Der Dorfdadaist

Hugo Ball 

(* 22. Februar 1886 in Pirmasens; † 14. September 1927 in Sant’Abbondio-Gentilino, Schweiz)

Der Dorfdadaist

In Schnabelschuhen und im Schnürkorsett 
Hat er den Winter überstanden,.
Als Schlangenmensch im Teufelskabinett 
Gastierte er bei Vorstadtdilletanten.

Nun sich der Frühling wieder eingestellt 
Und Frau Natura kräftig promenieret, 
Hat ihn die Lappen- und Atrappenwelt 
Verdrossen erst und schließlich degoutieret.

Er hat sich eine Laute aufgezimmert 
Aus Kistenholz und langen Schneckenschrauben.
Die Saiten rasseln und die Stimme wimmert, 
Doch läßt er sich die Illusion nicht rauben.

Er brüllt und johlt, als hinge er am Spieße. 
Er schwenkt jucheiend seinen Brautzylinder. 
Als Schellenkönig tanzt er auf der Wiese 
Zum Purzelbaum der Narren und der Kinder ...

Aus: VERSENSPORN Heft für lyrische Reize Nr. 47: Hugo Ball . Jena: Edition Poesie schmeckt gut, 2021, S. 27f

Broschur, Klammerheftung 36 Seiten Umschlagmotiv: Marcel Janco Erste Auflage 2021: 120 Exemplare Preis: 4,00 €. Beilage: Mini-CD mit Lautgedichten von Ball, gesprochen von Salome Kammer

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