Auf der Leipziger Buchmesse im Veranstaltungsforum der unabhängigen Verlage „Die Unabhängigen“ wurde Nico Bleutge mit dem diesjährigen Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2016 ausgezeichnet. Der vom Börsenblatt gestiftete Preis ist mit 5.000,- Euro dotiert.
Die Laudatio hielt Lothar Müller, Feuilleton-Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, der im Jahr 2000 selbst mit dem Preis ausgezeichnet wurde.
Kommentar zur Debatte von Jan Kuhlbrodt (Postkultur)
Kritik im Sinne eines akademischen oder feuilletonistischen Krittelns kümmert mich herzlich wenig. Sie wendet sich ihrem Gegenstand nicht zu, sondern neigt sich, in ihrem Selbstverständnis, und nur da, zu ihm hinab, hält sich für klüger. Sie ist keine Kritik, weil sie ihre Ausgangsposition nicht verlässt.
Dass heißt nicht, dass Kritik ihren Gegenstand nicht überschreiten darf. Die Fähigkeit dazu aber hat sie nicht, sondern gewinnt sie in der Auseinandersetzung mit dem Gegenstand. Kritik, wie ich sie verstehe, heißt Verstehen zu lernen. Sie verändert das Werk nicht, sie verändert den Kritiker.
Die im Alter von 25 Jahren aus Israel nach Kanada ausgewanderte Autorin Ayelet Tsabari, die bis dahin Gedichte und Prosa auf Hebräisch geschrieben und veröffentlicht hatte, darüber, warum sie ihre Bücher in Englisch schreibt:
Hebrew was a dead language for 17 centuries. It was revived to serve a purpose: to unite Jews from disparate places who had no way of communicating but through the language of prayer. It is a sacred language, the language of God, the language of the Bible. Writing in Hebrew, therefore, comes with a challenge: one must find a way to describe the ordinary, the secular, and the profane in words once considered holy. And though it is what makes Hebrew fascinating and unique and utterly loveable, there was something in English’s relative newness, in its inclusiveness and accessibility, in our lack of shared history, that I found liberating. English was a clean slate, an amusement park, with a vocabulary that seemed endless.
When Samuel Beckett was asked, in 1954, why he chose to write in French, he answered: out of a “need to be ill-equipped.” In writing English, I had to commit to almost always being the least fluent person in class, to having to work harder than anyone else, to producing awful work, to being more susceptible to clichés, to having my work misunderstood, to coming last. At the same time, having to express myself in fewer words was an excellent exercise in constraint. It was a place of great vulnerability, but also, permission to fail.
petrus akkordeon fragte für die lyrikzeitung auf der leipziger buchmesse nach dem „ort der poesie“. hier seine funde.
spontan gibt es gleich zwei orte, für mich liegt sie in der luft, und auch im pflaster, wo sie die luft berührt und natürlich tief in dir drin, aber da kommt man ja nicht immer hin.
juliane blech, dichterin halle/saale
nach einem messetag. wenn sich unsere autorInnen mit uns am stand auf der couch treffen und über ihre arbeit sprechen. dann ist das schön, dann ist das ein poetischer moment.
andrea schmidt, lyrik verlegerin
der letzte private moment, in dem man sich zurücklegt.
dominik ziller, verleger
an flieszendem wasser
in einem biergarten
auf dem land
( karwendel )
tobias roth, autor
die ( poesie ) würde ich gar nicht suchen, die ergibt sich, sie ist präsent.
daniela seel, dichterin und verlegerin
ich weisz es nicht.
dominik dombrowski, lyriker
hier ist er gerade, nein, du kommst zu spät, dort, … , jeden tag zur gleichen zeit, 15.15 uhr, … ,
2 Auszüge aus dem Aufsatz von Tristan Marquardt: Zur prekären Lage der Lyrikkritik (bei Signaturen)
1
Zwar steigt die Anzahl an Rezensionen zu Lyrikbänden in den Feuilletons zurzeit erfreulicherweise wieder, doch ist sie noch immer so überschaubar, dass das Besprochene weder repräsentativ wäre, noch gefeit vor Willkür in der Auswahl. Dass etwa mein Debüt in der FAZ besprochen wurde, die Debüts vieler Kolleg_innen aber nicht, ist Zufall. Prinzipiell gilt, dass kaum eine Hand voll aktiver Rezensent_innen sich mit der neuen Lyrik so gut auskennt wie die Mehrzahl der Lyriker_innen selbst. Das erklärt auch die zurzeit regelmäßig erscheinenden Gesamtübersichten, in denen die Zeitungen sich und den Leser_innen die ‚Lage der Lyrik’ zu erschließen suchen. So sehr ich mich über diese Artikel als Anerkennung der Umtriebigkeit der Lyrik grundsätzlich freue, so kritisch sehe ich sie auf lange Sicht: Solange immer nur in toto über die Lyrik geredet wird, bleibt der fatale Eindruck einer beschaulichen Subgattung bestehen, die schon dankbar zu sein hat, wenn sie überhaupt einmal Aufmerksamkeit bekommt. Zudem können solche Übersichtsdarstellungen die auffällige Heterogenität der Gegenwartslyrik nur verkennen. Das, was zurzeit und schon seit Jahren alles passiert, ist nicht mehr übersichtlich, und deshalb ist die differenzierte Betrachtung einzelner Positionen und Publikationen alternativlos. Nur so kann auch dem Mythos von der ‚Unzugänglichkeit der Gedichte’ effektiv entgegen gewirkt werden: Während in Besprechungen bildender Kunst nie die Rede davon wäre, dass sie ‚schwer verständlich’ oder ‚zu abstrakt’ sei, geistert diese Warnung nach wie vor regelmäßig durch Gedichtband-Rezensionen.
2
Das sicherlich größte Desiderat sind neue, professionellere Orte für Lyrikkritik sowie mehr unabhängige und besser ausgebildete Rezensent_innen. Das ist angesichts der prekären Lage der Lyrikförderung schwer zu bewerkstelligen, aber nicht unmachbar. Denn in den vorhandenen Fördertöpfen und -institutionen für Lyrik spielen Rezensionen bisher keine Rolle. Die institutionelle Wertschätzung von Lyrikkritik ist minimal. Hier gilt es, dezidiert darauf aufmerksam zu machen, dass Projekte zur Lyrikförderung in Zukunft dringend auch diesen Bereich zu berücksichtigen haben. Die finanzielle Ermöglichung einer redaktionell betreuten Rezensions-Plattform etwa, die weder auf das Privatvermögen einzelner Begeisterter noch auf die Bereitschaft der Rezensierenden, für Geringstbeträge zu arbeiten, angewiesen ist, wäre von unschätzbarem Wert. Sie hätte mit Garantie positive Folgeeffekte für den Bücherverkauf und das generelle Interesse an den Autor_innen. Sie wäre Förderung in mehrfacher Hinsicht und zwar teuer, aber von vergleichbarem Nutzen wie das unverzichtbare Gedicht-Archiv lyrikline.org.
This is an excerpt from A Loaded Gun, by Jerome Charyn, who writes that Emily Dickinson was not just “one more madwoman in the attic,” but rather a messianic modernist, a performance artist, a seductress, and “a woman maddened with rage—against a culture that had no place for a woman with her own fiercely independent mind and will.”
She played the role of little girl that nineteenth-century women were meant to play. But she was far from a little girl, even if she told Higginson, “I have a little shape—it would not crowd your Desk—nor make much Racket as the Mouse, that dents your Galleries—” [Letter 265] It was one more act of seduction. She must have sensed her own monstrous powers—this Vesuvius at Home. The Brain, she would write, is wider than the Sky.
Wenn Johan Holmlund durch die Straßen seiner Wahlheimat Schwerin geht, dreht sich niemand nach ihm um. In seiner ersten Heimat Schweden ist das anders. Dort ist der jungenhafte 51-Jährige seit vielen Jahren ein Star. Nicht, weil Agneta von Abba seine Babysitterin war. Nicht, weil er seinen Vater, einen Fotografen, mehrmals zu Astrid Lindgren begleiten durfte und so auch die Dreharbeiten zu einem der „Emil“-Filme – in Deutschland heißt der Held Michel – miterlebte. Bekannt wurde Johan Holmlund durch die Band Easy, die, wie er sagt, erste schwedische Indie-Popgruppe.
(…)
Sein erster Lyrik-Band war 2010 „Jag har swimmat med Monstret“ („Ich bin mit dem Monster geschwommen“). 2014 erschien „På land“ (An Land). Und inzwischen hat er seine „Monster-Trilogie“ mit „I det nya havet“ („Im neuen Meer“) komplettiert. Es ist die Geschichte der Suche nach neuen Planeten, nach neuem Leben, die am Loch Ness in Schottland ihren Anfang nimmt und irgendwo in fernen Galaxien endet. / Norddeutsche Neueste Nachrichten
To be fair, [Dana] Gioia has been baffling critics for decades. During the 1980s, he was mockingly labeled as the champion of “New Formalism” because he liked to write poems in traditional rhyme and meter. It’s a critique that has always puzzled Gioia, who recognized that most people like structure to their poems.
“When I started, it was considered un-American,” he said. “But the times have changed because hip-hop has reminded intellectuals that average people like meter, rhyme and form — these are not elitist tools.” / Eli Wolfe, San Francisco Chronicle
„Frohburg“, dieses 1002 Seiten starke Porträt seiner Heimatstadt, ist ein Buch, in dem etwas festgehalten wird. Der Preis für Stolterfoht dagegen geht an ein mobileres, performativeres Verständnis von Literatur. Im vergangenen Jahr hat er den Verlag Brueterich Press gegründet. Dessen Motto „Schwierige Lyrik zu einem sehr hohen Preis“ wurde seither oft amüsiert zitiert. Das Vermarktungskonzept des Verlags heißt, man staunt, Abonnements für Neuerscheinungen. Eine trotzig-ironische Zuspitzung des Markenprinzips.
Darin stecken zwei Tendenzen des jüngeren Literaturbetriebs: der wiedererwachende Wille zum Kuratorischen und zu Literatur als „sozialer Praxis“. (…)
Bei Poetry Slams entscheidet das Publikum, welcher Vortragende gewinnt, wer verliert. Daher konzentrieren sich die dabei „performten“ Texte meist auf tragische und komische Pointen. Es besteht der implizite Zwang, alles so einfach und dadurch zugänglich wie möglich zu halten. Wer nicht verstanden wird, gewinnt auch nicht. Und darum geht es schließlich.
Dem entgegen steht die heitere Kompliziertheit, die sich Brueterich Press auf die Fahnen geschrieben hat. Dass schwierige Sprache aber zugleich als „soziale Praxis“ funktionieren kann, lässt sich an der Dichterin Uljana Wolf illustrieren. Ein paar Stunden zuvor konnte man sie noch am Arte-Stand auf der Messe bewundern, am Freitagabend trat sie im Hinterzimmer einer Leipziger Metal-Kneipe ans Mikrofon. Dumpfe Stimmen und Gitarrenmusik drücken durch die Tür.
„Sist zappenduster im gedicht, welche sprache es wohl spricht?“ In Zeilen wie diesen wandert sie mit der vorgeblich naiven Freude eines Kindes, das sprechen lernt, zwischen den Sprachen hin und her, übersetzt wörtlich und dadurch falsch, stellt Fallen, „sodass auch die festländer wieder dösen, sich lösen von allem“, bis einem auch die eigene Sprache zur Fremdsprache wird. Jedes ihrer Gedichte ist ein zugleich politischer und analytischer Akt. Ein Sturz ins Unbekannte, in dem sich, nur für einen Moment, der utopische Raum eines gegenseitigen Verstehens öffnet. / Philipp Rovermann, Süddeutsche Zeitung
Marcel Beyer hat sich durch den Schutt des eingestürzten Kölner Stadtarchivs gemaulwurft und dabei einen schönen Fund gemacht. Es sind die Dichtungen des Konrad Muskatblut, die er von Geröll und Staub befreien konnte.*
Marcel Beyer (Hrsg.): Muskatblut, Muskatblüt Zwiesprachen Eine Reihe des Lyrik Kabinett München Hrsg.: Ursula Haeusgen und Holger Pils 32 Seiten, Verlag das Wunderhorn, 15,80 Euro
Zonic präsentiert: »Die Pop-Texte-Transformationsshow« Buchmessemitschnitt aus der Nato zu songtextlichen Übertragungsverhältnissen mit Michael Gratz, Martina Lisa, Robert Mießner und Alexander Pehlemann. Mit germanisierten Lyrics von Wire, Už jsme doma, Graschdanskaja Oborona, Psí vojáci, A. E. Bizottság, Spions, Armia u. v. a. m.
Bei Radio Blau am Montag, 21.3. von 20-22 Uhr (Nachhören)
Thomas Havliks Stimme ist ein Glücksfall. Schnarrend und nuschelnd wienerisch, nie kunstlos motzend, rettet sie viel von dem, was aus dem Beiheft (stumm oder halblaut) abgelesen, sich bemüht lieblos, übellaunig, überkandidelt läse: „Wieviele Zikaden sind notwendig, wieviele Ichs/ Um das Schnalzen der gerissenen Sehne zu übertönen/ Welcher Akt. Für das Honorar, das mir dieses Gedicht/ Einbringt, werde ich mir ein weiteres Gedicht zulegen// Anfang April. Pyramidenspiel. Pollenallergie.“ (aus „30 Milliarden Silben“) Es ist das alte Hin und Her zwischen den Weltbewältigungskonzepten Phantasie und Einbildungskraft, wodurch Tempo und Peripetien ermöglicht werden: Die Einbildungskraft (die vielgesungene ‘Kreativität’ von heute) als ein gestalterisches Vermögen, das auf teilbare und tradierbare Bestände von Werten zurückgreift (hier: Redensarten, Kollokationen, Anspielungen, Reiz-Reaktions-Muster); vergleichsweise asozial die Phantasie, die von einem logizistischen Standpunkt aus betrachtet seit jeher im Verdacht steht, mit allerlei pathologisch subversiven Mächten im Bunde zu sein. InSyllablesshooter – 30 Milliarden Silben sind beide Konzepte einigermaßen gleichberechtigt vorhanden, ohne dass eine vermittelnde Instanz ein Urteil über die Stimmenmontage oder das Aufeinanderprallen der beiden genannten Konzepte spräche. Sonst entstünde eben auch wieder eine (unerwünschte) Hierarchie.
(…) Das Nationalratsgebäude in Wien und die Staatskanzlei in München sollten 24/7 damit beschallt werden. / Konstantin Ames, Signaturen
Thomas Havlik: Syllablesshooter – 30 Milliarden Silben. Wien (edition zzoo/audiobeans) 2015. 72 min. lautpoesie und soundpoetry. 17,50 Euro
… renommierte Literaturverlage wie Hanser, Fischer, Beck winkten ab: zu exotisch, zu wenig gesponsert.
Denn die bei einem Ehrengast-Auftritt übliche Übersetzungsförderung kam zu spät – zu lange hatte die Regierung in Jakarta geglaubt, man könne deutsche Übersetzer und Übersetzerinnen nach indonesischen Tarifen honorieren. Noch im Januar 2015 sass Husni Syawie, der Vorsitzende des Verlegerverbandes, bei 36 Grad Hitze in seinem eiskalt klimatisierten Büro in Jakarta und wartete händeringend auf die Zusage der nötigen Mittel durch das Kulturministerium. Als sie kam, hatten deutsche Verlage ihr Programm längst ohne die Indonesier geplant. Goenawan Mohamad, der den Frankfurter Messeauftritt kuratierte, hatte zumindest eigene Gedichte und die Romane seiner Autorinnen Ayu Utami und Leila Chudori bei deutschen Verlagen untergebracht. / Cornelia Zetzsche, Neue Zürcher Zeitung
Indonesiens moderne Lyrik ist stark vom Westen inspiriert – nicht zuletzt auch von deutschen Dichtern. Den einflussreichsten unter ihnen hat der 1962 geborene Dichter und Übersetzer Agus R. Sarjono vor fünf Jahren mit seinem Gedichtzyklus «Lumbung Perjumpaan» ein Denkmal gesetzt. Da heisst es etwa über Brecht: «Kaum hatte er die Lieder / der Dreigroschenoper vorgetragen, / verschlug es Brecht in Asphaltstädte. / Und er murrte, / dass es eine schlechte Zeit für Lyrik sei. / Gibt es denn / gute Zeiten für Lyrik?»
Sarjonos lyrische Frage hat prosaische Sprengkraft: Wie sind denn die Zeiten für indonesische Lyrik in Übersetzung? Sie sind – man muss es drastisch sagen – erbärmlich! Das Licht der deutschsprachigen Welt erblickten 2015 anlässlich von Indonesiens Auftritt als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse nur gerade eine Anthologie und drei schmale Gedichtbände.
Eigentlich müsste Sarjonos Frage heissen: Was fehlt? Es fehlt zum Beispiel eine Übersetzung von «Lumbung Perjumpaan», stattdessen gibt es von ihm die schmale Werkauswahl «Gestatten, mein Name ist Trübsinn». Solche Auswahlbände sind die Norm; selten werden Originalpublikationen indonesischer Dichter übersetzt, also Bände, die poetische Konzeptionen und ideologische Kontexte sichtbar machen. 1978 hat man immerhin sämtliche Gedichte von Chairil Anwar (1922–1949) übersetzt, dem Dichter, der am radikalsten die Hinwendung zum modernen Individualismus vollzog. Einen integral übersetzten Gedichtband gab es 1991 auch von Rendra (1935–2009), Regisseur, Theatermann und der eindrucksvollste indonesische Poet, der in der bleiernen Zeit unter Suharto mit offen politischer Agenda auftrat.
Nun sind die bisher genannten Dichter in einer grossen Anthologie enthalten: «Sprachfeuer» stellt insgesamt 28 Lyrikerinnen und Lyriker mit 223 Gedichten aus acht Jahrzehnten vor. Übersetzt hat sie allesamt Berthold Damshäuser, der mit Novalis davon ausgeht, dass der Übersetzer der Dichter des Dichters ist. / Martin Zähringer, Neue Zürcher Zeitung 19.3.
Agus R. Sarjono: Gestatten, mein Name ist Trübsinn. Übersetzt von Berthold Damshäuser. Verlag regiospectra, Berlin 2015. 112 S., € 14.90. Berthold Damshäuser (Hg.): Sprachfeuer. Verlag regiospectra, Berlin 2015. 374 S., Fr. 31.90. Dorothea Rosa Herliany: Hochzeit der Messer. Deutsch von Brigitte Oleschinski und Ulrike Draesner. Verlagshaus Berlin, Berlin 2015. 236 S., Fr. 26.90. Goenawan Mohamad: Don Quijote. Übersetzt von Sabine Müller. Sujet-Verlag, Bremen 2015. 69 S., Fr. 26.90.
Neulich bei einer Tagung zur zeitgenössischen Kinderpoesie brachte es der legendäre Herausgeber Hans-Joachim Gelberg auf den Punkt: „Es ist fatal – bist du einmal als Kinderdichter eingeordnet und eingezäunt, kommst du nicht mehr auf die Weide, wo die großen Tiere sind.“ Die Rede war vom Dichter Josef Guggenmos, der nahezu in jedem Schullesebuch vertreten ist, an dem der große Literaturbetrieb aber vorbeigerauscht ist. / Arne Rautenberg, FAZ
Ein Kommentar von Daniella Jancsó zu Rautenbergs Artikel:
Es ist alles richtig und schön, was Arne Rautenberg über die Bedeutung von (Kinder)lyrik für unsere Zeit sagt (“Möge die gemeine Hundsrose blühen!”, F.A.Z. vom 5. März). Nur sein Appell für mehr öffentliche Aufmerksamkeit geht am Wesen der “Sache” (seiner “Mission Poesie”) vorbei. Die Dichtung braucht weder Plädoyers noch Preise. Was sie hingegen gut gebrauchen kann, sind leidenschaftliche Vermittler – Lehrer, Lyriker, Leser. Sie können – im Gegensatz zu Literaturpreisen und Sonntagsreden über Lyrik – viel bewirken. In diesem Zusammenhang wäre neben Arne Rautenbergs Engagement auch das Projekt “Lust auf Lyrik” des Münchner Lyrik Kabinetts zu erwähnen. Seit vielen Jahren eröffnen Lyriker und Lyrikerinnen Schülern und ihren Lehrern spielerische Umgangsformen mit poetischen Texten. Undogmatische Herangehensweisen haben sich auch an der Universität bewährt. Die Erfahrung zeigt, daß Studentinnen und Studenten sehr wohl für Lyrik zu begeistern sind, sofern es dem Dozenten gelingt, den Zauber der Dichtung, den Rautenberg so eloquent beschreibt, in einer Seminardiskussion real erfahrbar zu machen.
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