Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Ingeborg Bachmann (* 25. Juni 1926 in Klagenfurt; † 17. Oktober 1973 in Rom) VERZICHT Meine Haut trägt noch einen Atem, meine Hand hält noch sein Geschlecht mein Mund wölbt sich noch über Mitternacht mein Begehr bist noch du Was ist mein Begehr, wenn… Continue Reading „Noch“
Alfred Grünewald (* 17. März 1884 in Wien; † 9. September 1942 in Auschwitz) Geheimnis Als sie mich fragten, woher ich kam, verriet ich keinem, von dir. Und als sie mir sagten: »Du glühst wie in Scham«, kühlt ich die Wangen mir. Und als… Continue Reading „Als sie“
Oskar Kanehl (* 5. Oktober 1888 in Berlin; † 28. Mai 1929 ebenda) Die Stadt I Wie geile Tiere aneinander gedrängt, steinerne Kasernen. Aus einem Dachstuhl steigt ängstlich und ungehörig die Sonne. Aufgespießt von einem Fabrikschornstein und rußgeschändet fällt sie zurück. Maschinenlärmbetäubt und stauberstickt… Continue Reading „Stadt“
Paul Boldt (* 31. Dezember 1885 in Christfelde, Westpreußen; † 16. März 1921 in Freiburg im Breisgau) DAS GESPENST Wie weiß der Sommer ist! Wie Menschenlachen, Das alle Tage in der Stadt verschwenden. Häuserspaliere wachsen hoch zu Wänden Und Wolkenfelsen, die mich kleiner machen.… Continue Reading „Das Gespenst“
Jedes Jahr im Mai fallen mir vier, nein drei Worte der Dichterin Eva Strittmatter ein, jedes Jahr wenn dem Rotdorn das Rot aufgeht, die Worte, es ist ein Vers, vier Trochäen: Rotdorn meiner Kinderjahre Jetzt lese ich das Gedicht nach, es ist fast ein… Continue Reading „Rotdorn meiner Kinderjahre“
Zum Tag der kyrillischen Schrift (zumindest wie er in Bulgarien begangen wird) heute etwas nicht von einem bulgarischen Dichter, sondern von einem russischen. Bulgarisch, russisch, deutsch, was ist schon die Herkunft, geschweige die Staatsangehörigkeit, heute entscheidet die SCHRIFT. Valeri Scherstjanoi wurde am 3. September… Continue Reading „Scribentisch“
Max Herrmann-Neiße (* 23. Mai 1886 in Neiße, Schlesien; † 8. April 1941 in London) Unserer Ohnmacht Grabgesang Ob wir auch zürnen — wir vermögen nichts! Und keine Schindel fällt um uns vom Dache; wenn ich auch noch so spöttisch ihrer lache und nehme… Continue Reading „Wir“
Johannes R. Becher (* 22. Mai 1891 in München; † 11. Oktober 1958 in Ost-Berlin) MUND OB MUND Mund ob Mund – Deine Hand auf meiner Stirn –: Geliebte was fiel noch schwer?! Frieden wär. Und Völker Umarmende sich. Heiliger Bund. Unsere Menschenschritte klirrten… Continue Reading „Mund ob Mund“
Heute vor 110 Jahren, 1910: Die Erde durchquert den Schweif des Halleyschen Kometen. Kurz zuvor hatten Astronomen darin das giftige Gas Dicyan entdeckt. »In Chicago dichteten Menschen Tür- und Fensterritzen mit Lappen ab. Aus Konstantinopel wurde berichtet, Tausende hätten in Nachthemden auf ihren Hausdächern… Continue Reading „Hinter dem Sternenkopfe des Kometen“
Jakob van Hoddis Postskriptum des Magiers: Galgenlied Das Ur-Ich und die Ich-Idee Gingen selbander im grünen Klee: Die Ichidee fiel hin ins Gras, Das Ur-Ich wurde vor Schreck ganz blaß. Da sprach das Ur- zur Ichidee: »Was wandelst du im grünen Klee?« Da sprach… Continue Reading „Auch ein Galgenlied“
Jakob van Hoddis Der Morgen des Philosophen Er spricht: »Nicht ängstlich an Gestaden Auf offnem Meere will ich baden (Ha! der Vergleich ist ein gewagter!): Ich werde frei vom Frohn der Zeiten Zum kosmisch-schöpferischen schreiten.« – (Kosmisch, sagt er.) Er wandelt kühn um seinen… Continue Reading „Morgen des Philosophen“
Jakob van Hoddis (* 16. Mai 1887 in Berlin; ermordet 1942 in Sobibór, Generalgouvernement) Nachlassfassung, Marbach Varieté XI Draußen Die Sommernacht ist schwer nur zu ertragen! Vier Herren gehn mit abgeknöpftem Kragen. Ein Lackbeschuhter stellt der Schnepse nach … Da polterts her – Ein… Continue Reading „Zwei Fassungen“
Wilhelm Klemm (* 15. Mai 1881 in Leipzig; † 23. Januar 1968 in Wiesbaden) Asia Komm näher, mein Asien! Durch deine Klüfte Galoppieren noch immer die Reiter der Makedonen, Alexander ist nicht gestorben! Und die trüben Geister der Lüfte Verlassen dich nicht, noch die… Continue Reading „Asia“
Martin Winter es es ist alles die geschichte es ist alles ein gedicht es ist alles bei tabori es ist alles einfach nicht es ist alles sarajewo es ist alles tiananmen es ist alles Srebrenica es ist alles nicht so schoen es ist alles… Continue Reading „Es“
Am 12. März 1918 wird der Dichter Frank Wedekind (* 24. Juli 1864 in Hannover; † 9. März 1918 in München) begraben. Bertolt Brecht Zu Wedekinds Begräbnis Sie standen ratlos in Zylinderhüten. Wie um ein Geieraas. Verstörte Raben. Und ob sie (Tränen schwitzend) sich… Continue Reading „Zu Wedekinds Begräbnis“
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