
Mehr Fitzgerald Kusz / Mehr Karl Bröger
Bettina Boeck schreibt:
Ich baue NINE TO FIVE eine bewegliche Collage. Ich schreibe Lyrik und einen Mikrotextroman.
Auf dieser Seite können Sie meine Vita und Fotos einsehen. (Links unten)NINE TO FIVE ist mein privates Webblog, auf dem ich bemerkenswerte Fotofundstücke, deren gemeinsames Merkmal Fibonacci-Zahlen sind und eigene Texte zu einer beweglichen Collage zusammensetze.
Regelmäßige Leser*innen meiner Facebook Seite https:wissen# ich habe ein großes Faible für Muster. Schon deshalb habe ich mit Interesse aufgemerkt als ich vor ein paar Wochen #Norbert Lossaus Artikel http://www.welt.de/wissenschaft/article150863747/Haben-wir-die-Mathematik-erfunden-oder-nur-entdeckt.html las, der die Themen #Erfindung #Entdeckung #Denkmuster #Natur und #Zahlen behandelt.
Grund genug, mir selber einen Fragebogen zu schicken. Hier stehen meine Antworten.NINE TO FIVE. Es ist eine bewegliche Collage aus Mikrotexten. Für diese Collage habe ich einen Rahmen entworfen, der den Leser teilhaben lässt an meinem Arbeitstag: Beobachtungen, Eindrücke von Bildern, Mikrotexte, Formen, erzählerischen Energieaustauschs und tiefer im Blogg die Fibonacci-Zahlen und Formate / Seitenarme. Das Blogg ist wie ein digitales Gehirn– jeder kann seine eigene Schnittstelle finden.
Warum mache ich es (so)?
Die Motivation für das Blog kommt durch meine angeborene Körperbehinderung (Spastik), die Reisen, oft selbstständige Kaffeehausbesuche nicht mehr möglich macht. Zwar werde ich mit immer aktuellerer Technik versorgt, aber Schmerzen und Verschlechterung kann ich damit nur schwer aufhalten. Da muss ich kreativ werden – das heißt Bilder finden und Hörfetzen und schreiben. Die Ausgangsfrage für das Projekt war daher: welche Erzählstruktur und welche Formate optimal geeignet sind, um meine manuelle Ungeschicklichkeit und meine körperliche Langsamkeit auszugleichen. #Fotofundstück#Hörfetzen#Videoschnipsel und #Textfragment,
Mein Ansatz fußt auf zwei Elementen: zum einen habe ich lange, intensiv Facebook gelesen und „bespielt“ und gesehen, dass mir ein Thema immer wichtiger wird: „Die Stadt im Fluss“, die sich zu Formaten verdichtet und Handlungsstränge entwickelt und daher vieles miteinander in Beziehung setzt.
Diese vernetzende Struktur habe ich als Ausgangspunkt genommen. Und zum zweiten war ich von Anfang an auf Facebook mit bemerkenswerten Künstlern verbunden und habe NINE TO FIVE mit ihrer Unterstützung entwickelt, viel kommuniziert getestet, kuratiert, Feedback geholt und gespielt. „I love to do the same thing over and over again“ #AndyWarhol #DonaldDuck #EricaFuchs #“Foto?“ #Banane http://www.bild.de/regional/stuttgart/banane/fuer-ihn-ist-die-ganze-welt-eine-banane-23988738.bild.htmlBanane
Wer soll sich dafür interessieren?
Ich spreche Leser von digitalen Geschichten an. Meinen Leserkreis konnten ich schon sehr weit einschränken, indem ich mit einem Facebook-Account getestet habe, wer sich überhaupt für digitale Traum-Stätten interessiert und hier ein Defizit an Bewegungs- und Spielräumen spürt. In erster Linie sind das eher junge Menschen, die einen Hochschulhintergrund haben, die selber einer kreativen Arbeit nachgehen und sich mehr Konzentration auf Sprache an sich sowie digitale Stadtträume mit starken Bildern wünschen.
Wie geht der Arbeitsprozess vor sich?
Zunächst suche ich die Fotos aus. Anschließend lege ich mit der Textproduktion los und poste das erste Mikrotextelement. Wegen der Spastik diktiere ich alles mit einem Spracherkennungsprogramm, ein eifrig stockendes Einzelunternehmen. Eigennamen müssten – einfach nicht machbar – Buchstabe für Buchstabe eingegeben werden. Außerdem können Fotografen später ihr in die Mikroskulptur eingegangenes Facebook- oder Twitter-Foto bei mir als „gestohlen“ melden und bekommen dafür noch mal ein „Gefällt mir“, falls das Projekt anfangs nicht genug Zuspruch findet.Was sollen Fotografen und bildende Künstler davon haben?
Komplexe Bilder sind oft sperrig und schwer zu begreifen – es kann aber unglaublich spannend sein, sich mit ihnen zu beschäftigen. Deshalb stelle ich sie in einen neuen Zusammenhang, woraus sich unterschiedlichste fiktive Zugänge und damit Verwendungszwecke ergeben. Vom Zeitungsbild bis hin zu Bildern in Räumen und auf Schulterblättern. Dadurch soll es Spaß machen, sich ausführlich über Künstler und Fotografen zu informieren. Urheber bzw. Herkunftsort eines Bildes sind für jeden über mein Facebook- oder Twitter-Aktivitätsprotokoll nachzuvollziehen.
die verschiedenen sozialen Netzwerke bisher:
https://www.facebook.com/bettina.boeck.7
https://twitter.com/Kunstbrei
https://twitter.com/poetischeswoert
Lyrik im ausland
ausland, 10. März 2016 20:00
(RUSSISCH SIEHE UNTEN)
Mit Anna Glazova (Russland/Deutschland) und Yevgeniy Breyger (Ukraine/Deutschland).
Moderiert von Hendrik Jackson.
(Die Veranstaltung wird simultan übersetzt.)
EINE KOOPERATIONSVERANSTALTUNG MIT DER REIHE „LYRIK IM AUSLAND“.
Geöffnet ab 20.00 Uhr, Beginn 20:30 Uhr.
Die zweisprachigen Lesungsabende mit dem gemeinsamen Arbeitstitel Berlins literarische Diasporas – der Blick von außen, die ab März 2016 im ausland stattfinden, haben zum Ziel, Autor/-innen aus den nicht deutschsprachigen literarischen Szenen der Stadt und darüber hinaus vorzustellen und mit ihren lokalen deutschsprachigen Kolleg/-innen in Lesung und Gespräch zusammenzubringen. Autor/-innen mit einem starken Berlinbezug, die aber gleichzeitig in anderen und anderssprachigen literarischen Szenen verkehren, haben dabei die Möglichkeit ihren Blick von außen auf die lokale Literaturszene zu werfen und ihre Eindrücke dazu zu teilen. Diesmal liegt der Fokus auf den Autor/-innen mit einem osteuropäischen Hintergrund.
Eigens für die Veranstaltung werden die aktuellen Werke der Autor/-innen ins Deutsche übersetzt und teils zweisprachig gelesen. Im Gespräch mit dem Lyriker, Literaturübersetzer und Mitbetreiber des Internetportals Lyrikkritik.de, Hendrik Jackson, diskutieren am 10. März die aus Russland stammende Lyrikerin Anna Glazova zusammen mit Yevgeniy Breyger, der in der Ukraine geboren und in Deutschland aufgewachsen ist, über ihre poetischen Ansätze, die literarische Gegenwart Berlins und den Platz der nichtdeutschsprachigen Lyrik in der Stadt und in Deutschland. Außerdem werfen die Teilnehmer ihren persönlichen Blick auf die zeitgenössische osteuropäische Lyrik.
Der selbstorganisierte Veranstaltungsort ausland beheimatet Reihe Lyrik im ausland, die für ihre hochkonzentrierten Lesungen in einer akustisch nahezu perfekten Atmosphäre bekannt ist.
Anna Glazova (Russland/Deutschland) ist Dichterin, Übersetzerin und Literaturkritikerin. Sie ist Autorin von vier Lyrikbänden und übersetzt aus dem Deutschen und Englischen. Zu den von ihr übersetzten Autoren zählen Franz Kafka, Robert Walser, Unica Zürn und Paul Celan. Sie studierte 1995-1998 an der TU-Berlin. Sie promovierte mit dem Thema «Counter-Quotation: The Defiance of Poetic Tradition in Paul Celan and Osip Mandelstam» an der Northwestern University (USA). Sie lehrte an der Goethe-Universität (Frankfurt a.M.), Cornell University, Johns Hopkins University und Rutgers University (USA). Sie arbeitet außerdem im Bereich vergleichende Literaturwissenschaft. Anna Glazova veröffentlichte Werke über die Poetik von O. Mandelstam, P. Celan, F. Kafka, R. Walser, H. von Kleist und W. Benjamin sowie Artikel über zeitgenössische deutsch- und russischsprachige Autor/-innen. Sie erhielt u.a. folgende Auszeichnungen: Literaturpreis Русская премия („Russischer Preis“) in der Kategorie „Lyrik“ (2013); Andrei Bely-Lyrikpreis (2013); Sonderpreis „Московский счёт“ / „Moskauer Zählung“ (2014). Zu ihren Lyrikbänden zählen: Пусть и вода / Pust‘ i woda – Moskau, OGI, 2003, (Lyrikreihe des Clubs „Projekt OGI“); Петля. Невполовину./ Vorwort А. Magun – Moskau: Nowoje literaturnoje obozrenije, 2008. – (Lyrik der russischen Diaspora); Для землеройки (Für Spitzmäuse) / Nachwort E. Suslova. – Moskau: Nowoje literaturnoje obozrenije, 2013 (Neue Lyrik); Опыт сна (Schlaferfahrung) – New York: Ailuros Publishing, 2014.
Yevgeniy Breyger (Ukraine/Deutschland) wurde 1989 in Charkow, in der Ukraine, geboren. Seit 1999 lebt er in Deutschland. Er studierte Kreatives Schreiben/Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Er erhielt diverse Werkstattstipendien und Literaturpreise, u.a. Arbeitsstipendium Stiftung Niedersachsen 2010, Selma Meerbaum-Eisinger Literaturpreis 2011, das Studienstipendium der ELES-Stiftung. Yevgeniy Breyger ist Bundespreisträger beim Treffen Junger Autoren 2010 und hat in Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht. Auch war er Teilnehmer des Open Mike 2012. Im März 2016 erscheint im Verlag Kookbooks in Berlin sein erster Gedichtband mit dem Titel flüchtige monde.
Moderation:
Берлинские Литературные Диаспоры – взгляд со стороны, 10 марта 2016
Анна Глазова (Россия / Германия) и Евгений Брейгер (Украина / Германия).
Ведущий: Хендрик Джексон.
Weiterlesen
Thomas Kunst ist nicht so gut darin, Romane zu schreiben. Denn eigentlich schreibt er lediglich lange Prosagedichte, die hin und wieder von gebundener Sprache aufgebrochen werden und notdürftig als Roman deklariert werden. Was bleibt einem Verlag denn auch anderes übrig? Freie Folge ist schließlich selbst mit dem beruhigenden Zuspruch, es handle sich um ein leicht kategorisierbares Stück Literatur, schwer zu verdauen.
Der Clou allerdings ist, dass nichts an Freie Folge überhaupt verdaut werden muss. Es ist ein verschiedene auf rätselhafte Weise überlappende Erzählstränge collagierendes poème en prose, das sich mit aller Interesselosigkeit am undurchsichtigen oder so gar nicht existenten Plot schlicht genießen lässt. / Kristoffer Cornils, Fixpoetry
Thomas Kunst
Freie Folge
Jung und Jung
2015 · 256 Seiten · 24,00 Euro
ISBN: 978-3-99027-075-2
„Nach dem Rauchen ist das Sitzen das Zweitgefährlichste“, sagt Peter Wawerzinek. „Hab ich neulich im Internet gelesen. Und ich sitz nun schon seit dreißig Jahren am Schreibtisch.“ Der Schreibtisch steht in seiner Wohnung in Berlin, Prenzlauer Berg. Die hat er schon seit DDR-Zeiten, als der Kiez um den Kollwitzplatz noch nicht dem Bionade-Bürgertum gehörte, sondern der Künstler-Bohème. Damals trieb sich Wawerzinek als Performer von Stegreif-Gedichten in den Kneipen rum. Seinen Durchbruch als Autor hatte er viel später, mit seinem Roman „Rabenliebe“, in dem er sich mit seiner Heimkindheit und der Suche nach seiner Mutter auseinandersetzt. Autobiographisch ist auch sein nächster Roman „Schluckspecht“ über den Weg in den Alkohol und wieder heraus. Von all dem und mehr erzählt er Christian Möller bei einem Spaziergang durch seine Nachbarschaft. Oder, wie er früher gesagt hätte: den Torkelbereich. / viertausendhertz
Die stockende, stotternde Sprache, die sich mit einem Heer von Satzzeichen gegen die Laufrichtung der geläufigen Sprache stemmt, ist sein Markenzeichen. Hier agiert wie in der Dichtung Celans ein „unter dem besonderen Neigungswinkel seiner Existenz sprechendes Ich“, das gegen den verführerischen „Wohlklang“ der Poesie die Härte kristalliner Sprachpartikel setzt, zersprengte Verse, die immer wieder das einzelne Wort fühlbar machen, seine Fragwürdigkeit, seine bedrohte Wahrheitsfähigkeit ins Bild rücken. Rainer René Mueller, 1949 in Würzburg geboren, erschien 1981 auf den Bühnen des Literaturbetriebs, sein Debüt „Lieddeutsch“ wurde als Geheimtipp herumgereicht. 1983 erhielt er einen Förderpreis beim Leonce-und-Lena-Preis, kurz darauf verschwand er wieder aus der kleinen Lyrik-Öffentlichkeit. Seine Erscheinung sorgte für größere Irritationen in einem auf Kumpanei und Lässigkeit bedachten Betrieb. / Michael Braun, Poetenladen
Rainer René Mueller: POÈMES – POÉTRA. Hrsg. Dieter M. Gräf, roughbook 34 (CH-4325 Schupfart, 2015)
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