Lawrence Joseph , 54, is an olive-skinned Arab-American poet, a child of working-class immigrants who went on to become a professor at St. John’s University School of Law. His poems, published by Farrar, Straus & Giroux, struggle with the endemic violence in American culture, the dislocation of exile, the lives of common men and women, especially immigrants, and his own battle with God. They are set in bars, small grocery stores, factories and desolate city lots. He deals with all the curses of urban life — racism, murder, poverty, sickness, loneliness, work and suffering. Yet at his core he believes that evil is only finally challenged, if not vanquished, by love.
„I want to capture the mysterious circumstances of being alive today in America,“ he said. / New York Times *) 3.4.02
Die dreißig Bilder vom Erzählen (S. Fischer), illustriert mit Radierungen von Horst Hussel, markieren Wolfgang Hilbigs Rückkehr zu seinem kreativen Ursprung, der Lyrik: abwesenheit hieß sein – westdeutsches – Debüt von 1979. „Nun bin ich alt und in den Staub geworfen“, setzt resignativ das Gedicht „Nach der Prosa“ ein, doch kann es wie so viele andere den appellativen Hang nicht verbergen. Es sind die Gedichte eines Urtümlichen, den man in der Epoche des Sturm und Drang ein Originalgenie genannt hätte. Er adaptiert Die Lesefrüchte der klassischen Moderne – T.S. Eliot, Arthur Rimbaud – adaptiert er nicht einfach, sondern propft sie seinem Erfahrungshintergrund auf. Das macht die Bilder des Erzählens zu Solitären.
Hilbigs Utopie der sächsischen Wälder, von denen es in „Mond.Verlust der Gewißheit“ heißt, sie seien „längst entweht“, verbindet ihn mit Peter Huchel , dem Metaphoriker des Waldes. Auch Hilbigs lädiertes lyrisches Ich schöpft auf der Odyssee durch die Jahrzehnte Kraft aus der Rückkoppelung an die Elemente, gefiltert durch dichterische Einsamkeit: durch die Braunkohle hin zum Mondlicht – in dem das Ich dann zu kentern droht. Selten hat der Peter-Huchel-Preis, dotiert mit 10.000 Euro, einen würdigeren Kandidaten gefunden. Wolfgang Hilbig erhält ihn heute an Huchels neunundneunzigstem Geburtstag in Staufen bei Freiburg, einer waldreichen Gegend. / Katrin Hillgruber, FR 3.4.02
Die „Märkische Allgemeine“ druckt aus diesem Anlaß ein Interview mit Hilbig.
Zum 80. Geburtstag des spanischen Dichters José Hierro schreiben heute u.a. der Reutlinger General-Anzeiger und die FAZ (dort gratuliert Paul Ingendaay, aber nicht online). 3.4.02
Die „Kleine Zeitung“ (3.4.02) schreibt über die Kärntner Haiku-Schreiberin Erna Hahn .
Wenn Lyrik im „Spiegel“, muß schon irgend etwas Nachrichtenwürdiges
Großmaul vom Gardasee . Zoten, Sex und Pornografie – ein Altphilologe hat den vulgärsten Dichter Roms neu entdeckt. Sein Name: Catull . Aus dem Inhalt:
Und was sagte Cäsar? Ignorierte er den Tunten-Vorwurf? / Erfahren Sie die ganze Wahrheit im “ Spiegel “ 14/2002 (mit erotischen Fresken).
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Die erste Wahl (am 2. April 2002) fällt übrigens auf – Catull . (Wenn auch nicht, s.o., pornographisch):
I hate and I love. And if you ask me how,
I do not know: I only feel it and I’m torn in two.
Deutsch von Raoul Schrott so:
Ich hasse und ich liebe – warum fragst du vielleicht
ich weiß es nicht ich fühl´s – es kreuzigt mich
(Die Erfindung der Poesie. Gedichte aus den ersten viertausend Jahren. Eichborn 1997, S. 167)
– Wer dem „Spiegel“ glauben mag, ein Altphilologe und ein Nachrichtenmagazin hätten soeben den wahren (also pornographischen) Catull entdeckt, lese auch hier nach:
– Oder, wem das zu neutönerisch vorkommt:
yet despite the best efforts of poet laureates, poetry slammers and celebrity authors such as Jewel and Jimmy Carter, poetry remains, as it has for years, a tiny blip on the screen of American consciousness, less important to how we live today than patchouli, say, or lint. / schreibt Elizabeth Gold , Salon.com April 2, 2002 (und weiß Abhilfe – wenn der geneigte Leser sich an Emily Dickinson, T.S.Eliot oder Walt Whitman orientieren möchte!).
In der Washington Post befaßt sich Edward Hirsch mit dem ersten namentlich bekannten Dichter in englischer Sprache, einem Analphabeten aus dem 7. Jahrhundert, Caedmon , Auszug:
Here is a literal translation of the inspired poem called „Caedmon’s Hymn.“ The odd spacing is from the original.
Now must we to praise of heaven’s kingdom the Keeper
Of the Lord the power and his Wisdom
The work of the Glory-Father, as he of marvels each,
The eternal Lord, the beginning established.
He first created of earth for the sons
Heaven as a roof, the holy Creator.
Then the middle-enclosure of mankind the Protector
The eternal Lord, thereafter made
For men, earth the Lord almighty.
Washington Post 31.3.02
Die neuste Ausgabe der Zeitschrift „neue deutsche literatur“ druckt drei Gedichte aus einer für dieses Frühjahr angekündigten Nachlaßpublikation bei Aufbau. Eins davon ist jedoch schon einmal, viel früher, ebenfalls bei Aufbau erschienen. „Die wenig gelungenen Stellen“ steht unter dem Titel „Auswahl“, aber sonst wortgleich, auf Seite 515 in Band 6 der Gesammelten Werke von – Johannes R. Becher . Gedruckt 1973. Es steht in der übrigens interessanten Abteilung „Nachlese“ – Gedichte, die Bechers Selbstzensur 1956/57 zum Opfer fielen. Vielleicht hat Inge Müller es im Nachlaß Bechers in der Ostberliner Akademie der Künste gefunden und abgeschrieben? – Ein schöner Beleg für Adolf Endlers These, daß die junge DDR-Lyrik der 60er Jahre ihre Form von Brecht , ihren Geist von Becher hatte. Becher nämlich schrieb 1956 – nach langer Schaffenskrise – eine Reihe antidogmatischer Gedichte – und versteckte sie sogleich wieder, indem er die schärfsten wegließ und andere stutzte. Der gestutzte Rest erschien in dem Band „Schritt der Jahrhundertmitte. Neue Dichtungen“1959 und enthält die Kritik am Stalinismus nur noch in sehr allgemeiner Form und eingepackt in sozialistische Preislieder. Auch die Veröffentlichung in der Werkausgabe (über 20 Bände!) änderte wenig an dem geschönten Becherbild, an dem die DDR-Literaturwissenschaft und -Schule bis zum Schluß festhielten. / EB, -tz März 2002
blau ist glaub
ich eisenhut der hier so spät noch blüht
schreibt Norbert Hummelt, und Steffen Jacobs kommentierts in seiner Kolumne. / Die Welt 30.3.02
„Die Gedichte, die er Tag für Tag schreibt“, liest man in Peter Härtlings schönem, sehr persönlichem Nachwort, „sind nicht mehr nur Gedichte, sie haben sich befreit von der Anstrengung, ein Gedicht sein zu wollen.“ Das ist gewiss richtig, ändert aber nichts am Vollkommenheitsstatus einer erstaunlich großen Zahl dieser mit scheinbarer Beiläufigkeit und mitreißender Geläufigkeit aufgezeichneten Verse. Er ist unüberhörbar und kann nur bewundernd und dankbar registriert werden. Ein „Achtzeiler“ aus dem September 1998 lautet so: „Zu viel wär übertrieben. / Zu wenig: wenig wert. / Und was ich aufgeschrieben, / was ich verdammt, verehrt, / ist schließlich aufgezehrt. / Nichts ist davon geblieben. / Was bleibt, sind leere Hände: / so geht die Zeit zu Ende.“ / Albert von Schirnding, Süddeutsche 30.3.02
KARL KROLOW: Im Diesseits verschwinden. Gedichte aus dem Nachlass. Herausgegeben von Peter Härtling und Rainer Weiss. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002. 240 Seiten, 19 Euro
NZZ druckt am Gründonnerstag ein Wiesengedicht von Emily Dickinson (wie immer: Zeilenumbruch selbst dazudenken; oder Zeitung kaufen). / NZZ 28.3.02
In der FAZ schreibt Rainer Bayreuther über das pietistische Passionslied:
Der Pietist glaubt das Leiden Jesu nicht nur, er sucht es auf, er begibt sich in möglichst heiße und psychisch stimulierende Nähe zu ihm. Hier eröffnen sich neue, unbegrenzte Möglichkeiten für die Bildersprache. Die Passionsmetaphorik hat sich den Persilschein der Selbstbezüglichkeit ausgestellt. Ihre Triftigkeit wird allein von der Phantasie des frommen Virtuosen selbst eingelöst. Ein im Pietismus vielgesungenes Passionslied eines anonymen Verfassers spiegelt den frischen Zufluß poetischer Sprache wider: „Du Balsamsitz, du Rosentür, / du reicher Mund, durch den sich mir / mein Heilstrom ausgegossen; / ach wasch doch ab und schweif geschwind / von meiner Brust weg alle Sünd.“ Die Rosentür – das ist die Seitenwunde, die Jesus durch den Speerstich eines römischen Soldaten zugefügt worden war. Durch sie konnte man nun aus- und eingehen, sich in ihr einrichten. Der intendierte Psychoschmerz (man wollte ja leiden) wurde zum wohligen Schauer. Nikolaus Graf Zinzendorf, der in den 1730er Jahren im hessischen Herrnhag eine Schar Erweckter um sich sammelte, trieb den Seitenhöhlen-Kult auf die Spitze: Das blutrot gestrichene Portal zum Versammlungssaal hatte die Form einer überdimensionierten Seitenhöhle. Die Ähnlichkeit mit einer Vagina war sicher reiner Zufall. / FAZ 28.3.02
„Altklug“ kann nämlich immer auch „frühreif“ bedeuten, und von solcher frühen Reife legen Filips ‚ Gedichte Zeugnis ab. Nicht, dass immer alles gelungen wäre, nein, aber Zeilen wie „Die Zeit ist lang. Du brauchst sie nicht zu hetzen“ lassen einen plötzlich innehalten und werden genau dadurch konkret. Sie realisieren sich im Vorgang des Lesens. Da ist schon Kunst, wo der Leser selbst zum Subjekt seiner Lektüre gemacht wird. Und so ist er denn auch für den Zauber etwa der folgenden Heine-Paraphrase bereit: „Den Verschluß an die Wand / schleudern, aufprallen lassen, zurück- / kommend fangen, an der Flasche / nippen und immerzu / mit dem Zeigefinger / an die Stirn tippen, / da die Flammenschrift / auch heute nicht / antwortet.“ Ganz zu schweigen von der eleganten Frechheit, mit Mallarmé knobeln zu wollen: „zerfallen entschlüsse wie augenblicke, / die sich in falten legen, und wieder // sieh, zähl und fall“. / Alban Nicolai Herbst, FR 28.3.02
Christian Filips: Schluck Auf Stein. Gedichte. Elfenbein Verlag, Berlin 2001, 97 Seiten, 12,- .
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