My Jordanian friend Fathieh Saudi, who has died aged 76, was a doctor, writer and poet. She studied medicine in France and worked as a paediatrician in Lebanon from 1976 to 1982, producing L’Oubli Rebelle (1985), about her experiences in the Lebanese civil war, in French. She then translated the book into Arabic as Ayam al Jamr (Days of Amber) in 1990.
On moving from Jordan to London in 2001, Fathieh started writing poetry in English. In 2007, she published The Prophets: A Poetic Journey from Childhood to Prophecy, retelling the stories of religious figures as dramatic monologues. Two years later, she published River Daughter, a short collection that describes the central place of the Thames in her life. Two longer versions of the previous collections were published in 2012 – Prophetic Children, and Daughter of the Thames. In them, one can sense the deep suffering the poet experienced from polio, cancer and the disappointments of the heart.
In London she gained confidence in her native language. After Daughter of the Thames, she decided to translate the poems into Arabic, in Bint Alnaher (2012). / Alia‘ Afif Kawalit, Guardian
„Man klagt, daß unsere Poeten nicht ernst genommen werden, vor allem die lyrischen“, stellte Max Frisch 1947 fest. Er fand das ganz in Ordnung – bei „Poeten, die Poesie machen, die hinter ihrem und unserem Bewusstsein zurückbleibt“. Das will sich heute kein Lyriker und keine Lyrikerin mehr nachsagen lassen. Ihre Anstrengungen, auf der Höhe der Zeit zu sein, sind meist unübersehbar. Dennoch kann man die Klage, dass Gedichte nicht ernst genommen werden, immer noch hören, auch außerhalb der Schweiz. Die Betroffenen darf man allerdings nicht fragen. Sie nehmen sich und ihre Gedichte natürlich fast alle ernst – und fühlen sich fast alle zu wenig ernst genommen. Das haben sie mit Erzählern und Dramatikern gemeinsam, außerdem mit Kritikern, Professoren und Friseuren. / Dieter Lamping, literaturkritik.de
Die neue Debatte zur Lyrikkritik im Überblick (wird laufend ergänzt, Hinweise auf Übersehenes willkommen)
Konstantin Ames: Schlafbereich der Superlative und Abflughalle – Lyrik von Jetzt 3 und die Poesie in Zeiten von „Babelsprech“, 8.3. Signaturen
Christoph Szalay: zu Konstantin Ames‘ Kritik an Lyrik von Jetzt 3 oder The kids are alright/Yeah/The kids are alright dumdidumdidumdidum usw., 22.3. Signaturen
Katharina Kohm: Lyrik von Jetzt 3 // Nur die Ehrlichkeit kann uns noch retten, 23.3. Signaturen
Ann Cotten: Erst aufwachen, dann schreiben, 23.3. Signaturen
Tristan Marquardt: Zur prekären Lage der Lyrikkritik, 24.3. Signaturen
Walter Fabian Schmid: Kommt erst mal selbst aus den Seilen. Eine Kritik an Lyrikern zur Lyrikkritik. 25.3. Signaturen
Franz Hofner: Eine Meinung zur Kritik, 25.3. Fixpoetry
Frank Milautzcki: th;dr (too harmless; didn’t read), 25.3. Fixpoetry
Jan Kuhlbrodt: Was ist Kritik? Was ist Literaturkritik? 26.3. Signaturen
Kristoffer Cornils: Von der Langweile am Betrug, 26.3. Fixpoetry
Paul-Henri Campbell: Die beste Kritik der Kritik besteht in guten Kritiken, 26.3. Fixpoetry
Elke Engelhardt: Dissens oder Dialog, 26.3. Fixpoetry
Alexandru Bulucz: Am kritischen Faden der Seide, 26.3. Signaturen
Charlotte Warsen: Kritik vs. Kommentarfunktion, 27.3. Signaturen
Matthias Friedrich: Die Kritik als Dichtung zweiter Ordnung, 28.3. Signaturen
Bertram Reinecke: Vermittler und Dienstleister, 29.3. Lyrikzeitung
Wolfram Malte Fues: „Objektive Kriterien“? Ein Beitrag zu den Debatten über Literaturkritik, 4.4. Signaturen
Konstantin Ames, Armin Steigenberger: Lobbyismus, Buddies & Homies, Kollektive,
Fanzonen und Implosionen als ausbaufähige Wirklichkeit (in hineingemischten Digressionen), 5.4. Signaturen
Carl Reiner Holdt: Obwohl alle das Wort haben, tun einige so, als hätten sie extra Einsichten. Fragen eines Gebildeten unter den Lyrik-Verächtern. 8.4. Fixpoetry (mit Fortsetzung in den Kommentaren)
Carl Reiner Holdt: Kontext & Missverständnis. 12.4. Fixpoetry
Armin Steigenberger: Dialegometha?! Versuch einer Darstellung des Status Quo in der Lyrikdebatte. Metaebene, Wissenschaft, Belehrung. 14.4. Signaturen
IN oral cultures of pre-colonial Africa, historical trends, myths, religious, metaphysical ideas and prominent events were passed on from one generation to another by word of mouth.
The means of transmission varied from community to community and, therefore, the choice of form would either be traditional theatre performances or narrations or poetry or a blend of forms.
Riddles, for example, were a common feature during household night –fire oral performances. Riddles, conundrums, brain teasers were fierce battle fields for wit and wisdom; for example, between two performers one would start by challenging another: “Cho” (There it comes, literally, Take that!) whereby another would respond, “Chise” (Let it come or I am ready for it!) The first performer would then say: “A beautiful round house which has no door,” and thereupon, if the rival performer was knowledgeable and witty, he/she would respond: “Aah! you think I can fail to answer that: ‘it is an egg, it is round and has no door.’”
Then other listeners would give a round of applause. There were unspoken rules for the game, though, and one was that the performer would not speak until the challenge received a response even if it was a wrong answer. / Hildah Lumba, Times of Zambia
Eine Buchhandlung, die Indiebooks hätte, die ich nicht schon besitze, gibt es nicht in Greifswald. Immerhin war ich in einer, die einen halben Meter Titel des Freiraumverlags und einen (1) von Reinecke & Voß dastehn hat. Ich lobe das.
Bücher von Freiraum und Reinecke & Voß in der Buchhandlung Scharfe, Greifswald
Am Indiebookday könnt Ihr das allen zeigen. Es geht ganz einfach:
Geht am 26.03.2016 in einen Buchladen Eurer Wahl und kauft Euch ein Buch. Irgendeines, das Ihr sowieso gerade haben möchtet. Wichtig ist nur: Es sollte aus einem unabhängigen/kleinen/Indie-Verlag stammen.
Danach postet Ihr ein Foto des Covers, des Buches, oder Euch mit dem Buch (oder wie Ihr möchtet) in einem sozialen Netzwerk (Facebook, Twitter, Google+) oder einem Blog Eurer Wahl mit „#Indiebookday“. Wenn Ihr die Aktion gut findet, erzählt davon.
Schon der erste Indiebookday 2013 bekam in den deutschsprachigen Ländern große Aufmerksamkeit. 2014 und 2015 kamen dann auch Teilnehmer in UK, Italien, den Niederlanden und Portugal dazu. 2016 gehtging es weiter!
Über Jahrzehnte war das Sprechen über Gott in der Gegenwartsliteratur verpönt. Die moderne Dichtung sei für Gottes-Diskurse nicht mehr zuständig, quasi aus der Kirche ausgetreten. Christian Lehnert widerspricht ausdrücklich der Position Gottfried Benns, der Gott als „schlechtes Stilprinzip“ bezeichnete. Der diskrete Metaphysiker Lehnert zeigt in seinen stilsicheren Gedichten das Gegenteil – und stellt sich in den folgenden Zeilen bewusst in die Tradition eines Angelus Silesius.
„Der Gott, den es nicht gibt, in mir ein dunkler Riss,
Ist meiner Seele nah, so oft ich ihn vermiss.“
In „Scharlachnatter“ präsentiert Schindel ein Deutsch in barocker Fülle, Wort für Wort, in Wortmonstern auch, eine Sprache, die sich in Neubildungen erweitert statt verkürzt, bis sie sich bisweilen in einer Art Selbstgespräch vom Leser entfernt. Dort, wo das Titeltier auftaucht, stürzt ein „Wir“ wie ein Chor auf den Leser zu: „…wir mit der Scharlachnatter im Maul wollen dir den Kopf abhauen und die Natter dir zwischen die Lippen stecken, um hernach deine Botschaften nachzureden Jochanaan.“ Man kann das Positive, das Ungiftige der Natternzunge auch negativ als Folgenlosigkeit ihrer Reden verstehen, als Leere der Prophezeiungen. Auch davon redet der Text. / Helmut Schödel, Süddeutsche Zeitung 22.9.
Robert Schindel: Scharlachnatter. Gedichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2015. 100 Seiten, 20,95 Euro. E-Book 17,99 Euro.
Auf der Leipziger Buchmesse im Veranstaltungsforum der unabhängigen Verlage „Die Unabhängigen“ wurde Nico Bleutge mit dem diesjährigen Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2016 ausgezeichnet. Der vom Börsenblatt gestiftete Preis ist mit 5.000,- Euro dotiert.
Die Laudatio hielt Lothar Müller, Feuilleton-Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, der im Jahr 2000 selbst mit dem Preis ausgezeichnet wurde.
Kommentar zur Debatte von Jan Kuhlbrodt (Postkultur)
Kritik im Sinne eines akademischen oder feuilletonistischen Krittelns kümmert mich herzlich wenig. Sie wendet sich ihrem Gegenstand nicht zu, sondern neigt sich, in ihrem Selbstverständnis, und nur da, zu ihm hinab, hält sich für klüger. Sie ist keine Kritik, weil sie ihre Ausgangsposition nicht verlässt.
Dass heißt nicht, dass Kritik ihren Gegenstand nicht überschreiten darf. Die Fähigkeit dazu aber hat sie nicht, sondern gewinnt sie in der Auseinandersetzung mit dem Gegenstand. Kritik, wie ich sie verstehe, heißt Verstehen zu lernen. Sie verändert das Werk nicht, sie verändert den Kritiker.
Die im Alter von 25 Jahren aus Israel nach Kanada ausgewanderte Autorin Ayelet Tsabari, die bis dahin Gedichte und Prosa auf Hebräisch geschrieben und veröffentlicht hatte, darüber, warum sie ihre Bücher in Englisch schreibt:
Hebrew was a dead language for 17 centuries. It was revived to serve a purpose: to unite Jews from disparate places who had no way of communicating but through the language of prayer. It is a sacred language, the language of God, the language of the Bible. Writing in Hebrew, therefore, comes with a challenge: one must find a way to describe the ordinary, the secular, and the profane in words once considered holy. And though it is what makes Hebrew fascinating and unique and utterly loveable, there was something in English’s relative newness, in its inclusiveness and accessibility, in our lack of shared history, that I found liberating. English was a clean slate, an amusement park, with a vocabulary that seemed endless.
When Samuel Beckett was asked, in 1954, why he chose to write in French, he answered: out of a “need to be ill-equipped.” In writing English, I had to commit to almost always being the least fluent person in class, to having to work harder than anyone else, to producing awful work, to being more susceptible to clichés, to having my work misunderstood, to coming last. At the same time, having to express myself in fewer words was an excellent exercise in constraint. It was a place of great vulnerability, but also, permission to fail.
petrus akkordeon fragte für die lyrikzeitung auf der leipziger buchmesse nach dem „ort der poesie“. hier seine funde.
spontan gibt es gleich zwei orte, für mich liegt sie in der luft, und auch im pflaster, wo sie die luft berührt und natürlich tief in dir drin, aber da kommt man ja nicht immer hin.
juliane blech, dichterin halle/saale
nach einem messetag. wenn sich unsere autorInnen mit uns am stand auf der couch treffen und über ihre arbeit sprechen. dann ist das schön, dann ist das ein poetischer moment.
andrea schmidt, lyrik verlegerin
der letzte private moment, in dem man sich zurücklegt.
dominik ziller, verleger
an flieszendem wasser
in einem biergarten
auf dem land
( karwendel )
tobias roth, autor
die ( poesie ) würde ich gar nicht suchen, die ergibt sich, sie ist präsent.
daniela seel, dichterin und verlegerin
ich weisz es nicht.
dominik dombrowski, lyriker
hier ist er gerade, nein, du kommst zu spät, dort, … , jeden tag zur gleichen zeit, 15.15 uhr, … ,
2 Auszüge aus dem Aufsatz von Tristan Marquardt: Zur prekären Lage der Lyrikkritik (bei Signaturen)
1
Zwar steigt die Anzahl an Rezensionen zu Lyrikbänden in den Feuilletons zurzeit erfreulicherweise wieder, doch ist sie noch immer so überschaubar, dass das Besprochene weder repräsentativ wäre, noch gefeit vor Willkür in der Auswahl. Dass etwa mein Debüt in der FAZ besprochen wurde, die Debüts vieler Kolleg_innen aber nicht, ist Zufall. Prinzipiell gilt, dass kaum eine Hand voll aktiver Rezensent_innen sich mit der neuen Lyrik so gut auskennt wie die Mehrzahl der Lyriker_innen selbst. Das erklärt auch die zurzeit regelmäßig erscheinenden Gesamtübersichten, in denen die Zeitungen sich und den Leser_innen die ‚Lage der Lyrik’ zu erschließen suchen. So sehr ich mich über diese Artikel als Anerkennung der Umtriebigkeit der Lyrik grundsätzlich freue, so kritisch sehe ich sie auf lange Sicht: Solange immer nur in toto über die Lyrik geredet wird, bleibt der fatale Eindruck einer beschaulichen Subgattung bestehen, die schon dankbar zu sein hat, wenn sie überhaupt einmal Aufmerksamkeit bekommt. Zudem können solche Übersichtsdarstellungen die auffällige Heterogenität der Gegenwartslyrik nur verkennen. Das, was zurzeit und schon seit Jahren alles passiert, ist nicht mehr übersichtlich, und deshalb ist die differenzierte Betrachtung einzelner Positionen und Publikationen alternativlos. Nur so kann auch dem Mythos von der ‚Unzugänglichkeit der Gedichte’ effektiv entgegen gewirkt werden: Während in Besprechungen bildender Kunst nie die Rede davon wäre, dass sie ‚schwer verständlich’ oder ‚zu abstrakt’ sei, geistert diese Warnung nach wie vor regelmäßig durch Gedichtband-Rezensionen.
2
Das sicherlich größte Desiderat sind neue, professionellere Orte für Lyrikkritik sowie mehr unabhängige und besser ausgebildete Rezensent_innen. Das ist angesichts der prekären Lage der Lyrikförderung schwer zu bewerkstelligen, aber nicht unmachbar. Denn in den vorhandenen Fördertöpfen und -institutionen für Lyrik spielen Rezensionen bisher keine Rolle. Die institutionelle Wertschätzung von Lyrikkritik ist minimal. Hier gilt es, dezidiert darauf aufmerksam zu machen, dass Projekte zur Lyrikförderung in Zukunft dringend auch diesen Bereich zu berücksichtigen haben. Die finanzielle Ermöglichung einer redaktionell betreuten Rezensions-Plattform etwa, die weder auf das Privatvermögen einzelner Begeisterter noch auf die Bereitschaft der Rezensierenden, für Geringstbeträge zu arbeiten, angewiesen ist, wäre von unschätzbarem Wert. Sie hätte mit Garantie positive Folgeeffekte für den Bücherverkauf und das generelle Interesse an den Autor_innen. Sie wäre Förderung in mehrfacher Hinsicht und zwar teuer, aber von vergleichbarem Nutzen wie das unverzichtbare Gedicht-Archiv lyrikline.org.
This is an excerpt from A Loaded Gun, by Jerome Charyn, who writes that Emily Dickinson was not just “one more madwoman in the attic,” but rather a messianic modernist, a performance artist, a seductress, and “a woman maddened with rage—against a culture that had no place for a woman with her own fiercely independent mind and will.”
She played the role of little girl that nineteenth-century women were meant to play. But she was far from a little girl, even if she told Higginson, “I have a little shape—it would not crowd your Desk—nor make much Racket as the Mouse, that dents your Galleries—” [Letter 265] It was one more act of seduction. She must have sensed her own monstrous powers—this Vesuvius at Home. The Brain, she would write, is wider than the Sky.
Wenn Johan Holmlund durch die Straßen seiner Wahlheimat Schwerin geht, dreht sich niemand nach ihm um. In seiner ersten Heimat Schweden ist das anders. Dort ist der jungenhafte 51-Jährige seit vielen Jahren ein Star. Nicht, weil Agneta von Abba seine Babysitterin war. Nicht, weil er seinen Vater, einen Fotografen, mehrmals zu Astrid Lindgren begleiten durfte und so auch die Dreharbeiten zu einem der „Emil“-Filme – in Deutschland heißt der Held Michel – miterlebte. Bekannt wurde Johan Holmlund durch die Band Easy, die, wie er sagt, erste schwedische Indie-Popgruppe.
(…)
Sein erster Lyrik-Band war 2010 „Jag har swimmat med Monstret“ („Ich bin mit dem Monster geschwommen“). 2014 erschien „På land“ (An Land). Und inzwischen hat er seine „Monster-Trilogie“ mit „I det nya havet“ („Im neuen Meer“) komplettiert. Es ist die Geschichte der Suche nach neuen Planeten, nach neuem Leben, die am Loch Ness in Schottland ihren Anfang nimmt und irgendwo in fernen Galaxien endet. / Norddeutsche Neueste Nachrichten
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