Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Volker Braun (* 7. Mai 1939 Dresden) SHAKESPEARE INTERLINEAR Ich bin es müde und will meine Ruhe. Statt anzusehn, wie Leistung betteln geht Und Dürftigkeit sich trimmt zu Festtagsschmu Und Selbstvertraun nicht zu sich selber steht Und Ehrenspangen schamlos mißplaciert Und Jugendgradheit rasch verkommen… Continue Reading „Volker Braun 80“
Christian Morgenstern (* 6. Mai 1871 in München; † 31. März 1914 in Untermais, Österreich) Das Butterbrotpapier Ein Butterbrotpapier im Wald, – da es beschneit wird, fühlt sich kalt . . . In seiner Angst, wiewohl es nie an Denken vorher irgendwie gedacht, natürlich,… Continue Reading „Das Butterbrotpapier“
Wilhelm Lehmann (* 4. Mai 1882 in Puerto Cabello, Venezuela; † 17. November 1968 in Eckernförde) AUF SOMMERLICHEM FRIEDHOF (1944) In memoriam Oskar Loerke Der Fliegenschnäpper steinauf, steinab. Der Rosenduft begräbt dein Grab. Es könnte nirgend stiller sein. Der darin liegt, erschein, erschein! Der… Continue Reading „Friedhof 1944“
Eine Seite der „Aktion“, 18. Juni 1913 Else Lasker-Schüler Doktor Benn Er steigt hinunter ins Gewölbe seines Krankenhauses und schneidet die Toten auf. Ein Nimmersatt, sich zu bereichern an Geheimnis. Er sagt: „tot ist tot“. Dennoch fromm im Nichtglauben liebt er die Häuser der… Continue Reading „Dialog“
Konrad Weiß (* 1. Mai 1880 in Rauhenbretzingen bei Schwäbisch Hall; † 4. Januar 1940 in München) Der Mond Ein abgebrochenes Stück, Dem goldnen gleich vom Pol Herabgedrückt zum Hohl Der bangen Mitternacht, Bleibt ihm mit scharfem Rand zurück, Wem? Diesem, der da blickt,… Continue Reading „Mond“
Johann Wolfgang von Goethe Hatem Locken, haltet mich gefangen In dem Kreise des Gesichts! Euch geliebten braunen Schlangen Zu erwidern hab‘ ich Nichts. Nur dies Herz, es ist von Dauer, Schwillt in jugendlichstem Flor; Unter Schnee und Nebelschauer Ras’t ein Ätna dir hervor. Du… Continue Reading „Hatem“
Die Natur im Nordosten ist langsamer. Dieses Jahr aber zwei Wochen früher. Deshalb ein Mailied, ein altes von Rügen. Wald und Feld liegen ausgebreit’ in wundervoller Farben Kleid; die süßen Vögelein sind schon da. Sie üben ihren süßen Schall fröhlichen Herzens überall mal ich… Continue Reading „Wizlaw schrieb das“
Christiana Büsching (auch Christiane Büsching, geborene Polyxena Christiane Auguste Dilthey; * 11. Dezember 1728 in Köthen, Anhalt; † 22. April 1777 in Berlin) Aus: Zufällige Gedanken bey dem Rath einiger Freunde, sich in mehreren Wissenschaften zu üben Ja meine unschuldsvolle Lieder, Die nur Natur… Continue Reading „Zufällige Gedanken bey dem Rath einiger Freunde“
Zu dem Leser dieser nachfolgenden Büchlein Ulrich von Hutten Die Wahrheit ist von neuem geborn, Und hat der Betrug sein Schein verlorn, Des sey Gott jeder Lob und Ehr, Und acht nicht fürder Lügen mehr Ja, sag ich, Wahrheit was verdruckt, (a)… Continue Reading „Die Wahrheit ist von neuem geborn“
Ludwig Meidner (* 18. April 1884 in Bernstadt an der Weide, Schlesien; † 14. Mai 1966 in Darmstadt) Hymne auf die schwarze Fassade am Rande der Nacht Abendröte, windige, du enteilst? Ihr Türen, ihr schnarchenden Türen. Ihr Treppen, ihr Flure, ihr wilden, wilden Fenster.… Continue Reading „Hymne auf die schwarze Fassade am Rande der Nacht“
Gustav Sack (* 28. Oktober 1885 in Schermbeck; † 5. Dezember 1916 bei Finta Mare, Rumänien) Litteraten Wie sich das spreizt und plusternd bläht, wie sich das auf den Hacken dreht, wie sich das neigt und artig schwänzelt und zierlich umeinander tänzelt, wie sich… Continue Reading „Litteraten“
Johannes Bobrowski (* 9. April 1917 in Tilsit, heute Sowjetsk; † 2. September 1965 in Berlin) Das verlassene Haus Die Allee eingegrenzt mit Schritten Verstorbener. Wie das Echo über die Luftsee herab kam, auf dem Waldgrund zieht Efeu, die Wurzeln treten hervor, die Stille… Continue Reading „Die Allee eingegrenzt mit Schritten Verstorbener“
Johann Christian Günther (* 8. April 1695 in Striegau/Schlesien; † 15. März 1723 in Jena) Trostaria Endlich bleibt nicht ewig aus, Endlich wird der Trost erscheinen, Endlich grünt der Hofnungsstrauß, Endlich hört man auf zu weinen, Endlich bricht der Thränenkrug, Endlich spricht der Tod:… Continue Reading „Trostaria“
Johann Michael Moscherosch (* 5. 3. 1601 Willstätt bei Kehl, † 4. 4. 1669 Worms) Denn die Großen will niemand erzürnen, sondern es will jeder bei ihnen ein Gut oder Lehen verdienen, und es bleibt bei ihnen Gewalt für Recht. Ich bin ein Herr… Continue Reading „Ich bin das Recht“
Peter Huchel (* 3. April 1903 in Lichterfelde bei Berlin; † 30. April 1981 in Staufen i. Br.) Psalm Daß aus dem Samen des Menschen Kein Mensch Und aus dem Samen des Ölbaums Kein Ölbaum Werde, Es ist zu messen Mit der Elle des… Continue Reading „Psalm“
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