Gestorbene Hoffnung

In der Neuen Zürcher Zeitung ein Gespräch mit der in Deutschland lebenden syrischen Autorin Rosa Yassin Hassan. Auszug:

Als das Regime von Hafez al-Asad in den 1970er Jahren zunehmend diktatorische Züge annahm, begannen die Autoren auf historische Stoffe zurückzugreifen, da sie die gegenwärtige Situation nicht thematisieren konnten. Sie suchten Wege, wie sie ihre Botschaft zwischen den Zeilen, in Mehrdeutigkeiten und Anspielungen verbergen konnten, und das Publikum musste lernen, diese verborgenen Botschaften zu entschlüsseln. Als dann Bashar al-Asad an die Macht kam, glaubten wir, Veränderung sei möglich; er schien eine offenere Gesellschaft zu wollen, doch das war letztlich alles nur Theater. Aber diese kurze Spanne der Hoffnung reichte, um die Schriftsteller neue Wege einschlagen zu lassen. Besonders die Gefängnisliteratur trat in den Vordergrund; damals erschienen viele solche Bücher.

Tatsächlich – in Syrien?

Ja. Denn diese Bücher bezogen sich auf die Vergangenheit, auf die Repression unter Asad senior, und nicht auf die Gegenwart. Aber das dauerte nur kurz, dann starb alles wieder ab.

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